Berufseinstieg für Absolventen

Was ist besser für Ingenieure: Trainee oder Direkteinstieg?

Viele Unternehmen bieten Trainee-Programme für Absolventen an. Doch welche Definition verbirgt sich hinter dem Begriff und welche Traineeships sind empfehlenswert für die Karriere angehender Ingenieure?

Blick von oben auf Anzugschuhe, vor denen drei weiße Pfeile aufgemalt sind

Zum Berufseinstieg stehen viele Entscheidungen an. Etwa, ob ein Traineeship oder der Direkteinstieg der richtige Weg für einen ist.

Foto: panthermedia.net/alphaspirit

Inhalt dieses Artikels:

  1. Definition von Trainee
  2. Ablauf eines Trainee-Programms
  3. Qualitätsmerkmale des Traineeships
  4. Geeignete Kandidaten für ein Trainee
  5. Trainee oder Direkteinstieg?

Nach Abschluss des Studiums steht jungen Ingenieuren eine spannende Entscheidung ins Haus: Wo sollen sie sich bewerben? Damit sind natürlich weitere Fragen verbunden: In welchem Fachbereich möchten sie tätig werden? Was für ein Unternehmen stellen sie sich als Arbeitgeber vor? Und ist ein Trainee-Programm vielleicht die bessere Wahl als der Direkteinstieg? Dazu muss man natürlich zunächst einmal wissen, wie die Definition für einen Trainee aussieht.

Was ist die Definition für Trainee?

Rein begrifflich bezeichnet Trainee einen Hochschulabsolventen, der an einem Trainee-Programm in einem Unternehmen teilnimmt. Die wichtigsten Synonyme für ein Trainee-Programm sind:

  1. Traineeship
  2. Graduate Program
  3. Einstiegsprogramm
  4. Förderprogramm für Führungskräfte
  5. Nachwuchsprogramm
  6. Nachwuchsführungskräfteprogramm
  7. Future Leaders Program
  8. Management Development Program

Inhaltlich spielt es keine Rolle, welche Bezeichnung verwendet wird. Denn keiner der genannten Trainee-Begriffe ist rechtlich geschützt. Es gibt also keine festgelegte Definition für Inhalte und Ablauf eines Trainee-Programms. Die Qualität der verschiedenen Traineeships weicht daher in der Praxis stark voneinander ab.

Wie sieht der Ablauf eines qualitativ hochwertigen Trainee-Programms aus?

Der eigentliche Sinn von Traineeships besteht darin, einen Teil zur Ausbildung künftiger Führungskräfte beizutragen. Schon bei der Auswahl der Bewerber achten die Unternehmen also darauf, Absolventen mit ausgezeichneten Leistungen einzustellen. Zudem sollten sie Charaktermerkmale aufweisen, die für eine Führungskraft von Bedeutung sind, zum Beispiel Soft Skills wie Durchsetzungsfähigkeit, Teamgeist, Kommunikationsfähigkeit und unternehmerisches Denken. Das Gehalt für einen Trainee liegt in der Regel leicht unter der Vergütung für einen Direkteinstieg. Denn von dem Trainee wird zwar viel erwartet, gleichzeitig ist er jedoch noch nicht voll einsatzfähig, da viel Zeit auf seine Weiterbildung verwendet wird. Mehr zum Trainee-Gehalt lesen Sie im Artikel Einstiegsgehalt für Ingenieure.

Der Ablauf eines klassischen Graduate Programs sieht dann folgendermaßen aus:

  1. Der Trainee bekommt einen Mentor an die Seite gestellt, der seine Entwicklung engmaschig betreut.
  2. Durch regelmäßige Feedbackgespräche wird der Trainee gefördert und kann gezielt an seinen Schwächen arbeiten.
  3. Der Trainee durchläuft alle Abteilungen im Unternehmen, die für seine spätere Tätigkeit relevant sein können. Meistens sind der Ablauf und die Intervalle für den Abteilungswechsel festgelegt. Mitunter sind längere Aufenthalte in besonders wichtigen Bereichen geplant. Alternativ werden auch Trainee-Programme angeboten, die sich lediglich auf einen Unternehmensbereich beziehen. Dort lernt der Trainee aber ebenfalls verschiedene Arbeitsfelder kennen.
  4. Der Trainee wird in den jeweiligen Abteilungen direkt in die praktische Arbeit des Teams einbezogen und übernimmt im kleineren Rahmen schnell Verantwortung.
  5. Parallel besucht er Seminare, Workshops und nimmt an Coachings teil. Diese können intern organisiert sein oder über externe Anbieter abgewickelt werden.
  6. Die Dauer des Traineeships ist unterschiedlich, im Durchschnitt liegt sie bei 15 bis 24 Monaten.
  7. Zum Ende dieser Ausbildung findet in der Regel ein Einstellungsgespräch zur Weiterbeschäftigung statt, in dem Personalleitung und Trainee idealerweise gemeinsam den künftigen Einsatzbereich sowie das langfristige Karriereziel im Unternehmen besprechen.

Der Zweck eines Trainee-Programms besteht per Definition darin, Nachwuchs an Führungskräften zu finden und auszubilden. Daher investieren Unternehmen viel in begleitende Maßnahmen wie Seminare und Workshops. Entsprechend groß ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Trainee nach seiner Ausbildung in eine vollwertige Stelle übernommen wird – die Investition soll sich schließlich für beide Seiten auszahlen.

Woran erkennen Ingenieure ein unzureichendes Trainee-Programm?

Leider ist ein qualitativ hochwertiges Traineeship keine Selbstverständlichkeit. Da der Begriff nicht geschützt ist, wird er von einigen Unternehmen auch verwendet, um an günstige Arbeitskräfte zu kommen. Denn der Anstrich der Ausbildung suggeriert, dass kein Gehalt gezahlt werden müsse, das für eine Vollzeitstelle angemessen wäre. Absolventen sollten daher keinesfalls einen Vertrag für ein Trainee-Programm unterschreiben, ohne den detaillierten Ablauf zu kennen. Dieser sollte zusätzlich im Arbeitsvertrag aufgeführt sein (eventuell mit einem Verweis auf eine Anlage, die den Ablauf beschreibt). Nur wenn der angehende Ingenieur schriftliche Unterlagen vorliegen hat, kann er sich gegebenenfalls darauf berufen und die notwendigen Elemente für seine Ausbildung einfordern. Liegt kein schriftlich ausformulierter Ablauf vor, sollten Absolventen im Vorstellungsgespräch folgende Fragen klären:

  1. Die Höhe des Gehalts: Es lässt sich nicht pauschal sagen, wie viel ein Trainee mindestens verdienen sollte. In einigen Unternehmen liegt die Vergütung deutlich unter dem Gehalt für einen Direkteinstieg. Das ist kein Ausschlusskriterium, falls das Traineeship umfangreiche Inhalte bietet – investiert der Arbeitgeber viel Geld in die Ausbildung, ist das geringere Gehalt unter Umständen gerechtfertigt.
  2. Betreuung des Trainees: Gibt es einen Mentor? Wie verläuft die Betreuung praktisch?
  3. Weiterbildungsangebote: Welche Themen werden bearbeitet? Wie umfangreich sind die Seminare und Workshops? Finden sie im Haus statt oder über externe Anbieter? Grundsätzlich können interne Seminare und Workshops selbstverständlich eine sehr hohe Qualität haben. Das ist tendenziell jedoch eher bei größeren Unternehmen der Fall, weil in kleinen Betrieben selten für jeden Bereich entsprechendes Fachpersonal zur Verfügung steht. Außerdem sollte es nicht nur um fachliche Inhalte gehen, sondern auch um die Weiterentwicklung von Soft Skills.
  4. Abteilungswechsel: Wie bereits erwähnt, ist es auch bei einem hochwertigen Programm nicht automatisch der Fall, dass der Trainee viele Abteilungen durchläuft. Zumindest Wechsel innerhalb eines einzelnen Unternehmensbereiches sollten jedoch vorgesehen sein. Denn verbleibt der Trainee an einem einzigen Arbeitsplatz, stellt sich die Frage, was den Unterschied zu einem Direkteinstieg ausmacht?

Wichtig: Absolventen sollten sich beim Vorstellungsgespräch nicht mit pauschalen Formulierungen abspeisen lassen wie: „Seminare können Sie natürlich auch besuchen.“ Ein Traineeship erfordert Planung. Liegen keine Details über den Ablauf vor, ist Vorsicht geboten.

Für welche Absolventen ist ein Traineeship die richtige Wahl?

Dass ein Trainee in der Regel mehrere Abteilungen durchläuft, klingt oftmals gerade für die Ingenieure attraktiv, die unentschlossen sind, in welchem Bereich sie am liebsten arbeiten würden. Die Möglichkeit zur Orientierung ist für einen Trainee sicherlich ein positiver Begleiteffekt, sie sollte aber nicht die hauptsächliche Motivation sein. Denn ein Trainee-Programm dient dazu, Führungskräfte auszubilden. Es sollte daher der Wunsch nach einer Führungsposition im Management hinter der Bewerbung stehen – und bei einem Vorstellungsgespräch auch geäußert werden.

Ingenieure, die wenig Interesse an Managementaufgaben haben, sondern sich stärker auf fachliche Themen konzentrieren möchten, sollten daher tendenziell davon absehen, ihre Karriere als Trainee zu starten. Dazu muss man allerdings sagen, dass gerade einige große Konzerne ausschließlich Trainee-Programme für Berufseinsteiger anbieten. Wenn das entsprechende Unternehmen auf der Liste der Wunsch-Arbeitgeber ganz oben steht, sollte ein Absolvent natürlich den Weg gehen, zunächst ein Traineeship zu absolvieren. Wichtig ist jedoch, dass er ein klares Ziel vor Augen hat.

Trainee-Programm oder Direkteinstieg, was sollten Absolventen wählen?

Viele Unternehmen bieten nur das eine oder das andere an: Trainee-Programm oder Direkteinstieg. Doch es gibt auch Fälle, in denen parallel beide Möglichkeiten angeboten werden. Absolventen sollten sich dann unbedingt für einen Weg entscheiden. Denn Personaler sehen es selten gern, wenn Bewerber sich auf mehrere Stellenausschreibungen bewerben. Das erweckt den Eindruck der Unentschlossenheit. Wer trotzdem zwei Karten ins Spiel bringen möchte, sollte das zumindest gut begründen können. Nach dem Motto: „Eine Stelle in Ihrem Unternehmen ist mein großes Ziel. Ich möchte gemeinsam mit Ihnen in einem Vorstellungsgespräch ausloten, ob ein Traineeship oder ein Direkteinstieg für mich der bessere Weg wäre.“ Wer solch eine Aussage trifft, sollte jedoch auch dahinterstehen können und gute Argumente dafür parat haben, warum es ausgerechnet dieser Arbeitgeber sein soll.

Tendenziell gilt für die Frage Trainee-Programm oder Direkteinstieg: Wer Ambitionen hat, schnell zu einer Führungskraft aufzusteigen, sollte sich als Trainee bewerben. Schließlich sind die Traineeships für genau diese Kandidaten gedacht. Die meisten Unternehmen versichern zwar, dass eine Karriere auch über einen Direkteinstieg möglich sei – und das ist auch sicherlich richtig. Dieser Weg wäre jedoch beschwerlicher. Denn als Trainee genießen Sie nicht nur zusätzliche Lehrinhalte, Sie lernen das Unternehmen auch umfassender kennen oder erhalten zusätzliche Weiterbildungen. Das heißt: Sie erfassen Zusammenhänge schneller, erkennen Fallstricke besser und können sich durch den Abteilungswechsel im Unternehmen besser vernetzen. Das sind wichtige Voraussetzungen, um als Führungskraft schnell aufzusteigen.

In großen Unternehmen kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Hier gibt es normalerweise mehrere Trainees. Diese kennen sich untereinander, besuchen Seminare und Workshops häufig gemeinsam und können sich gegenseitig unterstützen. Direkteinsteiger bilden hier eine zweite Gruppe und arbeiten stärker für sich. Ihnen fehlt häufig der Erfahrungsaustausch in der Gruppe. Zudem brauchen sie einen Förderer, der ihre Karriere pusht. Etwa indem er ihnen anspruchsvolle Aufgaben überträgt und für höhere Positionen ihren Namen ins Spiel bringt. Ehemalige Trainees hingegen, in deren Ausbildung Geld investiert wurde, stehen in der Regel ohnehin oben auf der Liste möglicher Beförderungen.

Unterm Strich läuft es also darauf hinaus, dass jeder Absolvent für sich zwei Fragen beantworten muss:

  1. Bei welchem Unternehmen möchte ich mich bewerben?
  2. Möchte ich möglichst schnell die Karriereleiter nach oben klettern und zu einer Führungskraft werden?

Die Antwort auf Frage eins klärt, was überhaupt zur Wahl steht. Schließlich stellt nicht jeder Arbeitgeber Trainees ein und das Wunsch-Unternehmen ist langfristig wichtiger als der Einstiegsweg. Mit der zweiten Frage entscheidet sich schließlich – falls sowohl Traineeship als auch Direkteinstieg zur Wahl stehen – was besser zu den persönlichen Zielen passt.

 

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