Weltpremiere Audi Q9: Wie das neue Flaggschiff BMW X7 und Mercedes GLS herausfordert
Mit dem Q9 verabschiedet sich Audi von der klassischen Oberklasse-Limousine als Flaggschiff und setzt erstmals auf ein Full-Size-SUV. Vor allem in den USA soll das neue Spitzenmodell gegen BMW X7 und Mercedes GLS bestehen.
Mit dem neuen Audi Q9 will Audi vor allem in den USA Marktanteile in der Luxusklasse gewinnen.
Foto: Audi AG
Der gerade in New York vorgestellte Q9 markiert einen Strategiewechsel bei Audi. Während der A8 über Jahrzehnte die Spitze des Modellprogramms bildete, übernimmt nun ein SUV diese Rolle.
Die Entscheidung folgt den veränderten Marktbedingungen: Vor allem in Nordamerika, China und Teilen des Nahen Ostens wächst die Nachfrage nach großen Luxus-SUV seit Jahren deutlich stärker als die nach klassischen Limousinen.
Inhaltsverzeichnis
Ein Audi für die USA
„Mit dem Audi Q9 erweitern wir unser Portfolio um unser erstes großes Full-Size-SUV – bewusst entwickelt für die Anforderungen unserer Kundinnen und Kunden in den USA“, erklärt Audi-CEO Gernot Döllner in einer Pressemitteilung. Das Fahrzeug unterstreiche die Bedeutung des amerikanischen Marktes, der für Audi nach China inzwischen die wichtigste Einzelregion darstellt.
Mit 5,31 m Länge, 3,14 m Radstand und einer Breite von 2,21 m übertrifft der Q9 sogar BMW X7 und Mercedes GLS leicht. Audi positioniert ihn damit bewusst im größten und margenstärksten SUV-Segment.
Komfort als Entwicklungsziel
Während viele technische Innovationen auf Effizienz oder Fahrdynamik abzielen, standen laut Audi beim Q9 vor allem Raumangebot und Reisekomfort im Lastenheft. Serienmäßig verfügt das SUV über sieben Sitzplätze, alternativ ist eine Sechssitzer-Konfiguration mit zwei elektrisch verstellbaren Einzelsitzen in der zweiten Reihe erhältlich. Elektrisch betätigte Türen, eine Fünf-Zonen-Klimatisierung, Massage- und Belüftungsfunktionen sowie das mit über 1,5 m2 bislang größte Panorama-Glasdach der Unternehmensgeschichte sollen das Fahrzeug als rollende Business-Lounge positionieren.
Bemerkenswert ist die technische Umsetzung des Glasdachs. Statt eines klassischen Rollos nutzt Audi elektronisch schaltbare Transparenzsegmente. Optional sorgen 84 integrierte LEDs für eine Beleuchtung, deren Farbe sich automatisch an das Ambientelicht anpasst.
Mildhybrid mit elektrischem Verdichter
In Europa startet der Q9 zunächst ausschließlich mit einem Dreiliter-V6-TDI. Der Selbstzünder leistet 220 kW und entwickelt 630 Nm Drehmoment. Unterstützt wird er von einem weiterentwickelten MHEV-plus-System, bestehend aus Triebstranggenerator, Riemenstartergenerator und Lithium-Eisenphosphat-Batterie. Der elektrische Antriebsgenerator stellt kurzzeitig bis zu 18 kW Zusatzleistung und bis zu 370 Nm zusätzliches Drehmoment bereit. Dadurch kann das SUV beim Rangieren oder im Stop-and-go-Verkehr zeitweise elektrisch bewegt werden.
Eine Besonderheit stellt der elektrisch angetriebene Verdichter dar. Er ergänzt den klassischen Abgasturbolader und baut laut Audi innerhalb von lediglich 1,2 s einen maximalen Ladedruck von 3,6 bar auf. Das reduziert das Turboloch deutlich und verbessert insbesondere das Ansprechverhalten bei niedrigen Drehzahlen. Für Nordamerika setzt Audi dagegen auf einen Dreiliter-V6-Benziner. In ausgewählten Märkten ergänzt der SQ9 das Angebot mit einem überarbeiteten 4,0-l-V8-Biturbo, der rund 440 kW mobilisiert und den Sprint auf 100 km/h in vier Sekunden absolviert.
Ein Plug-in-Hybrid für Europa befindet sich bereits in Vorbereitung, ein batterieelektrischer Q9 ist nach Angaben der Ingolstädter dagegen bislang nicht vorgesehen.
Fahrwerk für Komfort und Anhängelast
Trotz seiner Größe soll sich der Q9 möglichst handlich bewegen lassen. Serienmäßig kommt deshalb eine adaptive Luftfederung mit variabler Dämpfung zum Einsatz. Sie verändert die Fahrzeughöhe um bis zu 90 mm und senkt das Fahrzeug zum Einsteigen automatisch ab.
Optional steht eine Hinterachslenkung zur Verfügung, bei der die Hinterräder um bis zu fünf Grad einschlagen. Dadurch verkleinert sich der Wendekreis im Stadtverkehr deutlich, während bei höheren Geschwindigkeiten die Fahrstabilität zunimmt. Mit einer maximalen Anhängelast von 3,5 t erfülle der Q9 zugleich eine zentrale Anforderung nordamerikanischer Kunden.
Neue Lichttechnik und Fahrerassistenz
Technologisch setzt Audi besonders auf seine Lichtsysteme. Erstmals kommen außenliegende, gebogene OLED-Panels zum Einsatz, die auf nur 0,1 mm dünnem Ultra-Dünnglas basieren. Die Leuchten können Warnhinweise darstellen und verbessern gleichzeitig die Erkennbarkeit des Fahrzeugs aus flachen Blickwinkeln. Zusätzlich projizieren die Matrix-LED-Scheinwerfer beim Abbiegen oder Spurwechseln Blinkersymbole auf die Fahrbahn. Diese Erweiterung des Blinksignals soll andere Verkehrsteilnehmer früher auf Fahrmanöver aufmerksam machen.
Auch bei den Assistenzsystemen rückt Audi näher an BMW und Mercedes heran. Der adaptive Fahrassistent Plus ermöglicht auf freigegebenen Autobahnen in Deutschland, den USA und Kanada freihändiges Fahren bis 130 km/h. Es handelt sich um ein System der Automatisierungsstufe SAE Level 2; der Fahrer bleibt jederzeit verantwortlich. Kommt es zu einer Inaktivität des Fahrers, kann der Notfallassistent das Fahrzeug selbstständig auf den Standstreifen lenken, kontrolliert anhalten und automatisch einen Notruf absetzen.
Angriff auf BMW X7 und Mercedes GLS
Mit dem Q9 greift Audi erstmals direkt die beiden Platzhirsche BMW X7 und Mercedes-Benz GLS an. Während BMW seine Stärken traditionell bei Fahrdynamik und digitaler Vernetzung sieht und Mercedes den GLS konsequent als luxuriöses Langstreckenfahrzeug positioniert, versucht Audi beide Welten miteinander zu verbinden. Besonders die Lichttechnik, die elektrisch öffnenden Türen, das große Panorama-Glasdach sowie die konsequente Digitalisierung des Innenraums sollen dem Q9 ein eigenständiges Profil verleihen.
Beim Antrieb verfolgt Audi dagegen zunächst einen ungewöhnlichen Weg. Während viele Wettbewerber ihre Oberklasse-SUV zunehmend elektrifizieren, startet der Q9 in Europa ausschließlich als Mildhybrid-Diesel. Erst später soll ein Plug-in-Hybrid folgen. Diese Strategie dürfte vor allem Vielfahrer mit hohen Anhängelasten ansprechen, schränkt jedoch das Potenzial in Märkten mit starker Elektrifizierungsdynamik ein.
Audis Flaggschiff und seine strategische Bedeutung
Für Audi besitzt der Q9 vor allem strategische Bedeutung. Das Modell erschließt ein Segment, in dem die Marke bislang kaum vertreten war, und stärkt gleichzeitig ihre Position in den margenstarken Märkten Nordamerikas und Asiens. Produziert wird das SUV im Werk Bratislava, das bereits seit vielen Jahren große Konzern-SUV wie Audi Q7 und Q8 fertigt.
Ob der Q9 die zuletzt schwächere Geschäftsentwicklung der Marke nachhaltig verbessern kann, bleibt offen. Technisch präsentiert sich das neue Flaggschiff jedoch als konsequent auf Komfort, Digitalisierung und Langstreckentauglichkeit ausgelegtes Luxus-SUV – und als der bislang ernsthafteste Versuch Audis, BMW X7 und Mercedes-Benz GLS direkt Konkurrenz zu machen.
Bestellbar ist das SUV ab Ende Juli 2026, im November startet dann die Markteinführung. Der Einstiegspreis für den Q9 TDI mit 220 kW liegt bei 108.400 €.
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