Gehaltsstudie 2018 24.04.2018, 07:05 Uhr

Einstiegsgehälter für Ingenieure

Ingenieure können schon zum Berufseinstieg gut verdienen. Doch wie hoch darf die Gehaltsforderung sein? Einige Anhaltspunkte.

Männerhand stapelt Münzen zu Türmen

Berufseinsteiger sollten wissen, welche Faktoren das Gehalt wie beeinflussen.

Foto: panthermedia.net/anyaberkut

Der Ingenieurberuf zählt nach wie vor zu den lukrativsten Arbeitsfeldern in Deutschland. Die Top-Gehälter sind zwar berufserfahrenen Kollegen in höheren Positionen mit reichlich Mitarbeiterverantwortung vorbehalten. Einem Ingenieur frisch von der Hochschule winken aber dennoch gute Einstiegsgehälter. Auf der Suche nach der richtigen Gehaltsforderung hilft die aktuelle Studie von ingenieur.de mit kumulierten Gehaltsangaben von über 1.220 Kollegen. Demnach verdienten Berufseinsteiger mit Ingenieurstudium und weniger als zwei Jahren Berufserfahrung im vergangenen Jahr durchschnittlich 48.000 Euro, ein Plus von 3,2% gegenüber dem Vorjahr.

Doch Vorsicht: Wer diese Zahl jetzt zur Grundlage seiner Gehaltsverhandlung macht, läuft Gefahr, sich zu verzocken. Die Höhe des Erstgehalts richtet sich neben den persönlichen Qualifikationen ebenso nach der Branche, in der das Wunschunternehmen tätig ist, nach der Größe des Unternehmens selbst und nach der Einstiegsposition. Deshalb lohnt ein Blick auf die Details. Außerdem haben wir die wichtigsten Fragen zu Einstiegsgehältern und natürlich die Antworten unseres Experten Norbert Lohan zusammengefasst.

Einstiegsgehälter für Ingenieure 2017 in Euro
Brutto-Jahresentgelt nach Branchen
Chemie- und Pharmaindustrie 55.350
Fahrzeugbau 52.046
Elektronik & Elektrotechnik 49.300
Maschinen- & Anlagenbau 48.225
Energieversorgung 47.731
Informationstechnologie 46.800
Ingenieur- & Planungsbüros 43.596
Baugewerbe 43.500
Quelle: Gehaltstest für Ingenieure 2017, www.ingenieur.de/gehaltstest/

Gehaltsvergleich: Der Einstieg ist nicht für alle gleich lukrativ

Jedes Jahr verlassen mehr Absolventen mit ingenieurwissenschaftlichem Abschluss die Hochschulen. Im Jahr 2016 waren es 126.938 junge Ingenieurinnen und Ingenieure, die vom Hörsaal in die Unternehmen drängten, knapp 30.000 mehr als im Vorjahr. Doch Absolvent ist nicht gleich Absolvent: Einige Studienabschlüsse werden beim Einstiegsgehalt höher bewertet als andere. So kommen junge Ingenieure mit dem Abschluss einer Uni oder Technischen Hochschule in der Tasche im Schnitt über das durchschnittliche Jahresgehalt von 48.031 Euro, während sich Absolventen der Fachhochschulen dafür strecken müssen.

Neben der Art der Hochschule spielt der akademische Grad eine Rolle. Die zuletzt 42.188 erfolgreichen Masterabsolventen haben demnach was zu feiern: Ihr Abschluss hatte 2014 bereits die alten Diplomabschlüsse überholt und wird mittlerweile mit durchschnittlich 49.000 Euro honoriert. Dabei werden Absolventen von Universitäten und Technischen Hochschulen geringfügig besser entlohnt als ihre Kollegen von den Fachhochschulen. Der Bachelor wird – wie von der Bologna-Erklärung vorgesehen – etwas geringer bewertet. Die Absolventen erhielten im Schnitt 45.000 Euro und dabei war es erstmals egal, ob sie von einer Uni, TH oder FH kamen.

Frau mit Tablet

Verdienen Sie, was Sie verdienen? Machen Sie den Test.

Die Faustregel lautet: Die geringsten Gehaltsansprüche unter den Berufseinsteigern haben Bachelorabsolventen. Ihnen voraus sind die Diplom-Ingenieure und die Masterabsolventen, die mit bis zu 4.000 Euro mehr Jahresgehalt ins Berufsleben einsteigen. Die Rangfolge lässt sich auch logisch fortführen: Am meisten Gehalt erhalten nämlich promovierte Ingenieure, die in aller Regel auch die meiste Berufserfahrung mitbringen. Folglich können sie in ihrer Gehaltsverhandlung am höchsten pokern.

Elektrotechniker sind die Gewinner beim Erstgehalt

Die fortschreitende Digitalisierung der Produktion, aber auch aller übrigen Lebensbereiche, macht Informatiker und Ingenieure zu beliebten Fachkräften. Mittlerweile wird der IT-Ingenieur überall gesucht und ist doch kaum zu finden, wie eine Studie des VDI Verlags zeigt. Denn egal, ob Elektromobilität oder Produktionsautomatisierung, ob Medizintechnik oder Fahrzeugbau, die Spezialisten an der Schnittstelle von Mechanik, Elektronik und Informationstechnik werden dringend gebraucht.

Das Einstiegsgehalt von studierten Elektrotechnikern lag laut aktueller Gehaltsstudie für das Jahr 2017 bei 49.375 Euro (wobei die Schwankung wie bei allen anderen Studienfächern stark ausgeprägt ist und von 42.500 Euro bis 52.850 Euro geht). Auf die Elektrotechnikingenieure folgen mit einem ähnlich starken Gehalt Absolventen des Maschinenbaus, der Informatik und der Mechatronik. Etwas darunter liegen die Durchschnittsgehälter der Ingenieure der Verfahrenstechnik, des Wirtschafts- und des Bauingenieurwesens. Letztere hinken seit geraumer Zeit hinter den Ingenieurkollegen zurück und konnten diesen Rückstand auch im letzten Jahr nicht wesentlich verkürzen.

Gehaltsentwicklung in der Energiebranche stabilisiert sich

Es kommt natürlich nicht nur auf den Absolventen an, sondern auch auf die Branche und deren konjunkturelle Lage. Und dort gibt es vor allem für Mitarbeiter einer Branche gute Neuigkeiten: die der Energieversorgung. Jahrelang wirkte sich die teils unsichere Finanzlage sowie die Umstellung auf neue Energiequellen, Klima- und Umweltschutzprogramme negativ auf die konjunkturelle Entwicklung der Branche und ihrer Beschäftigten aus. Doch seit der vergangenen Erhebung stabilisieren sich die Gehälter der Beschäftigten der Energieversorgung nicht nur, sie steigen 2017 das dritte Mal in Folge. Die Studienteilnehmer hielten einen Aufschwung von 4,7% auf 47.731 Euro brutto im Monat fest.

In allen anderen Branchen waren uns sind Aussagen über die Entwicklung der Einstiegsgehälter für Ingenieure deutlich einfacher: es geht bergauf. Am stärksten in der Chemie- und Pharmaindustrie, die seit Jahren zu den großzügigsten Arbeitgebern zählen. Deren Beschäftigte erhielten 2017 ein durchschnittliches Erstgehalt von 55.350 Euro. Damit sind sie die Topverdiener unter den Jungingenieuren und konnten ihren Spitzenplatz gegenüber den Beschäftigten des Fahrzeugbaus (52.046 Euro) zum ersten Mal verteidigen.

Selbst im ewigen Schlusslicht, dem Baugewerbe, lässt sich eine positive Entwicklung konstatieren. Ingenieure, die ins Baugewerbe wollen, können sich derzeit an einem Brutto-Einstiegsgehalt von 43.500 Euro orientieren, einem Plus von 4,6% im Vergleich zum Vorjahr.
Ein Grund für das geringere Gehaltsniveau der Branche sind u.a. die vielen kleinen und Kleinstunternehmen.

Je größer das Unternehmen, desto höher das Einstiegsgehalt

Es ist keine Besonderheit der Bauindustrie, dass etwa die Planungsbüros weniger zahlen als die Industrieunternehmen. Die Logik zieht sich durch alle Branchen: Je größer ein Unternehmen ist, desto mehr Gehalt zahlt es im Schnitt an seine Mitarbeiter. Die Gehaltsstudie von ingenieur.de macht sehr deutlich, dass es von dieser Faustregel statistisch gesehen überhaupt keine Abweichungen gibt. Während Einsteiger in Kleinst- & kleinen Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern jährlich 44.095 Euro brutto verdienen, zahlen mittelständische Unternehmen bis 250 Mitarbeiter schon etwas mehr. Zwischen dem Einstiegsgehalt eines Kleinunternehmens und dem eines Konzerns liegen im Schnitt 22%.

Starke regionale Unterschiede

Um seinen Gehaltswunsch zu kalkulieren, sollte man sich den Standort des Wunschjobs ansehen. So fallen die Einstiegsgehälter in Ballungszentren wie Stuttgart oder München höher aus als in ländlichen Gebieten Thüringens etwa. In Österreich fallen die Einstiegsgehälter für Ingenieure im Schnitt etwas geringer aus als in Deutschland, in der Schweiz dagegen höher. Um den eigenen Gehaltswunsch zu kalkulieren, sollte man daher auf jeden Fall die Lebenshaltungskosten berücksichtigen.

Die Unterschiede nivellieren sich nämlich, wenn man sie in den entsprechenden Kontext setzt: die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie den Unterhalt fürs Auto etwa. Um das Beispiel Schweiz aufzugreifen: Allein für Lebensmittel müssen die Eidgenossen im Schnitt 40% Mehrkosten einrechnen. Das Plus in der Lohntüte wird von diesen Mehrausgaben teilweise vertilgt. Vergleicht man die Mieten in Städten wie Stuttgart oder München mit einer Kleinstadt aus Thüringen wird man ein ähnliches Bild erhalten. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Jobbörse für die Städte Berlin, München, Hamburg, Ingolstadt, Ludwigshafen, Darmstadt, Frankfurt, Hannover, Köln und Stuttgart.

Gehalt nach Position: Der Einstieg als Projektmanager zahlt sich aus

Wer das Gehalt seiner ersten Ingenieurstelle bei einem Mittelständler etwas aufpeppen möchte, sollte versuchen, mit einer möglichst hohen Position einzusteigen. Zwar können die wenigsten Hochschulabsolventen als Projektmanager starten, es ist aber nicht unmöglich. Vor allem für Absolventen, die bereits vor ihrem Studium Berufserfahrung gesammelt haben, kommt ein solcher Schritt infrage. Der Lohn: Er verdient schon zu Beginn seiner Karriere mehr als die meisten seiner ehemaligen Kommilitonen.

Ein Großteil der Berufseinsteiger wird jedoch als Fach- oder Projektingenieur angestellt. In diesen Positionen verdienten Ingenieure ohne Berufserfahrung im vergangenen Jahr durchschnittlich 48.000 Euro brutto. Mit einigen Jahren Berufserfahrung steigt das Gehalt in diesen Positionen fix an. In den ersten Jahren nach dem Berufseinstieg können ohnehin die höchsten Gehaltssprünge erzielt werden, wie die Ergebnisse der Gehaltsstudie nahelegen.

Neben Fach- und Projektingenieurstellen beginnen viele Absolventen ihre Berufslaufbahn auch als Trainees. Die Programme sind sehr unterschiedlich und können von wenigen Monaten bis zu zwei Jahren dauern. Ihnen gemein ist aber, dass sie weniger gut dotiert sind als andere Einstiegspositionen. Im Schnitt erhalten Trainees mit abgeschlossenem Ingenieurstudium rund 45.700 Euro brutto im Jahr. Ihre finanzielle Situation verbessert sich meist erst durch einen Arbeitgeberwechsel.

Sonderzahlungen nicht vergessen!

Es ist so weit, das erste Gehaltsangebot liegt auf dem Tisch – und die Vergütung liegt deutlich unter dem hier angegebenen Durchschnittsgehalt. Zwei Dinge sind denkbar: Entweder Sie haben den (aus Gehaltssicht!) ungünstigsten Hochschulabschluss in der Tasche und wollen in ein kleines Unternehmen in einer der schlechter bezahlenden Branche einsteigen. Dann gilt: Ihr Gehaltsangebot setzt vermutlich an der unteren Gehaltsausprägung an, der hier genannte Wert ist der Median aller Gehaltsangaben. Die andere Möglichkeit ist: Sie haben die Sonder- und Einmalzahlungen nicht mit eingerechnet.

Knapp die Hälfte aller Berufseinsteiger in Ingenieurberufe erhalten entweder Weihnachts- oder Urlaubsgeld oder sogar beides. Der durchschnittliche Anteil der Einmalzahlungen am Jahresgesamtentgelt beträgt derzeit 7,1%, was bei Fach- und Projektingenieuren rund 3.400 Euro im Jahr ausmacht. Übrigens: Die glücklichen Bezieher von leistungsunabhängigen Einmalzahlungen sind vor allem jüngere Arbeitnehmer und überdurchschnittlich in tarifgebundenen Betrieben tätig.

Immerhin jeder dritte Berufseinsteiger mit Ingenieurstudium enthält außerdem variable Vergütungsbestandteile. Sie sind besonders hoch in der Chemie- und Pharmaindustrie sowie der Energieversorgung, sie finden hingegen kaum Anwendung in der Elektrotechnik sowie in Ingenieur- und Planungsbüros. Dennoch sollte man bei der Prüfung eines Gehaltsangebots auf ihre An-, bzw. Abwesenheit achten.

Selbst Einfluss nehmen aufs Gehalt

Wer beruflich oder im Rahmen des Studiums schon mal im Ausland war oder fachliche Zusatzqualifikationen aufweisen kann, hat zwar einen Trumpf für die Bewerbungssituation in der Tasche, an der Gehaltsschraube kann man deswegen aber kaum drehen. Auch mit nicht entlohnten Überstunden sollte sich zurückhalten, wer das Gehalt in der Praxis auch tatsächlich in der Höhe verdienen möchte, wie es im Vertrag vereinbart wurde. Denn mit jeder Stunde Mehrarbeit, die nicht ausbezahlt wird, sinkt faktisch das vereinbarte Bruttogehalt.

Antworten auf die wichtigsten Gehaltsfragen von Ingenieuren

Seit Jahren hält Norbert Lohan Vorträge über die Einstiegsgehälter von Ingenieuren und erhält entsprechend viele Fragen von Ihnen, den Ingenieurinnen und Ingenieuren, die vor den ersten Bewerbungen, der ersten Einstellung oder der ersten Gehaltserhöhung stehen. Die wichtigsten Fragen und deren Antwort haben wir in einem Gespräch zusammengefasst.

Haben Absolventen eine realistische Einschätzung von ihrem Einstiegsgehalt, Herr Lohan?

Dr. Norbert Lohan

Dr. Norbert Lohan

Norbert Lohan: Zum größeren Teil ja, zum kleineren Teil nein. Die meisten Absolventen haben sich mit dieser Frage schon auseinandergesetzt und wissen ungefähr, was sie zu erwarten haben. Unsicherheiten gibt es vor allem, wenn es um die z.T. großen Unterschiede in den einzelnen Branchen geht. Hier entsteht oft die Frage, warum sie in der einen Branche die Summe X und in der anderen die Summe Y als Einstiegsgehalt erhalten sollen, obwohl sie doch mit derselben Qualifikation daher kommen. Hier geht es dann immer um die Erläuterungen der vielfältigen Abhängigkeiten der für ein Gehalt maßgeblichen Einflussfaktoren wie z.B. Unternehmensgröße und Region des Arbeitsplatzes. Und hier fehlt vielen Absolventen dann doch der generelle Überblick.

Aber das ist auch verständlich, denn sie wollen ja gerade erst ins Berufsleben einsteigen. Und dafür sind wir dann da, um diesen Überblick mit unseren jährlichen Gehaltsauswertungen zur Verfügung zu stellen. Ein kleinerer Teil der Absolventen wartet allerdings auch mit recht unrealistischen Einschätzungen zum Einstiegsgehalt auf. Hier werden z.T. völlig überzogen Vorstellungen formuliert. Ich frage dann oft, wo diese Zahlen herkommen und erhalte meistens als Antwort: „Internet“. Auf meine Rückfrage, ob dem Kandidaten / der Kandidatin jeweils klar ist, dass er / sie dieses Geld erst einmal für das Unternehmen erwirtschaften muss, damit es gerechtfertigt ist, kommt dann aber meistens keine Antwort mehr.

Wie groß ist der Verhandlungsspielraum eines Absolventen bei einer Gehaltsverhandlung?

Das ist in der Tat eine der am häufigsten gestellten Fragen. Offensichtlich kursieren im Internet eine Menge Beratungswerke zum Thema Gehaltsverhandlungen, in denen ziemlich platte Allgemeinplätze veröffentlicht sind, z.B. „Du musst ein Pokerface aufsetzen, dann kannst Du mehr Geld rausholen“. Diesen Zahn muss ich dann vielen Absolventen erst einmal ziehen. Denn, so leid es mir tut, aber in den allermeisten Fällen gibt es für Absolventen überhaupt keinen Verhandlungsspielraum im Gehaltsgespräch. Das hat zwei Gründe:

Erstens lassen sich die Personen, die in den Vorstellungsgesprächen die Frage stellen: „Wie viel möchten Sie denn bei uns verdienen?“, weder durch ein Pokerface noch durch eine besonders hohe Zahl an Auslandsaufenthalten beeindrucken. Das Gehalt, das man Ihnen anbietet, steht in aller Regel vorher schon fest. Mit der Frage möchte man einfach nur herausfinden, ob Sie sich gut informiert haben und ob Sie Ihre Position realistisch einschätzen.

Zweitens ist die Höhe der Gehälter oft tarifvertraglich festgelegt. Das gilt vor allem für größere Unternehmen. Die Einsteigerpositionen sind fest in eine bestimmte Tarifstufe eingruppiert, da gibt es nichts zu verhandeln. Das klingt zunächst wie ein Nachteil, hat aber den unbestreitbaren Vorteil, dass man, so lange man sich in diesem Tarifgerüst befindet, nicht um eine Gehaltserhöhung kämpfen muss. Das übernehmen in aller Regel die Tarifpartner, denn die sorgen mit steter Regelmäßigkeit für Gehaltszuwächse bei den angeschlossenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.

Macht sich eine Promotion schon beim Berufseinstieg bemerkbar?

Hier muss man zwischen drei unterschiedlichen Formen von Promotion unterscheiden. Da sind zum einen die, die vor allem angefertigt werden, weil es so wenig Jobs in einem Bereich gibt, dass man mit einem normalen Studienabschluss schon fast gar nicht mehr antreten möchte. Man bekommt das Gefühl, dass beinahe ALLE promoviert sind, die von den Hochschulen kommen und sich um die Jobs reißen. Das gilt zum Beispiel für den Studiengang Dipl.-Chemie. Es gibt so viele promovierte Dipl.-Chemiker, dass der eigentliche Wert einer Promotion heruntergestuft wird auf Examensniveau. Sie bringen einem gehaltlich gar nichts. Der Personaler stuft in diesem Fall den promovierten Bewerber genauso ein wie den examinierten, nämlich als Einsteiger, der erst einmal angelernt werden muss. Allenfalls das höhere Eintrittsalter wirkt sich ein wenig aus.

Die zweite Art von Promotion ist diejenige, die im Zusammenhang mit einem Projekt in einem Unternehmen unmittelbar nach dem Abschluss des Studiums begonnen wird. Diese wirkt sich beim Einstieg – in dieses Unternehmen – sehr wohl mit einem Plus von 2.000 bis 3.000 Euro auf das Jahresgehalt aus, denn das Unternehmen möchte ja genau diesen Kandidat haben.

Die dritte Form der Promotion hat eigentlich weniger mit dem echten Berufseinstieg zu tun, wird aber hier auch häufig als ein solcher betrachtet. Gemeint ist der Einstieg in eine Führungsposition. Wenn also ein Kandidat vom Unternehmen unterstützt wird, berufsbegleitend eine Promotion zu absolvieren, um im Anschluss eine Führungsposition beispielsweise in der Forschungsabteilung des Unternehmens zu übernehmen, wird dieser Zugewinn an Qualifikation selbstverständlich mit einem ordentlichen Gehaltssprung verbunden sein.

Insgesamt hat die Promotion ihren besonderen Wert vor allem auf lange Sicht innerhalb einer Karriere. Denn Ingenieure mit abgeschlossener Promotion sind sehr häufig diejenigen, die eine der sehr gut bezahlten Führungsposition anstreben und solche auch oft bekommen.

Welchen geldwerten Vorteil bringt Auslandserfahrung mit sich?

Mit der Auslandserfahrung verhält es sich ähnlich wie mit der Promotion. Sie alleine bringt keinen geldwerten Vorteil. Es ist aber vor allem die erhöhte interkulturelle Kompetenz, die jemanden dazu befähigt, große, möglicherweise globale Zusammenhänge zu erkennen und damit große Projekte mit internationalen Teams zu führen. Und das bringt auf lange Sicht deutlich mehr Geld im Portemonnaie als die zu starre Fixierung auf ein Spezialthema. Und wer schon bei den ersten Bewerbungsgesprächen belegen kann, dass er bereit ist, sich diese interkulturelle Kompetenz durch Auslandsaufenthalte anzueignen, dem stehen in seiner Karriere einfach mehr Türen offen. Auch das hinterlässt einen deutlichen Impact in der Geldbörse.

Aber damit da auch etwas draus wird, gilt es, die richtige Reihenfolge einzuhalten. Mir wurde schon mehrfach folgende Frage gestellt: „Ich möchte gerne als erstes für ein deutsches Unternehmen im Ausland arbeiten. Verdiene ich dann da als Ingenieur genauso viel, wie hier in Deutschland?“ Meine Antwort hierauf: 2 x nein. Erstens werden Sie nicht als erstes im Ausland arbeiten, und zweitens verdienen Sie im Ausland mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger, als hier in Deutschland, es sei denn Sie sind Spitzenkraft. Aber eins nach dem anderen, nicht die Kuh von hinten aufzäumen. Wenn Sie für ein deutsches Unternehmen im Ausland arbeiten möchten, müssen Sie sich zunächst einmal in einer Position in Deutschland bewähren und sich für einen Auslandseinsatz „aufdrängen“, das passiert nicht von alleine. Und wenn Sie tatsächlich dann im Ausland arbeiten, werden Sie zweitens nach dem dort üblichen Gehaltsgefüge bezahlt, und die Gehälter für Ingenieure in Einsteigerpositionen sind nirgendwo so hoch wie in Deutschland.

Fazit: Einstiegsgehälter für Ingenieurberufe sind verhandelbar

Wer versucht, das eigene Gehalt für die erste Ingenieurstelle richtig einzuschätzen, ist gut beraten, die wichtigsten Einflussfaktoren zu beachten. als da wären:
• Studienabschluss & -fach
• angestrebte Position & Branche
• Größe & Standort des potenziellen Arbeitgebers
• gewährte Sonderzahlungen
• variable Vergütungsbestandteile

Wie Sie die richtige Gehaltsforderung entwickeln, sagen wir Ihnen hier. Mit welchen Abzügen Sie bei Ihrem Gehalt rechnen müssen, erfahren Sie mithilfe unseres Brutto-Netto-Rechners.

Doch Gehalt ist nicht alles: Viele Unternehmen bieten ihren Beschäftigten inzwischen sehr viel mehr als einen schnöden Platz zum Verrichten ihrer Arbeit. In unseren Firmeninterviews fragen wir deshalb gezielt nach Weiterbildungsmöglichkeiten, Fach- und Führungsaufgaben sowie Einstiegsmöglichkeiten.

Halten Sie die Augen beim Stöbern durch unsere Jobbörse also offen, schließlich verbringen die meisten Ingenieure durchschnittlich über 40 Stunden in der Woche bei der Arbeit. Ein hohes Gehalt allein sollte angesichts dieser Aussichten besser nicht ausschlaggebend sein für die Wahl des künftigen Arbeitsplatzes.

Flyer zur Gehaltsstudie 2018

Auszug aus der Gehaltsstudie „Ingenieureinkommen 2002-2017“ kostenfrei herunterladen.

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