Rekorde 16.08.2021, 15:30 Uhr

Die größten Chemieparks der Welt: Produktionsstätten der Vielfalt

Chemieparks werden durch produktivitätssteigernde Vorteile wettbewerbsfähiger. Aus diesem Grund wachsen Industriezonen oftmals zu riesigen Arealen zusammen und werden zu den größten Chemieparks der Welt.

Unser Ranking zeigt die größten Chemieparks der Welt. Foto: panthermedia.net/sepavone

Unser Ranking zeigt die größten Chemieparks der Welt.

Foto: panthermedia.net/sepavone

Der Terminus Chemiepark stellt mehr oder minder die nächste Stufe eines konventionellen Industrieparks dar. Meist bietet diese Spezialform durch diverse vorhandene Genehmigungen nicht nur einen Anreiz für die Zuwanderung chemischer Industrie. Sie ermöglicht durch die gut ausgebaute Infrastruktur und die Nähe zu anderen Unternehmen die Entstehung von Synergien. Vielerorts sind deshalb nicht ausschließlich Weltkonzerne in Chemieparks angesiedelt, sondern darüber hinaus ebenso Start-Ups und kleinere Unternehmen.

In einem Industrie- oder als Sonderform einem Chemiepark steht in der Regel ein bestimmtes Kontingent an Fläche zur Bebauung zur Verfügung, welches in Parzellen gegliedert ist. Unternehmen können Areale davon in Anspruch nehmen und profitieren dabei von der meist hervorragenden Infrastruktur und Verkehrsanbindung. Oftmals stehen neben Straße und Schiene sogar Wasserwege zur Verfügung, die Lieferanten und Abnehmer noch näher an das eigene Geschäftsmodell bringen. Dazu gehören in der Regel auch Anschlüsse an Pipeline-Netze für Brennstoffe und Chemikalien. Abseits der technischen Infrastruktur stehen zudem diverse Serviceeinrichtungen wie Kantinen, Einkaufsmöglichkeiten für Angestellte oder vielseitige Freizeitangebote zur Verfügung. Nicht selten entsteht dabei aus einem Chemiepark eine Stadt innerhalb einer Stadt.

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Top 10: Die größten Chemieparks der Welt

Unsere Top 10 haben aber nichts mehr mit den überschaubaren Industriegebieten an den Rändern von Kreisstädten zu tun. Sie sind mitunter größer als eine gesamte Stadt, inklusive ihren Vororten. Wie groß genau diese Areale sind, zeigen wir in unserem Ranking „Die größten Chemieparks der Welt“.

Platz Chemiepark Gesamtfläche Standort
1 Hafen von Antwerpen 150 km² Antwerpen, Belgien
2 Hafen von Rotterdam 127 km² Rotterdam, Niederlande
3 Chemmed Cluster Tarragona 120 km² Tarragona, Spanien
4 Haropa – Port of Le Havre 100 km² Le Havre, Frankreich
5 Nanjing Chemical Industrial Park (NCIP) 45 km² Nanjing, China
6 Shanghai Chemical Industry Park (SCIP) 29 km² Shanghai, China
7 Chemical Industrial Park (TEDA) 27 km² Tianjin, China
8 Chemcoast Park Brunsbüttel 20 km² Brunsbüttel, Deutschland
9 Chemical Cluster Delfzijl 15 km² Delfzijl, Niederlande
10 Infraleuna 13 km² Leuna, Deutschland

 

Platz 10: Infraleuna, Deutschland (13 km²)

Leuna im Bundesland Sachsen-Anhalt ist bekannt für seine Chemieindustrie. Auf dem Gelände der ehemaligen Leunawerke, einem bis 1945 führenden Chemiewerk Deutschlands, befindet sich die Infraleuna GmbH. Sie ist Eigentümer der dort vorhandenen Infrastruktureinrichtungen und betreibt diese. Der Chemiepark im eigentlichen Sinne wurde 1996 gegründet, nachdem wenige Jahre zuvor einzelne Geschäftsfelder der Leunawerke privatisiert oder stillgelegt wurden. Zu diesem Zeitpunkt siedelten sich bereits die Linde AG sowie Arkema an. Kurz darauf folgten die DOMO-Gruppe und die Bauarbeiten für die Total Raffinerie Mitteldeutschland begannen.

Chemieparks schaffen Synergien und schonen die Umwelt

Insgesamt stehen auf dem Areal rund 13 km² zur Verfügung, sodass der Chemiepark Infraleuna auf unserem 10. Platz landet. Aktuell beheimatet der Standort über 100 Unternehmen aus verschiedensten Bereichen der Chemieindustrie, aber auch Dienstleister und Bildungseinrichtungen sind auf dem Gelände zu finden. Dazu kommen außerdem das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) sowie das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Rund 10.000 Arbeitskräfte sind am Standort Leuna tätig, davon fallen rund 700 auf die Infraleuna selbst. Der Umsatz mit chemischen Erzeugnissen lag im Jahr 2018 bei etwa 318 Milliarden Euro.

Luftaufnahme InfraLeuna am Chemiestandort Leuna

InfraLeuna am Chemiestandort Leuna.

Foto: Kraftanlagen Gruppe

 

Platz 9: Chemical Cluster Delfzijl, Niederlande (15 km²)

Der 9. Platz unserer Rangliste geht an den Chemiecluster Delfzijl in der gleichnamigen niederländischen Kleinstadt. An diesem Standort sind nur 18 Unternehmen angesiedelt, die jedoch eine Fläche von rund 15 km² einnehmen. Der große Vorteil dieses Areals liegt in seiner Lage. Nicht nur die Straßen- und Schienenanbindung lässt sich für den Gütertransport nutzen. An der Mündung der Ems, direkt an der Nordsee gelegen, ist der Chemiecluster auch per Wasserstraße nutzbar. Über Schleusen lässt sich der Seehafen vom offenen Meer aus erreichen.

 

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Der Chemiepark Delfzijl nahm seine Anfänge in der Gründung der niederländischen Sodaindustrie (NSI) im Jahr 1954. Nach und nach wurde erweitert. Die für die chemischen Prozesse notwendige Sole wurde direkt aus dem Meer entnommen. Hergestellt wurden dabei hauptsächlich Salz als Rohstoff sowie Chlor, Alkalisalze und Wasserstoff als Endprodukt. Heute sind im Chemical Cluster Delfzijl Unternehmen aller Sparten angesiedelt – vom Gips- und Harzhersteller bis zum Erzeuger von Hydrocracking-Katalysatoren.

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Platz 8: Chemcoast Park Brunsbüttel, Deutschland (20 km²)

Der Chemcoast Park im Schleswig-Holstein’schen Brunsbüttel umfasst eine Fläche von rund 20 km² und erhält dadurch den 8. Platz unseres Rankings. Zugleich ist der Chemcoast das größte Industriegebiet des Bundeslands. Mit einem direkten Zugang zur Elbe bieten sich für die dort ansässigen Unternehmen nicht nur Schiene und Straße für die tägliche logistische Herausforderung, sondern außerdem gut ausgebaute Wasserwege. Der Hafen am Standort ist für den Umschlag von Stück-, Flüssig- und Massengütern jeglicher Art ausgelegt. Anlegen können dabei Schiffe von bis zu 14,4 m Tiefgang – völlig unabhängig von Gezeiten.

Containerschiff Brunsbüttel von oben

In Brunsbüttel gibt es nicht nur einen der größten Chemieparks der Welt, sondern auch viel Containerschifffahrt.

Foto: panthermedia.net/snapshotfreddy

Der Chemcoast Park bietet rund 4.000 Arbeitsplätze und beeinflusst in der gesamten Region rund 12.500 Stellen. Insgesamt stellen 15 Unternehmen am Standort diverse chemische Grundstoffe und Zwischenprodukte sowie Baustoffe wie Bitumen, Dämmplatten oder Zement her. Dazu gesellt sich die Raffinerie Heide GmbH, welche jährlich mehr als 4 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet, sowie Energieerzeuger und Abfallunternehmen.

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Platz 7: Chemical Industrial Park (TEDA), China (27 km²)

Mit einer Fläche von rund 27 km² liegt der TEDA (Tianjin Economic and Technological Development Area) Chemical Industrial Park in der Nähe der chinesischen Metropole Tianjin. Unser Platz 7 wurde bereits im Jahr 1984 geplant und zählt deshalb zu den frühesten Entwicklungszonen im Reich der Mitte. Die günstige geografische Lage sorgt für einen regen Güteraustausch zwischen dem Chemiepark und dem Rest der Welt. Im Osten des Areals befindet sich der Hafen Tianjin mit Verbindungen zu 400 Häfen und 180 Ländern weltweit. Westlich liegt der Tianjin Binhai International Airport inklusive Frachtterminal. Und natürlich ist der Park auch über den Landweg erreichbar – nämlich über Schnellstraßen und Schienenverkehr.

Die Zahl der dort angesiedelten Unternehmen liegt bei etwa 185, wovon rund 120 der Pharmaindustrie angehören. Darüber hinaus befinden sich etliche Zulieferer der Automobil-, Elektronik- und IT-Industrie in diesem Park. Trotz des niedrigen Rankings werden hier Rekorde gebrochen: Der TEDA Chemical Industrial Park beherbergt die weltweit größte Vitamin-B1-Herstellung sowie landesweit die größte Produktion von expandierbarem Polystrol (EPS) und Industrieruß.

Platz 6: Shanghai Chemical Industry Park (SCIP), China (29 km²)

Der Shanghai Chemical Industry Park erstreckt sich auf rund 29 km² im Norden der Bucht von Hangzhou. Dort mündet auch der Quiantang Jiang in das Ostchinesische Meer. Unser 6. Platz erfüllt also die Voraussetzung für ein Hafenterminal und die Schifffahrt – wodurch die Logistik am Standort profitiert. Der Park wurde 1996 für den Bau von Produktionsanlagen und Ansiedelung von Chemieunternehmen freigegeben. Seither entwickeln dort zahlreiche internationale Konzerne das Gebiet zu einem bemerkenswerten Chemiepark weiter. Unter anderem sind dort auch BASF und Bayer angesiedelt. Bayer stellt dabei mit der Bayer Integrated Site Shanghai (BISS) einen Rekord bei seinen Investitionen auf: Diese Anlage ist mit 1,8 Milliarden US-Dollar für den Konzern die größte Investition außerhalb Deutschlands beziffert.

Der SCIP ist vorwiegend in der Erdöl- und Feinchemie-Branche angesiedelt. Außerdem hält der Chemiepark aber auch eine der größten Herausforderungen beim Thema Wasserbedarf und Abwasser bereit. Deshalb sind an seinem Standort einige Unternehmen angesiedelt, die sich auf Abwasseraufbereitung und -filterung spezialisiert haben.

Top 5 der größten Chemieparks der Welt

Platz 5: Nanjing Chemical Industrial Park (NCIP), China (45 km²)

Bereits in den 1990er Jahren gründete Shanghai, China, zahlreiche Industrieparks, nachdem das Jangtse-Tal für die Weltwirtschaft geöffnet wurde. Der größte dieser Parks ist der Nanjing Chemical Industrial Park (NCIP) mit einer Ausdehnung von rund 45 km². Platz 5 unseres Rankings ist außerdem der erste Chemiepark, welcher eine Partnerschaft mit einem anderen geschlossen hat – nämlich mit dem deutschen Chempark Leverkusen. Das Ziel der Partnerschaft soll vor allem im Erfahrungs- und Informationsaustausch liegen.

Eine reibungslose Logistik zwischen den lokalen Unternehmen sowie zur Außenwelt ermöglichen neben Autobahn und Schiene auch diverse Erdgaspipelines. Außerdem kann über den Hafen der Jangtsekiang zum Gütertransport genutzt werden. Ein weiterer Vorteil des Chemieparks liegt in der Region selbst. Das Jangtsekiang-Delta ist das wirtschaftlich aktivste Gebiet in China und eröffnet den Chemieunternehmen nicht nur große Märkte, sondern zudem die Möglichkeit, Synergien und Partnerschaften zu bilden.

Zwei Arbeiter im Chempark

BASF erhöht Produktionskapazität im Nanjing Chemical Industry Park in China.

Foto: BASF

Platz 4: Haropa – Port of Le Havre, Frankreich (100 km²)

Den 4. Platz unserer Rangliste nimmt der Chemiepark im Port of Le Havre an der französischen Nordseeküste ein. Auf einer Fläche von rund 100 km² befinden sich bekannte Industrieunternehmen der grundlegenden Chemie sowie einige spezialisierte Hersteller. Insgesamt sind auf dem Gelände eine Raffinerie inklusive petrochemischem Komplex sowie 7 weitere Chemieanlagen positioniert. Letztere sind für die Herstellung von Chemikalien in den Bereichen Düngemittel, Additive, Lösungsmittel, Kunststoffe, Gummi und Biokraftstoffe zuständig. Insgesamt sind auf dem Areal und in den damit verbundenen umliegenden Betrieben rund 38.800 Mitarbeiter beschäftigt.

Aufgrund der Lage bietet Haropa nicht nur riesige Umschlags- und Vertriebseinrichtungen. Auf insgesamt 11 Terminals können Supertanker anlegen, bei denen dank des Tiefseehafens nicht auf den Tiefgang geachtet werden muss. Dazu kommen Lagerflächen und Tanks für verschiedene Chemikalien und Flüssiggase. Über Pipelines ist der Chemiepark mit weiteren Raffinerien aus der Normandie sowie dem Großraum Paris verbunden. Außerdem befinden sich nahe diesem Standort gleich mehrere Forschungseinrichtungen und spezialisierte Universitäten, wie zum Beispiel das Alençon Plastics Superior Institute oder das Cerdato Research and Development Center.

Blick auf den Hafen von le havre mit Portalkränen und Containern

Blick auf den Hafen von Le Havre mit Portalkränen und Containern.

Foto: panthermedia.net/ serrnovik

Platz 3: Chemmed Cluster Tarragona, Spanien (120 km²)

Unsere Bronzemedaille geht an den Chemmed Cluster in Tarragona, Spanien. Mit einer Größe von etwa 120 km² landet dieser auf dem 3. Platz und ist gleichzeitig der größte Chemie-Hub Südeuropas. Eine gut ausgebaute Infrastruktur am Standort bieten sowohl ein ausgedehntes Straßennetz, Eisenbahnverbindungen sowie Wasserstraßen. Mit einem der tiefsten Häfen des Mittelmeers können dort selbst größere Tanker anlegen. Außerdem befindet sich etwa 3 km von der Küste entfernt eine Monoboje, über die auch Supertanker entleert und befüllt werden können. Mit auf dem Gelände befinden sich drei Feuerwehrstationen, eine Wasserrecyclinganlage sowie 2 Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke und 8 Blockheizkraftwerke.

Das Pipeline-Netz des Chemieclusters führt etwa 30 verschiedene Roh- und Hilfsstoffe, die den angesiedelten Chemieunternehmen zur Verfügung stehen. Bei den daraus hergestellten Produkten handelt es sich größtenteils um industrielle Gase, Polymere, Pflanzenschutzmittel sowie chlorhaltige Stoffe. Außerdem ist der Cluster Tarragona an das spanische Erdgasverteilungsnetz angebunden.

Wertvolle Chemikalien aus Kohlendioxid gewinnen

Platz 2: Hafen von Rotterdam, Niederlande (127 km²)

Platz 2 und damit Silber gehen an den Hafen von Rotterdam in den Niederlanden. Dieses Areal ist nicht nur der größte Seehafen Europas, sondern der weltweit zweitgrößte Chemiepark mit einer Fläche von 127 km². Dieses Ausmaß ist aber nicht allein den Chemieanlagen geschuldet, sondern ist auch auf umfangreiche Lagerflächen für Stückgut, Container sowie trockenes und flüssiges Massengut (Tanks) zurückzuführen. Angesiedelten Unternehmen stehen direkte Leitungsverbindungen zu Antwerpen und dem Rhein-Ruhrgebiet zur Verfügung, sodass Chemikalien und Rohstoffe per Pipeline transportiert werden können. Das Pipelinenetzwerk misst insgesamt eine Länge von ungefähr 1.500 km.

Von den 45 dort tätigen Unternehmen widmet sich der Großteil der Herstellung und Verarbeitung von Kraftstoffen oder der Biochemie. Auf dem Gelände befindet sich außerdem eine Testanlage für die Erforschung nachhaltiger Technologien im kommerziellen Maßstab, die Plant One Rotterdam. Für die Energie- und Dampfversorgung stehen 13 Kraftwerks- und Dampferzeuger-Betreiber zur Verfügung.

Raffinerie in Rotterdam Nachtbild

Raffinerie in Rotterdam.

Foto: panthermedia.net/araraadt

Platz 1: Hafen von Antwerpen, Belgien (150 km²)

Der ungeschlagene erste Platz geht an den Chemiepark des Hafens von Antwerpen an der belgischen Nordseeküste. Mit einem Areal von rund 150 km² ist der Park nicht nur Europas größter integrierter Chemiecluster, sondern auch weltweit das größte zusammenhängende Chemie-Areal. Der große Vorteil dieses Standorts liegt in der internen Vernetzung über Pipelines, Straßen, Schienen und Wasserwege. Dazu kommen Überseeverbindungen in rund 1.300 Häfen weltweit. Professionelle Logistikunternehmen sorgen dabei für den sicheren Umschlag und die fachmännische Lagerung von Gefahrgütern.

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Am Standort Antwerpen sind zahlreiche weltweit agierende Chemieproduzenten angesiedelt, wie zum Beispiel BASF, Lanxess und Exxon Mobile. Rund 1.000 km Pipelines und ein 7,2 Mio. m³ Tanklager, die von allen Unternehmen genutzt werden können, steigern die Effizienz. Zum Beispiel sind alle großen europäischen Flughäfen direkt mit den Tanklagern verbunden und können darüber Flugzeugdiesel beziehen. Die Lage ermöglicht den Herstellern, ihre Produkte oder Erzeugnisse direkt an den Markt zu bringen. Insgesamt enden oder beginnen in Antwerpen etwa 10% der weltweiten Chemiegüterströme, die über das Meer verschifft werden.

Größte Schleuse der Welt in Antwerpen eingeweiht

Chemiefabrik im Hafen von Antwerpen

Chemiefabrik im Hafen von Antwerpen

Foto: panthermedia.net/ jorisvo

 

Deutschland als Top-Standort für Chemieparks

Bereits seit der Industrialisierung und dem Eisenbahnausbau zählt Deutschland zu den aufstrebenden Standorten für die Ansiedlung diverser Unternehmen. Was anfangs noch hauptsächlich aus Stahl- und Eisenbahnindustrie sowie Bergbau bestand, musterte sich nach und nach zu einem vielseitigen Produktionsstandort. Die deutsche Chemieindustrie nimmt nicht selten eine Vorreiterrolle in puncto Entwicklung von Ideen ein und ist damit ein wichtiger Faktor in Bezug auf die Globalisierung.

So viel zur Geschichte. In den letzten Jahren büßt Deutschland, einer Präsentation des VCI (Verband der Chemischen Industrie e.V.) zufolge, etwas an Attraktivität ein – vor allem für den Mittelstand. Als Gründe dafür werden einerseits die steigenden Energiepreise, andererseits der erhöhte bürokratische Aufwand und eine gefühlte „Überregulierung“ seitens der Europäischen Union angeführt. Den höheren Produktionskosten steht dabei das eher schwache Marktwachstum in der Bundesrepublik und der EU gegenüber. Die Studie eröffnet aber auch, dass mittelständische Chemieunternehmen trotz bröckelndem Image als Top-Standort weiter bleiben und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern möchten.

Chemieindustrie in China

Als größter Chemieproduzent der Welt beheimatet das Reich der Mitte 2015 noch etwa 25.000 Chemieunternehmen jeder Größe. In China setzt sich aber ein Trend ab, der aufzeigt, dass im Lauf der letzten Jahre bis zu 10.000 kleine und mittelständische Chemieerzeuger geschlossen haben – oder geschlossen wurden. Die Regierung selbst übt mit ihrer Umweltpolitik Druck auf Chemieproduktionen mit unterdurchschnittlichen Sicherheits- und Umweltstandards aus. Aus diesem Grund wurden zum Beispiel zahlreiche kleinere Unternehmen an den Ufern oder in direkter Nähe großer Flüsse geschlossen.

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Im Rahmen des 14. Fünfjahresplans werden, um die Logistik zu unterstützen und Synergien zu ermöglichen, viele Unternehmen in Industrieparks übersiedelt. In diesen designierten Chemieparks gelten strengere Umweltvorschriften, die gleichzeitig auch konsequenter überwacht werden können. Schließlich möchte China ab 2030 seine CO2-Emissionen verringern und ab 2060 völlig klimaneutral produzieren. Neu ist ab 2021 auch der eingeführte Handel mit CO2-Emissionszertifikaten. In Europa ist dieses System bereits etabliert, in China soll der Zertifikatshandel aber vorwiegend Energieerzeuger anregen, möglichst wenig Kohlenstoffdioxid auszustoßen. Möglicherweise wird dieses System in naher Zukunft auch auf die anderen Industriezweige ausgeweitet.

USA als Chemiepark-Muffel

Etwas differenzierter lässt sich die Lage in den Vereinigten Staaten von Amerika beschreiben. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind Chemieparks, beziehungsweise viele kleine (Chemie-)Unternehmen an einem Standort eine Seltenheit. Vielmehr sind in den USA verschiedene Industrien in sogenannten Clustern angesiedelt. So entstehen Regionen, die sich auf ganz bestimmte Bereiche konzentrieren.

Zwar existieren auch in den USA einige Ansiedlungen, die unter den Begriff Chemiepark fallen, jedoch wurden diese während des vergangenen Jahrzehnts kaum weiterentwickelt. Einer der größeren Areale ist Bushy Park im Bundesstaat South Carolina. Dort sind beispielsweise Unternehmen wie Agfa, Sun Chemical oder Lanxess angesiedelt.

Der Unterschied zwischen Chemiepark und Cluster liegt dabei größtenteils im Standortmanagement. Chemieparks bieten dabei Unterstützung in den Bereichen Sicherheit, Infrastruktur und bei Genehmigungsfragen. Cluster sind verstreuter, was aber nicht zwingend zum Nachteil werden muss. In den USA sind die Unternehmen innerhalb eines Clusters trotzdem vorbildlich vernetzt, sei es durch Interstates oder gar Pipelines. Die chemische Industrie in den USA konzentriert sich jedoch ohnehin nur auf zwei Kernregionen des Bundesstaats Ohio. Hier befindet sich die größte Kunststoff- und Gummi-Industrie (Polymer Ohio) der Staaten, inklusive einer ausgeprägten Forschungsinfrastruktur sowie auf Polymer- und Kunststoffwissenschaften spezialisierte Hochschulen und Universitäten.

Chemieparks in der Zukunft

Bereits gegenwärtig kristallisieren sich die Vorteile eines Chemieparks gegenüber einem einzelnen Standort für jedes Unternehmen heraus. Die Nähe zu branchennahen Partnern ist gegeben und die gut ausgebaute Infrastruktur stellt Weichen für das weitere Wachstum. So ist es nicht unwahrscheinlich, dass zukünftig noch mehr Unternehmen der chemischen Industrie in Richtung Chemiepark wandern.

Das schafft aber abseits der Chancen auch Probleme. Zu viel Industrie auf kleinem Raum erhöht das Gefahrenpotenzial und benötigt außerdem eine erhebliche Menge an Energie. Die Herausforderung liegt darin, möglichst Grün zu bleiben. Denn, um den Energiehunger der Chemiebranche zu stillen, bedarf es nicht nur einiger Windräder oder Solarpaneele. Hier gehen Betreiber nicht selten von einem Platzbedarf von einem 3-4-fachen der Chemieparkfläche aus.

Im Gegensatz dazu verringert sich aber der Schadstoffausstoß in der Logistik. Viele Unternehmen beliefern sich gegenseitig mit Roh- oder Werkstoffen – manche sogar direkt per Pipeline. Gute Verkehrsanbindungen sorgen darüber hinaus für eine möglichst reibungslose und bedarfsorientierte Logistik, entweder per LKW, Schiene oder Schiff.

Diese Gründe geben den aufstrebenden Chemieparks Wind in die Segel und führen in naher Zukunft möglicherweise zu einer Transformation der Industrielandschaft. Dabei werden nicht mehr viele einzelne Unternehmen weit verstreut über gesamte Regionen agieren. Vielmehr liegt der Trend in lokalen Zusammenschlüssen und daraus folgend der Entstehung neuer, innovativer Chemieparks weltweit.

Ein Beitrag von:

  • Silvia Hühn

    Porträt Silvia Hühn

    Silvia Hühn ist freie Redakteurin mit technischem Fokus. Sie schreibt unter anderem über die Rekorde dieser Welt und verfasst Ratgeber.

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