Ford baut künftig mit Geely: Was die China-Allianz für Köln bedeutet
Fünf Modelle und drei Antriebsarten für Valencia: Warum die Ford-Geely-Allianz den Druck auf das Kölner Elektroautowerk erhöht.
Das Ford-Werk in Köln produziert derzeit die Elektromodelle Explorer und Capri. Die neue Allianz mit Geely stärkt dagegen vor allem den spanischen Standort Valencia.
Foto: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
Ford stellt sein schwächelndes Europageschäft neu auf und holt dafür einen chinesischen Partner ins eigene Werk. Gemeinsam mit Geely Auto will der US-Konzern in Valencia Fahrzeuge beider Marken produzieren. Geplant sind Elektroautos, Plug-in-Hybride und Modelle mit Range Extender. Während der spanische Standort dadurch neue Modelle und zusätzliche Stückzahlen erhält, bleibt das Kölner Werk vorerst auf zwei reine Elektroautos konzentriert.
Ford und Geely wollen für die Zusammenarbeit ein Gemeinschaftsunternehmen gründen. Ford soll 66 % der Anteile halten, Geely 34 %. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen soll das Unternehmen im ersten Halbjahr 2027 starten. Die Produktion der ersten neuen Fahrzeuge ist für 2028 vorgesehen.
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Fünf Fahrzeuge sollen in Valencia vom Band laufen
Das Gemeinschaftsunternehmen soll das bislang nur schwach ausgelastete Ford-Werk in Almussafes bei Valencia betreiben. Insgesamt wollen die Partner dort fünf Fahrzeuge produzieren. Dabei handelt es sich allerdings nicht um fünf komplett neue Modelle.
Der Ford Kuga wird bereits in Valencia gebaut und soll ohne Unterbrechung weiterlaufen. Ab 2028 kommen vier weitere Fahrzeuge hinzu:
- ein kompakter Ford-SUV aus der Bronco-Familie,
- ein neuer Ford-Crossover mit mehreren Antriebsvarianten,
- zwei elektrische SUV der Marke Geely.
Der neue Bronco ist ausdrücklich für europäische Straßen vorgesehen. Mit dem großen Geländewagen, den Ford in Nordamerika anbietet, dürfte das Modell daher vor allem den Namen und die robuste Ausrichtung teilen.
Den zweiten Ford entwickelt der Hersteller gemeinsam mit Geely. Das Fahrzeug wird von Ford gestaltet und soll als reines Elektroauto, Plug-in-Hybrid und Elektroauto mit Range Extender angeboten werden. Bei der letztgenannten Variante treibt ausschließlich der Elektromotor die Räder an. Ein Verbrennungsmotor dient als Generator und erzeugt unterwegs Strom für die Batterie.
Geely EX5 soll ab 2028 in Spanien entstehen
Auch Geely erhält durch die Kooperation erstmals eine eigene Fahrzeugproduktion in Europa. Als erstes Modell soll der bereits angebotene Elektro-SUV Geely EX5 in Valencia vom Band laufen. Das zweite Geely-Modell befindet sich nach Angaben des Unternehmens noch in der Entwicklung. Die Marken und Vertriebsnetze bleiben getrennt. Gemeinsam arbeiten Ford und Geely vor allem bei Entwicklung, Beschaffung und Produktion.
Für Geely verkürzt die spanische Fertigung die Lieferwege und erleichtert den Zugang zum europäischen Markt. Zugleich kann der Hersteller auf mögliche EU-Vorgaben reagieren, nach denen öffentlich geförderte Elektroautos künftig einen bestimmten Anteil ihrer Wertschöpfung in Europa erbringen sollen.
Ford wiederum kann freie Kapazitäten nutzen. Das Werk in Valencia ist auf rund 500.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt. 2025 lag seine Auslastung nach Daten des Analyseunternehmens GlobalData jedoch nur bei 26 %. Derzeit wird dort ausschließlich der Kuga produziert. Durch die zusätzlichen Modelle sollen sich Investitionen und Fixkosten auf deutlich mehr Fahrzeuge verteilen.
Valencia bekommt den breiteren Antriebsmix
Die Partnerschaft zeigt, wie deutlich Ford seine bisherige Elektrostrategie für Europa verändert. Statt ausschließlich auf batterieelektrische Pkw zu setzen, entwickelt der Hersteller wieder Fahrzeuge mit unterschiedlichen Antrieben.
Valencia erhält damit eine breite industrielle Basis: reine Elektroautos, Plug-in-Hybride und Modelle mit Range Extender. Hinzu kommen Fahrzeuge zweier Hersteller. Das senkt die Abhängigkeit des Werks vom Erfolg eines einzelnen Modells oder einer einzigen Antriebstechnik.
Ford-Europachef Jim Baumbick bezeichnet die Kooperation als Antwort auf den hohen Kostendruck und den verschärften Wettbewerb in Europa. Durch die gemeinsamen Stückzahlen solle das Werk besser ausgelastet und jedes dort gebaute Fahrzeug günstiger werden.
Köln produziert weiterhin Explorer und Capri
Für das Kölner Ford-Werk ist bislang keine direkte Änderung angekündigt. Dort entstehen weiterhin die rein elektrischen Modelle Explorer und Capri. Beide basieren auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten von Volkswagen.
Ford hatte rund 2 Mrd. US-$ in den Umbau des traditionsreichen Standorts zu einem Elektroautowerk investiert. Seit 2025 werden in Köln zudem die Batteriepakete für Explorer und Capri montiert.
Die Nachfrage blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück. Seit Januar 2026 arbeitet die Fahrzeugfertigung deshalb nur noch im Einschichtbetrieb. Ford kündigte zudem den Abbau von bis zu 1000 weiteren Stellen im Kölner Elektroautowerk an. Bereits zuvor hatte das Unternehmen beschlossen, bis Ende 2027 rund 2.900 Arbeitsplätze in Deutschland zu streichen.
Ford betont, dass die Zusammenarbeit mit Geely keine Auswirkungen auf Köln habe. Explorer und Capri seien weiterhin ein wichtiger Teil des europäischen Modellprogramms. Eine Verlagerung bestehender Kölner Fahrzeuge nach Spanien ist tatsächlich nicht angekündigt.
Köln gerät strategisch dennoch unter Druck
Trotzdem verändert die Allianz das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Standorten. Valencia erhält mehrere neue Modelle, drei Antriebsvarianten und zusätzliche Produktionsmengen von Geely. Köln bleibt dagegen von der Nachfrage nach zwei batterieelektrischen SUV abhängig.
Das bedeutet nicht, dass Ford das Kölner Werk aufgeben will. Die Investitionen in Fahrzeug- und Batteriemontage sind umfangreich, und für die Beschäftigten besteht eine Vereinbarung zur Standortsicherung. Eine langfristige Perspektive benötigt das Werk jedoch mehr als zwei Modelle. Entscheidend wird sein, ob Ford Köln weitere Fahrzeuge zuweist und wie sich die Verkaufszahlen von Explorer und Capri entwickeln.
Die Kooperation mit Geely ist daher keine unmittelbar gegen Köln gerichtete Entscheidung. Sie zeigt aber, welches Produktionsmodell Ford derzeit für wettbewerbsfähig hält: hohe Stückzahlen, mehrere Marken und flexible Antriebstechnik. Genau diese Mischung fehlt dem Kölner Werk bislang. (Mit Material der dpa)
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