Bewerbungsunterlagen 05.04.2022, 10:55 Uhr

Bewerbung: Sprachkenntnisse richtig formulieren – Besonders ein Aspekt ist elementar

Sprachkenntnisse werden bei der Bewerbung immer wichtiger. Viele Fachleute arbeiten heute in internationalen Teams. Wer auf Jobsuche ist und an den Bewerbungsunterlagen feilt, sollte deswegen seine Fremdsprachen platzieren – aber korrekt!

Besondere Sprachkenntnisse können der entscheidende Pluspunkt in der Bewerbung sein - gehen Sie nicht zu bescheiden damit um. Foto: Panthermedia.net/shmeljov

Besondere Sprachkenntnisse können der entscheidende Pluspunkt in der Bewerbung sein - gehen Sie nicht zu bescheiden damit um.

Foto: Panthermedia.net/shmeljov

Viele Bewerber machen sich bei der Bearbeitung des Lebenslaufs Gedanken, wie sie ihre Sprachkenntnisse adäquat präsentieren. Doch welche Formulierungen im Lebenslauf sind zeitgemäß? Und wie finden Sie als Ingenieur heraus, welche Formulierungen Ihrem Leistungslevel entsprechen, wenn es zum Beispiel um die Englischkenntnisse geht?

Es ist sicher nicht damit getan, einfach nur die erlernten Sprachen aufzuzählen. Das wird bei Sprachkenntnissen durch die unterschiedlichen Voraussetzungen deutlich, unter denen Bewerber etwa Englisch gelernt haben: Da gibt es Kandidaten, die Englisch das letzte Mal in der Schule hatten und seitdem kaum noch gesprochen oder geschrieben haben. Andere haben ihr Schulenglisch kontinuierlich weiterentwickelt, weil sie seit Jahren in einem internationalen Umfeld leben oder arbeiten. Wieder andere sind zweisprachig aufgewachsen, weil die Eltern zu Hause neben Deutsch auch Englisch gesprochen haben. Und mancher Bewerber hat seine Kenntnisse in Sprachkursen jüngst noch einmal aufgefrischt und kann das durch Zertifikate belegen.

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Bewerbung und Sprachkenntnisse: Anforderungen im Stellenangebot genau lesen

Vor der Formulierung der Sprachkenntnisse in der Bewerbung gilt es, zuerst auf die Anforderungen im Stellenangebot zu achten, auf das Sie sich bewerben möchten. Falls Sie eine Stelle im Ausland anstreben oder sich bei einem internationalen Konzern in Deutschland bewerben wollen, sollte klar sein: Ohne fundierte Sprachkenntnisse, speziell Englischkenntnisse, wird es nicht gehen. Für den Lebenslauf und das Anschreiben ist hier ausschließlich wichtig, auf welchem Leistungslevel Sie die geforderten Fremdsprachen beherrschen. Irrelevant ist hingegen, wie lange Sie das Fach in der Schule hatten.

Anschreiben für Ingenieurinnen und Ingenieure: Musterbeispiele

Hat das Unternehmen zum Beispiel verschiedene Niederlassungen in Südamerika, so können Spanischkenntnisse von Vorteil sein. Schauen Sie sich deshalb genau an, ob und falls ja welche Sprachkenntnisse auf welchem Niveau in der Stellenanzeige beschrieben sind. Sind bestimmte Sprachkenntnisse zwingend erforderlich, so werden Sie in der Jobdescription diese oder ähnliche Formulierungen lesen (die Sprache ist austauschbar):

  1. gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift
  2. gute bis sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse
  3. Sie haben Ihre guten bis sehr guten Englischkenntnisse bereits erfolgreich unter Beweis gestellt

Business Englisch: Merken Sie sich diese Sätze

Diese oder ähnliche Anforderungen hinsichtlich der Sprachkenntnisse deuten darauf hin, dass Sie im Rahmen Ihres Jobs oft Englisch sprechen und auch schreiben werden. Wer zum Beispiel als Ingenieur oder Informatiker einem internationalen Projektteam angehört oder es sogar leitet, der wird E-Mails auf Englisch schreiben und englischsprachige Telefonate und Gespräche führen. Auch Meetings werden dann auf Englisch stattfinden. Weichere Formulierungen weisen hingegen darauf hin, dass Sprachkenntnisse eine wünschenswerte, aber nicht notwendige Voraussetzung für den angestrebten Job sind. Hier finden Sie dann Formulierungen wie zum Beispiel:

  1. Sie verfügen idealerweise über gute Englischkenntnisse
  2. Englisch- und Französischkenntnisse wären wünschenswert
  3. oder bei ausgefallenen Sprachkenntnissen: Kenntnisse in Chinesisch oder Portugiesisch wären von Vorteil

Sie haben sich nun als Ingenieurin oder Informatiker ein Bild davon gemacht, welche Sprachkenntnisse auf welchem Niveau zwingend von Ihnen gefordert sind und welche in die Kategorie „wünschenswert, aber nicht notwendig gehören“. Gleichen Sie nun ab, ob Ihre Sprachkenntnisse in etwa den Anforderungen entsprechen. Formulieren Sie Ihr Kompetenzniveau in der jeweiligen Sprache so, dass es Ihrem Level entspricht und Sie ihre Angaben wenn nötig unter Beweis stellen können.

Bewerbung: Diese 5 Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden

Vielleicht kommt ihr Gesprächspartner im Vorstellungsgespräch spontan auf die Idee, von Deutsch auf Englisch zu wechseln. Dann sollten Sie eine gute Figur machen. Schließlich steht imLebenslauf, dass Sie fließend Englisch sprechen. Es gilt also, sich in puncto Sprachkenntnisse realistisch, aber wohlwollend einzuschätzen.

Muss man Sprachkenntnisse bei der Bewerbung immer angeben?

Fremdsprachen sind keine Pflichtangabe in der Bewerbung, die Angabe ist freiwillig. Allerdings ist es sehr sinnvoll, besondere Sprachkenntnisse immer anzugeben – denn im Zweifel setzen Sie sich damit von anderen Bewerberinnen und Bewerbern ab.

Fremdsprachenkenntnisse, die für die ausgeschriebene Stelle eher nicht relevant sind, können Sie unter Umständen auch angeben: Wer zum Beispiel ein Experte für Latein ist, beweist zumindest Sprachaffinität und analytisches Denken.

Sprachkenntnisse: Im Zweifelsfall immer das höhere Sprachlevel wählen

Elementar ist: Bescheidenheit ist eine Tugend – aber in der Bewerbung an dieser Stelle eher ein Fehler. Wer sich an der Grenze zwischen zwei Sprachlevel bewegt, der sollte sich im Zweifelsfall unbedingt immer für das höhere Level entscheiden. Ihre Mitbewerber tun das mit Sicherheit auch: Bleiben Sie also realistisch, aber mit einem sehr positiven Blickwinkel auf die eigene Leistung. So verhindern Sie, bei der Bewerberauswahl durchzufallen, nur weil Sie sich zu realistisch eingeschätzt haben, während sich andere Kandidaten besser gemacht haben als Sie und die Fremdsprache XY dennoch nicht besser sprechen.

Sprachkenntnisse: Leistungslevel, Formulierung, Belege

Die Präsentation der eigenen Sprachkenntnisse im Lebenslauf hat zwei Ebenen: Die Darstellung Ihres tatsächlichen Leistungslevels mit den passenden Worten und die Beweisführung. Ob Sie etwa durch Fremdsprachenzertifikate oder Auslandsaufenthalte während des Studiums plausibel machen können, dass Sie wirklich so gut Englisch sprechen, wie es Ihr Lebenslauf verspricht.

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Für die Formulierung der Sprachkenntnisse im Lebenslauf gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Vorgehensweisen: Können Sie Ihre Fremdsprache(n) anhand von Zertifikaten aus Sprachtests oder Sprachkursen belegen, so geben Sie dort standardisierte Kompetenzniveaus an. Wer derartige Zertifikate oder Belege nicht vorweisen kann, der wird im Lebenslauf die typischen Formulierungen für Sprachkenntnisse verwenden.

Europaweit einheitliche Kompetenzniveaus für Sprachkenntnisse

Der Nachweis von Sprachkenntnissen durch Zertifikate erlaubt dem Unternehmen eine wesentlich genauere Einschätzung des Kompetenzniveaus. Hierzu hat der Europarat den sogenannten Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GeR) entwickelt. Das sind umfangreiche Empfehlungen für Menschen, die Sprachen lernen wollen und solche, die sie lehren. Sie gliedern sich in die Teildisziplinen Leseverständnis, Hörverständnis, Schreiben und Sprechen mit insgesamt sechs Kompetenzniveaus. Damit will der GeR Mehrsprachigkeit und individuelle Vielsprachigkeit fördern und die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der modernen Sprachen verbessern.

So gelingt das perfekte Bewerbungsfoto 

Kompetenzniveau A bis C

Gemäß der GeR-Kategorisierung gibt es die drei Kompetenzniveaus A bis C, die ihrerseits in jeweils zwei Level unterteilt sind. A bezeichnet das niedrigste Kompetenzniveau, während C das höchste Kompetenzniveau und damit einen sehr guten bis exzellenten Umgang mit der jeweiligen Sprache beschreibt. Falls Sie Ihren CV übrigens direkt in Englisch einreichen wollen, haben wir Ihnen auch die englischen Begriffe der Kompetenzstufen aufgelistet:

  1. A1 und A2: Elementare Sprachverwendung (Englisch: English Basic User)
  2. B1 und B2: Selbständige Sprachverwendung (Englisch: Independent User)
  3. C1 und C2: Kompetente Sprachverwendung (Englisch: Proficient English User)

Kompetenzniveau A1 – Einstieg (Englisch: Beginner)

  1. Hören: Sie verstehen vertraute Wörter und ganz einfache Sätze, wenn diese langsam und deutlich ausgesprochen werden
  2. Lesen: Sie können einzelne Wörter und ganz einfache Sätze verstehen, z. B. auf Schildern und Plakaten.
  3. Sprechen: Sie sind in der Lage, sich in knappen Worten zu verständigen.
  4. Schreiben: Sie können kurze, einfache Postkarten schreiben und Formulare ausfüllen.

Kompetenzniveau A2 – Grundlagen (Englisch: Elementary English)

  1. Hören: Kurze, klare und einfache Mitteilungen verstehen Sie im Wesentlichen.
  2. Lesen: Sie können kurze, einfache Texte lesen, zum Beispiel Anzeigen oder persönliche Briefe.
  3. Sprechen: In einfachen Alltagssituationen können Sie sich mit einer Reihe von Sätzen verständigen.
  4. Schreiben: Sie können kurze, einfache Notizen, Mitteilungen und persönliche Briefe schreiben.

Kompetenzniveau B1 – Mittelstufe (Englisch: Intermediate English)

  1. Hören: Sie verstehen in Arbeit, Schule und Freizeit die Hauptinformationen.
  2. Lesen: Sie verstehen Texte, in denen sehr gebräuchliche Alltags- oder Berufssprache vorkommt.
  3. Sprechen: Sie können an Gesprächen über Familie, Hobbys, Arbeit, Reisen oder aktuelle Ereignisse teilnehmen.
  4. Schreiben: Sie schreiben einfache, zusammenhängende Texte zu vertrauten Themen.

Kompetenzniveau B2 – gute Mittelstufe (Englisch: Upper-Intermediate English)

  1. Hören: Sie können längeren Redebeiträgen und den meisten Fernsehsendungen und Spielfilmen folgen, falls Ihnen das Thema halbwegs vertraut ist.
  2. Lesen: Sie verstehen Artikel, Berichte und literarische Prosatexte.
  3. Sprechen: Sie sind in der Lage, sich recht spontan und fließend zu verständigen und aktiv an Diskussionen teilzunehmen.
  4. Schreiben: Sie können detaillierte Texte schreiben, beispielsweise Aufsätze, Berichte oder Briefe, und darin einen Standpunkt mit Argumenten vertreten.

Kompetenzniveau C1 – fortgeschrittene Kenntnisse (Englisch: Advanced English)

  1. Hören: Sie verstehen längere Redebeiträge, Fernsehsendungen und Spielfilme ohne große Mühe.
  2. Lesen: Sie verstehen lange, komplexe Sachtexte und literarische Texte.
  3. Sprechen: Sie können sich spontan, fließend, flexibel und präzise ausdrücken.
  4. Schreiben: Sie drücken sich klar und gut strukturiert zu komplexen Sachverhalten aus und wählen dabei den jeweils angemessenen Stil.

Kompetenzniveau C2 – exzellente Kenntnisse (Englisch: Proficiency English)

  1. Hören: Sie verstehen problemlos gesprochene Sprache, auch wenn schnell gesprochen wird.
  2. Lesen: Sie lesen alle Texte mühelos.
  3. Sprechen: Sie können sich mühelos an allen Gesprächen und Diskussionen beteiligen und umgangssprachliche Wendungen einsetzen.
  4. Schreiben: Sie sind in der Lage, anspruchsvolle, komplexe Texte zu verfassen und Fachtexte sowie literarische Werke zusammenzufassen und zu besprechen.

Die detaillierte Auflistung macht deutlich, wie konkret und exakt die GeR-Klassifizierungen sind und wie genau dadurch die Einschätzung des Kompetenzniveaus wird. Wer als Ingenieur oder Informatiker derartige Zertifikate noch nicht vorzuweisen hat, der sollte über eine mögliche Teilnahme an einem passenden Sprachkurs und -test nachdenken.

Formulierung der Sprachkenntnisse ohne Kompetenzniveau

Wer keine Zertifikate vorweisen kann, für den empfehlen sich die typischen Formulierungen für Sprachkenntnisse:

  • Grundkenntnisse (Englisch: basic knowledge): Diese stammen meist noch aus der Schulzeit. Sie sind in der Lage, sich kurz vorzustellen und im Urlaub nach dem Weg zu fragen. Und sie können langsame Gespräche verstehen. Kurzum: Sie kennen elementare, alltägliche Worte der jeweiligen Sprache.
  • Gute Fremdsprachenkenntnisse (Englisch: good knowledge): Sie können Unterhaltungen und Telefonate in der jeweiligen Fremdsprache führen. Sie sind was das Sprechen betrifft, konversationssicher, haben aber in der Schriftsprache noch viele Lücken.
  • Sehr gute Fremdsprachenkenntnisse (Englisch: very good knowledge): Sie können sich mühelos zu komplexen Texten oder abstrakten Themen äußern. Sie sind in der Lage, an fachbezogenen Unterhaltungen und Diskussionen ohne größere Herausforderungen teilzunehmen – als Sprecher und Zuhörer. Gespräche mit Muttersprachlern sind für beide Seiten problemlos.
  • Verhandlungssicher in Wort und Schrift (Englisch: business fluent speaking and writing skills): Sie sind wahrscheinlich in einem englischsprachigen Umfeld aufgewachsen oder haben über lange Zeit dort gelebt. Sie können die Sprache in allen Zusammenhängen problemlos gebrauchen. Das gilt für Beruf, Privatleben und gesellschaftliches Leben. Sie müssen nicht nach Vokabeln suchen, sondern sprechen intuitiv und ohne zu zögern. Die Unterschiede zum muttersprachlichen Niveau sind marginal.
  • Muttersprachler/muttersprachliches Niveau (Englisch: first language/mother tongue/native language): Sie sind mit zwei Sprachen aufgewachsen, zum Beispiel mit Englisch und Deutsch. Wenn Sie tatsächlich exzellente Sprachkenntnisse haben und Informationen mühelos verstehen – etwa durch langjährige Auslandsaufenthalte – dann können Sie unter Umständen auch die Formulierung Muttersprachler verwenden.

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Info: Was versteht man unter Business Englisch?

Schulenglisch versus Business Englisch: Das Englisch, das Sie in der Schule gelernt haben, ist im Grunde genommen die Umgangssprache. Business Englisch beinhaltet zum Beispiel Fachvokabular aus einer Branche. Wirtschaftsenglisch umfasst einen gewählten Ausdruck. Für Ingenieure und Ingenieurinnen ist das Beherrschen von Business Englisch wichtig – vor allem, wenn der Arbeitgeber global agiert. Ingenieure im Projektmanagement verhandeln oft mit internationalen Teams. Flüssiges Wirtschaftsenglisch wird in vielen Stellen gefordert. Auch die Grammatikregeln sind im Business Englisch um einiges schärfer als in der Umgangssprache.

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Gehören die relevanten Sprachkenntnisse ins Anschreiben?

Über den Lebenslauf hinaus empfiehlt es sich für Ingenieure und Informatiker, relevante Sprachkenntnisse schon im Anschreiben zu nennen. Aber eben nur dann, wenn Sie für die vakante Stelle auch von großer Bedeutung sind. Sie können zum Beispiel erwähnen, dass Sie durch einen dreijährigen beruflichen Aufenthalt in London Ihre Englischkenntnisse deutlich vertieft haben. Sind keine Sprachkenntnisse gefordert, so können Sie den Platz im Anschreiben für andere wichtige Skills verwenden.

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Ein Beitrag von:

  • Thomas Kresser

    Thomas Kresser ist Biologe und ausgebildeter Journalist. Er arbeitet unter anderem für das VDI Technologiezentrum, das Medizinportal NetDoktor, die Ärzteplattform Esanum und die Bauer Media Group. Thomas Kresser war Chefredakteur/stellv. Chefredakteur von DocCheck, Lifeline, Medscape und Onmeda. Er ist Gründer und Gesellschafter von ContentQualitäten. Seine Schwerpunkte: Biowissenschaften, Medizin, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Digital Health

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