Falle im Bewerbungsprozess 28.09.2017, 00:00 Uhr

Betriebsgeheimnisse im Bewerbungsgespräch?

Ingenieure arbeiten auf nahezu jeder Ebene mit sensiblen Informationen. Dieses Wissen kann im Vorstellungsgespräch zum Stolperstein werden. Schärfen Sie deshalb Ihr Bewusstsein für kritische Details.

Betriebsgeheimnisse: Zurückhaltung zeigen.

Betriebsgeheimnisse: Zurückhaltung zeigen.

Foto: panthermedia.net/peshkova

Einige Einsteller nutzen Vorstellungsgespräche dazu, pikante Details über den Arbeitgeber des Bewerbers herauszukitzeln. Doch das ist die Ausnahme. Häufiger ist der Interviewer weniger stark an den betrieblichen Informationen des Bewerbers interessiert. Stattdessen möchten viele schlichtweg die Bereitschaft des Kandidaten testen, über Betriebsgeheimnisse (mehr als erlaubt) zu plaudern.

Offizielle Aussagen des eigenen Betriebs nutzen

Stellt sich die Frage, wie sich der Bewerber verhalten soll. Einerseits möchte er durch möglichst authentische Schilderungen aus dem aktuellen Job überzeugen, andererseits möchte er nicht als unloyal erscheinen. Bei Fragen zur wirtschaftlichen Lage des Arbeitgebers kann sich der Bewerber zunächst auf offizielle Presseinformationen beschränken. Hier läuft er am wenigsten Gefahr, vom Personaler als Plaudertasche für Betriebsgeheimnisse entlarvt zu werden. Es ist daher nicht schlecht, sich vor dem Vorstellungsgespräch mit Pressebeiträgen und Imagebroschüren des eigenen Unternehmens auseinanderzusetzen.

Das gelingt allerdings nicht bei jeder Frage und nicht immer kann sich der Bewerber vor einer Antwort drücken. Beispiel: Ein Produktmanager wird nach dem Umsatzpotenzial seiner Produktgruppen befragt. Eine offizielle Aussage seines Unternehmens wird es dazu nicht gben, wie konkret und wahrheitsgemäß er jetzt antwortet, ist also seine Sache. Orientieren Sie sich am besten am Wetterbericht, der für den nächsten Tag Temperaturen zwischen 0 und 20 Grad prognostiziert. Es ist immer gut, mit Prozentzahlen zu operieren. Bleibt zudem die Basis unklar, sind der Antwort des Bewerbers kaum nutzbare Betriebsgeheimnisse zu entnehmen.

Erteilen Sie dem Ausplaudern von Betriebsgeheimnissen eine Absage

Manchen Personalentscheidern aber reicht das nicht aus. Sie haken weiter nach. In einigen Fällen muss der Bewerber dann Klartext reden: „Ich sehe, Sie versuchen mir Betriebsgeheimnisse zu entlocken. Ich gebe Ihnen gerne Auskunft zu allen Fragen, ich werde Ihnen aber derartige Details nicht verraten.“ Das wäre eine sehr direkte Formulierung. Es geht auch dezenter: „Haben Sie bitte Verständnis, dass ich hier passen muss. Ich kann Ihnen aber so viel verraten, wir arbeiten mit guten Wachstumsraten und Deckungsbeiträgen, die zur sehr stabilen Finanzsituation unseres Unternehmens beitragen.“ Wie der Bewerber antwortet, hängt vom Gesprächspartner ab. Im lockeren Gespräch bietet sich auch eine Scherzantwort an.

Mit persönlichen Eindrücken punkten

Schlecht wäre die Strategie, Fragen über Betriebsgeheimnisse zu abstrakt und damit zu theoretisch zu beantworten. Solche Antworten überzeugen wenig. Wird der Betriebsbetreuer eines Chemieunternehmens auf das Thema Maintenance Management System angesprochen, bringt eine ausschließlich theoretische Abhandlungen kaum Pluspunkte. Besser ist immer die Garnierung mit praktischen Beispielen aus dem Berufsleben. Er könnte konkret sagen, welche diesbezüglichen Aufgaben er beim aktuellen Arbeitgeber ausübt und mit welchem Interesse er die Aufgaben verfolgt. Somit geriete die Antwort viel persönlicher und würde den Praxisbezug des Kandidaten untermauern.

Eine komplette Blockade zu allen Fragen zum aktuellen Arbeitgeber bringt ebenfalls nichts. Immerhin will man sich als Bewerber im Vorstellungsgespräch bestmöglich präsentieren.

Der Kandidat sollte ein gutes Gefühl dafür entwickeln, wann er allgemeine Tatsachen zum besten gibt und wann er wirkliche Unternehmensspezialitäten und Betriebsgeheimnisse anspricht. Vorstellungsgespräche bei Mitbewerbern, Kunden und Lieferanten fordern diesbezüglich eine größere Zurückhaltung als Gespräche bei Unternehmen aus völlig fremden Branchen, zu denen der aktuelle Arbeitgeber keinerlei Beziehung unterhält.

Ab wann also gelten Informationen überhaupt als Betriebsgeheimnisse?

Was ist eigentlich ein Betriebsgeheimnis?

Besondere Zurückhaltung ist geboten, wenn das Vorstellungsgespräch bei einem Unternehmen der gleichen Branche oder einem Mitbewerber stattfindet. Unterlagen über Projektdarstellungen, Organisationsdiagramme, Mitarbeiterbeurteilungen oder Arbeitsplatzbeschreibungen haben im Vorstellungsgespräch nichts zu suchen. Sie können dem Bewerber zwar zur Vorbereitung dienen, sollten aber nicht ins Gespräch mitgenommen, dort präsentiert und erst recht nicht dem Interviewer zum Verbleib bei den Bewerbungsunterlagen übergeben werden.

Wird nach Umfeldfaktoren, zum Beispiel der Teamarbeit gefragt, ist ebenso Vorsicht angesagt. Informationen darüber gelten zwar nicht als Betriebsgeheimnisse, aber immerhin als Interna, die nicht zum Wettbewerber getragen werden müssen. Man vermeidet besser Antwort im Stile: „Um ehrlich zu sein, unser Unternehmen hat sich zwar in seiner Philosophie der Teamarbeit verschrieben. So harmonisch geht es im Unternehmen aber nicht her. Das liegt an Kollegen, die sehr stark persönliche Interessen den Unternehmensinteressen überordnen… Na ja, und im Grunde ist das Management auch nicht viel besser.“ Über Arbeitskollegen und das Management sollte kein schlechtes Wort verloren werden. Selbst, wenn die Fakten so sind, wie sie der Bewerber darstellt, wirft die Antwort beim Interviewer viele Fragen auf. Etwa, ob der Kandidat im Zwist mit Kollegen steht und das Betriebsklima schädigen könnte, ob er darüber hinaus in tatsächlicher Teamarbeit geübt ist oder ob er möglicherweise sogar selbst Auslöser mangelnder Zusammenarbeit ist. Herzlichen Glückwunsch zum Eigentor!

 

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