Blick in die Geschichte 23.03.2024, 11:22 Uhr

Bagdad-Batterie – wurde schon vor 2000 Jahren Strom erzeugt?

Bei einer Ausgrabung in den 1930er Jahren gab es in der Nähe von Bagdad einen ungewöhnlichen Fund: Eine Tonvase, die aufgrund ihrer Beschaffenheit und ihres Innenlebens als elektrisches Gerät klassifiziert wurde. Wirklich bestätigen konnten Forschende das bis heute allerdings nicht.

Bagdad-Batterie

Die Bagdad-Batterie umgibt zahlreiche Mythen und Geschichten - konnten die Menschen vor 2000 Jahren bereits wirklich Strom erzeugen?

Foto: Technisches Museum Wien

Ist es möglich, dass es eine erste Form von Elektrizität schon vor mehr als 2000 Jahren gab? Einige Expertinnen und Experten sind der Auffassung, dass die Hinweise recht eindeutig sind. Doch Einigkeit herrscht in der Wissenschaft nicht. Demzufolge rangen sich um die sogenannte Bagdad-Batterie verschiedene Geschichten, Mythen und Einschätzungen.

Die Bagdad-Batterie erhielt ihren Namen, weil sie bei Ausgrabungen in der Nähe der Stadt Bagdad gefunden wurde. 1936 stießen Archäologen unter der Leitung von Wilhelm König unter anderem auf ein Gefäß, das einer antiken Tonvase ähnelte. König, eigentlich ein österreichischer Maler, war zu diesem Zeitpunkt auch Direktor des irakischen Nationalmuseums. Bei den Ausgrabungen ging man damals davon aus, eine parthische Siedlung zu finden. Die Parther erlebten ihre Blütezeit als persisches Reitervolk zwischen Mitte des 3. Jahrhunderts vor Christus bis ins erste Drittel des 3. Jahrhunderts nach Christus.

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Was steckt hinter der ungewöhnlichen Vase?

Grabungsleiter Wilhelm König beschrieb die gefundene Vase wie folgt: „Das Gerät besteht aus einer Tonflasche, einem Zylinder aus Kupferblech und einem Eisenstab. Die Flasche ist länglich oval aus weißlich gelbem Ton mit abgeplatteter Standfläche. Die Flasche ist 14 cm hoch und hat einen maximalen Durchmesser von 8 cm. Der Hals ist willkürlich entfernt und trägt rund um die Bruchstelle Spuren von Asphalt. Die Halsöffnung hat einen Durchmesser von 33 Millimetern.“ Allein der Aufbau dieses Gegenstands veranlasste König zu Überlegungen, dass dies keine einfache Vase sein kann.

Er ging vielmehr davon aus, dass es sich dabei um eine Art Trockenbatterie, also eine Form von elektrischem Element, handelt. Das wird deutlich, wenn man sich die Beschreibung des Innenlebens der Vase ansieht: Das Innere enthielt wie beschrieben ein Kupferblech und ein vollständig oxidiertes Stäbchen aus Eisen. Dieses Stäbchen soll etwa neun Zentimeter lang gewesen und mit einer dünnen Metallschicht überzogen gewesen sein, vermutlich Blei.

Als elektrisches Element wird die Tonvase auch im Technischen Museum in Wien beschrieben. Dort steht eine Nachbildung. Ob es den Parthern tatsächlich gelungen ist, in der antiken Welt Elektrizität zu erzeugen, lässt sich bis heute nicht mit Sicherheit klären.

Damalige Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass es sich um eine besondere Apparatur handeln könnte. Der Hintergrund: Die Parther waren bekannt für ästhetische Kunstgegenstände aus Gold. Um sie herzustellen, waren Geräte notwendig. Also ging man davon aus, dass es sich um ein Gerät für die Galvanisierung handeln könnte. Bei der Galvanisierung werden Oberflächen mit Schichten überzogen.

Funktionsprinzip der Bagdad-Batterie

Aufgrund dieses besonderen Innenlebens war es für König damals naheliegend, dass es sich um ein „elektrisches Element“ handeln müsste. Konkret vermutete er eine elektrolytische Zelle, die chemische und elektrische Energie umwandeln kann. Das Tongefäß betrachtete er als Isolierkörper, den Kupferzylinder als Kathode, in dem durch eine Säure als Elektrolyt die Ionen zur Anode, dem Eisenstab, wanderten. Auf diese Art und Weise könnte elektrischer Strom geflossen sein.

Das Konstrukt wirft allerdings einige Fragen auf, schließlich gab es zur Zeit der Parther keine künstlichen Stromquellen. Demgegenüber stehen allerdings weitere Funde dieser Art. In der Nähe von Seleucia, etwa 50 Kilometer von Bagdad entfernt, fand man etwa zehn weitere Gegenstände. Während einige Quellen berichten, dass sie dem ersten Fund ähneln, deuten weitere Quellen in eine andere Richtung: Sie besagen, die Vasen glichen sich äußerlich, aber nicht hinsichtlich des Inhalts.

Glaubt man den Ausführungen Königs, könnte die Bagdad-Batterie dem Prinzip der Batterie von Alessandro Volta gleichen. Dieser entdeckte im Jahr 1800 die Elektrolyse und damit erstmals die Herstellung vieler unedler Metalle, zu denen heutzutage zum Beispiel Gusseisen, Blei, Eisen, Kupfer oder Zink gehören. Auch die eigentliche Galvanisierung, die den Parthern mit der Bagdad-Batterie nachgesagt wird, wurde erst im 18. Jahrhundert als Technik entdeckt – von dem italienischen Arzt Luigi Galvani.

Bagdadbatterie Funktionsweise

So könnte die Bagdad-Batterie funktioniert haben.

Foto: Dominik Hochwarth

Nachbauten der Bagdad-Batterie

Seit dem Fund dieser besonderen Vase beschäftigt sich die Wissenschaft immer mal wieder damit. Es hat etliche Duplikate gegeben, mit denen verschiedene Experimente durchgeführt wurden. Die Forschenden wollten damit ergründen, ob König mit seinen Hypothesen richtig lag. Bei einigen der Versuche konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Stromfluss feststellen.

Allerdings muss man bei diesen Experimenten berücksichtigen, dass es sich nur um Nachbauten des Gefäßes handelte und die eingesetzten Materialien dem jeweiligen Stand der Zeit entsprachen, in denen sie von den Forschenden durchgeführt wurden. Niemand kann mit Sicherheit sagen, welche Materialien die Parther in der Antike zur Verfügung hatten und womit sie es angeblich schafften, Elektrizität zu erzeugen.

Wenn die Parther schon vor Christus in der Lage waren, die Galvanisierung anzuwenden, dann müssten sie dafür zum Beispiel irgendeine Form von Drähten und Klemmen benutzt haben. Allerdings gibt es bislang keine Hinweise, dass Zubehör dieser Art oder etwas, das dem ähnelt, bei weiteren Ausgrabungen gefunden worden ist.

Geheimnis um die Bagdad-Batterie bis heute ungelöst

Neben den Theorien, dass es sich bei dem besonderen Gefäß um eine Art Batterie handeln muss, gibt es auch noch andere Vermutungen. Sie gehen eher von einem kultischen Gefäß aus, in dem Dokumente oder andere Dinge aufbewahrt wurden. Möglicherweise hatten die Vasen für ihre Besitzerinnen und Besitzer eine schützende Wirkung. Das würde erklären, warum sie in der Nähe der Häuser der Parther vergraben wurden.

Bei der Bagdad-Batterie verhält es sich, wie mit anderen Geschichten, deren Wahrheitsgehalt sich bislang nicht eindeutig aufklären lässt. Es ranken sich Mythen darum und Menschen geben sich abenteuerlichen Interpretationen hin. Das wird vermutlich erst ein Ende finden, wenn es gelingt, die tatsächliche Funktion der Bagdad-Batterie nachzuweisen.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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