28.10.2016, 14:21 Uhr | 0 |

Ab Sonntag Winterzeit Wer hat wieder an der Uhr gedreht? Neun Fakten zur Zeitumstellung

Die Blätter fallen, im Supermarkt gibt es schon Lebkuchen: Das sind untrügliche Zeichen dafür, dass die Winterzeit bevorsteht und wir die Uhr umstellen müssen. Aber in welche Richtung muss der Zeiger nochmal wandern? Und warum bitte gibt es diese halbjährliche Störung des Biohaushalts eigentlich? Und wieso bleiben einige direkt bei der Sommerzeit?

Installation «Zeitfeld» von Klaus Rinke in Düsseldorf
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Der Installation «Zeitfeld» von Klaus Rinke in Düsseldorf: Hoffentlich müssen nicht auch noch diese Uhren in der Nacht zu Sonntag umgestellt werden. Müssen die Zeiger eigentlich vor- oder zurückgestellt werden? Wir haben ein paar Eselsbrücken für Sie.

Foto: Maja Hitij/dpa

Nein, wir wollen Ihnen jetzt nicht damit kommen, dass manche Menschen angeblich ein halbes Jahr brauchen, um die Umstellung von einer Stunde zu verkraften. Gerade so, also ob nicht jeder von uns nach der Liveübertragung der Champions League, nach dem 50. Geburtstag des besten Freundes oder an Silvester erst Stunden später als üblich im Bett gelandet ist, ohne gleich wochenlang über einen Home-Jetlag zu klagen.

Aber rund um die Zeitumstellung gibt es eine Menge interessanter Fakten. Nicht zu vergessen die Eselsbrücken, wie man sich das Umstellen der Uhr merken kann. Vor oder zurück? Das ist hier die Frage.

1. Was passiert genau?

Jedes Jahr wird am letzten Wochenende des Oktobers die Uhr umgestellt. Um genau 3 Uhr deutscher Zeit am Sonntagmorgen springt der Zeiger wieder zurück auf 2 Uhr. Damit ist die Sommerzeit beendet und es gilt wieder die Winterzeit. Wobei „Winterzeit“ genau genommen kein spezieller Zustand ist, sondern schlicht und einfach die Normalzeit. Der Sonderfall ist die Sommerzeit – und das seit 1980, zumindest in Europa.

2. Warum eigentlich?

Ursprünglich war die Umstellung der Uhren eine Maßnahme zum Energiesparen. Noch gebeutelt von der Ölkrise 1973 beschloss die Europäische Gemeinschaft als Vorgängerin der EU 1977, den Tagesablauf ab 1980 den Lichtverhältnissen anzupassen. Das sollte Energie sparen, schließlich brauchte man bei einer Stunde mehr Tageslicht weniger Strom für Glühbirnen.

Tolle Idee – allerdings hat sich inzwischen herausgestellt, dass sich dieser Effekt laut Umweltbundesamt durch das verstärkte Heizen in den (Sommerzeit-)Morgenstunden im Herbst und Frühjahr wieder aufhebt. Was bleibt, sind die längeren Sommerabende mit Tageslicht. Hat ja auch was für sich, wenn zum Grillen kein Flutlicht benötigt wird und man das Kaltgetränk ohne Taschenlampe findet. 

3. Wer macht mit?

Am kollektiven Uhrenumstellen beteiligt sich der komplette Europäische Wirtschaftsraum inklusive der Schweiz. Island spielt dagegen nicht mit. Da es verschiedene Zeitzonen in Europa gibt, gelten natürlich unterschiedliche Ortszeiten für die Umstellung. Der Saisonwechsel findet um genau 1 Uhr Weltzeit statt – für Deutschland, Österreich und die Schweiz zum Beispiel kommt dadurch der Wechsel von 3 Uhr auf 2 Uhr zustande, die Briten und Portugiesen dagegen greifen um 2 Uhr zum Wecker, um auf 1 Uhr zu stellen. Um 4 Uhr Ortszeit dagegen drehen Griechen an der Uhr.

Auch in anderen Regionen der Welt stellen Menschen die Uhr um: USA, Kanada und Mexiko zum Beispiel. Die sind allerdings eine Woche später dran – am ersten Novemberwochenende. In Afrika und Asien ist der Wechsel zwischen den Zeiten mit wenigen Ausnahmen eher unpopulär, Neuseeland schon und Australien nur zum Teil. 

4. Und wer macht nicht mit?

Keine Lust mehr auf das ständige Hin und Her hat zum Beispiel Russland: Hier fand 2011 die letzte Umstellung auf Sommerzeit statt. Seitdem hat niemand mehr daran gedreht, Russland lebt fortan im Sommer – zumindest, was die Zeit betrifft. Ein Beispiel, dem seit diesem Jahr auch die Türkei folgt. Das führt dazu, dass der Zeitunterschied zu Deutschland künftig je nach Jahreszeit variiert: Im Sommer bleibt es bei einer Stunde Zeitverschiebung, im Winter wächst der Abstand auf zwei Stunden.

Und wenn es nach dem Parlament der Balearen geht, herrscht auch in Deutschlands 17. Bundesland demnächst eine andere Zeitzone – zumindest im Winter: Mallorca, Ibiza, Formentera und Menorca wollen in Zukunft ebenfalls in der Sommerzeit verbleiben. Damit gäbe es innerhalb Spaniens zwei unterschiedliche Zeitzonen. Das wäre aber rein geographisch gar nicht so unsinnig. Schließlich geht die Sonne im Westen Spaniens fast eine Stunde später unter als auf der östlich gelegenen Inselgruppe.

5. Wer profitiert am meisten?

Dasselbe Phänomen gibt es auch in Deutschland: In Görlitz im Osten geht die Sonne um einiges früher unter als in Aachen im Westen. Die Sachsen dürften damit noch deutlich mehr für die Beibehaltung der Sommerzeit sein als die geselligen Rheinländer, wenn es um laue Sommerabende auf der Terrasse geht. Auf europäischer Ebene hat zum Beispiel Polen um einiges kürzere Abende als die Festland-Spanier – obwohl beide in derselben Zeitzone liegen. 

6. Geboren um 2:30? Die Zeit gibt es zweimal.

Jaaa, eine Stunde länger schlafen – schließlich gibt es die Stunde zwischen 2 und 3 Uhr zweimal. Was im Privatleben einfach nur eine Randerscheinung ist, muss für offizielle Fälle genau geregelt sein. Wenn ein Kind also ausgerechnet Sonntagmorgen um halb drei auf die Welt kommt, muss genau festgehalten werden, um welche 2.30 Uhr es sich handelt – im Allgemeinen wird das mit dem Zusatz A und B geregelt.

Wer übrigens das Pech hat und arbeiten muss in der Nacht, sollte sich mit seinem Chef individuell einigen – es geht ja nicht nur um eine doppelte Stunde, sondern auch um die vorgeschriebenen Ruhezeiten.  

7. Wie soll man sich das merken?

Jedes halbe Jahr dasselbe: Muss der Wecker jetzt vor- oder zurückgestellt werden? Die Frage ist wichtig – schließlich kann es bei fehlerhafter Bedienung zu persönlichen Zeitverschiebungen um satte zwei Stunden zum Alltag der Mitmenschen kommen. Aber wie soll man sich das bitte merken?

Da ein Großteil der Bevölkerung Schwierigkeiten damit hat, gibt es jede Menge Eselsbrücken. Manch einer reimt: „Im Winter hinter“ – also zurück. Andere nehmen den Sommer als Maßstab. „Zum Sommer hin“ ist ein Tipp: im Frühling vor, im Winter zurück.

FILE - A British flag flies next to the Big Ben in London, Britain, 17 June 2016. EPA/HANNAH MCKAY (zu dpa Themenpaket "Zeitumstellung", "Alles relativ: Wie andere Länder mit der Zeit umgehen" vom 26.10.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Uhr am Big Ben in London: Fast alle EU-Länder machen bei der Zeitumstellungen mit – ausgenommen Island. Auch die Balearen wollen dauerhaft bei der Sommerzeit bleiben. Das tun bereits Russland und die Türkei.

Foto: Hannah Mckay/dpa

Vergleiche mit Alltagsgegenständen helfen eventuell auch: Das Thermometer zeigt schließlich im Sommer „plus“ (also eine Stunde vor) und im Winter „minus“ (eine Stunde zurück). Ebenso wie die Gartenmöbel: Im Winter werden sie VOR die Tür gestellt, im Winter ZURÜCK ins Haus.

Oder man orientiert sich schlicht und einfach am Schlafverhalten: Im Herbst gibt’s eine Stunde Winterschlaf extra, bei der Umstellung auf Sommerzeit reagiert man mit Frühjahrsmüdigkeit. Was das jetzt für das Verschieben des Zeigers bedeutet, muss man bei dieser Merkhilfe allerdings wieder allein herausfinden. 

8. Welche Geräte brauchen überhaupt manuelle Hilfe?

In vielen Fällen hilft aber auch einfach ein Blick aufs Smartphone oder den Computer – diese Geräte stellen sich in aller Regel selbst um, wenn man die Funktion nicht deaktiviert hat. Auch Funkwecker springen natürlich von selbst auf die richtige Uhrzeit. Lediglich analoge Uhren an Arm, Wand und Nachttisch und der ein oder andere Uralt-Radiowecker braucht manuelle Unterstützung. Und ja, eine Absprache mit Partnern, Kindern oder Mitbewohnern ist zweckmäßig. Zweimal umstellen ist schließlich auch nicht hilfreich. 

9. Wie kann ich mich gut drauf einstellen?

Toll – alle Uhren erfolgreich umgestellt, länger geschlafen, aber trotzdem wie erschlagen: Bis zu 40 Prozent der Deutschen kommen mit der Zeitverschiebung nicht sofort klar, sondern reagieren mit einem Mini-Jetlag. Frauen sind übrigens stärker betroffen als Männer.

Experten empfehlen viel frische Luft, Gelassenheit und bewusste Entspannung, um wieder schnell in den Takt zu kommen. Auch ein schrittweises Verrücken der Schlaf- und Essenszeiten schon im Vorfeld könnten helfen. Für dieses Jahr ist es dafür allerdings wohl schon etwas spät. Aber keine Sorge: Die nächste Sommerzeit kommt bestimmt. Ende März ist es wieder so weit. 

Sie interessieren sich für die Zeit? Dann lesen Sie hier, warum immer wieder Schaltsekunden notwendig sind.

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Von Judith Bexten
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