Was wurde eigentlich aus…? 02.05.2019, 09:05 Uhr

Wasserstoff-E-Bike „Alpha“ ab 2020 auf dem Markt

2016 sollte das erste mit Wasserstoff angetriebene Fahrrad verkauft werden, doch „Alpha“ verzögerte sich. Bis nächstes Jahr, dann soll das Warten ein Ende haben. Die Brennstoffzellentechnologie verspricht einen geringeren CO2-Fußabdruck und schnellere Ladevorgänge. Außerdem möchte Pragma Industries die Trittunterstützng revolutionieren.

Wasserstoff-Bike Alpha mit Camouflage

So soll das erste verkaufsfertige Wasserstoff-E-Bike aussehen.

Foto: Pragma Industries

Frau neben dem Wasserstoff-Bike Alpha

Ein Leichtgewicht wird es nicht.

Foto: Pragma Industries

Kette des Wasserstoff-Bike Alpha

Dafür hat es eine elektrische Tretunterstützung.

Foto: Pragma Industries

Wasserstoff-Fahrrad Alpha vor Windrädern

Und umgeht die Schwierigkeiten der Li-Ion-Technologie.

Foto: Pragma Industries

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Auf der Consumer Electronics Show 2019 in Las Vegas wurde ein weiterentwickeltes Konzept des Alpha-E-Bikes der französischen Firma Pragma Industries vorgestellt. Ein trittunterstütztes Fahrrad mit Brennstoffzellentechnologie, das mit Hilfe von Wasserstoff den Strom für den Elektromotor bereitstellt. Die chemische Reaktion findet innerhalb der bereits von Toyota genutzten PEM-Batterie statt, der sogenannten “Proton Exchange Membrane”-Batterie. Diese erzeugt nichts als Strom und harmlosen Wasserdampf. Umweltfreundlich und effektiv ist das derzeitige Motto der Fahrradindustrie. Deshalb soll das H2-Bike Alpha von Pragma Industries trotz langer Verzögerung im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Das Design sowie das komplette System wurden vom Unternehmen selbst realisiert.

Prototyp des H2-Bikes Alpha stammt aus 2017

Ursprünglich sollte 2016 das erste Wasserstoff-Bike verkauft werden. Doch der erste voll funktionsfähige Prototyp der Wasserstoff-E-Bike-Serie wurde erst im Jahr 2017 unter dem Namen “Alpha” veröffentlicht. Die Vision: Das Fahrrad sollte verschiedene Technologien der Wasserstoffbatterie vereinen und auf ein einziges Fortbewegungsmittel komprimieren. Die Absicht des Unternehmens, ein trittunterstütztes Fahrrad zu kreieren, das den Fahrer auf umweltfreundliche Weise zum Ziel bringt, nahm in diesem Prototyp Gestalt an.

Normalerweise kämpfen Fahrräder mit tretabhängigen Elektroantrieben mit den Nachteilen herkömmlicher Lithium-Ionen-Akkus: geringe Reichweite, selbstentladende Batterien und Ladezeiten von bis zu 11 Stunden können eine ausgedehnte Fahrradtour zur Strapaze machen. Mit der neuen Brennstoffzellentechnologie von Pragma Industries soll sich die Wartezeit auf wenige Minuten verkürzen lassen. Der Clou: Statt Strom fließt hochkomprimiertes Gas durch die Leitungen. Die Reichweite einer einzigen Wasserstoffkartusche beträgt dabei laut Angaben des Herstellers bis zu 100 Kilometer.

Zusätzlich ist das Alpha-Bike trotzdem mit einem Lithium-Ionen-Akku ausgestattet. Dieser soll dafür sorgen, dass die letzten Kilometer zu einer geeigneten Wasserstofftankstelle zurückgelegt werden können. Des Weiteren unterhält die Batterie sonstige Funktionen des E-Bike-Systems, beispielsweise eine kilometergenaue Akkustandsanzeige.

Alpha 2.0 – Das Rad für den Endnutzer

Auf der CES 2019 kündigte Pragma Industries nun ein verkaufsfertiges Modell namens “Alpha 2.0” an. Nach zweijähriger intensiver Forschung und Verbesserung der eingesetzten Brennstoffzellentechnologie versichert das französische Unternehmen, ein Wasserstoff-Pedelec entwickelt zu haben, das den europäischen Richtlinien entspricht. In das neue Bike sind ein Brose-Antrieb mit 250 Watt und 25 km/h Höchstgeschwindigkeit, ein 2-Liter-Gaszylinder als Speicherort für den Wasserstoff und eine 150-Watt-Brennstoffzelle integriert. Das Zusammenspiel der Komponenten erlaubt ebenfalls eine Reichweite von etwa 100 Kilometern.

Geplant ist das Fahrrad zwar vorerst nur für ein Flottenkonzept, aber eine private Nutzung der Wasserstoff-E-Bikes ist nicht ausgeschlossen. Pragma Industries verkauft lediglich Gesamtpakete, die aus 10 Fahrrädern und einer Ladestation bestehen. Die Fahrräder kosten dabei rund 7.500 Euro pro Stück. Der Preis der mitgelieferten Ladestation liegt bei 75.000 Euro. Einige Städte in Frankreich haben diese Pakete bereits für den öffentlichen Gebrauch bestellt.

Die Konkurrenz schläft nicht – Linde du Gernweit

Neben Pragma Industries gibt es jedoch noch weitere Hersteller, die diesen Markt für sich erschließen wollen. Darunter befindet sich beispielsweise der börsennotierte Technologiekonzern Linde. Das Unternehmen kündigte aber an, das von ihnen entwickelte Linde-H2-Bike zunächst nur in einer limitierten Prototypenserie zu produzieren.

Anders sieht es beim Neusser Unternehmen Gernweit aus, das ein eigenes wasserstoffbasiertes E-Bike mit Namen “Ped-Hy-Lec” entwickelte. Anders als beim Linde-H2-Bike, bietet dieses Fahrrad eine zweite, unabhängig nutzbare Wasserstoffkartusche, die als Reserve dienen soll. Genau wie beim konventionellen Pedelec, erreichen alle Räder mit ihrem integrierten Elektroantrieb eine Höchstgeschwindigkeit von rund 25 km/h.

Wasserstoff-E-Bikes sind noch nicht für die breite Masse konzipiert

Trotz der Bemühungen von Pragma Industries, Linde und Gernweit lässt sich jedoch noch nicht abschätzen, inwieweit Wasserstoff-E-Bikes auf deutschen Straßen genutzt werden. Um dieses Geschäfts- und Fortbewegungsmodell in Deutschland verbreiten zu können, wird zuallererst ein flächendeckendes Netz an Wasserstoff-Tankstellen oder eine andere unabhängige Lösung für die Betankung der Kartuschen benötigt. Was sich als gute und umweltfreundliche Alternative zu anderen Kraftfahrzeugen und bereits etablierten Pedelec erweist, muss sich außerdem weiteren Tests unterziehen. So muss etwa die Herkunft der Elektrizität, mit der die Wasserstoff-Tanksäulen mittels Elektrolyse Gas erzeugen, geklärt werden.

 

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Das Jobrad

Ein Beitrag von:

  • Silvia Hühn

    Porträt Silvia Hühn

    Silvia Hühn ist freie Redakteurin mit technischem Fokus. Sie schreibt unter anderem über die Rekorde dieser Welt und verfasst Ratgeber.

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