Brennstoffzelle an Bord: Yamaha und Toyota schicken Wasserstoff-Sauna auf finnische Seen
Saunaboote gehören in Finnland quasi zum Inventar. Das Exemplar, das Yamaha, Toyota und Harvia jetzt in Jyväskylä zeigen, fährt mit Wasserstoff: Das Gas treibt es an, heizt die Steine und befeuert den Grill. Rund 1 kg reicht für zwei Stunden.
Elektrisch fahren, mit Flamme heizen: Das Boot nutzt seinen Wasserstoff auf zwei Wegen.
Foto: Yamaha Motor
In Finnland gibt es rund 3,3 Millionen Saunen und 188.000 Seen. Dass die Finnen beides kombinieren und Saunaboote aufs Wasser setzen, hat Tradition. Neu ist, womit in Jyväskylä jetzt geheizt wird.
Denn in der mittelfinnischen Stadt wird am 30. Juli zur Rally Finland ein Saunaboot präsentiert, dessen Steine eine Wasserstoffflamme auf Temperatur bringt, während eine Brennstoffzelle den Strom für die vier Elektromotoren liefert. Auch der Grill an Deck läuft mit dem Gas. Rund 1 kg genügt nach Angaben der Central Finland Mobility Foundation (Cefmof) für zwei Stunden Fahrt, Schwitzen und Grillen. Das ist die Energiemenge von knapp vier Litern Benzin. Wie funktioniert das?
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So fährt das Wasserstoff-Saunaboot
Das laut Cefmof für maximal zwölf Personen zugelassene Boot mit 14,36 m Länge und 4,36 m Breite gleicht am ehesten einem Ponton. Für den Vortrieb sorgen vier „Harmo“-Einheiten von Yamaha Motor. Die Packs bündeln Elektromotor, Lenkung und Steuerung und arbeiten als sogenannter Ringantrieb: Der Motor sitzt nicht auf einer zentralen Welle, sondern in einem Ring um den Propeller herum, der die Schraube am äußeren Rand antreibt.
Das mache das System laut Yamaha besonders leise und vibrationsarm. Zudem liefere es bei niedrigen Geschwindigkeiten einen effizienten Schub. Durchaus passend für ein Boot, dessen Passagiere in der Sauna sitzen und nicht möglichst schnell ans Ziel wollen. Für den Konzern ist es nach eigenen Angaben das erste Vorhaben, das Wasserstoffenergie mit elektrischem Schiffsantrieb kombiniert.
Den Strom für die vier Antriebe und das Bordnetz erzeugt eine Brennstoffzelle. Der Wasserstoff für Antrieb, Ofen und Grill steckt in Wechselkartuschen: Ist der Vorrat verbraucht, werden die Behälter im Hafen getauscht, und das Boot ist nach Angaben von Cefmof mit kurzer Standzeit wieder startklar. Damit umgeht es eine der größten Hürden mobiler Wasserstoffanwendungen: die vielerorts fehlende Tankinfrastruktur.

Wie sicher ist das?
Dass hier ein brennbares Gas, eine offene Flamme und eine Holzkabine zusammenkommen, ist den Entwicklern bewusst. Sensoren überwachen laut Cefmof daher kontinuierlich die Wasserstoffkonzentration.
Bei einem detektierten Leck stoppt die Zufuhr automatisch, eine Dauerbelüftung soll verhindern, dass sich das flüchtige Gas irgendwo ansammelt.
Wieso reicht 1 kg für zwei Stunden?
Der Saunaofen stammt nicht von Yamaha, sondern aus einer gemeinsamen Entwicklung des finnischen Saunaherstellers Harvia und Toyota. Er verbrennt den Wasserstoff direkt: Die Flamme und die heiße Luft werden durch die Saunasteine geleitet, die die Wärme speichern und an die Kabine abgeben. Der klassische Aufguss funktioniert damit wie gewohnt. Als Abgas entsteht im Wesentlichen Wasserdampf; über etwaige Stickoxide machen die Unternehmen keine Angaben.

Dass die Sauna mit Flamme heizt und nicht mit Strom aus der Brennstoffzelle, folgt einer einfachen Rechnung. Denn jede Umwandlung kostet Energie:
- Eine Brennstoffzelle wandelt rund die Hälfte der eingesetzten Energie in Strom um, der Rest wird zu Abwärme.
- Wer diesen Strom anschließend wieder in Heizwärme verwandelt, hat also rund die Hälfte der Energie verschenkt.
- Bei der direkten Verbrennung landet dagegen der größte Teil des Heizwertes des Gases dort, wo er gebraucht wird: in den Steinen.
Deshalb die Arbeitsteilung an Bord: Strom entsteht nur dort, wo er unverzichtbar ist, für Motoren und Bordnetz. Wärme wird direkt als Wärme erzeugt. So kommt das Boot mit seinem Kilogramm Wasserstoff über die zwei Stunden.
Wie effizient ist das?
Klimaneutral ist das Ganze nur, wenn der Wasserstoff aus erneuerbarem Strom stammt. Und effizient ist die Architektur vor allem im Vergleich zum Umweg über Bordstrom; gegenüber einer gewöhnlichen Elektrosauna am Landanschluss bleibt die Wasserstoffkette wegen der Verluste bei der Elektrolyse im Nachteil.
An Bord eines Boots, fernab jeder Steckdose, spielt der Energieträger seinen eigentlichen Vorteil aus: Er lässt sich mitnehmen.
Werbefahrt für ein größeres Vorhaben
Ganz neu ist die Wasserstoffsauna nicht. Den Ofen hatten Harvia und Toyota im Sommer 2025 gezeigt, ebenfalls in Jyväskylä zur Rally Finland. Neu ist, dass das Ganze auf dem Wasser stattfindet. Cefmof wurde von der Stadt Jyväskylä, dem Rally-Team von Toyota Gazoo Racing und der Toyota Mobility Foundation gegründet, um Wasserstoff im Alltag sichtbar zu machen. Die Stiftung betreibt in der Stadt bereits Finnlands erste kommerzielle Wasserstofftankstelle. Ein eigener 1-MW-Elektrolyseur von Asahi Kasei soll dort im Sommer 2026 den Betrieb aufnehmen und täglich rund 400 kg produzieren.
Die Entwicklung dient also vor allem als Modell für eine wasserstoffreichere Zukunft. Noch ist der Badespaß vergleichsweise teuer, zumindest, wenn man hiesige Preise berücksichtigt. An deutschen Wasserstofftankstellen kostet das Kilogramm laut dem Portal H2.live am 28. Juli meist zwischen 14 € und 20 €. Zum Vergleich: Die enthaltene Energie von rund 33 kWh oder einem Kilo Wasserstoff kostet bei einem durchschnittlichen Strompreis von 31,1 ct/kWh für Haushalte etwa 10,26 €.
H2 im Land der Tausend Seen
Die finnische Regierung will, dass 2030 mindestens 10 % des in der EU erzeugten grünen Wasserstoffs aus dem Land kommen. Günstiger, weitgehend CO2-freier Strom aus Wasser- und Windkraft liefert dafür die Grundlage.
Die Projekte werden immer zahlreicher. Los ging es im Februar 2025, als P2X Solutions in Harjavalta die erste kommerzielle Anlage für grünen Wasserstoff des Landes mit einem 20-MW-Elektrolyseur des Dresdner Herstellers Sunfire in Betrieb nahm. In Oulu plant unter anderem der deutsche Projektentwickler Energiequelle einen Green Hydrogen Park; insgesamt sind dort drei Vorhaben mit bis zu 1,5 GW Elektrolyseleistung vorgesehen.
Ankommen soll der finnische Wasserstoff perspektivisch auch in Deutschland: Ab 2033 soll der rund 2500 km lange Nordic-Baltic Hydrogen Corridor das Gas von Finnland über das Baltikum und Polen bis ins deutsche Kernnetz transportieren, bis 2040 mit einer Kapazität von 2,7 Mio. t pro Jahr.
Zur aufkommenden Wasserstoffwirtschaft in Finnland trägt das Saunaboot keine Kilowattstunde bei. Als Werbung dürfte es trotzdem funktionieren: Eine Sauna, die im Land der Tausend Seen übers Wasser fährt, erklärt den Energieträger anschaulicher als eine Broschüre.
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