Selbstständigkeit

Stundensatz selbstständiger Ingenieure und IT-Freelancer

Nicht jeder kann und will in Festanstellung arbeiten. Viele Ingenieure und Informatiker ziehen es vor, als Freelancer tätig zu sein oder eine eigene Firma zu gründen. Aber lohnt sich die Selbstständigkeit finanziell? Wie ist die Bezahlung? Informieren Sie sich hier zu Stundensätzen und Vergütung.

Foto: panthermedia.net/denisismagilov

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Stundensatz selbstständiger Ingenieuren und Informatiker auf Rekordhoch

Die wichtigste Nachricht vorab: Der durchschnittliche Stundensatz von Ingenieuren und Informatikern, die im deutschsprachigen Raum als Freelancer arbeiten, ist so hoch wie noch nie. Das ist eine zentrale Botschaft der aktuellen Gulp-Freelancer-Studie. Gegenüber dem Vorjahr ist die Honorarforderung demnach um 7,7 % gestiegen. Das ist der größte Wachstumssprung, seit es die Studie für Selbstständige aus IT und Engineering gibt – also seit immerhin 5 Jahren.

Im Rahmen der aktuellen Studie wurden die mehr als 1.000 selbstständige Ingenieure und -Informatiker zu Stundensatz, Projektbedingungen, Leistungsanforderungen sowie Trends und Skills befragt. Der Netto-Stundensatz (ohne MwSt.) liegt laut Umfrage bei durchschnittlich 89,87 Euro. Das bedeutet eine absolute Steigerung um 6,39 Euro im Vergleich zur Vergütung des Vorjahres. Das Wachstum geht dabei insbesondere auf einen starken Anstieg im hochpreisigen Segment zurück.

Der Freelancer-Kompass 2018 kommt zu ähnlich positiven Zahlen, berücksichtigt allerdings ausschließlich selbstständige Entwickler und Programmierer. Demnach steigen die durchschnittlichen Honorare seit 3 Jahren kontinuierlich und haben aktuell erstmals den durchschnittlichen Stundensatz von 90 Euro überschritten. Dieser berechnet sich aus den Faktoren Alter, Geschlecht Fachgebiet sowie Land (Deutschland, Österreich, Schweiz). 9 von 10 Selbstständigen erwarten für das nächste Jahr außerdem eine bessere oder zu mindestens gleichbleibende Auftragslage.

Die Bezahlung für Selbstständige im IT-Sektor ist demnach mit 91,05 Euro so hoch wie noch nie. Sie bekommen durchschnittlich 4 % mehr als im Vorjahr, wenn man Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen betrachtet. In Deutschland liegt der Stundensatz, in den auch der Durschnitt aus dem Honorar in den einzelnen Bundesländer einfließt, bei durchschnittlich 89,63 Euro und ist damit nahezu identisch zum Ergebnis der Gulp-Umfrage. Das monatliche Nettoeinkommen liegt bei 6.120 Euro. Fast zwei Drittel der Befragten glauben zudem, dass sie mehr verdienen als ihre fest angestellten Kollegen in gleicher Position.

Alter, Geschlecht und Branche beeinflussen Stundensatz

Die Höhe der Vergütung wird jedoch durch unterschiedliche Faktoren positiv sowie negativ beeinflusst. Diese sind laut Freelancer-Kompass und Gulp-Freelancer-Studie:

  • Alter: Während 40- bis 49-Jährige den höchsten Stundensatz von mehr als 95 Euro erhalten, verdienen jüngere Selbstständige unter 30 Jahren laut Kompass etwa 74 Euro pro Stunde. Ab einem bestimmten Alter sinken die Honorare wieder: wer älter als 69 Jahre ist, erhält im Schnitt knapp 84 Euro pro Stunde.
  • Geschlecht: Frauen werden deutlich schlechter bezahlt als Männer, wenn sie selbstständig arbeiten. Männer bekommen demnach einen Stundensatz von durchschnittlich 91,93 Euro, Frauen einen Stundensatz von 84,28 Euro pro Stunde – das sind 7 Euro weniger. Dieser „Gender Pay Gap“ hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar vergrößert: 2017 lag der Unterschied bei den Stundensätzen noch bei 3 Euro. Dennoch waren zwei Drittel der befragten Frauen mit der Einkommenshöhe zufrieden. Bei den Männern zeigten sich sogar knapp 75 % zufrieden. Möglicherweise ist der geschlechtsbezogene Einkommensunterschied auch ein Grund dafür, warum Frauen viel seltener als selbstständig arbeiten als Männer.
  • Branche: Im Bereich IT und Engineering werden die höchsten Honorare in der Telekommunikationsbranche gezahlt: Laut Gulp-Studie durchschnittlich 102,09 Euro Stundensatz. Dicht gefolgt von Chemie und Pharma mit 100 Euro sowie dem Bank- und Finanzsektor mit 98,93 Euro und Versicherungen mit einem Stundensatz von 98,75 Euro. Einen starken Abfall im Vergleich zum Vorjahr gab es im Bereiche Beratung, in dem die Honorare von 124,53 auf 92,33 Euro gefallen sind. Ähnlich starke Schwankungen gab es im Bereich Verkehr, Transport, Logistik (gesunken von 96,89 auf 83,22 Euro). Für selbstständige Ingenieure und Informatiker spielt es also für den Stundensatz durchaus eine Rolle, in welcher Branche sie Projekte übernehmen.

Niedrigster Stundensatz in Sachsen

Wie viel man als Selbstständiger verdient, hängt auch vom Wohnort ab. Rund 87 % der Befragten stammen laut Freelancer-Kompass aus den sogenannten alten Bundesländern. Der Stundensatz ist dort im Schnitt deutlich höher. So können sich Selbstständige aus dem Saarland über Honorare von 101 Euro pro Stunde freuen, in Thüringen und Sachsen kommen sie mit durchschnittlich rund 70 Euro deutlich schlechter weg. Übrigens: Wer als Selbstständiger eine deutlich höhere Vergütung möchte, der könnte in Richtung Schweiz pilgern. Dort liegt der Durchschnittsstundensatz bei immerhin 119,55 Euro. Mehr zum Arbeiten in der Schweiz

Deutliche Unterschiede zeigen sich außerdem beim Vergleich der Fachgebiete, in denen die befragten IT-Experten beschäftigt sind. Während freie SAP-Mitarbeiter mehr als 110 Euro in der Stunde verdienen, kommen Grafiker und Medienschaffende auf gerade mal 62 Euro. Ingenieure und Entwickler stehen mit knapp 77 bzw. 80 Euro etwas besser da.

Stundenlohn von über 130 Euro bei knapp 15 % der Befragten

14,6 % der befragten Ingenieure und Informatiker gaben in der Gulp-Umfrage an, einen Stundensatz von mehr als 130 Euro zu haben. Zum Vergleich: In der Vorjahresstudie gaben gerade mal 4,6 % der Umfrageteilnehmer eine derart hohe Vergütung an. Der Anstieg im Top-Verdiener-Bereich gehe zum einen auf die demografischen Veränderungen und den wachsenden Fachkräftemangel zurück. Zum anderen würden auch steigende Ausgaben wie Spesen, Reise- oder Versicherungskosten ihren Teil zu den steigenden Stundensätzen beitragen. Ein Teil des höheren Honorars geht also für Nebenkosten drauf und landet nicht im Sparschwein der Selbstständigen.

Die Ergebnisse im Fünfjahres-Vergleich: Umsatz und Gewinn driften auseinander

Die Steigerungen bei den Honoraren von selbstständig arbeitenden Ingenieuren und Informatikern sind durchaus gerechtfertigt. Denn der Blick auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung der vergangenen 5 Jahre zeigt: Die Umsätze sind durch die kontinuierlich steigenden Stundensätze kräftig gewachsen. Weniger positiv sieht jedoch die Gewinnentwicklung von Selbstständigen im IT- und Engineering-Sektor aus. Denn der Abstand zwischen Umsatz und Gewinn hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vergrößert.

So machten die Kosten bei Selbstständigen im Jahr 2013 durchschnittlich 41,0 % des Umsatzes aus. Die aktuelle Studie zeigt, dass der Kostenanteil auf mittlerweile 47,7 % gestiegen ist. Dies zeige, dass selbstständige Ingenieure und Informatiker ihren Stundensatz nicht willkürlich erhöhten. Vielmehr bilden die steigenden Honorare die gestiegenen Kosten der selbstständigen Ingenieure und Informatiker ab. Die folgenden Zahlen stellen die Umsatz- und Gewinnentwicklung in Euro dar:

Jahr Bruttoumsatz Bruttogewinn Kostenanteil
2013 125.275 Euro 73.881 Euro 41,02 %
2014 125.541 Euro 69.328 Euro 44,78 %
2015 129.087 Euro 71.895 Euro 48,31 %
2016 138.508 Euro 72.422 Euro 47,71 %
Quelle: Gulp-Freelancer-Studie 2017

Großteil der Freelancer kann Stundensatzforderungen durchsetzen

Obwohl die geforderten Stundensätze von Ingenieuren und Informatikern deutlich gestiegen sind, kann ein guter Teil der Selbstständigen, sprich 53,3 % seine Preisforderungen 1:1 durchsetzen. Das hat 2 Gründe: Aufgrund des aktuellen Booms der Digitalisierungsprojekte sind IT- und Engineering-Experten gefragter denn je und gehen deswegen umso selbstbewusster in die Preisverhandlungen. Zum anderen herrscht Fachkräftemangel, sodass die Unternehmen händeringend nach Spezialisten suchen und dafür bereit sind, tief in die Tasche zu greifen. Und auch für die anderen 46,7 % gilt: Die Abstriche, die sie bei den Honoraren machen müssen, sind größtenteils marginal:

  • 22,4 % müssen Abstriche zwischen 1 und 5 Euro beim Stundensatz machen
  • 11,6 % bekommen zwischen 6 und 10 Euro weniger Stundensatz als gefordert
  • 4,8 % erhalten zwischen 11 und 15 Euro weniger
  • Nur 1,8 % müssen Abstriche zwischen 16 und 20 Euro machen
  • Aber: 6,2 % akzeptieren einen Stundensatz, der mehr als 20 Euro unter der geforderten Vergütung liegt.

Tendenz bei Stundensätzen weiter steigend

Im nächsten Jahr wollen Ingenieure und Informatiker, die selbstständig arbeiten, ihre Honorare weiter erhöhen. Es ist also eine weitere Steigerung des Durchschnittsstundensatzes zu erwarten: Ein Großteil der befragten IT- und Engineering-Spezialisten – in Summe sind es über 90 % – plant, den Stundensatz im nächsten Projekt zu ändern. Im Detail sehen die geplanten Veränderungen folgendermaßen aus:

Säulendiagramm zeigt die geplanten Veränderungen des Stundensatzes anhand dreier Steigerungs- und Senkungskategorien

Foto: Gulp-Freelancer-Studie 2017/ Grafik: ingenieur.de

  • 45,7 % sehen eine Steigerung des Stundensatzes um 5 bis 10 % vor
  • 26,7 % planen eine Steigerung um bis zu 5 %
  • 18,4 % planen eine Erhöhung der Stundensätze um mehr als 10 %
  • 2,6 % planen eine Senkung der Stundensätze um 5 bis 10 % ein
  • 1,5 % sehen eine Senkung um bis zu 5 % vor
  • 0,2 % wollen den Stundensatz um mehr als 10 % senken
  • 4,9 % machen keine Angaben und fallen daher unter „Sonstiges“

Arbeiten als Freelancer: Die finanziellen Schattenseiten

Auch wenn die Zeiten in Sachen Stundensatz gerade rosig sind, so ist das Arbeiten selbstständiger Ingenieur oder Informatiker mit großer Verantwortung und vielen Herausforderungen verbunden. Dazu befragt, nannten zwei Drittel der Umfrageteilnehmer des Freelancer-Kompass die Akquise neuer Projekte als größte Herausforderung. Auch sehen es zwei Drittel der Befragten als Herausforderung, höhere Honorare auszuhandeln.

Die größten Nachteile des selbstständigen Arbeitens sind nach Ansicht der Befragten unter anderem schwankendes Einkommen, Zahlungsverzug von Kunden und unbezahlter Urlaub. Viele Selbstständige sehen außerdem einen erheblichen Verbesserungsbedarf bei der sozialen Absicherung, so das Ergebnis einer Studie, für die der Softwarehersteller Buhl zusammen mit dem Start-up Invoiz sowie dem Verband der Selbstständigen und Gründer Deutschland (VGSD) mehr als 3.000 Selbständige befragt hat.

Laut VGSD sei auch die Krankenversicherung ein Problem: Wer als Selbstständiger gesetzlich versichert ist, der zahlt zwischen 435 und 5.000 Euro monatlichem Einkommen deutlich höhere Krankenversicherungsbeiträge als bei Angestellten der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zusammen.

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