Arbeiten im Ausland

Arbeiten in der Schweiz: Tipps für die erfolgreiche Karriere im Ausland

Jahr für Jahr strömen Zehntausende Deutsche in die Schweiz. Firmen locken mit hohen Gehältern und guten Karriereaussichten. Wir haben Tipps für die Karriere im Ausland.

Grüezi! Die Schweiz bietet gute Karrierechancen.

Grüezi! Die Schweiz bietet gute Karrierechancen.

Foto: panthermedia.net/eabff

Arbeiten in der Schweiz: So läuft das Recruiting

„Schweizer Firmen sind im Recruiting pragmatischer als deutsche“, sagt Yassine Douar, Vorstandsmitglied im Schweizerisch-Deutschen Wirtschaftsclub Baden-Württemberg. So fallen hierzulande viele Bewerber aufgrund kleiner „Unebenheiten“ im Lebenslauf durchs Raster. In der Schweiz bekommen sie eine Chance. Weil Karrierebrüche dort eher akzeptiert werden. „Passt ein Kandidat nicht zu 100 %, aber zu 90 %, ist er nicht aus dem Rennen“, erklärt Douar. Schon beim Sichten der Unterlagen überlege der Personaler: Wie können wir den Kandidaten für uns gewinnen und weiterentwickeln.

Wie in Deutschland auch herrscht in der Schweiz ein Mangel an qualifizierten Fachkräften, allen voran Ingenieuren. Insbesondere in den Fachbereichen Technik, Informatik, Bauwirtschaft und Medizin, in Management- und Gesundheitsberufen fehlen Spezialisten. Ein Grund: „Es gibt zu wenige Universitätsabsolventen“, so Ralf Bopp, Direktor der Deutschen Außenhandelskammer (AHK) in Zürich. Ein weiterer: Zwei von drei Ingenieuren wechseln im Laufe ihres Berufslebens in eine andere Funktion. Deshalb sind Schweizer Firmen auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen. Einer von drei Ingenieuren ist kein Eidgenosse.

Podcast-Tipp: Karriere im Ausland

Sie interessieren sich für eine Karriere in der Schweiz oder generell im Ausland? Dann hören Sie doch mal in diese Podcast-Folge rein.

Karriere machen im Ausland – davon träumen viele Menschen. Im Traumland arbeiten und leben sind Erfahrungen fürs Leben. Frederik Schulze Spüntrup, promovierter Ingenieur, kann genau auf das zurückblicken. Er kommt frisch zurück aus Norwegen, um bald eine Berater-Stelle anzunehmen. Mit Marco und Sarah spricht der junge Ingenieur über seine Erfahrungen und kulturelle Unterschiede in den einzelnen Ländern.

Hier wird Ihnen ein externer Inhalt von podigee.com angezeigt.

Mit der Nutzung des Inhalts stimmen Sie der Datenschutzerklärung von podigee.com zu.

Ein Ingenieur in der Schweiz: Grenzgänger und Auswanderer

Boris Langer kann ebenfalls auf eine Karriere im Ausland blicken. Bis 2012 war Langer in Frankfurt bei einem Zulieferer für die Luftfahrt tätig. Dann wollte der studierte Informatiker etwas anderes ausprobieren. Dass der 39-Jährige schließlich beim Softwareentwickler Zühlke in Schlieren nahe Zürich landete, war Zufall. Beworben hatte er sich nicht. Stattdessen wurde ein Headhunter auf ihn aufmerksam. Heute ist Langer Abteilungsleiter der medizinischen Gerätesoftware-Entwicklung. Langer ist einer von 305.785 Deutschen, die im Jahr 2017 im Nachbarland lebten und arbeiteten. Über die Hälfte davon sind hoch qualifiziert, ein Großteil Ingenieure. 64.000 weitere sind sogenannte Grenzgänger, die in der Schweiz ihr Geld verdienen, aber in Deutschland leben.

„Deutschland ist für viele Schweizer Firmen ein wichtiges Exportziel“, erklärt Douar das Vorgehen.

Deshalb seien Fachkräfte aus der Bundesrepublik beliebt. „Gegenüber anderen Europäern haben sie außerdem einen Sprachvorteil“, führt Bopp aus.

Wie viel verdient man in der Schweiz?

„Im ersten Moment wirkt natürlich das deutlich höhere Gehalt anziehend“, gibt Zühlke-Ingenieur Langer zu. Mindestens um ein Drittel liegen die Schweizer Löhne über den deutschen. Das Lohnspektrum der Ingenieurinnen, Ingenieure, Architektinnen und Architekten in der Schweiz bewegt sich zwischen 92.300 bis 145.000 Schweizer Franken im Jahr, gemäss der Salärstudie 2020 von Swiss Engineering STV. Die Gehaltsangaben sind abhängig von der Branche, dem Tätigkeitsbereich, der Hierarchiestufe und dem Alter. 74 % der über 3.200 Befragten sind mit ihrem Lohn zufrieden bis sehr zufrieden.

Zu den Spitzenverdienern zählen laut Swiss Engineering Ingenieure in den Branchen Lehre und Forschung, Energie und der öffentlichen Verwaltung. Die Bereiche Heizung/Lüftung/Klima und Wasserversicherungen sowie Dienstleistungen sind eher im unteren Viertel einzuordnen. Ein deutlicher Unterschied zu den Gehältern in Deutschland ist, dass sich insbesondere die öffentliche Verwaltung in der Schweiz als finanziell großzügiger Arbeitgeber für Ingenieure und Architekten präsentiert. In der Bundesrepublik gelten Ingenieurkarrieren im öffentlichen Dienst zwar als sicher, aber eben keinesfalls als gut bezahlt.

Die guten Zahlen relativieren sich jedoch. Ein Blick auf die Lebenshaltungskosten verrät, wohin Teile des Gehalts wandern. Obst und Gemüse etwa sind in der Schweiz im Schnitt um 65 % teurer als in der Bundesrepublik. Wochenarbeitszeit und Urlaubsanspruch sind dagegen ähnlich wie in Deutschland. Für Langer, der parallel ein Angebot aus Hamburg auf dem Tisch hatte, gab die Mentalität den Ausschlag. „Ich hatte das Gefühl, die Menschen gehen hier vorsichtiger miteinander um, das hat mir gefallen“, berichtet er. Es gebe keine Entscheidungen von oben herab. So habe das 30 Mitarbeiter umfassende Team mitentschieden, wer ihr neuer Abteilungschef wird. „Verbaler Druck ist hier ein No-Go“, weiß der Exil-Deutsche. Die direkte Art vieler Deutscher komme daher nicht gut an. „Schweizer sprechen viel im Konjunktiv“, erklärt er. Kritik äußern Eidgenossen sehr vorsichtig.

Was braucht man als Deutscher, um in der Schweiz zu arbeiten?

Die Anmeldung übernimmt ein Schweizer Arbeitgeber. Hier wird eine sogenannte Grenzgängerbewilligung (Ausweis G) beantragt. Den Ausweis G erhalten Personen mit Deutscher/EU-Staatsbürgerschaft, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben und für ein Unternehmen in der Schweiz arbeiten.

Als EU-Bürger reicht ein Arbeitsvertrag aus, um beim Amt eine befristete Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Nach fünf Jahren folgt die unbefristete Niederlassungsbewilligung. Trotzdem müssen sich Deutsche darüber im Klaren sein, dass sie in der Schweiz Ausländer sind. Die Schweiz, so Langer, sei nicht der kleine Bruder Deutschlands. Am Schreibtisch sei das weniger zu spüren, als etwa morgens beim Bäcker. „Die deutsche Floskel ‚Ich bekomme‘ ist hier verhasst“, gibt der Vater zweier Kinder ein Beispiel. Stattdessen möchten Verkäufer „Könnte ich bitte …“ oder „Würden Sie“ hören.

Was sich nach einer Kleinigkeit anhört, hat schon manchen zur Rückkehr bewegt. Allein im vergangenen Jahr sind laut Schweizer Staatssekretariat für Migration 14.555 Deutsche in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nach einer Studie der Wirtschaftsuniversität Wien und der Universität St. Gallen fühlte sich ein großer Teil der Auswanderer bei Schweizern nicht willkommen. Die Zahlen sind allerdings über die Jahre sehr konstant, was auch für ausgelaufene Expat-Verträge sprechen könnte.

Mehr zu dem Thema:
Der IT-Ingenieur – überall gesucht, aber kaum zu finden

Das Auslandspraktikum

Die internationale Bewerbung: So verfassen Sie einen CV und ein Anschreiben auf Englisch.

Von Michael Sudahl/Lisa Schneider

Themen im Artikel

Top Stellenangebote

pinta acoustic GmbH-Firmenlogo
pinta acoustic GmbH Produktmanager (m/w/d) Maisach
BASF Colors & Effects GmbH-Firmenlogo
BASF Colors & Effects GmbH Senior Betriebsingenieur_in (m/w/d) Ludwigshafen
Amcor Flexibles Singen GmbH-Firmenlogo
Amcor Flexibles Singen GmbH Projektingenieur (m/w/d) Singen
Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW-Firmenlogo
Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW Ingenieurin / Ingenieur (w/m/d) für den Bereich Hardware- und Mikroprozessorprogrammierung sowie Elektronikentwicklung Duisburg
Arcadis-Firmenlogo
Arcadis Projektingenieur / Projektleiter konstruktiver Wasserbau (w/m/d) verschiedene Standorte
Novopress GmbH Pressen und Presswerkzeuge & Co. KG-Firmenlogo
Novopress GmbH Pressen und Presswerkzeuge & Co. KG Ingenieur Elektrotechnik als Software / Hardware Entwickler für Mikroprozessor gesteuerte handgeführte Elektrogeräte (m/w/d) Neuss
Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart-Firmenlogo
Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart Professur im Studiengang Elektrotechnik Stuttgart
Vermögen und Bau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Vermögen und Bau Baden-Württemberg Diplom- Ingenieur (FH/DH) oder Bachelor (w/m/d) der Fachrichtung Technisches Gebäudemanagement, Facility Management, Versorgungstechnik/TGA Stuttgart
BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH-Firmenlogo
BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung mbH Ingenieur (m/w/d) Transportlogistik Essen
Hochschule für angewandte Wissenschaften München-Firmenlogo
Hochschule für angewandte Wissenschaften München W2-Professur für Ergonomie in der digitalen Arbeitswelt (m/w/d) München
Zur Jobbörse

Top 5 Arbeitsleb…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.