Porsches radikaler Kurswechsel: V8-Supersportwagen statt Elektro-Offensive
Porsche setzt auf V8-Supersportwagen und rückt von der Elektro-Offensive ab. Neue Strategie stärkt Verbrenner, während E-Projekte verschoben werden.
Back to the roots: Porsche will sich wieder verstärkt auf Verbrennermodelle fokussieren. Strategien für neue E-Modelle werden zurückgefahren.
Foto: picture alliance / Daniel Kalker | Daniel Kalker
Herzstück der neuen Ausrichtung ist nach Medienberichten ein intern als „S1“ bezeichnetes Sportwagenprojekt. Der zweisitzige Supersportwagen soll auf der Architektur des 911 basieren und von einem neu entwickelten Achtzylinder-Boxermotor angetrieben werden. Das Fahrzeug wird in einer Preisklasse von rund 500.000 € erwartet und soll aufgrund seiner hohen Marge einen wichtigen Beitrag zur Ertragskraft leisten. Eine Markteinführung gilt allerdings erst für die Zeit nach 2030 als realistisch. Ein ursprünglich geplanter gemeinsamer Supersportwagen mit Lamborghini wurde dagegen offenbar verworfen. Porsche setzt stattdessen auf eine Eigenentwicklung.
Inhaltsverzeichnis
- Elektroprojekte werden verschoben
- Verbrenner bleiben länger im Programm
- Digitalisierung verliert an Priorität
- Produktionsstruktur wird neu aufgestellt
- Sparprogramm soll Kapazitäten an sinkende Nachfrage anpassen
- Beschäftigungssicherung für deutsche Werke geplant
- Schwache Absatzentwicklung erhöht den Handlungsdruck
Elektroprojekte werden verschoben
Parallel zur Stärkung des Verbrennerportfolios verlieren neue Elektrofahrzeuge an Bedeutung. Bereits unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Oliver Blume war das Ziel aufgegeben worden, bis 2030 einen Elektroanteil von mehr als 80 % zu erreichen. Unter Leiters wird diese Entwicklung nun weiter fortgesetzt. Mehrere batterieelektrische Fahrzeugprojekte sollen Medienberichten zufolge verschoben worden sein.
Das große Luxus-SUV K1, ursprünglich ausschließlich als Elektrofahrzeug geplant, soll erst in den 2030er-Jahren erscheinen und voraussichtlich auch mit Hybrid- und Verbrennungstechnik angeboten werden. Auch eine vollelektrische Version des Panamera wurde nach Berichten bis weit in das nächste Jahrzehnt verschoben. Selbst die Zukunft des E-Supersportwagens Taycan gilt inzwischen als offen. Nach dem Auslaufen der aktuellen Modellgeneration könnte die Baureihe möglicherweise ohne direkten Nachfolger bleiben.
Verbrenner bleiben länger im Programm
Die strategische Neuausrichtung spiegelt die geringere Nachfrage nach Elektrofahrzeugen im Premium-Sportwagensegment wider. Porsche verlängert deshalb die Laufzeit mehrerer Verbrennermodelle und entwickelt parallel neue Hybridkonzepte. Bereits bekannt ist, dass sowohl Macan als auch Cayenne künftig parallel als Elektro- und Verbrennermodelle angeboten werden.
Im ersten Halbjahr 2026 setzte Porsche weltweit 21.839 batterieelektrische Fahrzeuge ab. Im Vorjahreszeitraum waren es mit Taycan und Macan Electric zusammen noch 34.186 Einheiten gewesen. Für das Gesamtjahr erwartet der Hersteller einen Elektroanteil von lediglich 24 % bis 26 %.
Digitalisierung verliert an Priorität
Auch bei der Softwarestrategie setzt Porsche andere Schwerpunkte als viele Wettbewerber. Während Volkswagen und Audi die Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Rivian zum Aufbau einer neuen Softwarearchitektur intensivieren, beteiligt sich Porsche derzeit nicht aktiv an gemeinsamen Entwicklungsprojekten.
Nach Medienberichten werde lediglich geprüft, einzelne Softwarekomponenten künftig auch in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor einzusetzen. Themen wie KI-basierte Fahrerassistenz oder neue Infotainment-Plattformen sollen unter der neuen Unternehmensführung eine geringere Priorität besitzen als die klassische Fahrdynamik und die technische Weiterentwicklung der Sportwagen.
Produktionsstruktur wird neu aufgestellt
Parallel zur strategischen Neuausrichtung verändert Porsche auch die Führungsstruktur. Zum 1. September übernimmt Christian Friedl das Produktionsressort von Albrecht Reimold, der in den Ruhestand geht. Friedl leitete zuletzt den Bereich Unternehmensqualität und war zuvor in verschiedenen Funktionen innerhalb der Produktion tätig.
Spätestens beim Kapitalmarkttag Anfang Oktober will Vorstandschef Michael Leiters seine langfristige Strategie bis 2035 vorstellen. Als finanzielles Ziel nennt Porsche künftig eine operative Umsatzrendite zwischen zehn und 15 %. Von dem früher angestrebten Wert von mehr als 20 %hat sich das Unternehmen verabschiedet.
Sparprogramm soll Kapazitäten an sinkende Nachfrage anpassen
Die strategische Neuausrichtung wird von einem umfangreichen Restrukturierungsprogramm begleitet. Nach Informationen verschiedener Medien bereitet Porsche ein zweites Sparpaket vor, durch das bis zu 5000 weitere Arbeitsplätze entfallen könnten. Bereits beschlossen ist der sozialverträgliche Abbau von rund 1900 Stellen bis 2029. Hinzu kommen etwa 2000 ausgelaufene befristete Arbeitsverträge sowie die Schließung von drei Tochtergesellschaften mit insgesamt rund 500 Beschäftigten.
Ende 2025 beschäftigte Porsche weltweit knapp 42.000 Mitarbeiter, davon fast 36.000 in Deutschland. Als Reaktion auf die rückläufige Nachfrage soll die Produktionsplanung künftig nicht mehr auf Kapazitäten von bis zu 400.000 Fahrzeugen jährlich ausgelegt werden, sondern auf ein Volumen von etwa 200.000 Einheiten.
Beschäftigungssicherung für deutsche Werke geplant
Trotz des Sparkurses sollen die deutschen Standorte langfristig abgesichert werden. Nach Informationen des Handelsblatts plant Porsche, die Beschäftigungssicherung bis Ende 2035 zu verlängern. Außerdem sollen bestehende Tarifregelungen wie die sogenannte Steinkühler-Pause erhalten bleiben und die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten wieder ausgeweitet werden.
Die Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat stehen demnach kurz vor dem Abschluss. Die Ergebnisse sollen den Beschäftigten auf der Betriebsversammlung vor der Sommerpause vorgestellt werden.
Schwache Absatzentwicklung erhöht den Handlungsdruck
Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Porsche weltweit 122.306 Fahrzeuge aus und damit 16 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Besonders der chinesische Markt entwickelt sich schwach. Intern soll bereits von einem „Liebhabervolumen“ gesprochen werden, falls die Auslieferungen dort unter 30.000 Fahrzeuge pro Jahr sinken. Gleichzeitig belasten Importzölle das Geschäft in den USA.
Die angespannte wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch an der Börse wider. Seit dem Börsengang im Jahr 2022 hat die Porsche-Aktie rund 45 % an Wert verloren. Nach Angaben der Bank of America ist derzeit etwa jede vierte frei handelbare Porsche-Aktie Gegenstand eines Leerverkaufs – der höchste Wert unter den europäischen Automobilherstellern.
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