VW baut Batterien in Europa, doch ohne China geht es weiterhin nicht
VW und Gotion bauen Zellfabriken in Europa und eine Kathodenanlage in Marokko. Die LFP-Partnerschaft stärkt PowerCo – doch China bleibt wichtig.
Serienfertigung von Batteriezellen: Die Volkswagen Group und der chinesische Batteriehersteller Gotion vertiefen ihre strategische Partnerschaft zum Aufbau einer europäischen Batteriefertigung.
Foto: Stefan Warter/Volkswagen AG
Inhaltsverzeichnis
Volkswagen bindet seinen bisherigen Batteriezelllieferanten Gotion enger an die eigene Batteriefertigung. Die PowerCo-Fabrik bei Valencia in Spanien soll in ein Gemeinschaftsunternehmen übergehen, an dem die VW-Tochter 51 % und Gotion 49 % halten. Umgekehrt will PowerCo jeweils 49 % an Gotions Zellprojekt im slowakischen Šurany und an einer geplanten Anlage für Kathodenmaterial im marokkanischen Kenitra übernehmen. Dort behält Gotion jeweils die Mehrheit. Alle drei Unternehmen sollen nach VW-Angaben gemeinsam geführt werden. Behördliche Genehmigungen und weitere Zustimmungen stehen noch aus.
Gotion (siehe Kasten) soll für seinen Anteil in Valencia rund 1,1 Mrd. € investieren. PowerCo will bis 2030 insgesamt rund 470 Mio. € für seine beiden Beteiligungen in Šurany und Kenitra aufbringen. Die Unternehmen arbeiten seit 2020 zusammen; Gotion liefert VW bereits Batteriezellen. Ein Beispiel fährt schon in China: Wie ingenieur.de beim ID. Unyx 07 berichtet, stammt dessen 60-kWh-Batterie von Gotion.
| Kennzahl | Stand und Bedeutung |
|---|---|
| Unternehmen | Gotion High-Tech ist ein börsennotierter Batteriehersteller mit Sitz in Hefei, China. Das Unternehmen produziert Zellen und Batteriesysteme für Fahrzeuge sowie stationäre Energiespeicher. |
| Rang im Batteriemarkt | Platz 5 weltweit bei der in Elektrofahrzeugen eingesetzten Batteriekapazität von Januar bis Juli 2026, nach Zahlen des Marktforschers SNE Research. |
| Eingesetzte Batteriemenge | 34,0 GWh in den ersten sieben Monaten 2026, d.h. 44,2 % mehr als im gleichen Zeitraum 2025; weltweiter Marktanteil 4,7 %. |
| Umsatz 2025 | 5,9 Mrd. €, nach 4,6 Mrd. € in 2024 (+27,35 %). |
| Gewinn 2025 | 312 Mio. €. |
| Verbindung zu VW | VW wurde 2021 strategischer Investor und ist Gotions größter Einzelaktionär. Dennoch ist Gotion ist keine VW-Tochter. |
Wie viele Batteriezellen sollen entstehen?
Die VW-Pressemitteilung vom 28. September nennt für die neuen Gemeinschaftsunternehmen keine Jahreskapazitäten. Konkretere Projektzahlen finden sich in Berichten über eine Börsenmitteilung Gotions: Demnach sind für Valencia 29,1 GWh und für Šurany 8,4 GWh Zellkapazität pro Jahr vorgesehen, zusammen also 37,5 GWh. Die Anlagen sollen vorrangig den europäischen Bedarf von VW bedienen. Die Zahlen präzisieren zugleich ältere Ankündigungen. Beim Baustart hatte PowerCo für Valencia zunächst 40 GWh pro Jahr mit einer möglichen Erweiterung auf 60 GWh genannt. Für Šurany hatte der damalige Projektpartner InoBat eine erste Stufe von 20 GWh beschrieben.
Zur Größenordnung: 37,5 GWh entsprächen rechnerisch dem Energieinhalt von 625.000 Batterien – oder Fahrzeugen – mit jeweils 60 kWh. Šurany soll zudem auch Zellen für stationäre Energiespeicher herstellen; zudem hängen tatsächlich lieferbare Mengen von Fertigstellung, Hochlauf, Ausbeute und Auslastung ab. Das dritte Vorhaben in Kenitra betrifft Kathodenmaterial. Berichte über Gotions Börsenmitteilung nennen dafür 100.000 t Jahreskapazität.
Auch beim Termin ist aktuell noch Zurückhaltung angebracht. Die ursprüngliche PowerCo-Ankündigung sah für Valencia einen Produktionsbeginn 2026 vor. In seiner aktuellen Mitteilung bezeichnet VW das Werk weiterhin als im Bau, ohne einen Termin für die Serienfertigung im Gemeinschaftsunternehmen zu nennen. InoBat nennt für Šurany inzwischen 2027 als angestrebten Produktionsbeginn.
Warum VW LFP-Zellen braucht
Die Werke sollen Zellen auf Basis von Lithium-Eisenphosphat (LFP) produzieren. Diese Kathodenchemie kommt ohne Nickel und Kobalt aus und ist für preisorientierte Elektroautos interessant. Wie sich die Chemie konkret auf VWs Modellangebot auswirkt, zeigt der ID. Cross im Technikcheck von ingenieur.de: Für die Basisversion ist eine 37-kWh-LFP-Batterie vorgesehen, während eine Variante mit 52 kWh Nickel-Mangan-Kobalt-Zellen (NMC) nutzt.
Beide Chemien können in VWs Einheitszelle verwendet werden, einem standardisierten Zellformat. PowerCo produziert in Salzgitter bereits Zellen auf NMC-Basis. Warum der Aufbau einer eigenen Zellfertigung für VW technisch und wirtschaftlich anspruchsvoll ist, hat Ingenieur.de beim Produktionsstart in Salzgitter ausführlich beschrieben. Gerade beim Hochlauf kosten Ausschuss und instabile Prozesse viel Geld. Ein Partner mit Gotions Produktionserfahrung kann hier viel Expertise einbringen.
Wo die Abhängigkeit bestehen bleiben kann
Eine Zelle aus Spanien oder der Slowakei ist noch nicht zwangsläufig eine Batterie aus einer unabhängigen europäischen Lieferkette. Die Internationale Energieagentur (IEA) stellt in ihrem Global EV Outlook 2026 fest, dass die Fertigung von LFP-Kathodenmaterial und dessen Vorstufen noch nahezu vollständig in China konzentriert ist. Dort liege auch viel von dem zugehörigen Produktionswissen. Die geplante Kathodenanlage in Marokko könnte einen Teil der Wertschöpfung näher an die europäischen Zellwerke rücken. Woher deren Vorprodukte kommen sollen, legen VW und Gotion allerdings bisher nicht im Detail offen.
VW erhält mit Gotion einen kapitalstarken Partner für eine Technik, die bei günstigeren Elektroautos wichtiger wird. Wie viel Eigenständigkeit PowerCo dabei gewinnt, lässt sich aus den Mehrheitsverhältnissen allein nicht ablesen. Entscheidend werden die Herkunft der Materialien, der Zugriff auf die Fertigungstechnik und der tatsächliche Hochlauf der Werke sein.
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