Interview 30.11.2023, 10:10 Uhr

Zu gut für den Job? Oder warum man nach Vorstellungsgesprächen Absagen bekommt

Trotz Ingenieurmangels werden hochqualifizierte Kräfte immer wieder abgelehnt. Kálmán Györy, Talent Acquisition Lead Engineering bei Personio, über die Gründe. Und: Was müssen Ingenieurinnen und Ingenieure lernen, um sich erfolgreich zu bewerben? Welche Fehler gilt es zu vermeiden? Wie erhöht man seine Chancen, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden?

Absage

Mehr als nur Fachkenntnisse: Warum Ingenieure nicht nur mit ihren Skills punkten müssen, sondern auch im Interview den Kulturfit, Standort, Gehaltsvorstellungen und Anpassungsvermögen unter Beweis stellen sollten.

Foto: PantherMedia / zestmarina

Ingenieur.de: Was sind die häufigsten Gründe, warum Personaler ihren Daumen senken – auch wenn die Fähigkeiten des Ingenieurs auf dem Papier gut aussehen?

Kálmán Györy: Ich würde diese vier Top-Gründe nennen:

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  1. Culture Match:
    Die Person passt trotz passender Skills im Engineering nicht zur Unternehmenskultur. Dies wird häufig in Interviews deutlich, in denen die Bewerber*innen ihren Teamfit unter Beweis stellen müssen und mit potentiell zukünftigen Kolleg*innen kommunizieren. Teilweise stellt sich heraus, dass die Person fachlich zwar einiges vorzuweisen hat, es ihr aber möglicherweise an Teamfähigkeit oder Empathie mangelt. Gerade in Unternehmen, die aufgrund ihres starken Wachstums momentan keine isolierten Engineering Positionen anbieten können, wird dann oftmals von einer Einstellung abgesehen.
    2. Standort:
    Auch der Arbeitsort kann der Einstellung im Weg stehen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der oder die Bewerber*in nicht an den vorgesehenen Arbeitsort oder zumindest in das entsprechende Land umzuziehen kann oder will. Das kann beim Arbeitgeber unter anderem zu steuerlichen Problemen führen aber auch mögliche Auswirkungen auf die Zusammenarbeit in den Teams haben. Diese Thematik sollte also gleich im ersten Gespräch abgeklärt werden und man sollte sich als Unternehmen vorab Gedanken machen, wie flexibel man dahingehend sein kann und möchte.
    3. Vergütung:
    Gehen die Gehaltsvorstellungen extrem auseinander, etwa weil die Gehaltsforderungen zu hoch sind und den vorgesehenen Rahmen sprengen, wird häufig davon abgesehen, eine Bewerber*in weiter zu berücksichtigen. Es ist aber trotzdem ratsam, zumindest ein gemeinsames Gespräch darüber zu führen, um eine eventuelle Flexibilität abzufragen. Das sollte besonders dann gemacht werden, wenn sich die potenzielle Kandidat*in momentan in einer Branche befindet, die besser bezahlt wird als die des eigenen Unternehmens, die Person aber gleichzeitig bereit für einen Wechsel ist. Teilweise gehen Bewerber*innen diesen Schritt freiwillig ein, um Neues zu erleben oder weil das Unternehmen entsprechende andere Benefits bietet.
    4. Anpassungsvermögen:
    Ist eine Person in einem bestimmten Unternehmensumfeld gewissermaßen “festgefahren” ist es möglich, dass es für sie relativ schwierig wird, sich einer neuen Unternehmensstruktur anzupassen. Das lässt sich oft bei Bewerber*innen beobachten, die von großen Konzernen zu kleineren Start-ups wechseln möchten oder bei Personen, die vorrangig auf kurzen Projekten gearbeitet haben und sich nun auf eine Vollzeitstelle bewerben.

Welche Gründe sind dabei überraschend?

Gerade der Punkt des Anpassungsvermögens ist überraschend. In der Vergangenheit stand eine langjährige Betriebszugehörigkeit für Loyalität, Erfahrung und eine steile Karriere. Heutzutage wird eine extrem langjährige Betriebszugehörigkeit häufig hinterfragt — gerade wenn das Unternehmen nicht mehr stark wächst oder sich anderweitig verändert.

Was spielt eine unerwartet geringfügige Rolle?

Zumindest in modernen und sehr fortschrittlichen Unternehmen, in denen Hiring-Teams gut eingespielt und trainiert sind, spielen Themen wie eine Abschlussnote häufig eine untergeordnete Rolle. Dann kommt es häufig nur darauf an, dass sich die Person im Bewerbungsprozess und vor allem in ihrem späteren Tätigkeitsbereich beweisen kann — so kann das volle Potenzial des Kandidatenmarktes ausgeschöpft werden.

Diese Fehler sind zu vermeiden

Was müssen Ingenieurinnen und Ingenieure lernen, um sich erfolgreich zu bewerben? Welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Die Bewerber*innen sollten zunächst mal ein möglichst aktuelles und detailliertes Profil auf den bekannten Karrierenetzwerken, wie LinkedIn oder Xing haben. Es bietet sich auch an, eigene Projekte auf Plattformen wie GitHub zur Verfügung zu stellen. So können Recruiter*innen und Mitarbeiter*innen aus der Fachabteilung eine gute Ersteinschätzung vornehmen. Wer bei Bewerbungsgesprächen dazu tendiert, sehr nervös zu werden, sollte vorab einen “Dryrun” machen — zum Beispiel mit Kolleg*innen oder Freund*innen, um im Bewerbungsgespräch von Anfang an durch Sicherheit zu überzeugen. Zudem sind die Kandidat*innen gut beraten, sich vor einem Gespräch auf der Firmenwebsite über die Unternehmenswerte zu informieren. Viele Firmen bieten heutzutage auch auf den sozialen Medien wie Instagram und Co. einen guten Einblick in ihre Unternehmenskultur. Außerdem sollten sich Bewerber*innen in jedem Fall vor einem Gespräch Fragen zurechtlegen, die sie dem Gegenüber stellen möchten. Damit demonstrieren sie nicht nur Interesse am Job, sondern gewinnen auch selbst relevante Einblicke, die für sie entscheidend sind.

Denn es wird oft vergessen, dass nicht nur das Unternehmen die Bewerber*in interviewt, sondern es auch umgekehrt der Fall ist. Letztendlich muss es ein gutes Match von beiden Seiten sein. Außerdem wird empfohlen, sich vorab über die branchenüblichen Gehälter und Benefits zu informieren. Hier bieten sich Plattformen wie Glassdoor oder Kununu an.

Was sind weitere klassische Fehler, die es zu vermeiden gilt?

Die Klassiker sind: Einen unvollständigen oder nicht aktuellen CV versenden. Den CV zu umfangreich zu gestalten und zu viele unwesentliche Details zu integrieren. Sich auf Fragen nach dem gewünschten Gehalt nicht fundiert vorbereiten. Sich im Gespräch unnahbar oder überheblich verhalten, auch wenn der Jobmarkt für Ingenieure aktuell sehr arbeitnehmerfreundlich ist.

Feedback nach Vorstellungsgesprächen holen

Sollte man nachfragen, warum man abgelehnt wurde? Wenn ja: Wie macht man das am geschicktesten?

Bewerber*innen können definitiv nachfragen, warum sie abgelehnt wurden. Leider bietet der deutsche Arbeitsmarkt Unternehmen aufgrund vieler Fallstricke nur begrenzt die Möglichkeit, transparent Feedback zu teilen. Gerade schriftlich kann man daher nur eine kurze Standard- Rückmeldung erwarten. Wer ausführliches Feedback haben möchte, sollte um einen Videocall oder ein Telefonat bitten, in dem das Feedback mündlich geteilt wird. Das bieten aber nicht alle Firmen an.

Ihre Tipps: Wie erhöht man seine Chancen, zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden?

Bewerber*innen sollten dem Unternehmen schon vor dem Gespräch einen guten Eindruck von der eigenen Person vermitteln. Hier bieten sich aktualisierte Profile in den Karrierenetzwerken an und das Teilen von Open-Source-Projekten. Gerade bei den sozialen Netzwerken ist es hilfreich, Referenzen vorheriger Kolleginnen und Kollegen oder Führungskräfte anzufragen, die dort vermerkt werden und für Recruiter und Unternehmen sichtbar sind. Wer bereits das eine oder andere Mal für Vorträge auf der Bühne stand, Blogbeiträge verfasst hat oder sogar Fachbücher geschrieben hat, sollte solche Informationen in jedem Fall auf seinem Profil bereitstellen. Das bietet dem Unternehmen die Möglichkeit, das Profil nochmals aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Außerdem sollten Bewerber*innen potenzielle Arbeitgeber auch darauf aufmerksam machen, wenn sie Teil oder sogar Gründer einer Engineering Community sind. Unternehmen sind häufig nicht nur an den fachlichen Skills von Bewerber:innen interessiert, sondern auch an deren Kompetenz, solche Netzwerke zu managen und zu gestalten.

Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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