Gehaltsstudie 2018 14.05.2018, 08:35 Uhr

Wie viel verdienen Chemieingenieure?

Ingenieure der Chemie- und Pharmaindustrie sind Spitzenverdiener. Doch das birgt Tücken bei der Formulierung eigener Gehaltsvorstellungen.

Gute Aussichten für das Gehalt von Chemieingenieuren.

Gute Aussichten für das Gehalt von Chemieingenieuren.

Foto: panthermedia.net/lagereek

Die Einkommen der Ingenieure in der Chemie- und Pharmaindustrie verharren auf sehr hohem Niveau und das, obwohl die Entwicklung der Branchenumsätze seit Jahren alles andere als hervorsticht. Entscheidend für den guten Verdienst in der Branche sind vor allem die beschäftigende Unternehmensabteilung, die Mitarbeiterverantwortung sowie variable Gehaltsbestandteile. Diese und weitere Faktoren sollten Sie kennen, um eine maßvolle Gehaltsvorstellung zu entwickeln.

Gehaltsvergleich: Der Chemieingenieur verteidigt Position als Spitzenverdiener

Gehälter für Ingenieure 2017 in Euro
Brutto-Jahresentgelt nach Branchen
Chemie- und Pharmaindustie 81.553
Fahrzeugbau 72.500
Maschinen- & Anlagenbau 67.157
Energieversorgung 67.010
Elektronik & Elektrotechnik 65.491
Informationstechnologie 58.304
Baugewerbe 56.040
Ingenieur- & Planungsbüros 51.000
Quelle: Gehaltstest für Ingenieure 2017, www.ingenieur.de/gehaltstest/

Sagenhafte 81.553 Euro verdienten die Ingenieure in der Chemie- und Pharmaindustrie im Schnitt, die im vergangenen Jahr ihre Gehaltsdaten auf ingenieur.de eingaben und damit die Grundlage bildeten für die alljährliche Einkommensstudie von Ingenieuren für Ingenieure. Damit können die Chemieingenieure ihre Spitzenposition als Vielverdiener unter den Ingenieuren locker verteidigen. Zum Vergleich: Über alle Branchen hinweg verdienten berufserfahrene Ingenieure im vergangenen Jahr 64.016 Euro.

Einstiegsgehalt: Berufseinsteiger verzeichnen Gehaltssprung von 7,6%

Der Richtwert, an dem sich Absolventen und Berufseinsteiger in der Chemie- und Pharmaindustrie orientieren können, ist ebenfalls hoch. Die Einstiegsgehälter der Branche liegen derzeit bei rund 55.350 Euro und damit im Schnitt 7.000 Euro über dem Verdienst aller Ingenieur-Einsteiger. Den Spitzenplatz macht also auch den frischgebackenen Chemie- und Pharmaingenieuren keiner streitig.

Die Verdienstmöglichkeiten variieren allerdings. Wer einen Master in der Tasche hat, kann in seiner Gehaltsverhandlung im Schnitt 4.000 Euro mehr rausholen als ein Bachelorabsolvent. Und auch, wer sein Studium an einer Universität oder Technischen Hochschule abgeschlossen hat, bekommt im Schnitt etwas mehr Geld als FH-Absolventen – zumindest als Maserabsolvent. All diese Zahlen sind jedoch Durchschnittswerte. Wer als Einsteiger einen Auslandsaufenthalt, erste Berufserfahrung oder Zusatzqualifikationen vorweisen kann, die der angestrebte Arbeitgeber braucht, klettert zügig ein, zwei Gehaltsstufen nach oben. Vor allem, wenn er oder sie die Kunst der Gehaltsverhandlung beherrscht.

Branchenentwicklung spiegelt Gehaltsniveau nur bedingt wider

Der Umsatz der Chemie- und Pharmaindustrie entwickelte sich in den letzten zehn Jahren weitgehend positiv. Im Jahr 2003 lagen die Umsätze aller steuerpflichtigen Unternehmen der Branche bei rund 137,6 Mrd. Euro. In den folgenden Jahren kletterte der Branchenumsatz kontinuierlich auf bis zu 210 Mrd. Euro an, bis die globale Finanz- und Wirtschaftskrise kam und die Entwicklung einiger Jahre rückgängig machte: Die Umsätze brachen um knapp 10% ein. Um seither wieder fröhlich zu steigen und den Ingenieuren der Branche pralle Lohntüten zu bescheren. Diese konjunkturelle Entwicklung ist sicher ein Grund für die Lohnsteigerung der Chemieingenieure in Deutschland.

Allerdings erklärt sie nicht, warum Chemieingenieure die Gehaltstabelle vor Ingenieuren des Fahrzeugbaus oder der Energieversorgung anführen. Denn im Vergleich zu anderen Branchen entwickelt sich der Branchenumsatz der Chemie- und Pharmaindustrie auf einem eher durchschnittlichen Niveau. Während er nach Angaben des VCI zuletzt bei 185 Mrd. Euro lag, schoss der Jahreserlös im Fahrzeugbau auf 404,6 Mrd. Euro und im Maschinenbau auf 240 Mrd. Euro hoch.

Viele Chemieingenieure sind in der Forschung

Eine Erklärung für den guten Verdienst von Chemieingenieuren findet sich in der Position. Kaum eine Branche in Deutschland sei so innovativ und forschungsintensiv wie die Chemie- und Pharmaindustrie, schreibt etwa die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Dementsprechend sind viele Ingenieure und Naturwissenschaftler in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in der Forschung tätig.

Nach dem Vertrieb ist Forschung & Entwicklung, kurz FuE, die lukrativste Abteilung in Unternehmen. Ein Fach-, bzw. Projektingenieur bringt es in diesem Bereich auf ein Brutto-Jahresentgelt von durchschnittlich 58.100 Euro. Zum Vergleich: In der Projektierung verdient ein Ingenieur in der gleichen Position 4.000 Euro weniger.

Größere Unternehmen zahlen sich für Chemieingenieure aus

Übrigens kommen hier zwei Faktoren zusammen: Obwohl eine überwiegende Mehrheit der deutschen Chemieunternehmen dem Mittelstand zuzurechnen ist, sind die meisten Beschäftigten in Großunternehmen und Konzernen wie BASF, Bayer, Linde oder Evonik beschäftigt. Und wie in jeder Branche gilt auch in der chemischen Industrie, dass große Unternehmen im Schnitt höhere Löhne zahlen als kleinere. Da zudem die FuE-Aktivität in Großunternehmen stärker ausgeprägt ist als die des Mittelstands, haben die Chemieingenieure in den FuE-Abteilungen der großen Chemieunternehmen quasi das goldene Los aus dem Gehaltstopf gezogen.

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Verantwortungsvolle Positionen pushen das Gehalt

Entscheidend für die Verdienstentwicklung eines Chemieingenieurs ist außerdem die Position innerhalb des Unternehmens. Pauschal kann man sagen: Je mehr Mitarbeiter ein Ingenieur führt, desto höher fällt das Gehalt aus. Selbst in der Position des Projektingenieurs, dem in der Regel nur wenige Mitarbeiter untergeordnet sind, macht die Führungsverantwortung einen finanziellen Unterschied. Bei Positionen mit mehr Führungsverantwortung hängt das Gehalt ganz maßgeblich von der Anzahl der geführten Mitarbeiter ab.

So verdient ein Projektmanager in der Chemie- und Pharmaindustrie durchschnittlich 88.480 Euro brutto im Jahr, ein Projektingenieur dagegen 67.100 Euro. Wobei dieser Mittelwert außer Acht lässt, dass besonders viele Berufseinsteiger als Fach- oder Projektingenieure eingestellt werden. Die Spanne dürfte daher wesentlich geringer ausfallen, wenn man nur Ingenieure mit einer Berufserfahrung von mindestens zwei Jahren in dieser Position betrachten würde. Denn auch die Unternehmenszugehörigkeit bzw. die Berufserfahrung beeinflussen am Ende das Gehalt.

Chemieingenieure beziehen hohe variable Vergütungsanteile

Nicht immer verlässlich, dafür aber umso erfreulicher ist die Zahlung des variablen Gehaltsanteils. In den meisten Ingenieurbranchen spielt er keine herausragende Rolle: Insgesamt erhält aber ein Drittel der Berufseinsteiger und jeder zweite berufserfahrene Ingenieur variable Vergütungsanteile. Die höchsten variablen Anteile werden in der Chemie- und Pharmabranche veranschlagt, in der variable Zahlungen einen wesentlichen Beitrag zu den hohen Brutto-Jahresgehältern leisten.

Im Schnitt betrug der Anteil variabler Vergütungsbestandteile bei Ingenieuren der Chemie- und Pharmaindustrie 9,3% des Jahresentgelts 2017. Nutznießer sind neben den üblichen Verdächtigen der Gruppen- und Abteilungsleiter auch die Ingenieure auf der unteren Skala der Gehaltsliste: Fach- und Projektingenieure in chemisch-pharmazeutischen Unternehmen haben variable Einkommensbestandteile in Höhe von rund 9,7%, Projektmanager kommen in der aktuellen Erhebung gar auf satte 11,4%. In der Chemie- und Pharmaindustrie ist ein Ingenieur damit enger an den Erfolg seines Arbeitgebers gebunden als in jeder anderen Branche.

Konkurrenz belebt das Geschäft – und hebt regionale Unterschiede auf

Ein entscheidender Faktor für jedes Ingenieurgehalt ist der Standort des Arbeitgebers. Denn auch 25 Jahre nach dem Mauerfall ist in den Gehaltstabellen eine Teilung Deutschlands in Ost und West erkennbar. Wer im Rheinland sowie im Großraum Stuttgart oder im Rhein-Main-Gebiet lebt und arbeitet, verdient mehr als die Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen. Aber eben nicht immer.

Für Chemieingenieure lohnt sich ein zweiter Blick auf die Deutschlandkarte. Denn die Chemieindustrie hat sich in einigen Clustern konzentriert, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sehr schön zeigt. Diese Chemieparks drängen sich vor allem in den Ländern Nordrhein-Westfalen, im südlichen Hessen und im östlichen Sachsen-Anhalt. Und was machen Löhne, wenn die Arbeitskräftenachfrage regional gebündelt steigt? Sie steigen in aller Regel mit. Insofern können vor allem Chemieingenieure im Osten der Republik aufatmen: Die Ansammlung von Chemieunternehmen in der Region rechtfertigt höhere Gehaltsansprüche, als es sonst regional zu erwarten wäre.

Fazit – das Chemieingenieurstudium lohnt sich

Das Studium des Chemieingenieurwesens lohnt sich kurz- wie langfristig. Die Jahresgehälter der Berufseinsteiger sind auf einem ebenso überdurchschnittlichen Niveau wie die der berufserfahrenen Ingenieure. Die Ingenieurkollegen anderer Disziplinen schauen den Chemieingenieuren im Rennen um Einkommen seit Jahren nur hinterher. Zum Teil liegt das an hohen variablen Gehaltsbestandteilen in der chemisch-pharmazeutischen Industrie und dem hohen Anteil von Entwicklungsingenieuren in der Branche.

Wer einen Job in der Chemiebranche sucht oder in der Forschung und Entwicklung, kann sich in unserer Jobbörse direkt auf die Suche nach einer passenden Vakanz machen. Und wer noch Tipps fürs Vorstellungsgespräch oder das perfekte Anschreiben braucht, findet Anregungen in unserem Karrierebereich.

Von Lisa Schneider

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