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Bewerbungsgespräch: Argumente für kurze Verweilzeiten

Das Bewerbungsgespräch wird heutzutage von Seiten des Mitarbeiters wie auch von Seiten der Personalabteilung in der Regel sehr professionell mit verdecktem Visier geführt. Es kann deshalb schnell zu Fehleinschätzungen kommen, die erst in den ersten Wochen und Monaten der Zusammenarbeit deutlich werden.

Bewerbungsgespräch: Kurze Verweilzeiten wecken Phantasie.

Bewerbungsgespräch: Kurze Verweilzeiten wecken Phantasie.

Foto: panthermedia.net/pp76

Diese Tatsache ist für die Unternehmen als auch für die Kandidaten ärgerlich. Während die Unternehmen die vakante Position mit schönen Worten erneut wie unbefleckt am Arbeitsmarkt feilbieten, sind allerdings betroffene Arbeitnehmer für die anstehende Stellensuche gebrandmarkt. Egal ob im Lebenslauf oder im Bewerbungsgespräch – kurze Verweilzeiten wecken die Phantasien der Einsteller. Um diese von vornherein in die richtigen Bahnen zu lenken, ist es wichtig, die Überlegungen der Personaler zu kennen und überzeugende Argumente zu finden, mit denen die kurzen Verweilzeiten plausibel erklärt werden können.

Verweilzeit von zwei Jahren im Bewerbungsgespräch problemlos zu rechtfertigen

Anzustreben ist im Regelfall eine Verweilzeit pro Position von zwei Jahren. Hierfür braucht sich kein Kandidat im Bewerbungsgespräch zu rechtfertigen. Er hat seinem Arbeitgeber gezeigt, dass er die Stelle ausfüllen kann, sonst hätte man ihn sicherlich nicht solange beschäftigt und – wie bei Ingenieuren meist üblich – sehr ordentlich bezahlt. Ausnahme ist der unternehmensinterne Aufstieg, der teilweise zu kürzeren Verweilzeiten in den Stationen führen kann. Sie lassen sich mit der Beförderung hinreichend erläutern. Ansonsten ist gerade am Anfang der Karriere, nach dem Studium, eine Orientierungsphase völlig normal.

So können sich manchmal bis zu drei kurze berufliche Stationen aneinander reihen, ohne dass sich der Bewerber im Bewerbungsgespräch hierzu von den Personalern in die Defensive drängen lassen müsste. Wenn nicht jetzt beruflich „experimentieren“, wann dann? Personaler wissen das, dennoch sind ihre Nachfragen legitim. Der Bewerber sollte sich dabei nicht aus der Ruhe bringen lassen und wie dargestellt argumentieren. Glaubwürdig werden solche Arbeitsverhältnisse zudem durch passable Arbeitszeugnisse.

Bewerbungsgespräch: Argumente für kurze Verweilzeiten

Doch wie bei Arbeitszeiten unter zwei Jahren argumentieren? Hier liegen die Spekulationen der Personaler auf der Hand, beispielsweise, dass der Kandidat wegen schlechter Leistungen gefeuert wurde. Reihen sich solche Stationen aneinander, wird es für den Bewerber in Punkto Lebenslauf und Bewerbungsgespräch in der Tat sehr eng. Bei kurzen Episoden sind gute Arbeitszeugnisse die besten Argumente. Damit kann zumindest der Generalverdacht entkräftet werden. Dies gilt allerdings nur dann, wenn sich unmittelbar nach der kurzen Beschäftigung bei einem Unternehmen direkt eine weitere lückenlos anschließt. Ist dies nicht der Fall, wird möglicherweise geschlossen, dass der Kandidat unfreiwillig das Feld räumen musste, also von einer Kündigung überrascht wurde, was zunächst nicht schlimm ist. Hier ist dann aber auch wichtig, was das Arbeitszeugnis als Ausscheidungsgrund festhält.

Sind wirtschaftliche Probleme oder Umstrukturierungen des Arbeitgebers erkennbar, lässt sich eine Kündigung nachvollziehen und im Bewerbungsgespräch entsprechend verargumentieren. Ein Ausscheiden auf eigenen Wunsch stellt dagegen die Frage in den Raum, ob es sich hier wohl um ein (selbst entworfenes) Gefälligkeitszeugnis handelt, das der Arbeitgeber unterschrieb, um Ruhe zu haben. Eine Lücke von bis zu drei Monaten lässt sich durchaus mit einer kleinen „Verschnaufpause“ zwischen den Stationen rechtfertigen. Ansonsten müssen wichtige Fakten auf den Tisch, weshalb ohne Anschlussbeschäftigung auf eigenen Wunsch gekündigt wurde. Sinnvoll argumentieren lässt sich bei kurzen Verweilzeiten besonders gut durch „weiterführende“ Stationen, wenn sich also eine höherwertige Position anschließt. Hier wurde der Kandidat, was die Regel ist, vom Unternehmen bzw. Personalberatern abgeworben.

Bewerbungsgespräch: Probezeitlängen hochverdächtig

Stationen mit Verweilzeiten, die genau drei bzw. sechs Monate ausmachen (Probezeitlänge), sind höchst verdächtig und im Bewerbungsgespräch nur schwer positiv darzustellen, sofern man überhaupt eingeladen wird. Hier empfiehlt sich die Flucht nach vorne: Die Chemie stimmte einfach nicht, ohne dass eine einseitige Schuldzuweisung an den Arbeitgeber erfolgen sollte. Man hat sich eben im Vorstellungsgespräch gegenseitig nicht ausreichend „beschnuppert“, was ja in der Tat der wirkliche Grund für Disharmonien in der Probezeit ist. Der Versuch, die Station als Erfolg darzustellen, was möglicherweise noch mit einem glänzenden Arbeitszeugnis belegt wird, wirkt mehr als unglaubwürdig.

Verweilzeiten, die einige Wochen über bzw. unter der Probezeit liegen, machen sich da besser. Sie zeigen zumindest, dass der Kandidat die Probezeit bestanden hat, bzw. schnell die fehlende Passgenauigkeit aufspürte. Gerade bei Ingenieuren lassen sich kurze Stationen im Bewerbungsgespräch häufig von der Sache her erklären. Der Hochschulabsolvent der Konstruktionstechnik, der sich bei Vertragsunterzeichnung vom großen Namen des Unternehmens blenden ließ, stellt schon noch wenigen Wochen fest, dass er sich technisch in seiner Abteilung nicht weiterentwickeln kann, weil in erster Linie organisatorische Arbeit gefragt ist.

Auf seinen Gebieten wird technologisch in seinem Unternehmen nichts bewegt, sondern die kreativen Entwicklungsleistungen der Zulieferer verwaltet. Die weitere Argumentation im Bewerbungsgespräch könnte dann folgendermaßen aussehen: Es wäre fatal, wenn der Absolvent jetzt nur aus lebenslauftechnischen Gründen zwei Jahre in der Position verharren wollte, um sich anschließend wieder der Entwicklung zuzuwenden. Denn für die ist er noch zwei Jahren nicht mehr brauchbar.

 

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