Einkommensstudie 2018 01.08.2018, 09:27 Uhr

Wie viel verdient ein Bauingenieur?

Bauingenieure arbeiten in einem sehr volatilen Umfeld. Zwar steigt der Umsatz und der Wohnungsbau floriert, doch die Einkommen unterliegen starken Schwankungen. Wir zeigen Ihnen, welche Faktoren das Gehalt des Bauingenieurs beeinflussen.

Die Bauingenieurin holt auf: Kaum ein anderer Ingenieurzweig zieht so viele Frauen an wie das Bauingenieurwesen.

Die Bauingenieurin holt auf: Kaum ein anderer Ingenieurzweig zieht so viele Frauen an wie das Bauingenieurwesen.

Foto: panthermedia.net/levkro

Laut der aktuellen Gehaltsstudie von ingenieur.de verdienten Bauingenieure mit Berufserfahrung im Jahr 2017 durchschnittlich rund 56.040 Euro. Damit haben die Gehälter erstmals seit Jahren einen nennenswerten Sprung gemacht und sind im Vorjahresvergleich um satte 10% gestiegen. Die Einstiegsgehälter im Baugewerbe stiegen ebenfalls und liegen bei durchschnittliche 43.500 Euro, einer Steigerung um 4,6 Prozent.

Ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre suggeriert, dass sich die Baubranche – und mit ihr das Gehalt für Bauingenieure – stabilisiert. Wir zeigen Ihnen, welche Faktoren Ihr persönliches Gehalt als Bauingenieur wirklich beeinflussen – von der Wahl Ihres Arbeitgebers bis zur vertraglich geregelten Arbeitszeit. Außerdem: Was verdienen eigentlich Frauen im Baugewerbe?

Gehaltsentwicklung:  Die Krise im Baugewerbe dämpft die Gehälter

Bauingenieure mussten in den Jahren 2002 bis 2005 hohe Gehaltseinbußen hinnehmen. Das Brutto-Jahresgehalt eines Bauingenieurs mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung sank in diesem Zeitraum von 57.500 Euro auf 41.500 Euro. Das entspricht auf dem Gehaltszettel einem Minus von satten 27%. Seither stiegen die Gehälter zwar wieder kontinuierlich an und erreichen erst jetzt langsam wieder das Vorkrisenniveau. Die aktuelle Gehaltsstudie weist für das Baugewerbe ein durchschnittliches Ingenieurgehalt von knapp 56.040 Euro brutto im Jahr aus.

Gehaltsvergleich: Unterdurchschnittliches Entgelt in der Bauwirtschaft

Trotz aller Freude über den Anstieg der vergangenen Jahre: Erfahrene Bauingenieure werden deutlich geringer entlohnt als ihre Kollegen anderer Fachrichtungen. Im Schnitt verdienen Ingenieure in anderen Branchen 8.000 Euro brutto mehr im Jahr. Denn die taumelnde Verdienstentwicklung beim Bauingenieur steht dem Trend steigender Ingenieureinkommen gegenüber. Im Maschinen- und Anlagenbau bringen es berufserfahrene Ingenieure etwa auf einen Jahresverdienst von 67.157 Euro, In der Energieversorgung sind es 67.010 Euro. Dennoch lohnt ein Studium, wenn der Traumberuf im Baugewerbe liegt. Denn ein ausgebildeter Bautechniker erhält üblicherweise nur rund 40.000 Euro Jahreslohn.

Vergleichbar mit den Ingenieureinkommen im Baugewerbe sind die Gehälter in Ingenieur- und Planungsbüros, die allerdings den letzten Gehaltsprung nicht mitgemacht haben. Sie beziehen ein durchschnittliches Jahresentgelt von 51.000 Euro. Die weitgehende Parallele kommt keineswegs von ungefähr: Viele Bauingenieure sind nicht direkt in der Bauwirtschaft, also den großen Bauunternehmen wie Hochtief, Züblin oder Bilfinger beschäftigt, sondern bei Planungs- und Ingenieurbüros. Sie fungieren ebenso wie die vielen freiberuflich tätigen Bauingenieure als Dienstleister der Bauindustrie.

Für alle mit der Planung von Bauprojekten beauftragten Freien gilt in Deutschland die „Honorarordnung für Architekten und Ingenieure“ (HOAI). Sie gewährleistet sowohl ein verbindliches Preisniveau als auch die Möglichkeit, festgelegte Honorare vor Gericht einzuklagen. Denn die Kosten und Mühen von Freiberuflern, die Verantwortung selbst Aufträge und damit Geld an Land zu ziehen, wiegt das Plus gegenüber den fest angestellten Kollegen teilweise auf.

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Einstiegsgehalt: Berufseinsteiger konnten Einkommen um 4,6% steigern

Auch Berufseinsteiger profitierten vom Plus auf den Gehaltszetteln, nachdem auch sie eine Durststrecke durchmachen mussten. Die Einstiegsgehälter brachen von 2002 bis 2006 nämlich ebenfalls um ein Viertel ein, erholten sich dann aber schneller als die Einkommen der Berufserfahrenen. Seit 2012 verdienen Berufseinsteiger im Baugewerbe im Durchschnitt wieder so viel wie vor der Krise. Im Jahr 2017 wiesen die Gehaltszettel ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 43.500 Euro auf und festigten damit ein neues Einkommensniveau.

Einstiegsgehalt durch Abschluss beeinflussbar

Ein Stück weit kann man sein Einstiegsgehalt selbst beeinflussen, nämlich durch den eigenen akademischen Abschluss. Wer nach dem Bachelor aussteigt, erhält im Schnitt 4.000 Euro weniger als der Kollege mit wissenschaftlichem Hochschul-, sprich Masterabschluss. Der hat sich inzwischen über dem Niveau des Dipl.-Ing. eingependelt und scheint damit seinen angedachten Platz in der Wirtschaft zu finden. Nebenbei dreht noch die Wahl der Hochschule an der Gehaltsschraube: Abschlüsse an Universitäten und Technischen Hochschulen werden geringfügig besser dotiert als solche an Fachhochschulen – eine Tendenz, die vor allem bei Bachelorabschlüssen erkennbar ist.

Bei all diesen Faktoren, von den Bologna-Abschlüssen über die Hochschulform bis zur Promotion, sollte man bedenken, dass es am Ende immer auf die jeweils angestrebte Position in der Arbeitswelt ankommt, welche Kriterien als Plus- und welche als Minuspunkt wahrgenommen werden. Schließlich kann man nicht nur unter-, sondern auch überqualifiziert sein – gerade wenn viele Studienjahre, aber noch keine Berufserfahrung nachgewiesen werden können.

Vertikale Karriereschritte erhöhen das Gehalt

Ein Großteil der Berufseinsteiger ist als Fach- oder Projektingenieur angestellt, d.h. als Mitarbeiter eines Projektteams. In diesen Positionen zahlt das Baugewerbe im Schnitt Bruttojahresgehälter um die 47.320 Euro, wobei Berufseinsteiger niedriger eingestuft werden als berufserfahrene Kollegen. Der Gehaltszettel eines Projektmanagers im Baugewerbe weist bereits rund 57.000 Euro auf, der eines Gruppen- oder Teamleiter entsprechend 79.673.

Eine höhere Position füllt das Portmonee eines Bauingenieurs damit deutlich schneller als eine langjährige Berufserfahrung auf ein und derselben Position. Das liegt daran, dass mit der höheren Position meist auch eine größere Mitarbeiterverantwortung einhergeht. Die Faustregel besagt: Je höher die Position und je größer die Mitarbeiterverantwortung, desto besser ist das Gehalt.

Augen auf bei der Wahl des Arbeitgebers

Nun haben Arbeitnehmer wenig Einfluss auf die Entwicklung einer Branche oder gar der Konjunktur. Aber an einer Stellschraube lässt sich wunderbar drehen: der Wahl des Arbeitgebers. Denn die Größe des Unternehmens, für das ein Ingenieur tätig ist, ist auch ausschlaggebend für die Höhe der Vergütung. So zahlen mittlere Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl zwischen 50 und 250 durchschnittliche Einstiegsgehälter von 45.561 Euro. Bei Konzernen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern können sich Bauingenieure an allgemeinen Durchschnittslöhnen von 54.000 Euro orientieren, wobei die Spannbreite vom unteren zum oberen Quartil knapp 13.000 Euro ausmacht.

Dennoch gilt über alle Branchen hinweg: Je größer das Unternehmen, desto mehr wird am Monatsende gezahlt. Natürlich kann man nun sagen, die kleineren Wettbewerber zahlen zwar weniger, haben aber mindestens ebenso spannende Tätigkeiten für Bauingenieure zu bieten wie die Großen (und man läge damit sicherlich richtig). Aber in Hinblick aufs Gehalt gilt: Ein kleines Unternehmen bzw. Planungsbüro und Unternehmen, die in einer strukturschwachen Region angesiedelt sind, zahlen im Schnitt geringere Löhne als die großen Wettbewerber.

Im Westen wird mehr Gehalt gezahlt

In Deutschland gibt es auch 29 Jahre nach dem Mauerfall noch ein deutliches West-Ost-Gefälle. Die Ingenieurgehälter sämtlicher ostdeutscher Bezirke liegen unterhalb des Gehaltsniveaus im Westen der Republik. Die besten Chancen im Gehaltspoker kann sich also der Bauingenieur ausrechnen, der bei einem großen Unternehmen im Westen Deutschlands anheuert. Zumindest theoretisch. Wenn da nicht all die anderen Einflussfaktoren wären.

In diesen Regionen gibt’s die höchsten Ingenieurgehälter Deutschlands

Immer mehr Frauen arbeiten als Bauingenieurin, verdienen aber nicht gleich

Kaum ein anderer Ingenieurzweig zieht so viele Frauen an wie das Bauingenieurwesen. Rund ein Drittel der Bachelor- und Masterabsolventen, die jedes Jahr aus den Hochschulen kommen, sind weiblich. In einer verwandten technischen Fachrichtung hat sich das Verhältnis sogar schon umgekehrt: Seit einigen Jahren schließen deutlich mehr Frauen ein Studium der Architektur und Innenarchitektur ab als Männer.

Gehaltstechnisch wirkt sich dieser positive Trend aber leider nicht aus. Denn nach wie vor gibt es einen eklatanten Unterschied in der Bezahlung von Ingenieurinnen und Ingenieuren – auch im Baugewerbe. Um einen Anhaltspunkt nennen zu können, wertete die Gehaltsstudie 2017 die Gehaltsdaten von insgesamt 300 männlichen und 300 weiblichen Ingenieuren aus, die als Projekt- oder Fachingenieure arbeiten und nicht mehr als fünf Jahre Berufserfahrung aufweisen. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Zwar konnten die Ingenieurinnen die Gehaltslücke in den letzten Jahren etwas verringern, noch immer betrug sie im Jahr 2016 aber durchschnittlich 6,9%. Während die Ingenieure also mit einem durchschnittlichen Jahresentgelt von 52.650 Euro nach Hause kamen, mussten sich viele Ingenieurinnen mit 3.650 Euro weniger zufrieden geben.

Seit kurzem gibt es in Deutschland allerdings ein Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Betriebe mit mehr als 200 Beschäftigten müssen ihren Mitarbeitern künftig über ihre Lohnstrukturen Auskunft geben, wer mehr als 500 Personen beschäftigt, muss zudem über den Stand der Gleichstellung und Lohngleichheit im Unternehmen informieren. Wer im Vergleich zu den Kollegen bei gleichwertiger Arbeit weniger verdient, kann das künftig einklagen. Mehr zu Equal Pay und warum dahinter nicht immer Diskriminierung steckt erfahren Sie hier.

Arbeitszeit und variable Vergütung beim Gehaltspoker berücksichtigen

Drei weiche Faktoren gilt es im Gehaltspoker besonders zu beachten, denn sie machen einen großen Unterschied beim Jahresentgelt.

  • Steht Ihnen Urlaubs- und/oder Weihnachtsgeld zu?
  • Wie hoch ist Ihre vertraglich geregelte Wochenarbeitszeit?
  • Enthält Ihr Jahresentgelt variable Vergütungsbestandteilt?

Dass Urlaubs- und Weihnachtsgeld den Angestellten erfreuen, ist ohnehin klar. Erklärungsbedürftiger ist das bei der Arbeitszeit: Bauingenieure gehören zu den Vielarbeitern unter den Ingenieuren. Die wöchentliche Arbeitszeit tariflich Beschäftigter beträgt im Schnitt 45 Stunden pro Woche, ebenso hoch liegt sie bei außertariflichen und etwas darunter bei nicht tarifgebundenen Angestellten. Leitende Angestellte kommen dagegen auf eine durchschnittliche Arbeitszeit von 46 Stunden in der Woche. Was das alles mit dem Gehalt zu tun hat? Ganz einfach: Wer eine vertraglich vereinbarte 45-Stunden-Woche hat, jedoch jede Woche im Schnitt eine Stunde unbezahlte Mehrarbeit leistet, drückt das eigene Gehalt am Ende des Jahres um ca. 10%. Vor allem bei Gehaltserhöhungen sollte man diesen Zusammenhang im Hinterkopf haben.

Und nun zu den variablen Vergütungsbestandteilen: Obwohl sie im Baugewerbe im Vergleich zu den anderen Ingenieurdisziplinen keine große Rolle spielen, machen sie im Schnitt doch 7% des Lohns aus. In Ingenieur- und Planungsbüros sind es noch weniger, hier machen sie im Schnitt 5% des Gehalts aus.

Fazit: Bauingenieure sollten gut verhandeln

Das Jahresgehalt des Bauingenieurs schwankt stark – viel stärker, als es durch die konjunkturellen Rahmenbedingungen zu erklären ist. Die Hauptursache liegt wohl in einem radikalen Einbruch der Entgelte vor etlichen Jahren und der Tatsache, dass viele Bauingenieure entweder freiberuflich tätig oder in kleinen Planungs- und Ingenieurbüros angestellt sind.

Wer eine feste Anstellung sucht, kann sich in unserem Jobportal für Bauingenieure umsehen. Und wer überlegt, ob ihn eine Promotion weiterbringen könnte, erhält Rat von der Buchautorin Helga Knigge-Illner. Ansonsten helfen vor allem Verhandlungsgeschick und ein guter Überblick über Stärken und Schwächen des eigenen Profils. Unterstützung erhalten Sie in unserem Karrierebereich.

Flyer zur Gehaltsstudie 2018

Auszug aus der Gehaltsstudie „Ingenieureinkommen 2002-2017“ kostenfrei herunterladen.

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