Arbeiten im Ausland 20.11.2018, 13:59 Uhr

Arbeiten in der Schweiz

Jahr für Jahr strömen Zehntausende Deutsche zu den Eidgenossen. Firmen locken mit hohen Gehältern und guten Karriereaussichten. Besonders Ingenieure sind heiß begehrt. Und auch Bewerber, die sich in der Heimat schwertun, haben gute Chancen.

Grüezi! Die Schweiz bietet gute Karrierechancen.

Grüezi! Die Schweiz bietet gute Karrierechancen.

Foto: panthermedia.net/eabff

So läuft Recruiting in der Schweiz

„Schweizer Firmen sind im Recruiting pragmatischer als deutsche“, sagt Yassine Douar, Vorstandsmitglied im Schweizerisch-Deutschen Wirtschaftsclub Baden-Württemberg. So fallen hierzulande viele Bewerber aufgrund kleiner „Unebenheiten“ im Lebenslauf durchs Raster. In der Schweiz bekommen sie eine Chance. Weil Karrierebrüche dort eher akzeptiert werden. „Passt ein Kandidat nicht zu 100%, aber zu 90%, ist er nicht aus dem Rennen“, erklärt Douar. Schon beim Sichten der Unterlagen überlege der Personaler: Wie können wir den Kandidaten für uns gewinnen und weiterentwickeln.

Wie in Deutschland auch herrscht in der Schweiz ein Mangel an qualifizierten Fachkräften, allen voran Ingenieuren. Insbesondere in den Fachbereichen Technik, Informatik, Bauwirtschaft und Medizin, in Management- und Gesundheitsberufen fehlen Spezialisten. Ein Grund: „Es gibt zu wenige Universitätsabsolventen“, so Ralf Bopp, Direktor der Deutschen Außenhandelskammer (AHK) in Zürich. Ein weiterer: Zwei von drei Ingenieuren wechseln im Laufe ihres Berufslebens in eine andere Funktion. Deshalb sind Schweizer Firmen auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. Einer von drei Ingenieuren ist kein Eidgenosse.

Grenzgänger und Auswanderer

So auch Boris Langer. Bis 2012 war Langer in Frankfurt bei einem Zulieferer für die Luftfahrt tätig. Dann wollte der studierte Informatiker etwas anderes ausprobieren. Dass der 39-Jährige schließlich beim Softwareentwickler Zühlke in Schlieren nahe Zürich landete, war Zufall. Beworben hatte er sich nicht. Stattdessen wurde ein Headhunter auf ihn aufmerksam. Heute ist Langer Abteilungsleiter der medizinischen Gerätesoftware-Entwicklung. Langer ist einer von 305.785 Deutschen, die im Jahr 2017 im Nachbarland lebten und arbeiteten. Über die Hälfte davon sind hoch qualifiziert, ein Großteil Ingenieure. 64.000 weitere sind sogenannte Grenzgänger, die in der Schweiz ihr Geld verdienen, aber in Deutschland leben.

„Deutschland ist für viele Schweizer Firmen ein wichtiges Exportziel“, erklärt Douar das Vorgehen. Deshalb seien Fachkräfte aus der Bundesrepublik beliebt. „Gegenüber anderen Europäern haben sie außerdem einen Sprachvorteil“, führt Bopp aus.

Schweiz lockt mit hohen Gehältern

„Im ersten Moment wirkt natürlich das deutlich höhere Gehalt anziehend“, gibt Zühlke-Ingenieur Langer zu. Mindestens um ein Drittel liegen die Schweizer Löhne über den deutschen. Das Basissalär Schweizer Ingenieure und Architekten beträgt im Schnitt 112.500 Schweizer Franken, was umgerechnet etwa 98.280 Euro entspricht. Das ist das Ergebnis der aktuellen Salärstudie von Swiss Engineering, für die insgesamt 3.740 Personen befragt wurden. Der Schweizer Berufsverband weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass ein Viertel der befragten Ingenieure und Architekten ein Jahreseinkommen von rund 78.600 Euro erzielen, während die oberen 25% wesentlich mehr verdienen als der Durchschnitt. Zu den Spitzenverdienern zählen laut Swiss Engineering die Agronomen, also studierte Landwirte, IT-Ingenieure sowie Elektro- und Wirtschaftsingenieure. Ein deutlicher Unterschied zu den Gehältern in Deutschland ist, dass sich insbesondere die öffentliche Verwaltung in der Schweiz als finanziell großzügiger Arbeitgeber für Ingenieure und Architekten präsentiert. In der Bundesrepublik gelten Ingenieurkarrieren im öffentlichen Dienst zwar als sicher, aber eben keinesfalls als gut bezahlt.

Die guten Zahlen relativieren sich jedoch. Ein Blick auf die Lebenshaltungskosten verrät, wohin Teile des Gehalts wandern. Obst und Gemüse etwa sind in der Schweiz im Schnitt um 65% teurer als in der Bundesrepublik. Wochenarbeitszeit und Urlaubsanspruch sind dagegen ähnlich wie in Deutschland. Für Langer, der parallel ein Angebot aus Hamburg auf dem Tisch hatte, gab die Mentalität den Ausschlag. „Ich hatte das Gefühl, die Menschen gehen hier vorsichtiger miteinander um, das hat mir gefallen“, berichtet er. Es gebe keine Entscheidungen von oben herab. So habe das 30 Mitarbeiter umfassende Team mitentschieden, wer ihr neuer Abteilungschef wird. „Verbaler Druck ist hier ein No-Go“, weiß der Exil-Deutsche. Die direkte Art vieler Deutscher komme daher nicht gut an. „Schweizer sprechen viel im Konjunktiv“, erklärt er. Kritik äußern Eidgenossen sehr vorsichtig.

Schweizer Arbeitsvertrag und Aufenthaltsgenehmigung

Als EU-Bürger reicht ein Arbeitsvertrag aus, um beim Amt eine befristete Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Nach fünf Jahren folgt die unbefristete Niederlassungsbewilligung. Trotzdem müssen sich Deutsche darüber im Klaren sein, dass sie in der Schweiz Ausländer sind. Die Schweiz, so Langer, sei nicht der kleine Bruder Deutschlands. Am Schreibtisch sei das weniger zu spüren, als etwa morgens beim Bäcker. „Die deutsche Floskel ‚Ich bekomme‘ ist hier verhasst“, gibt der Vater zweier Kinder ein Beispiel. Stattdessen möchten Verkäufer „Könnte ich bitte …“ oder „Würden Sie“ hören.

Was sich nach einer Kleinigkeit anhört, hat schon manchen zur Rückkehr bewegt. Allein im vergangenen Jahr sind laut Schweizer Staatssekretariat für Migration 14.555 Deutsche in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nach einer Studie der Wirtschaftsuniversität Wien und der Universität St. Gallen fühlte sich ein großer Teil der Auswanderer bei Schweizern nicht willkommen. Die Zahlen sind allerdings über die Jahre sehr konstant, was auch für ausgelaufene Expat-Verträge sprechen könnte.

 

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