Kommen bald chinesische Autos vom deutschen Fließband?
Das Volkswagen-Werk in Zwickau könnte nach Vorstellung des sächsischen Wirtschaftsministers Dirk Panter (SPD) künftig gemeinsam mit einem chinesischen Autobauer betrieben werden.
VW Zwickau kämpft mit schwacher Auslastung. Nun sorgt ein Vorschlag für Aufsehen: chinesische Hersteller im deutschen VW-Werk.
Foto: picture alliance / Wolfgang Maria Weber/
Der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) kann sich vorstellen, chinesische Autohersteller an der Produktion im VW-Werk Zwickau zu beteiligen.
„China ist eine Chance für Zwickau“, sagte Panter der Bild. Es sei sinnvoller, industrielle Kompetenz in Sachsen zu sichern und weiterzuentwickeln, als „auf verlorenem Posten zu kämpfen und Wertschöpfung zu verlieren“. Ziel sei es, den traditionsreichen Standort langfristig auszulasten und weitere Stellenstreichungen zu verhindern.
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Werk leidet unter schwacher Auslastung
Das VW-Werk in Zwickau gilt konzernintern als Vorreiter in Sachen Elektromobilität. Dort werden ausschließlich Elektrofahrzeuge produziert. Allerdings leidet der Standort seit Monaten unter einer deutlich gesunkenen Nachfrage nach E-Autos in Europa sowie unter den Sparmaßnahmen des Volkswagen-Konzerns.
Rund 1200 von ehemals 9200 Arbeitsplätzen wurden bereits abgebaut. Zudem wurde die Produktion von drei auf zwei Schichten reduziert. Zwar besteht für den Standort eine Beschäftigungsgarantie bis 2030, dennoch wächst die Unsicherheit unter den insgesamt rund 8000 Beschäftigten.
Chinesische E-Autos „Made in Germany“
Panter schlägt laut Bericht ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Volkswagen und einem chinesischen Hersteller vor. Nicht ausgelastete Produktionslinien könnten demnach für die Fertigung zusätzlicher Fahrzeuge nach chinesischem Vorbild genutzt werden.
Der Minister verwies darauf, dass China in vielen Bereichen der Elektromobilität technologisch führend sei. Vor allem bei Batterietechnik, Softwareintegration und kostengünstiger Produktion gelten chinesische Hersteller inzwischen als ernsthafte Konkurrenten europäischer Autobauer.
Für Volkswagen könnte eine Kooperation wirtschaftlich attraktiv sein: Der Konzern kämpft in Europa mit hohen Produktionskosten und sinkenden Margen im Elektrogeschäft. Gleichzeitig drängen chinesische Hersteller wie BYD, MG oder Nio verstärkt auf den europäischen Markt.
Politisch ein heikles Thema
Die Bundesregierung verfolgt seit einiger Zeit eine Strategie des „De-Risking“, um wirtschaftliche Abhängigkeiten von China zu reduzieren.
Hinzu kommt, dass Volkswagen Sachsen erst kürzlich Gerüchte über eine Beteiligung chinesischer Hersteller an der Gläsernen Manufaktur in Dresden zurückgewiesen hatte.
Klar ist jedoch: Der Druck auf den Standort steigt, und irgendetwas muss passieren. Ob ein Joint Venture mit einem chinesischen Hersteller in Zwickau tatsächlich zustande kommt, erscheint derzeit allerdings fraglich. Zu groß sind die politischen Vorbehalte gegenüber chinesischen Investitionen in Schlüsselindustrien.
Mit Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa)
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