Karrierestrategie

Mehr Gehalt mit einem MBA?

MBA-Rankings lesen sich zuweilen so verheißungsvoll wie sechs richtige Zahlen auf dem Lottoschein. Der Titel, natürlich an einer Top Business School erworben, verdoppelt mal eben aus dem Stand das Jahresgehalt, wird behauptet. Wow!

Schwierig aber besonders wichtig: Zeigen welche Fähigkeiten man besitzt und damit werben!

Schwierig aber besonders wichtig: Zeigen welche Fähigkeiten man besitzt und damit werben!

Foto: panthermedia.net/perig76

Schillernd ist auch die Aussicht, die der Alumni Perspectives Survey 2015 des US-Marktforschungsunternehmens GMAC entwirft: Deutsche MBA-Absolventen können demnach mit einem durchschnittlichen Einstiegsgehalt von 93 000 $ (rund 84 000 €) rechnen, während ein Berufseinsteiger mit Bachelor nur auf rund 42 000 € hoffen kann. Grundsätzlich ließe sich das Gehalt nach einem zweijährigen MBA-Studium im Schnitt um sagenhafte 79 % erhöhen.

Das ist wohl zu schön, um wahr zu sein. Zumindest unter hiesigen Verhältnissen. „Angelsächsische Studien sind kaum belastbar, weil sie eher marketinggetrieben sind. Schließlich müssen die privaten, gewinnorientierten Organisationen kräftig die Werbetrommel rühren, um am Markt erfolgreich zu sein“, sagt Andreas Halin, Headhunter und Chef der GlobalMind Executive Search Consultants.

Allzu oft würden in den Erhebungen Werte aus den USA und Großbritannien auf Deutschland übertragen, was überzogene Gehalts Erwartungen bei Ingenieuren provoziert. Dennoch: In der Regel zahle sich die Investition in einen MBA bei Berufsanfängern mit einem Gehaltszuschlag von bis zu 20 000 € beim Jahressalär aus.

Die wesentlichen Punkte

„Das gilt auch für Ingenieure“, sagt Halin. Allerdings nur, wenn sie dabei ein paar wesentliche Punkte beachten.
Zuallererst: Entscheidend ist die Wahl der Hochschule. „Es sollte schon eine renommierte sein, zumal man heute schon an Volkshochschulen MBAs machen kann“, rät Halin.

In Deutschland ist das Feld in dieser Hinsicht eher dünn bestellt. Dafür machen etliche schwer durchschaubare Offerten die Sache unübersichtlich. Vor allem sollte sich der Ingenieur im Klaren darüber sein, welches Ziel er anstrebt, um eine gute Wahl zu treffen, betont Headhunter Halin. „Der richtige MBA ist ein Qualifikationsturbo, der allein schon dadurch mehr Gehalt nach sich zieht“, sagt Halin.

Von der Wahl der Branche hängt meist auch die passende Business School ab. Aus eigener Erfahrung weiß Halin, dass viele Auftraggeber im Headhunting bei der Besetzung von Top-Management Positionen eine Promotion oder ein MBA wünschen.

Gleichwohl spielt hier die Größe des Unternehmens eine Rolle und auch, wo es seinen Stammsitz hat. Nach einer Studie des Staufenbiel-Instituts haben deutsche Firmen noch nicht den Wert dieser Zusatzqualifikation entdeckt: Nur 11 % der Personaler würde einen MBA-Absolventen bevorzugen. 80 % präferieren einen Master oder das Diplom. Wer da als MBAler im Vorstellungsgespräch kraft seines Titels allzu hohe Gehälter fordert, hat schon verloren. Besonders im Mittelstand.

Nicht nur der Titel zählt

Ohnehin hält Vergütungsexpertin Claudia Kimich (Autorin von „Verhandlungstango“) reines Schielen auf den Titel, ohne wahres Interesse an Inhalten, für den falschen Ansatz: „Nicht der Zettel in der Hand ist entscheidend, sondern wie Ingenieure im Unternehmen mit Zusatzwissen punkten können.“

Das wiederum gelinge vor allem, indem man für sich werbe, offenlegte, über welche Fähigkeiten man verfüge. „Das ist nicht gerade eine Stärke von Ingenieuren, um nicht zu sagen: Viele hassen das wie die Pest“, sagt Kimich. Es müsse aber sein, denn gerade hierzulande könne niemand davon ausgehen, dass der Chef tatsächlich wisse, welche Kompetenzen hinter einem MBA stünden. „Sonst wird aus dem Gehaltssprung nichts“, weiß die Verhandlungsexpertin.

Ihr dringender Rat an Ingenieure: Sie sollten mit dem Nutzen argumentieren, den sie durch den MBA dem Unternehmen bringen. Außerdem sollten sie sich beizeiten mit ihrer eigenen Karriere auseinandersetzen, was viel zu selten geschehe. Wo will ich in zehn Jahren stehen? Welche Schritte muss ich dafür gehen? „Dafür braucht es eine konkrete Planung – auch was das Gehalt anbelangt“, sagt Kimich.

Was trägt dazu bei, dass sich der MBA auszahlt?

„Wer das Programm einer renommierten Top-20-Business-School absolviert und eine Karriere in einer Unternehmensberatung oder einem Großkonzern anstrebt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein kräftiges Gehaltsplus verzeichnen“, sagt Halin. Besonders positiv wirkt sich der MBA natürlich in der Kombination mit ausreichender Berufserfahrung in späteren Phasen der Karriere aus.

Der Sprung in höhere Einkommensregionen muss aber nicht zwingend über einen zeit- und kostenintensiven MBA führen: „In Deutschland haben wir das Phänomen, dass junge Ingenieure zu detail- und technikverliebt arbeiten – das führt nicht in die nächste Gehaltsklasse“, beobachtet Halin. Vielmehr müsse es darum gehen, „das eigene Nutzenprofil für das Unternehmen zu verbreitern“. Und zwar, indem man technische Brillanz unter anderem um kaufmännische Fähigkeiten sowie Marketing- und Vertriebskompetenz ergänze. „Kaum ein Ingenieur weiß etwa, wie schwer es ist, zu verkaufen und was man dafür beherrschen muss“, sagt Halin.

Wenn das Unternehmen dann von den Zusatzqualifikationen profitiert, braucht es keinen MBA mehr – sondern nur Geschick beim nächsten Gehaltsgespräch.

Tipp:
MBA für Ingenieure auf dem Prüfstand

  • Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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