Förderportal gestartet 19.05.2026, 11:31 Uhr

Die E-Auto-Prämie ist da – nur Gebrauchte haben nichts davon

Bis zu 6.000 € Zuschuss können ab heute für ein neues E-Auto beantragt werden. Doch wer einen Gebrauchten kauft, geht leer aus.

Auf Asphalt ist ein Elektroauto aufgemalt, aus dem am Heck ein Stecker schaut. Darunter steht das Wort Ladesäule.

Fachleute sind skeptisch, ob die E-Auto-Prämie überhaupt an der richtigen Stelle greift.

Foto: SmarterPix / stockwerk-fotodesign

Update: Förderportal für E-Auto-Prämie gestartet

Privatpersonen können seit heute, Dienstag, 19. Mai 2026, Zuschüsse für neu zugelassene Elektroautos, Plug-in-Hybride und Elektroautos mit Reichweitenverlängerer beantragen. Das Förderportal ist freigeschaltet, abgewickelt wird die Prämie vollständig digital über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug seit dem 1. Januar 2026 erstmals zugelassen wurde. Der Antrag kann rückwirkend gestellt werden.

3 Mrd. € stehen aus dem Klima- und Transformationsfonds bis 2029 bereit, was für geschätzt 800.000 Fahrzeuge ausreicht. Profitieren sollen vor allem Haushalte mit kleinerem und mittlerem Einkommen, also genau jene Gruppe, die bisher überwiegend gebrauchte Autos kauft. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos könnte das die ohnehin schwache Nachfrage weiter dämpfen.

Antrag nur digital möglich

Das Antragsverfahren läuft vollständig digital über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Für die Antragstellung ist eine BundID erforderlich. Antragsteller müssen sich entweder mit dem Online-Ausweis des Personalausweises oder mit einem ELSTER-Zertifikat identifizieren.

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Hochgeladen werden müssen die aktuellen Einkommensteuerbescheide, bei Familien zusätzlich ein Kindergeldnachweis. Wer einen Plug-in-Hybrid oder ein Range-Extender-Fahrzeug fördern lassen will, braucht zudem die EU-Konformitätsbescheinigung (CoC-Dokument). Eine zentrale Bedingung: Das Fahrzeug muss mindestens 36 Monate auf den Halter zugelassen bleiben.

Wer wie viel Geld bekommt

Die Förderhöhe richtet sich nach Fahrzeugart, Einkommen und Familiengröße. Reine Batterieautos und Brennstoffzellenfahrzeuge erhalten eine Basisförderung von 3.000 €, Plug-in-Hybride und Range-Extender 1.500 €. Hinzu kommen jeweils 1.000 € bei einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen unter 60.000 € sowie weitere 1.000 € bei unter 45.000 €. Damit liegt der Maximalbetrag bei 6.000 € für ein Batterieauto und 4.500 € für einen Plug-in-Hybrid.

Antragsberechtigt sind Privatpersonen mit einem zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen von höchstens 80.000 €. Für jedes Kind unter 18 Jahren verschiebt sich die Grenze um 5.000 € nach oben, gedeckelt bei zwei Kindern. Familien können die Förderung damit bis zu einem Einkommen von 90.000 € erhalten.

Diese Fahrzeuge sind förderfähig

Gefördert werden ausschließlich Neufahrzeuge der Fahrzeugklasse M1: reine Batterieautos, Brennstoffzellenfahrzeuge sowie Plug-in-Hybride und Elektroautos mit Reichweitenverlängerer. Für die beiden letztgenannten Kategorien gelten zusätzliche klimaschutzrelevante Anforderungen:

Sie müssen einen CO₂-Ausstoß von höchstens 60 g/km oder eine elektrische Reichweite von mindestens 80 km haben und bis zum 30. Juni 2027 zugelassen werden. Ab Juli 2027 will die Bundesregierung die Förderung dieser Fahrzeuge stärker an realen CO₂-Emissionen im Alltag ausrichten.

Gebrauchtwagen sind von der Förderung ausgeschlossen. Und hier holpert die soziale Logik des Programms.

Fast jeder vierte Neuwagen ein Stromer

Von Januar bis April wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 224.000 reine Elektroautos neu zugelassen, ein Anteil von 23,6 % an allen Neuwagen und damit ein neuer Rekord. Das Bundesumweltministerium führt das auch darauf zurück, dass die Förderung rückwirkend gilt und Käufer deshalb nicht auf den Portalstart warten mussten.

Auf dem Neuwagenmarkt zeigt das politische Steuerungssignal Wirkung. Auf dem Gebrauchtmarkt sieht es anders aus.

Was das für den Gebrauchtmarkt bedeutet

Gebrauchte Elektroautos haben es schwer – und das schon vor der neuen Prämie. Nach einer von DEKRA und Ipsos veröffentlichten Befragung haben 64 % der Befragten kein Interesse an einem gebrauchten reinen E-Auto. Vor zwei Jahren waren es 59 %. Als Gründe nennen die Befragten vor allem Unsicherheit über Batteriezustand, Reichweite und Lebensdauer.

Hinzu kommt der Druck auf die Restwerte: Immer neue Modelle drängen auf den Markt, ältere E-Autos verlieren schneller an Wert. Händler berichten von steigenden Standzeiten gebrauchter Stromer, während das Interesse an Elektro-Neuwagen wieder wächst. „Angesichts der anziehenden Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen wird ein funktionierender Gebrauchtwagenmarkt in der Zukunft immer wichtiger“, sagt Jann Fehlauer, Geschäftsführer der DEKRA Automobil GmbH, nach eigenen Angaben des Unternehmens. „Wenn der Gebrauchtwagenhandel mit E-Autos Erfolg haben will – und das wird er früher oder später müssen –, muss er diesen Vorbehalten wirksam begegnen.“

Die neue Förderung ändert an diesen Vorbehalten nichts. Sie ist programmatisch auf Neuwagen ausgelegt. Das ist kein paradoxer Nebeneffekt, sondern ein Konstruktionsmerkmal. Für Haushalte mit kleinerem Budget, die früher fast automatisch gebraucht gekauft hätten, verschiebt sich damit die Rechnung: Ein subventionierter Neuwagen kann am Ende günstiger ausfallen als ein gebrauchtes E-Auto mit unklarem Batteriezustand. Die Nachfrage verlagert sich nach oben, und der Gebrauchtmarkt verliert weiter an Dynamik.

Wie geht es weiter?

Bei aktuellem Tempo könnte der Fördertopf vor 2029 erschöpft sein. Schon jetzt rechnen Branchenbeobachter mit einer Reichweite von gut anderthalb Jahren, sollte sich der Trend bei den Neuzulassungen fortsetzen. Was danach kommt, ist offen – ebenso wie die Frage, ob und wie der Gebrauchtmarkt für E-Autos jemals in Gang kommt.

Ein nachhaltiger Markt entsteht erst dann, wenn Vertrauen in gebrauchte Elektrofahrzeuge wächst. Dafür bräuchte es transparente Batteriezertifikate, eine nachvollziehbare Preisbildung und stabile Nachfrage. Die neue Prämie liefert davon nichts. Sie erreicht ihre Zielgruppe – aber nur, solange die ein Neufahrzeug kauft. Wer auf einen funktionierenden Gebrauchtmarkt angewiesen ist, schaut weiter durch die Röhre.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

  • Tim Stockhausen

    Tim Stockhausen ist Volontär beim VDI Verlag. 2024 schloss er sein Studium der visuellen Technikkommunikation an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ab. Seine journalistischen Interessen gelten insbesondere Künstlicher Intelligenz, Mobilität, Raumfahrt und digitalen Welten.

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