37 % Rabatt 24.07.2026, 17:50 Uhr

Kampfpreis statt Stern: BYD greift den deutschen Taximarkt an

Mercedes liefert keine Werkstaxis mehr. BYD greift mit hohen Rabatten, Plug-in-Hybrid und vier Umrüstpartnern den deutschen Taximarkt an.

BYD Seal 6 DM-i Touring

Der BYD Seal 6 DM-i Touring soll als Plug-in-Hybrid-Taxi gegen die Mercedes E-Klasse antreten. BYD lockt Taxiunternehmen mit hohen Rabatten und einem bundesweiten Netz externer Umrüstbetriebe.

Foto: picture alliance/dpa | Matthias Balk

Jahrzehntelang gehörten Mercedes-Taxis zum deutschen Straßenbild. Verschwunden ist die E-Klasse aus dem Gewerbe zwar nicht. Mercedes liefert sie jedoch nicht mehr als fertig umgebautes Taxi ab Werk. Taxameter, Notalarm, Dachzeichen und weitere Komponenten müssen Spezialbetriebe nachrüsten.

In diese Lücke stößt nun BYD. Der chinesische Hersteller hat am 21. Juli 2026 eine bundesweite Offensive für Taxi- und Mietwagenunternehmen gestartet. Vier Umrüstpartner sollen für kurze Wege sorgen, rund 100 Fahrzeuge stehen nach Unternehmensangaben für eine schnelle Auslieferung bereit. Hinzu kommt ein ungewöhnlich hoher Preisnachlass: Das Branchenmedium Taxi Times berichtet von 37 % Rabatt auf die Topversion des Plug-in-Hybrid-Kombis Seal 6 DM-i Touring.

BYD startet bundesweite Taxi-Offensive

Im Mittelpunkt des neuen Angebots steht der BYD Seal 6 DM-i Touring. Die branchenspezifische Ausstattung übernehmen vier deutsche Spezialbetriebe:

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  • DIE Transform in Nümbrecht,
  • Intax in Oldenburg,
  • Heedfeld in Berlin,
  • Reuss in Hamburg.

Gemeinsam mit DIE Transform hält BYD nach eigenen Angaben rund 100 Fahrzeuge auf Lager. Diese sollen bereits umgebaut oder kurzfristig als Taxi beziehungsweise Mietwagen verfügbar sein. Neben dem Seal 6 will BYD künftig auch die vollelektrischen Modelle Atto 3 Evo und Sealion 7 für das Personenbeförderungsgewerbe anbieten.

Ein Werkstaxi im klassischen Sinn bietet allerdings auch BYD nicht an. Die Fahrzeuge entstehen ebenfalls durch externe Umrüstung. Der Hersteller bindet die Umrüstbetriebe jedoch direkt in sein Vertriebsangebot ein und wirbt mit einer durchgängigen Abwicklung vom Fahrzeugkauf bis zur einsatzbereiten Ausführung.

Rund 27.000 € netto inklusive Taxipaket

Besonders auffällig ist der Preis. Die Comfort-Version des Seal 6 DM-i Touring kostet regulär 49.990 € brutto. Nach Angaben von Taxi Times gewährt BYD Taxiunternehmen derzeit 37 % Rabatt. Damit soll das Fahrzeug einschließlich Taxipaket für rund 27.000 € netto erhältlich sein. Eine Folierung ist in diesem Preis nicht enthalten. BYD selbst nennt in seiner offiziellen Pressemitteilung weder die Rabatthöhe noch einen konkreten Endpreis.

Zum Taxipaket gehören laut Taxi Times unter anderem:

  • eine Taxameter-Vorrüstung,
  • die Anbindung für das Dachzeichen,
  • eine Notalarmanlage,
  • weitere Komponenten für den gewerblichen Personentransport.

Die Umrüstung soll rückrüstbar sein und die Herstellergarantie erhalten. Welche Nebenkosten etwa für Auslieferung, Zulassung oder zusätzliche Sonderausstattung anfallen, geht aus dem veröffentlichten Angebot nicht vollständig hervor.

Mercedes hält mit 24 % Rabatt dagegen

Mercedes hat sich nicht vollständig aus dem Taxigeschäft zurückgezogen. Die E-Klasse kann weiterhin mit einer elektrischen Vorrüstung für die Personenbeförderung bestellt und anschließend extern zum Taxi umgebaut werden.

Nach Angaben von Taxi Times erhalten Taxi- und Mietwagenunternehmen derzeit 24 % Nachlass auf die Dieselmodelle E 200 d und E 220 d. Das Angebot gilt für Limousine und T-Modell. Der spätere Einbau des Taxipakets erfolgt jedoch auf eigene Rechnung.

Bereits Anfang 2026 lag eine rabattierte E-200-d-Limousine laut Taxi Times bei knapp unter 40.000 € netto. Nach der erforderlichen Umrüstung stieg der Preis wieder über diese Marke. Auf Basis der veröffentlichten Konditionen liegt der BYD damit mehr als 10.000 € unter einer umgebauten E-Klasse. Ein exakter Vergleich ist jedoch schwierig, weil Ausstattung, Umbauumfang und Nebenkosten voneinander abweichen.

Der Anschaffungspreis allein sagt zudem noch wenig über die tatsächliche Wirtschaftlichkeit aus. Im Taxibetrieb zählen auch Energieverbrauch, Wartungskosten, Ausfallzeiten und der spätere Restwert. Belastbare Vergleichsdaten aus einem mehrjährigen Taxieinsatz des BYD liegen bislang nicht vor.

Warum Mercedes keine Werkstaxis mehr baut

Mercedes hatte bereits vor mehreren Jahren entschieden, keine baulich veränderten Taximodelle mehr ab Werk anzubieten. Anfang 2026 bestätigte ein Unternehmenssprecher diese Strategie erneut.

Die Absatz- und Verbauquoten seien weiterhin nicht hoch genug, um eine eigene Werkslösung wirtschaftlich anzubieten. Bei den aktuellen Nachlässen handele es sich um eine Vertriebsmaßnahme und nicht um eine Rückkehr des klassischen Werkstaxis.

Damit verlagert sich ein Teil der Wertschöpfung zu externen Betrieben. Sie übernehmen die technische Anpassung an die Anforderungen des Personenbeförderungsgewerbes. Dazu gehören je nach Einsatz und regionalen Vorgaben unter anderem Taxameter oder Wegstreckenzähler, Notalarm, Dachzeichen und Folierung.

In Rom fahren künftig Taxis des Modells Sealion 7 von BYD. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Alfredo Falcone

Wie gut passt der BYD-Antrieb zum Taxibetrieb?

Der Seal 6 DM-i Touring ist 4,84 m lang und besitzt einen Radstand von 2,79 m. BYD gibt ein Kofferraumvolumen von bis zu 675 l an. Mit umgeklappten Rücksitzen sollen maximal 1535 l zur Verfügung stehen.

Technisch setzt das Fahrzeug auf einen Plug-in-Hybridantrieb aus einem 1,5-l-Benzinmotor, Elektromotor und einer sogenannten Blade-Batterie. Je nach Ausführung beträgt die rein elektrische WLTP-Reichweite bis zu 100 km. Die kombinierte Reichweite gibt BYD mit bis zu 1350 km an.

Der von BYD genannte Kraftstoffverbrauch von 1,7 l/100 km ist ein gewichteter WLTP-Wert. Er setzt voraus, dass ein Teil der Strecke mit geladener Batterie elektrisch zurückgelegt wird. Bei entladener Batterie nennt der Hersteller 5,0 l/100 km. Für Taxiunternehmen hängt die Wirtschaftlichkeit des Antriebs daher wesentlich davon ab, wie häufig das Fahrzeug extern geladen werden kann.

Die Ladeleistung fällt vergleichsweise niedrig aus. Die Basisversion lädt laut Taxi Times mit maximal 3 kW Wechselstrom. Comfort und Comfort Lite erreichen 6,6 kW AC sowie maximal 26 kW Gleichstrom. Das reicht für das Laden während längerer Standzeiten oder über Nacht. Für ein schnelles Nachladen während kurzer Pausen ist die Leistung jedoch begrenzt.

In Hamburg scheidet der Plug-in-Hybrid aus

Der Seal 6 DM-i Touring eignet sich nicht für jeden regionalen Taximarkt. In Hamburg werden seit dem 1. Januar 2025 grundsätzlich nur noch lokal emissionsfreie Taxis und Mietwagen neu konzessioniert. Plug-in-Hybride erfüllen diese Vorgabe nicht.

Ausnahmen gelten vorübergehend für bestimmte Großraum- und Rollstuhltaxis. Für sie tritt die Regelung erst am 1. Januar 2027 vollständig in Kraft. Bereits zuvor konzessionierte Fahrzeuge dürfen unabhängig von ihrer Antriebsart weiterbetrieben werden.

Für Märkte mit entsprechenden Emissionsvorgaben will BYD die elektrischen Modelle Atto 3 Evo und Sealion 7 anbieten. Technische Details zur Taxiausführung und konkrete Preise hat der Hersteller bislang nicht veröffentlicht.

Der Preis verschafft BYD einen starken Einstieg

BYD hat den deutschen Taximarkt noch nicht übernommen. Der Hersteller veröffentlicht bislang weder Bestellzahlen noch Zulassungszahlen für seine Taxifahrzeuge. Aus der neuen Offensive lässt sich daher noch kein relevanter Marktanteil ableiten.

Das Angebot setzt Mercedes dennoch unter Druck. Nach den von Taxi Times genannten Konditionen ist der Seal 6 DM-i Touring deutlich günstiger als eine umgebaute E-Klasse. Gleichzeitig verspricht BYD kurze Lieferzeiten und eine überregionale Abdeckung durch vier Umrüstpartner.

Ob daraus ein dauerhafter Erfolg wird, entscheidet sich nicht bei der Bestellung, sondern im Betrieb. Für Taxiunternehmen sind neben dem Kaufpreis vor allem Zuverlässigkeit, Wartungsaufwand, Ersatzteilversorgung und Wiederverkaufswert entscheidend. Genau dafür fehlen beim Seal 6 bislang Langzeiterfahrungen aus dem deutschen Taxigewerbe.

Klar ist aber: Mercedes verzichtet aus wirtschaftlichen Gründen auf das Werkstaxi. BYD nutzt diese Entscheidung, um mit niedrigen Einstiegspreisen und einer organisierten Umrüststruktur in ein lange von deutschen Herstellern geprägtes Segment vorzudringen.

Quellen

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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