Karrierestrategie 21.12.2016, 01:00 Uhr

Ingenieurkarriere im öffentlichen Dienst

Ingenieurmangel, demografischer Wandel, Wirtschafts- und Finanzkrise, Personalabbau und die Vorgaben eines ausgeglichenen Haushalts: Das sind die Rahmenbedingungen, die die Karrierechancen eines jungen Ingenieurs im öffentlichen Dienst beeinflussen.

Papierstapel vor Gesicht Mann

Eine Ingenieurkarriere im öffentlichen Dienst bedeutet mehr als nur Papierkram.

Foto: panthermedia.net/gstockstudio

Rahmenbedingungen

Nach einer Statistik der Bundesingenieurkammer vom September 2012 stehen aktuell knapp über 1 Million Ingenieure im Erwerbsleben, davon sind rd. 850.0000 angestellt, 150.000 selbständig und rd. 40.000 als Beamte tätig. Die Zahl der beamteten Ingenieure ist durch die Privatisierung von Post und Bahn in den letzten zwei Jahrzehnten um rd. 60.000 Ingenieure zurückgegangen. Auch bei Bund, Ländern und Kommunen werden in den nächsten Jahren durch Stelleneinsparungen weitere Stellen wegbrechen. Beispielhaft sei hier der Freistaat Bayern genannt, der Ende 2011 rd. 11.000 Ingenieure beschäftigte und bis 2031 noch einmal knapp 2.000 Ingenieurstellen streichen wird.

Tätigkeitsfelder der Ingenieure

Die Aufgabenfelder der Ingenieure im öffentlichen Dienst resultieren zum einen aus den gesetzlichen Aufgaben von Bund, Ländern und Kommunen und zum anderen mehr und mehr aus dem Regelungseifer der Europäischen Union, der auf die nationalen Verwaltungen durchschlägt sowie aus neuen Aufgabenfeldern, die durch politisches Handeln, wie beispielsweise die Energiewende, bestimmt sind. Betrachtet man ausschließlich die Aufgaben für die Ingenieure in den Verwaltungen, dürfte es nicht zu einem weiteren Personalabbau kommen, allerdings versuchen die öffentlichen Dienstherren die eine oder andere Aufgabe durch Privatisierung auf freiberuflich tätige Ingenieure zu übertragen. Bei der Frage, was kann der Staat derzeit und zukünftig auf freiberuflich tätige Ingenieure übertragen, ist zu berücksichtigen, dass es zum einen manche Aufgaben gibt, die aus übergeordneten Interessen nicht privatisiert werden dürfen, ich denke da z. B. im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über die Privatisierung der Trinkwasserversorgung an die nachhaltige Bewirtschaftung unseres Grundwassers und auch daran, dass der Staat die Fähigkeit die Bauherrenfunktion wahrzunehmen, nicht verlieren darf. Der Staat muss auch zukünftig gut ausgebildete Ingenieure vorhalten, damit diese die staatlichen Interessen gegenüber den verschiedenen Akteuren bei Planungs- und Genehmigungsverfahren wahrnehmen können.

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Wie viel Ingenieure im Öffentlichen Dienst verdienen

Aufbrechen des beamtenrechtlichen Laufbahnsystems

Bis vor wenigen Jahren hatte der Bund die Rahmengesetzgebung beim Beamten-, Laufbahn- und Besoldungsrecht, so dass die Länder nur einen engen Spielraum hatten, den bundesrechtlich vorgegebenen Rahmen auszufüllen. Bei den Ingenieuren des öffentlichen Dienstes wurde über 50 Jahre gerungen, wie die verschiedenen Studienabschlüsse zu bewerten seien und damit auch die Frage aufgeworfen, wie die Bezahlung zu erfolgen hat. Obwohl das Berufsbild des Ingenieurs einheitlich ist und im Hochschulrahmengesetz die Gleichwertigkeit der Studienabschlüsse an Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen festgeschrieben ist, hatte diese Festlegung keine Auswirkungen auf das Laufbahnrecht. Die Diplom- Ingenieure (FH) wurden dem gehobenen technischen Dienst und die Dipl.-Ing. (Universität ) dem höheren technischen Dienst zugeordnet. Durch den Bolognaprozess und die verfassungsmäßige Änderung der Zuständigkeiten für das Beamtenrecht kam Bewegung in die jahrzehntelange Diskussion. Nunmehr waren die Länder zuständig und konnten den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen. Einige Länder, der Freistaat Bayern war hier der Vorreiter und wollte die Benchmark setzen, haben eine größere Durchlässigkeit der früheren Laufbahnen auf den Weg gebracht. Inwieweit hier durch die Schaffung einer Einheitslaufbahn, allerdings mit unterschiedlichen Eingangsebenen, tatsächlich zu einer größeren Durchlässigkeit geführt hat, kann derzeit noch nicht beurteilt werden, da das neue System noch zu jung ist und teilweise erst evaluiert wird.

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Was verdient der Bachelor, der Master und der Diplom- Ingenieur?

Das neue Laufbahnsystem ist auf die neuen Studienabschlüsse ausgelegt, so dass sich für den Dipl.-Ing. (FH) keine Änderungen ergeben. Grundsätzlich wird der Ingenieur mit einem Bachelorabschluss oder Abschluss als Dipl.-Ing. (FH) der 3. Qualifizierungsebene und der Ingenieur mit einem Masterabschluss oder der Dipl.-Ing. ( Universität ) der 4. Qualifizierungsebene zugeordnet, was letzten Endes zu einem Unterschied in der Eingangsbesoldung von über 1.000 Euro pro Monat führt. Die Jahresgehälter liegen für Berufseinsteiger je nach Berufserfahrung und Studienabschluss zwischen 32.000 und 40.000 Euro. Für einige wenige Ingenieure endet die berufliche Karriere eines Ingenieurs mit einem Bachelorabschluss dort, wo die Karriere eines Masters beginnt, wobei zu berücksichtigen ist, dass für einen Großteil der Ingenieure mit einem Bachelorabschluss das Eingangsamt des Masterabsolventen auf Grund der begrenzten Stellen nicht zu erreichen ist. Betrachten wir die Ebene der staatlichen Unterbehörde ( Bauamt ), dann liegt der gehaltsmäßige Unterschied im Endamt bei rd. 2.000 Euro zwischen einem Bachelor- und einem Masterabsolventen.

Fazit

Eine berufliche Perspektive für einen Ingenieur im öffentlichen Dienst bietet sich nur für einen Masterabsolventen. Einige wenige Bachelor können im Rahmen der größeren Durchlässigkeit auch die 4. Qualifizierungsebene erreichen. Generell bleibt aber festzustellen, dass für Ingenieure mit einem Studienabschluss als Bachelor die Karrierechancen im öffentlichen Dienst überschaubar bleiben.

Rüdiger Lexau, Vorsitzender des Zentralverbandes der Ingenieure im öffentlichen Dienst in Bayern e.V.- ZVI Bayern

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Der Mythos vom Traumjob

 

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