Gehalt

Gehaltserhöhung in den ersten Berufsjahren

Wer will es Ingenieuren heutzutage schon verdenken, wenn sie mehr als ihre älteren Kollegen auf eine rasche Gehaltserhöhung drängen? Die Welt hat sich eben verändert und Geld spielt eine wichtige Rolle. Schließlich sprechen viele Medien davon, dass Ingenieure knapp sind. Daraus lässt sich ganz klar ein hoher Marktpreis für den Berufseinstieg ableiten und wenn die Probezeit überstanden ist, kann das Gehaltspoker richtig losgehen.

Gehaltserhöhung: Nicht zu voreilig und bedacht sollte die Frage nach mehr Gehalt kommen.

Gehaltserhöhung: Nicht zu voreilig und bedacht sollte die Frage nach mehr Gehalt kommen.

Foto: panthermedia.net/zestmarina

Die Nachteile einer solchen Denkhaltung werden dabei leicht übersehen, sollten jedoch nicht unberücksichtigt bleiben. Da hat ein junger Ingenieur vor wenigen Monaten eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent bekommen. „Na ja, besser als nichts“, denkt er sich. „Es muss noch mehr drin sein“, setzt er seine Überlegungen fort.

Gehaltserhöhung bei nächstbester Gelegenheit?

Kaum erschallt vom Vorgesetzten ein Lob über die gute Arbeit, wird der Einsteiger unruhig: „Jetzt muss doch der richtige Moment für eine satte Gehaltserhöhung gekommen sein. Schließlich geht es dem Unternehmen gut, und das Lob des Vorgesetzten sollte mindestens weitere fünf Prozent an Steigerung bringen, wenn nicht sogar noch mehr.“ Am besten lässt man sich gleich beim Chef einen Termin geben und geht ihn daraufhin mit Nachdruck an. Dieses Verhalten ist strategisch nicht klug bedacht.

Stellt sich die Frage, wann für einen Ingenieur mit geringer Berufspraxis der richtige Zeitpunkt für eine Nachfassaktion in Sachen Gehaltserhöhung gekommen ist. Zunächst sollte sich die Karriere am Anfang mehr um die Tätigkeit als um den Lohn drehen! Das Gehalt ist wichtig, noch wichtiger ist jedoch die Möglichkeit, in den ersten Berufsjahren viel zu lernen und dies in einem einigermaßen guten sozialen und wirtschaftlichen Umfeld. Vom Arbeitgeber gesponserte Schulungen und Seminare, das gezielte Einarbeitungsprogramm usw. sollten einen höheren Stellenwert haben als zusätzliche 100 Euro im Monat auf dem Gehaltskonto. Anschließend sollte der Fokus auf die eigene Leistungserbringung gerichtet werden.

Gehaltserhöhung: Nach etwa 24 Monaten angebracht

In der Regel ist ein Berufseinsteiger erst nach 24 Monaten soweit, dass er sich für das Unternehmen rechnet, um in der Sprache der Betriebswirtschaft zu bleiben. Wenn die Leistungen dann stimmen, schadet es nicht, in Gesprächen mit dem Vorgesetzten eine Gehaltserhöhung anzuschneiden und um eine überdurchschnittliche Gehaltsanpassung zu bitten. Würdigt der Chef die Leistung des Ingenieurs gleichfalls überdurchschnittlich, wird er sich für eine Gehaltsanpassung einsetzen. Kann der Vorgesetzte nichts tun oder will er nichts tun, bleibt immer noch der Weg zu neuen Arbeitgebern, wenn die denn mehr Gehalt bezahlen wollen.

Die Strategie der Gewinnmaximierung mancher Jungingenieure ist in vielerlei Hinsicht schlecht. Selbst wenn ihnen die Gehaltsmaximierung in den ersten Jahren gelingen sollte, wird das hohe Gehalt schnell zur Karrierefalle. Steigen nicht gleichzeitig Fach- und Führungsverantwortung mit der Gehaltserhöhung an, avancieren diese Ingenieure zu hoch dotierten Sachbearbeitern.

Gehaltserhöhung: Arbeitgeberwechsel als Falle

Spätestens wenn der Ingenieur den Arbeitgeber wechseln möchte, schnappt die Falle zu, wenn das Gehalt bereits dem einer Führungsposition am Arbeitsmarkt entspricht. Die bekommt er aber nicht, weil er keine Führungserfahrung hat. Also wird ein Unternehmenswechsel entscheidend erschwert. Kommt es zu keiner weiteren Beförderung beim aktuellen Arbeitgeber, wird guter Rat teuer. Das wissen auch die Unternehmen und dies kann auch der Grund sein, weshalb sie überhaupt einer überdurchschnittlichen Gehaltserhöhung nachkommen.

Fazit: Alles zu seiner Zeit! In den ersten beiden Berufsjahren sollten sich junge Ingenieure nicht zu sehr auf die materielle Seite der Karriere konzentrieren. Wichtig ist es, den Einstieg in die Arbeitswelt zu finden, die fachlichen Aufgaben in den Griff zu bekommen und gute Leistungen zu erbringen. Das gute Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen spielt dabei eine zentrale Rolle für die erfolgreiche Gehaltserhöhung. Wird zu schnell zu viel gefordert, kann die Stimmung von Vorgesetzten und Kollegen umschlagen, Vertrauen und Interesse des Vorgesetzten können sogar gänzlich schwinden und die wichtige fachliche und persönliche Förderung fällt aus.

Situation des Arbeitgebers bei Gehaltserhöhung einbeziehen

Nach zwei Jahren ist ein guter Zeitpunkt gekommen, grundlegend über das Thema Gehaltserhöhung mit dem Vorgesetzten nachzudenken. Natürlich müssen dabei die wirtschaftliche Verfassung des Arbeitgebers und die eigenen Leistungen für das Unternehmen gebührend berücksichtigt werden. Kommt es dann zu Meinungsverschiedenheiten, kann über einen Arbeitgeberwechsel nachgedacht werden.

Von Bernd Andersch, Karriere-Coach, Düsseldorf

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