Volvo holt Škoda-Chef: Seine Marke verdient fast so viel wie VW
Klaus Zellmer wechselt von Škoda zu Volvo Cars. Wer ist der Manager, der Škoda profitabler machte als die Kernmarke VW?
Bei Porsche und bei Skoda hat Klaus Zellmer unter Beweis gestellt, dass er Marken nach vorne bringen kann. Ab 2017 wartet diese Aufgabe bei Volvo auf ihn.
Foto: Volkswagen AG
Volvo Cars holt Klaus Zellmer an die Spitze. Spätestens zum 1. Oktober 2027 übernimmt der Škoda-Chef den Vorstandsvorsitz von Håkan Samuelsson. Der Manager bringt Erfahrung aus zwei Welten mit: dem Premiumgeschäft von Porsche und dem Volumengeschäft von Volkswagen und Škoda.
Wie erfolgreich Škoda zuletzt wirtschaftete, zeigt der Vergleich mit Volkswagen Pkw: Die tschechische Marke erzielte 2025 ein operatives Ergebnis von 2,5 Mrd. €, die deutlich größere VW-Kernmarke rund 2,6 Mrd. €. Dafür brauchte Škoda nur ungefähr ein Drittel des Umsatzes. Die operative Umsatzrendite lag bei 8,3 %, bei Volkswagen Pkw waren es 3,0 %.
Für Volvo ist diese Verbindung aus Premiumerfahrung und profitablem Volumengeschäft relevant. Der Hersteller muss Kosten senken, seine Elektrostrategie weiterentwickeln und zugleich seine Position als Premiummarke behaupten. Was bringt Zellmer für diese Aufgabe mit?
Inhaltsverzeichnis
Škoda verdient fast so viel wie Volkswagen Pkw
Als Zellmer im Juli 2022 den Vorstandsvorsitz von Škoda übernahm, steckte die Autoindustrie noch tief in Lieferkettenproblemen. Gleichzeitig stand die tschechische Volkswagen-Tochter vor derselben Aufgabe wie der gesamte Konzern: Elektroautos hochfahren, Kosten beherrschen und dabei das profitable Verbrennergeschäft nicht verlieren.
2025 lieferte Škoda weltweit 1,044 Mio. Fahrzeuge aus – 12,7 % mehr als im Vorjahr und erstmals seit sechs Jahren wieder mehr als 1 Mio. In Europa wurden 840.295 Škoda neu zugelassen, 9,6 % mehr als 2024. Damit stieg Škoda nach Unternehmensangaben zur drittmeistverkauften Automarke Europas auf.
Im ersten Halbjahr 2026 lag Škoda beim operativen Ergebnis sogar vor Volkswagen Pkw: Die tschechische Marke erzielte 1,37 Mrd. € und eine operative Umsatzrendite von 8,5 %. Volkswagen Pkw kam auf 995 Mio. € und 2,4 %. Allerdings belasteten Sondereffekte wie US-Zölle und Restrukturierung das Ergebnis der VW-Kernmarke mit 1,3 Mrd. €. Der Vergleich ist deshalb nur eingeschränkt aussagekräftig.
Das ist nicht Zellmers Leistung allein. Modellpalette, Kostenstruktur, Produktion in Tschechien und Indien sowie die Arbeit des gesamten Managements spielen eine Rolle. Aber die Zahlen zeigen, in welcher Verfassung sich Škoda während seiner Amtszeit befindet.
Auch die Elektromobilität kommt voran. 2025 entfielen bereits 25,7 % der europäischen Škoda-Auslieferungen auf batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride. Mit Elroq und Enyaq hat die Marke inzwischen zwei Elektro-SUV im Volumengeschäft.
Warum Volvo auf Klaus Zellmer setzt
In Göteborg wird Zellmer auf eine andere Situation treffen. Volvo Cars gehört mehrheitlich zum chinesischen Geely-Konzern und muss gleichzeitig seine Position als europäische Premiummarke behaupten. Die Schweden stehen unter Kostendruck, kämpfen mit einem schwierigeren China-Geschäft und müssen ihre Elektrostrategie an einen Markt anpassen, der sich langsamer entwickelt als noch vor einigen Jahren erwartet.
Zugleich soll die Zusammenarbeit mit Geely Kosten senken. Plattformen, Komponenten und Technologien gemeinsam zu nutzen, kann wirtschaftlich sinnvoll sein. Für Volvo besteht die Herausforderung darin, dabei genügend technische und gestalterische Eigenständigkeit zu bewahren. Volvo-Verwaltungsratschef Eric Li begründet die Wahl Zellmers ausdrücklich mit dessen ungewöhnlicher Kombination. Er verfüge sowohl über Erfahrung im Premiumsegment als auch bei Volumenmarken und habe Unternehmen durch Veränderungen geführt.
Von Porsche über Volkswagen an die Škoda-Spitze
Zellmers Karriere begann allerdings nicht bei einer Volumenmarke. Der 1967 im niederbayerischen Mallersdorf geborene Manager studierte Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Unternehmensführung und Automobilwirtschaft in Nürtingen. Anschließend arbeitete er ab 1994 drei Jahre am dortigen Institut für Automobilwirtschaft.
1997 wechselte er zu Porsche. Dort blieb er mehr als zwei Jahrzehnte. Seine Stationen führten ihn unter anderem nach Frankreich, Leipzig und Nordamerika. 2007 übernahm er das Marketing von Porsche Deutschland, 2010 die Leitung der deutschen Vertriebsgesellschaft. Während seiner Amtszeit stiegen die Porsche-Auslieferungen in Deutschland von rund 13.000 auf etwa 24.000 Fahrzeuge.
2015 folgte der Wechsel in die USA. Als President und CEO von Porsche Cars North America verantwortete Zellmer einen der wichtigsten Märkte des Sportwagenherstellers.
2020 wechselte er innerhalb des Volkswagen-Konzerns zur Kernmarke. Als Vertriebsvorstand von Volkswagen Pkw war er für Vertrieb, Marketing und After Sales zuständig. Zwei Jahre später ging es nach Mladá Boleslav an die Spitze von Škoda.
Wie Zellmer führt – und wo er abschaltet
Über seinen Job spricht Zellmer weniger wie ein klassischer Verwalter. In einem Interview verglich er die Tätigkeit eines Vorstandsvorsitzenden mit einem Zehnkampf. Strategie, Technologie, Design oder Vertrieb seien einzelne Disziplinen. Entscheidend sei jedoch, das Team zusammenzubringen. Das passt zu einem Manager, dessen beruflicher Schwerpunkt lange im Vertrieb lag. Zellmer kennt Händler, Märkte und Kunden – erst bei Porsche, dann bei Volkswagen und Škoda. Bei Volvo trifft diese Erfahrung künftig auf eine Marke, die sich stärker im Premiumsegment positioniert und gleichzeitig ihre Kosten senken muss.
Abseits des Büros wirkt sein Tagesablauf erstaunlich diszipliniert. Zellmer steht nach eigener Aussage meist zwischen 5 Uhr und 6 Uhr auf. Die Ruhe am Morgen nutzt er zum Nachdenken, für Stretching und Atemübungen. Yoga gehört ebenso dazu wie Laufen, Radfahren und Spaziergänge. Beim Laufen kommen ihm nach eigener Aussage häufig Ideen. Seinen Schlaf verfolgt Zellmer per App. Seine Frau, erzählte er einmal, halte ihm vor, zu häufig auf digitale Geräte zu schauen.
Als persönlichen Antrieb nennt er Neugier. „Neugier ist das, was mich im Leben antreibt“, sagte Zellmer im März 2026 in einem Interview des Škoda-Mitarbeitermagazins.
Privat Klassiker, im Alltag ein Elektroauto
Auch bei Autos endet sein Interesse nicht bei aktuellen Konzernmodellen. Zellmer besitzt mehrere Klassiker. Dazu gehören eine Škoda Felicia von 1960 und ein Volkswagen-Bus mit 23 Fenstern – auch Samba-Bus genannt – aus dem Jahr 1967. Auch ein klassischer Porsche gehört zu seiner Sammlung. Mit der alten Felicia nahm er bereits an der Škoda Classic Tour teil. Im Alltag fährt er dagegen elektrisch: einen Elroq RS.
Das Nebeneinander passt durchaus zu Škoda unter Zellmer. Die Marke treibt die Elektrifizierung voran, lebt aber weiterhin stark von Verbrennern und Hybriden. Anders als manche Wettbewerber versucht Škoda nicht, den Übergang mit einem radikalen Schnitt zu erzwingen.
Mit Zellmer gewinnt Volvo einen Manager, der sowohl das Premiumgeschäft von Porsche als auch das Volumengeschäft von Volkswagen und Škoda kennt. In Göteborg muss er zeigen, wie sich diese Erfahrungen verbinden lassen: Kosten senken, die Elektrifizierung voranbringen und zugleich die Eigenständigkeit der Marke bewahren.
ZUR PERSON: KLAUS ZELLMER
Spätestens 1. Oktober 2027: President und CEO Volvo Cars
Seit Juli 2022: Vorstandsvorsitzender Škoda Auto
2020–2022: Volkswagen Pkw, Vorstand für Vertrieb, Marketing und After Sales
2015–2020: President und CEO Porsche Cars North America
2010–2015: Vorsitzender der Geschäftsführung Porsche Deutschland
Ab 1997: verschiedene Führungspositionen bei Porsche, unter anderem in Deutschland, Frankreich und Nordamerika
1994–1997: Institut für Automobilwirtschaft, Nürtingen
Studium: Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Unternehmensführung/Automobilwirtschaft
Geboren: 1967 in Mallersdorf, Bayern
Privat: verheiratet; interessiert sich unter anderem für Laufen, Yoga, Radfahren und klassische Automobile
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