Batteriezellen aus Salzgitter 17.12.2025, 10:03 Uhr

VW fordert mit eigener Batteriefabrik China heraus

VW startet in Salzgitter die Serienproduktion eigener Batteriezellen. Der Konzern will Kosten senken und Chinas Dominanz im Batteriemarkt brechen.

Blick in den Reinraum der VW-Batteriefabrik

Blick in den Reinraum der VW-Batteriefabrik: Hier stellt Volkswagen seine eigenen Batteriezellen her.

Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

Volkswagen steigt in eine Disziplin ein, die bislang klar von asiatischen Konzernen dominiert wird. In Salzgitter hat der Konzern die Serienproduktion eigener Batteriezellen gestartet. Damit wagt Europas größter Autobauer einen Schritt, den viele Wettbewerber lange gescheut haben. Es geht um Kontrolle, Kosten – und um geopolitische Abhängigkeiten.

Vom Motorenwerk zur Zellfabrik

Salzgitter steht wie kaum ein anderer Standort für die alte Autowelt. Jahrzehntelang liefen hier Motoren vom Band. Nun entstehen dort Batteriezellen. Der Umbau ist kein symbolischer Akt, sondern ein tiefgreifender industrieller Bruch. Seit Mitte 2022 baut Volkswagen auf dem Gelände des früheren Motorenwerks eine hochautomatisierte Zellfabrik. Mehr als eine Milliarde Euro hat der Konzern bereits investiert, am Ende sollen es bis zu zwei Milliarden werden.

Ende 2025 ging die Produktion planmäßig an den Start. Zunächst verlassen nur einige Hundert Zellen pro Tag das Werk. Das ist bewusst so gewählt. Die Prozesse müssen stabil laufen, die Qualität muss stimmen. Doch das Ziel ist klar definiert: 600.000 bis 700.000 Zellen pro Tag. Hochgerechnet ergibt das eine Jahreskapazität von rund 20 Gigawattstunden. Genug für etwa 250.000 Elektroautos.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Techniker Versorgungstechnik HLSK (m/w/d) AM Planungsgesellschaft für technische Gebäudeausrüstung mbH
Mannheim Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Stadtwerke Rastatt GmbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Bauingenieur oder Versorgungsingenieur Stadtwerke Rastatt GmbH
Rastatt Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur als Bauwerksprüfer (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Fachingenieur für Streckenplanung (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Werner Sobek AG-Firmenlogo
Projektingenieure / Projektleiter Gebäude- / Versorgungstechnik (m/w/d) Werner Sobek AG
Frankfurt, Stuttgart, Weinheim, Mannheim Zum Job 
LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen-Firmenlogo
Diplom-Ingenieur:in oder Bachelor of Engineering (FH) der Fachrichtung Nachrichtentechnik (m/w/d) LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen
Lippstadt, Warstein Zum Job 
HOERBIGER Flow Control GmbH-Firmenlogo
Industrial Engineer (w/m/d) HOERBIGER Flow Control GmbH
Altenstadt Zum Job 
Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH-Firmenlogo
Bereichsleiter Technik (m/w/d) Stadtwerke Wolfenbüttel GmbH
Wolfenbüttel Zum Job 
Stadt Neumünster-Firmenlogo
Ingenieur*in in der Fachrichtung Architektur Stadt Neumünster
Neumünster Zum Job 
Dürkopp Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Electrical Automation Engineer (m/w/d) - R&D Department Dürkopp Fördertechnik GmbH
Bielefeld Zum Job 
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Hochbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur / Planungsingenieur (m/w/d) für Siedlungswasserwirtschaft WipflerPLAN Planungsgesellschaft mbH
Donauwörth, München-Ost (Grasbrunn), München-West (Planegg), Pfaffenhofen an der Ilm Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Sachbearbeiter Bereich Wasserwirtschaft (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt-Mittelhausen Zum Job 
Stadtreinigung Hamburg-Firmenlogo
Ingenieur (all genders) Tiefbau Stadtreinigung Hamburg
Hamburg Zum Job 
TenneT-Firmenlogo
HSE Manager Baustellen & Infrastrukturprojekte (m/w/d) TenneT
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektingenieur Wasserbau (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Erfurt, Meiningen, Neustadt an der Orla, Sondershausen Zum Job 
Thüringer Landgesellschaft mbH-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Thüringer Landgesellschaft mbH
Handtmann Reutlingen GmbH-Firmenlogo
Elektrokonstrukteur / Electrical Design Engineer (m/w/d) EPLAN P8 Handtmann Reutlingen GmbH
Reutlingen Zum Job 

Die Batterie als Machtfaktor

Volkswagen benennt offen, warum dieser Schritt notwendig ist. Technikvorstand Thomas Schmall bringt es auf den Punkt: „Die Batterie ist die Schlüsseltechnologie der E-Mobilität. Wer die Batterie beherrscht, der beherrscht das Auto.“

Bis zu 40 % der Kosten eines Elektrofahrzeugs entfallen auf den Akku. Wer hier abhängig bleibt, verliert Spielraum bei Preis, Technik und Strategie. Genau das ist bislang der Fall. Der globale Batteriemarkt wird von Unternehmen aus China, Südkorea und Japan geprägt. Namen wie CATL, BYD oder LG Energy Solution setzen Standards bei Kosten und Skalierung. Der Vorsprung beträgt nach Einschätzung von Fachleuten zehn bis 15 Jahre.

Einheitszelle statt Zellvielfalt

Volkswagens Antwort heißt Einheitszelle. Statt für jedes Modell unterschiedliche Zellformate und Chemien einzusetzen, setzt der Konzern auf ein standardisiertes Grunddesign. Diese Zelle soll perspektivisch in bis zu 80 % aller E-Autos des Konzerns stecken – vom Kleinwagen bis zum Volumenmodell.

Der Gedanke dahinter ist einfach: weniger Varianten, mehr Stückzahlen, niedrigere Kosten. Technisch handelt es sich zunächst um klassische Lithium-Ionen-Zellen. Der innere Aufbau ähnelt einem Schichtsystem aus Kathoden, Anoden, Separatorfolien und Elektrolyt. Komplex, aber beherrschbar. Volkswagen hat die Abläufe vorab in einer Pilotanlage in China getestet. Dort, wo die Konkurrenz sitzt, hat der Konzern gelernt, wie industrielle Zellfertigung funktioniert.

Reinraum statt Ölgeruch

Ein Blick in die Fabrik zeigt, wie radikal der Wandel ist. Die Produktion läuft im Reinraum. Staub, Haare oder kleinste Partikel könnten die Zellen beschädigen. Beschäftigte tragen Schutzanzüge, Masken und Handschuhe. Teilweise sichern Helme mit externer Luftzufuhr die Arbeit. Die Kleidung schützt nicht nur die Menschen vor Chemikalien, sondern auch das Produkt vor Verunreinigungen.

Diese Bedingungen markieren einen Bruch mit der klassischen Automobilfertigung. Sie zeigen, warum Batteriezellen für viele Hersteller lange ein Fremdgebiet waren. Fehler kosten hier sofort Geld. Ausschuss ist teuer. Prozesse müssen vom ersten Tag an stabil laufen.

Reinraum der Batteriefabrik

Reinheit ist in der Batteriefabrik oberstes Gebot. Staub, Haare oder kleinste Partikel könnten die Zellen beschädigen.

Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg

Warum VW dort investiert, wo andere zögern

Der Blick auf Europa zeigt, wie riskant dieses Geschäft ist. Der schwedische Hoffnungsträger Northvolt musste zuletzt schwere Rückschläge hinnehmen. Andere Hersteller wie BMW oder Mercedes haben eigene Zellpläne zurückgefahren oder setzen stärker auf Partnerschaften. Volkswagen geht den Alleingang – zumindest teilweise.

Der Konzern bündelt alle Batterieaktivitäten in der Tochtergesellschaft PowerCo. Neben Salzgitter entstehen weitere Werke nach demselben Baukastenprinzip. In Valencia soll 2026 die Produktion starten, in St. Thomas in Kanada ein Jahr später. Weitere Standorte sind aktuell nicht geplant. Von den einst angekündigten sechs Fabriken ist keine Rede mehr.

Abhängigkeit vom Markt

Volkswagen verschweigt die Risiken nicht. Die Elektromobilität wächst langsamer als erwartet. Förderprogramme wackeln, Kundinnen und Kunden zögern. Das bremst auch PowerCo. Schmall sagt offen: „Wenn der Gesamtbedarf langsamer wächst als ursprünglich geplant, dann wächst auch die PowerCo langsamer.“

Der Konzern koppelt den Ausbau der Zellfertigung eng an den Absatz von E-Autos. Zellen aus Salzgitter sollen ab 2026 in neuen Kleinwagen wie dem VW ID. Polo und dem Cupra Raval zum Einsatz kommen. Der Produktionshochlauf der Batterien folgt dem Hochlauf der Fahrzeuge.

China bleibt der Maßstab

Trotz aller Ambitionen bleibt China der Benchmark. Chinesische Fachkräfte unterstützen den Anlauf der Anlagen in Salzgitter und schulen das Personal. Früher war es umgekehrt. Das zeigt, wie sehr sich die Machtverhältnisse verschoben haben. Volkswagen holt sich Know-how dort, wo es vorhanden ist – auch wenn das politisch nicht jedem gefällt.

Automobilexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management hält den Schritt für richtig, aber spät. „Die große Herausforderung ist, große Kapazitäten zu wettbewerbsfähigen Kosten zu erreichen“, wird er vom NDR zitiert. (Mit Material der dpa)

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.