Berufsprofil

Was macht eigentlich ein Bauingenieur?

Bauingenieure entwerfen, planen, entwickeln, bemessen und überwachen Bauwerke und sorgen für deren Instandhaltung, Nutzungsfähigkeit und Abbruch. Sie tragen größte Verantwortung bei Bauprojekten. Erfahren Sie mehr über den Beruf des Bauingenieurs.

Foto: panthermedia.net/pressmaster

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Wohnhäuser, Bürogebäude, Straßen, Brücken, Tunnel, Häfen, Flughäfen, Fabriken, Kirchen, Kraftwerke und Abwassersysteme – es gibt fast kein Bauwerk, für das ein Bauingenieur nicht in irgendeiner Form verantwortlich sein kann. Zwar bauen Bauingenieure die Gebäude nicht selbst, aber sie planen und entwickeln sie. Die Ausführung des Berufs erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Architekten, die die Objekte gestalten. Dem Bauingenieur obliegt es dann, dafür zu sorgen, dass die Pläne des Architekten so ausgeführt werden, dass die Gebäude auch stehen bleiben. Ihre Aufgabe ist also die Überprüfung der technischen Machbarkeit der Baupläne und später auch die Umsetzung.

Der Arbeitsbereich von Bauingenieuren ist sehr groß. Das ist ein Grund dafür, warum sie sich oft spezialisieren und nur in einem oder zwei Bereichen tätig sind – etwas im Brückenbau, Häuserbau oder Straßenbau. Zudem wird in der Baubranche zwischen Hochbau und Tiefbau unterschieden. Bauingenieure mit der Spezialisierung Tiefbau sind verantwortlich für den Bau von Tunneln, Straßen oder Fundamenten. Hochbauingenieure hingegen sind für Gebäude und Brücken zuständig.

Bauingenieure arbeiten aber auch als Gutachter, Bauleiter oder Bausachverständige. Außerdem sind sie für die Sicherheit von Gebäuden und Baustellen verantwortlich und auch für die Wirtschaftlichkeit eines Bauprojektes. Zudem gehören die Planung des Baubetriebs und die Überwachung der späteren Einrichtung der Baustelle zu den Tätigkeiten des Bauingenieurs. Endet die Arbeit des Bauingenieurs, wenn das Gebäude fertig ist? Mitnichten. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Tätigkeiten erweitert. Zunehmend gehören nun auch die Sanierung, das Energiemanagement sowie der Betrieb von Gebäuden zu den beruflichen Aufgaben des Bauingenieurs. Im Folgenden eine Liste, die die Aufgaben eines Bauingenieurs darstellt:

  • Bauprojekte planen
  • Berechnung und Bemessung des Bauwerks unter Berücksichtigung aller möglichen Einwirkungen (Hochbau)
  • Berechnung und Bemessung des Tragwerks unter Berücksichtigung von Bodenbeschaffenheit und Wasserhaltung (Tiefbau)
  • Ausschreibungen prüfen
  • Angebote erstellen und prüfen
  • Projektleitung von Baumaßnahmen
  • Bauabrechnung erstellen
  • Gutachten erstellen, zum Beispiel zu Lärm, Umwelteinflüssen, Energie und Statik
  • Durchführung der Bauabnahme
  • Planung der Sanierung bestehender Gebäude
  • Projektleitung bei Sanierungsmaßnahmen
  • energetische Sanierungen, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit Energieingenieuren
  • Instandhaltungen, beispielsweise von Brücken und Schienenbauwerken
  • Erarbeitung und Umsetzung digitaler Prozesse im Gebäudemanagement
  • Koordination externer Dienstleister und Handwerker für den Gebäudebetrieb

 

Wie wird man Bauingenieur?

Um den Beruf des Bauingenieurs zu ergreifen, ist ein Studium der Ingenieurwissenschaften unabdingbar. Das Bauingenieurwesen ist ein eigener Studiengang. Er zählt neben der Elektrotechnik und dem Maschinenbau zu den drei klassischen Studiengängen der Ingenieurwissenschaften. Wer sich für ein Studium zum Bauingenieur interessiert, sollte folgende Voraussetzungen mitbringen:

  • Verständnis für technische Zusammenhänge
  • Interesse an Naturwissenschaften
  • analytisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Spaß an Analysen
  • sicherer Umgang mit Zahlen und EDV
  • Konzentrationsvermögen
  • Organisationstalent

Darüber hinaus müssen Berufsinteressenten einige formale Kriterien erfüllen. Dazu zählen die allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife, also Abitur oder Fachabitur, sowie gegebenenfalls Praktika, sofern diese von der gewählten Hochschule verlangt werden. Viele Hochschulen haben das Fach des Bauingenieurwesens mit einer Zulassungsbeschränkung, dem sogenannten Numerus clausus (NC), belegt. Wer auf den Studienbeginn nicht mehrere Semester warten will, sollte diese Durchschnittsnote mit dem Abitur erreichen. Sie schwankt von Hochschule zu Hochschule und kann sich in jedem Semester ändern.

Das Studium selbst gliedert sich in ein Bachelor- und einen darauf aufbauenden Masterstudiengang. Im Bachelor werden die Grundlagen vermittelt, darunter die Ingenieurgrundlagen in Mathematik, Physik sowie Mechanik. Außerdem gehören Baustoffkunde und Konstruktionslehre zum Grundwissen. Im Master können sich angehende Bauingenieure dann spezialisieren, je nachdem in welchem Bereich sie später tätig werden wollen.

So ist beispielsweise eine Spezialisierung auf den konstruktiven Ingenieurbau möglich, der die klassischen Tätigkeiten rund um alle Hochbauten wie Wohn- und Bürogebäude, Brücken und Co. umfasst. Wer seine berufliche Zukunft im Management sieht, kann den Schwerpunkt im Master auf den Baubetrieb legen. Zu den Aufgaben von Bauingenieuren, die sich auf Verkehrs- und Raumplanung spezialisieren, gehört im späteren Berufsleben alles, was mit Mobilität zu tun hat: etwa der Bau von Straßen, Flughäfen und der Betrieb von Eisenbahnanlagen.

Wer später Staudämme oder Deiche bauen will oder sich mit Abwasser und Abfallwirtschaft befassen möchte, der setzt seinen Schwerpunkt auf die Fachrichtung Wasserbau, Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft. An einigen Hochschulen wird dieser Fachbereich auch als Umwelttechnik bezeichnet.

Wo arbeiten Bauingenieure?

Bauingenieure können als selbstständige Ingenieure mit eigenem Ingenieurbüro arbeiten oder als Angestellte. Sie sind dann entweder für Vermessungsbüros oder in der Bauindustrie tätig. Auch Anbieter von Fertighäusern sind immer wieder auf der Suche nach Bauingenieuren. Wenn Bauingenieure im öffentlichen Dienst unterkommen, liegen ihre Aufgaben schwerpunktmäßig auf der Stadtentwicklung sowie der Einhaltung von Bauvorschriften und gesetzlichen Regelungen.

Die Bauindustrie ist mit 2,5 Millionen Erwerbstätigen (das sind 6 % aller Erwerbstätigen) einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Zu den größten Unternehmen der Bauwirtschaft, bei denen auch zahlreiche Bauingenieure tätig sind, gehören:

  1. Hochtief in Essen
  2. Strabag in Köln
  3. Züblin in Stuttgart
  4. Goldbeck in Bielefeld
  5. Zech Group in Bremen
  6. Kaefer Isoliertechnik in Bremen
  7. Bauer in Schrobenhausen
  8. Max Bögl in Sengenthal
  9. PORR in München
  10. Leonhard Weiss in Göppingen

 

Das verdient man als Bauingenieur

Die Bedeutung der Bauwirtschaft in Deutschland ist groß. Rund 10 % des deutschen Bruttoinlandsproduktes werden für Baumaßnahmen verwendet. Was Bauingenieure verdienen, richtet sich auch nach ihrer Anstellung. Selbstständige Bauingenieure mit eigenem Büro müssen sich bei der Abrechnung an die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) halten. Bauingenieure im öffentlichen Dienst werden mitunter sogar noch verbeamtet und dann nach entsprechendem Tarif bezahlt. Mehr dazu: Ingenieurgehalt öffentlicher Dienst

Bauingenieure, die in der Industrie angestellt sind, verdienen am Anfang ihrer Karriere weniger als andere Ingenieure, das Gehalt steigt mit den Jahren der Erfahrung. Auch, ob der Bauingenieur nur einen Bachelorabschluss hat oder den Master, entscheidet am Anfang über die Höhe des Gehalts. So können Bauingenieure mit Bachelorabschluss mit einem Einstiegsgehalt von durchschnittlich 40.300 Euro pro Jahr rechnen. Masterabsolventen erreichen Einstiegsgehälter von knapp 43.400 Euro. Darüber hinaus sorgen Abschlüsse von Universitäten und technischen Hochschulen zu Beginn für einen etwas höheren Verdienst als Abschlüsse von Fachhochschulen. Nach den ersten 2 Berufsjahren steigt das Gehalt im Schnitt alle 5 Berufsjahre um etwa 9.000 Euro jährlich, bis auf etwa 60.000 Euro für Bauingenieure mit mindestens 10 Jahren Berufserfahrung.

Mehr zum Gehalt von Bauingenieuren lesen Sie im Artikel „Wie viel verdient ein Bauingenieur?

Die Digitalisierung im Bauingenieurwesen

Roboter auf der Baustelle, Beton und Gebäudeteile aus dem 3D-Drucker – das sind Dinge, die immer schneller zur Realität werden im Bauwesen. Während viele Branchen bereits voll von der Digitalisierung erfasst sind, trifft das auf die Baubranche noch nicht in allen Bereichen zu. Ein Mensch, der 20 Jahre in der Wildnis gelebt hat und nun wieder in die Zivilisation kommt, würde bei einem Besuch in einer Fabrik über neue Automaten und digitale Schnittstellen staunen können. Besuchte er dagegen eine Baustelle, würde er vermutlich denken, es sei noch alles beim Alten. Das liegt auch daran, dass der Globalisierungsdruck in der Bauindustrie geringer ist als beispielsweise im Maschinenbau. Bauvorhaben sind meist geprägt von örtlichen Gegebenheiten und lokaler Kultur sowie von den jeweiligen technischen Bauvorschriften.

Entsprechend skeptisch steht die Branche etwa der Automation von Prozessabläufen gegenüber. Die Begründung: Während beispielsweise beim Autobau viele Abläufe immer gleich sind, sei das beim Bau anders, weil die meisten Projekte individuell seien. Eine Vollautomatisierung mit Robotern auf Baustellen dürfte daher tatsächlich noch sehr entfernte Zukunftsmusik sein, wenn es so etwas denn überhaupt je geben wird. Doch eine Teilautomatisierung, bei der Roboter den Menschen unterstützen und nicht ersetzen, ist denkbar. Und die dürfte mittelfristig umgesetzt werden. Nicht nur, damit die deutsche Bauindustrie im weltweiten Vergleich mithalten kann, sondern auch aus Imagegründen. Denn aktuell hat die Bauindustrie bei jungen Ingenieuren ein angestaubtes Image. Die jungen Leute sind es gewohnt, Technik und Onlinetools wie selbstverständlich in ihren Alltag einzubinden – und in diesem Punkt hat die Baubranche noch Nachholbedarf.

Sicher ist jedoch: Im Zuge der weltweiten fortschreitenden Digitalisierung wird die Baubranche aufschließen. Noch zögern viele Unternehmen, digitale „Helfer“ wie Big Data oder Cloud-Computing zu nutzen. Selbst Smartphones und Tablets kommen als Unterstützung nur selten zum Einsatz. Meist werden Baupläne immer noch ganz klassisch auf Papier gezeichnet. Dabei steht das Building Information Modeling (BIM) in den Startlöchern, mit dem Planungsobjekte in allen Details digital konstruiert werden können. Das Potenzial der BIM-Methode wird noch unterschätzt, sagen Experten, doch mit jedem jungen Bauingenieur und jeder jungen Bauingenieurin, die mit frischem Wissen von der Hochschule kommt, wird sich das ändern.

 

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