Ende der Luxusmargen: Wie China und Elektroautos die deutsche Autobranche zerlegen
Die großen deutschen Automobilhersteller kämpfen mit sinkender Profitabilität. Vor allem der harte Wettbewerb in China, hohe Investitionen in Elektromobilität sowie geopolitische Risiken drücken seit drei Jahren auf die operativen Renditen.
Viel Produktion, wenig Gewinn - die Margen vieler Autohersteller schrumpfen.
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Die aktuellen Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 zeigen: Die Krise der Margen setzt sich bei den deutschen Automobilherstellern fort – wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Anbietern.
Mercedes-Benz: Von Luxusmargen zu massivem Renditedruck
Mercedes-Benz Group gehörte 2022 noch zu den profitabelsten Volumenherstellern der Welt. Damals lag die operative Pkw-Marge zeitweise bei rund 14 %. Inzwischen ist davon wenig übrig geblieben, im ersten Quartal 2026 sank die operative Rendite der Autosparte auf nur noch 4,1 %. Das operative Ergebnis (EBIT) fiel um knapp 17 % auf 1,9 Mrd. €, der Umsatz sank um fünf Prozent auf 31,6 Mrd. €. Besonders belastend bleibt China: Dort brach der Absatz zuletzt um 27 % ein.
Mercedes reagiert mit einer umfassenden Modelloffensive. Zwischen 2025 und 2027 sollen mehr als 40 neue Modelle erscheinen, darunter der elektrische CLA sowie neue Versionen von GLC und S-Klasse. Finanzchef Harald Wilhelm verweist auf steigende Auftragseingänge bei neuen Elektrofahrzeugen und erwartet eine stärkere zweite Jahreshälfte, die das Ruder wieder herumreißen soll.
BMW hält sich stabiler als die Konkurrenz
BMW Group zeigt sich im Branchenvergleich robuster. Dennoch ist auch hier die frühere Spitzenprofitabilität deutlich geschrumpft. Die operative Marge lag 2022 noch bei über elf Prozent, 2025 nur noch bei 5,3 %. Im ersten Quartal 2026 gingen die weltweiten Auslieferungen um 3,5 % auf rund 566.000 Fahrzeuge zurück. Besonders schwach entwickelten sich bei den Münchnern erneut China und die USA. In China sanken die Verkäufe um 10 %.
Branchenbeobachter sehen BMW dennoch vergleichsweise gut aufgestellt. Gründe sind flexible Produktionsstrukturen, eine technologieoffene Antriebsstrategie und eine weiterhin starke Marktposition im Premiumsegment.
Audi verliert massiv an Profitabilität
Besonders kritisch ist die Lage bei Audi. Die operative Rendite sank innerhalb von drei Jahren von 12,3 % auf zuletzt nur noch 3,9 %. Selbst inklusive Lamborghini liegt die Marge lediglich bei rund 5,1 %.
Auch operativ schwächelt Audi deutlich. Im ersten Quartal 2026 gingen die weltweiten Auslieferungen um 6,1 % zurück. In China verlor die Marke sogar rund zwölf Prozent Absatz. Die Probleme reichen tief: verspätete Modellanläufe, hohe Kostenstrukturen und Defizite bei Softwareplattformen bremsen die Ingolstädter. Innerhalb des Volkswagen-Konzerns verliert Audi damit zunehmend seine frühere Rolle als Technologie- und Renditetreiber.
Porsche bleibt Margenspitzenreiter, verliert aber ebenfalls
Porsche bleibt trotz sinkender Gewinne der profitabelste deutsche Autobauer. Die operative Rendite lag 2022 und 2023 noch bei rund 18 %, inzwischen jedoch nur noch bei etwa 14 %. Im ersten Quartal 2026 gingen die Porsche-Auslieferungen um 14,7 % zurück. Besonders problematisch ist auch hier der chinesische Markt, wo die Verkäufe um mehr als 20 % einbrachen.
Volkswagen kämpft weiter mit niedrigen Renditen
Volkswagen arbeitet traditionell mit niedrigeren Margen als die Premiumhersteller. Doch auch hier verschlechterte sich die Profitabilität zuletzt deutlich. Die operative Rendite des Konzerns lag 2025 nur noch bei 3,7 %. Für die Kernmarke Volkswagen rechnen Analysten teilweise sogar nur noch mit zwei bis drei Prozent Rendite.
Im ersten Quartal 2026 gingen die weltweiten Auslieferungen des Konzerns um vier Prozent zurück. Besonders stark belasteten die Rückgänge in China (-14,8 %) und den USA (-13,3 %). Der Konzern versucht gegenzusteuern – unter anderem mit Kostensenkungen, neuen Elektroplattformen und lokaler Entwicklung für den chinesischen Markt.
Škoda wird zum Effizienz-Champion im VW-Konzern
Eine bemerkenswerte Ausnahme ist Škoda Auto. Während viele Wettbewerber Margen verlieren, konnte die VW-Tochter ihre Profitabilität zuletzt sogar steigern. Die operative Rendite lag zuletzt bei rund 8,3 % und damit deutlich höher als bei Audi oder der Kernmarke Volkswagen.
Auch operativ entwickelt sich Škoda stark: Im ersten Quartal 2026 stiegen die Auslieferungen um 14 %. Besonders erfolgreich sind die Elektrofahrzeuge auf MEB-Basis wie Elroq und Enyaq. Die Marke profitiert von einer vergleichsweise schlanken Kostenstruktur, hoher Plattformeffizienz und einer starken Position im europäischen Volumensegment.
China und Elektromobilität verändern die Kräfteverhältnisse
Die aktuellen Zahlen zeigen, wie stark sich die Rahmenbedingungen für deutsche Hersteller schon seit längerem verändert haben. Der frühere Renditevorsprung der Premiumanbieter schmilzt rapide. Gleichzeitig gewinnen Hersteller mit effizienteren Kostenstrukturen und wettbewerbsfähigen Elektroplattformen an Bedeutung.
Entscheidend für einen langfristigen Erfolg wird vor allem die technologische Transformation sein: Softwareintegration, Batterieeffizienz, Plattformstrategien und Entwicklungszyklen bestimmen zunehmend die Wettbewerbsfähigkeit – und damit auch die künftigen Margen der Hersteller.
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