Klimaschutz 21.08.2020, 07:00 Uhr

Wertvolle Chemikalien aus Kohlendioxid gewinnen

Kohlendioxid ist ein wertvoller Rohstoff für organische Chemikalien, doch sind manche Synthesen nicht rentabel. Wie sich Feinchemikalien ökonomisch sinnvoll herstellen lassen, haben Fraunhofer-Wissenschaftler jetzt herausgefunden.

Strategien gegen Treibhausgase: Aus Kohlendioxid entstehen hochwertige Feinchemikalien. 
Foto: panthermedia.net/rclassenlayouts

Strategien gegen Treibhausgase: Aus Kohlendioxid entstehen hochwertige Feinchemikalien.

Foto: panthermedia.net/rclassenlayouts

Steigende Temperaturen, Hitzerekorde im Sommer und trockene Böden: Viele Folgen des Klimawandels lassen sich kaum noch übersehen. Die Zeit, hier gegenzusteuern, drängt. Neben der Strategie, Emissionen zu vermeiden, versuchen Wissenschaftler, Kohlendioxid mit Synthesen aus der Luft zu binden. Bislang stellten sie vor allem Alkohole oder Kohlenwasserstoffe über diesen Weg her. In den letzten Jahren wurden etliche Katalysatoren untersucht, doch das Verfahren erwies sich als wenig wirtschaftlich.

Jetzt zeigen Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, dass sich wertvolle Feinchemikalien, etwa Farbstoffe, über diesen Weg gewinnen lassen. „Die Entwicklung von Verfahren zur Verwertung von CO2 wird ein entscheidender Baustein einer zukünftigen klima- und ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft sein“, so Arne Roth. Er leitet das Innovationsfeld Katalysatoren am Fraunhofer IGB.

Kohlendioxid binden und in einfache Moleküle umwandeln  

Zum Hintergrund: Die Synthese läuft über mehrere Schritte ab. Anfangs muss Kohlendioxid aus der Luft gewonnen werden. Dazu bauten Ingenieure des Projektpartners Climeworks eine Pilotanlage auf das Dach des IGB-Institutsgebäudes im bayerischen Straubing. Sie besteht vor allem aus Kollektoren, in die per Gebläse Luft gesaugt wird. Im Inneren bindet ein selektives Filtermaterial das wertvolle Treibhausgas. Die Technologie selbst ist schon weit entwickelt. Climeworks arbeitet damit bereits an mehreren Standorten.

Im nächsten Schritt stellen Ingenieure aus dem gebundenen Kohlendioxid einfache organische Verbindungen mit einem bis zwei Kohlenstoffatomen her. Dies geschieht in Elektrolysezellen. Als Produkte entstehen Ameisensäure oder Ethanol. „Allerdings ist die elektrochemische Umwandlung von CO2 erst dann ökologisch sinnvoll, wenn hierfür erneuerbare Energien genutzt werden“, gibt Lénárd-István Csepei vom Fraunhofer IGB zu bedenken.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Hochschule Merseburg-Firmenlogo
Professur (W2): Automatisierungstechnik Hochschule Merseburg
Merseburg Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Bauleiter im Innendienst (m/w/d) für die Ausschreibung und Vergabe im Schlüsselfertigbau GOLDBECK West GmbH
BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH-Firmenlogo
Ingenieur Versorgungstechnik / Gebäudetechnik / Bauingenieur als Fachplaner im Bereich HLS (m/w/d) BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Projektleiter Planung (m/w/d) GOLDBECK West GmbH
Bochum, Düsseldorf (Monheim am Rhein) Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur im Änderungswesen (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
DFS Deutsche Flugsicherung-Firmenlogo
Produktmanager (w/m/d) für Systementwicklung iCAS DFS Deutsche Flugsicherung
Langen bei Frankfurt Zum Job 
WBS TRAINING AG-Firmenlogo
Schweißlehrer:in für WIG, MIG/MAG und E-Hand (m/w/d) WBS TRAINING AG
Dresden Zum Job 
M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur/in - Technische Projektierung / Presales Engineering (m/w/d) mit Schwerpunkt keramische Hochtemperatur-Isolationstechnik M.E. SCHUPP Industriekeramik GmbH
TenneT TSO-Firmenlogo
Parametrierer Stationsleittechnik (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Projektleitung von Lärmschutz- und Brückenbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Automatisierungstechniker (m/w/d) im Bereich Sondermaschinenbau Max Bögl Bauservice GmbH & Co. KG
Sengenthal bei Neumarkt in der Oberpfalz Zum Job 
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Tech Lead (m/w/d) Electric Powertrain / Elektromotoren Jungheinrich Aktiengesellschaft
Norderstedt Zum Job 
GOLDBECK West GmbH-Firmenlogo
Architekt / Bauingenieur als Sales Manager (m/w/d) für schlüsselfertige Gewerbeimmobilien GOLDBECK West GmbH
aedifion GmbH-Firmenlogo
Servicetechniker Gebäudeautomation (w/m/d) aedifion GmbH
Köln und Umgebung Zum Job 
Stadt Leonberg-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) für den Bereich Kanal- und Gewässerbau Stadt Leonberg
Leonberg Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Arbeitsvorbereiter Fertigungssteuerung (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Allbau Managementgesellschaft mbH-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Serielle Sanierung & GU-Projekte Allbau Managementgesellschaft mbH
Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF-Firmenlogo
Projektleitung - Neubau Reinraum (all genders) Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik IAF
Freiburg im Breisgau Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
OT Security Engineer (m/w/d) TenneT TSO
Audorf, Stockelsdorf Zum Job 
Schmoll Maschinen GmbH-Firmenlogo
Konstruktionsingenieur / Maschinenbautechniker (m/w/d) Schwerpunkt Maschinen- & Anlagenbau Schmoll Maschinen GmbH
Rödermark Zum Job 

Um die Ausbeute zu erhöhen, untersuchten Forscher verschiedene Verfahren. Als ideal erwiesen sich zinnhaltigen Katalysatoren zusammen mit Pufferlösungen auf Phosphatbasis. Die Lösungen dürfen weder toxisch sein, noch Enzyme hemmen, damit sie nachfolgende biochemische Schritte nicht behindern.

Biotechnologische Herstellung von Feinchemikalien 

Die ersten beiden Schritte sind chemisch und verfahrenstechnisch gut durchführbar, haben  aber dennoch ein Problem zur Folge: Es gibt in Deutschland derzeit zu wenig regenerative Energien für elektrochemische Prozesse in großem Maßstab. „Wirtschaftlich wird die elektrochemische Produktion erst dann, wenn es gelingt, die Verbindungen weiter in höherwertige Produkte umzusetzen“, gibt Csepei zu bedenken.

Deshalb hatten die Fraunhofer-Forscher eine Idee. Sie konzipierten einen dritten Prozess auf biotechnologischer Basis. Dabei arbeiteten sie mit dem bereits bekannten Bakterium Methylobacterium extorquens. Es kann organische Verbindungen mit nur einem Kohlenstoffatom nutzen – sowohl als Energiequelle als auch, um komplexe Moleküle im eigenen Stoffwechsel zu produzieren. Im Experiment entstand ein Farbstoff auf Basis der Terpene. Solche Pigmente sind wertvoll und lassen sich etwa in Kunststoffen für Verbrauchsgegenstände einsetzen. Sie sind allerdings generell teuer.

Lesen Sie auch:

Die Reaktion selbst gelang im Zehn-Liter-Maßstab in einem Fermenter – mit guter Ausbeute. Rund 14 % der eingesetzten Ameisensäure wurde in den terpenoiden Farbstoff umgewandelt. Nach einem Aufreinigungsschritt lag das Pigment in sauberer Form vor; seine Struktur wird derzeit noch bestimmt. Danach wollen die Forscher herausfinden, welche Stoffwechselwege genau zu dem Farbstoff führen – und, ob sich die grundlegenden Mechanismen biotechnologisch optimieren lassen. Denn die Produktausbeute ist aus ökonomischen Kriterien entscheidend.

Vom Labor zur Produktion 

Dann untersuchten die Wissenschaftler, ob sich ihr Prozess auch in größerem Maßstab durchführen lässt. Sie entwickelten eine automatisierte Demonstrationsanlage mit elektrochemischen Zellen, um für Dauerversuche weitere Parameter zu optimieren, etwa die Temperatur und pH-Wert. Alle Messgrößen werden automatisch erfasst. Ziel ist, den Dauerprozess zu validieren.

Die Forscher wollen damit erreichen, wertvolle Synthesechemikalien klimaneutral zu erzeugen. Die Strategie hat noch einen weiteren Vorteil: Sowohl Kohlendioxid als auch alternative Energien entstehen dezentral. Deshalb macht die dezentrale Synthese hochwertiger Feinchemikalien auch besonders Sinn.

Deshalb erhielten die Forscher für ihr Projekt „Cost-effective CO2 conversion into chemicals via combination of Capture and ELectrochemical and BIochemical CONversion technologies – CELBICON“ auch Fördergelder der europäischen Union.

Mehr zum Thema Klimawandel und Treibhausgase: 

Ein Beitrag von:

  • Michael van den Heuvel

    Michael van den Heuvel hat Chemie studiert. Unter anderem arbeitet er für Medscape, DocCheck, für die Universität München und für pharmazeutische Fachmagazine. Seit 2017 ist er selbstständiger Journalist und Gesellschafter von Content Qualitäten. Seine Themen: Chemie/physikalische Chemie, Energie, Umwelt, KI, Medizin/Medizintechnik.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.