Gehalt bei Berufsanfängern

Gehaltserhöhung in den ersten Berufsjahren

Jeder Ingenieur freut sich über ein höheres Gehalt. Doch wann und wie können Berufseinsteiger am geschicktesten darum bitten? Direkt nach der Probezeit oder erst nach 2 Jahren? Und was für eine Steigerung wäre realistischerweise möglich?

Geldscheine wandern von einer Hand in die andere

Gehaltserhöhung: Die Frage nach mehr Gehalt sollte nicht zu voreilig kommen.

Foto: panthermedia.net/zestmarina

Ingenieure sind gefragte Fachkräfte. Das zeigt sich schon an den Einstiegsgehältern für Ingenieuren, die bei durchschnittlich 48.000 Euro im Jahr liegen, wie es die aktuelle Gehaltsstudie von ingenieur.de zeigt. Gleichzeitig wird viel diskutiert über die Bedeutung von Innovationen für den Technologiestandort Deutschland. Da liegt der Gedanke nahe, die eigene Qualifikation in bare Münze umwandeln zu wollen. Das gilt natürlich besonders, falls Sie als Ingenieur für Ihren Arbeitsschwerpunkt eine attraktive Nische gewählt haben sollten, in der die Konkurrenz selbst unter Berufsanfängern nicht so groß ist.

Doch die Forderung nach einer Gehaltserhöhung kann für Berufseinsteiger auch problematisch sein und ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Umso wichtiger ist es, Zeitpunkt, Argumente und Höhe der anvisierten Gehaltserhöhung gut zu planen.

Gehaltserhöhung für Berufsanfänger direkt nach der Probezeit?

Die Dauer der Probezeit finden Sie in Ihrem Arbeitsvertrag. Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass sie maximal 6 Monate betragen darf. Manche Unternehmen vereinbaren aber nur eine Probezeit von 3 Monaten, um die begehrte Fachkraft früher ans Unternehmen zu binden. Immerhin kann auch der Ingenieur während der Probezeit innerhalb von 2 Wochen kündigen. Der Zeitraum, in dem Berufseinsteiger ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können, ist jedenfalls relativ kurz. Zudem entfalten selbst hoch qualifizierte Ingenieure während der Einarbeitungsphase noch nicht ihre vollen Kompetenzen. Das sollten Sie bedenken, wenn Sie als Berufsanfänger darüber nachdenken, nach Ende der Probezeit um eine Gehaltserhöhung zu verhandeln.

Hinzu kommt in vielen Fällen das Phänomen der falschen Selbsteinschätzung. Ein guter Vorgesetzter wird Berufseinsteiger beispielsweise viel loben. Das trägt zur Motivation bei und sorgt für eine gute Arbeitsatmosphäre. Mit anderen Worten: Großes Lob bedeutet nicht automatisch, dass Ihre Leistung überdurchschnittlich ist.

Das dritte Argument gegen eine Forderung um mehr Gehalt ist der Eindruck, den Sie dabei vermitteln. Denn jeder Berufseinsteiger muss zunächst Erfahrung sammeln und viel lernen. Der Fokus sollte also darauf liegen, gut angeleitet zu werden und eventuell an Schulungen teilnehmen zu dürfen, um die eigenen Kompetenzen zu erweitern. Mit einer zu frühen Verhandlung um eine Gehaltserhöhung könnten Sie jedoch signalisieren, dass Sie als Berufsanfänger nur aufs Geld achten und Inhalte eine weniger wichtige Rolle spielen.

Wann ist eine Gehaltserhöhung nach der Probezeit angemessen?

Für jede Regel gibt es natürlich Ausnahmen. In 2 Situationen wäre es durchaus angemessen, wenn Berufsanfänger nach der Probezeit um eine Gehaltserhöhung bitten:

  1. Beim Einstellungsgespräch wurde eine Anpassung vereinbart. Es kommt durchaus vor, dass Arbeitgeber Berufsanfängern eine Gehaltserhöhung nach Ende der Probezeit in Aussicht stellen. Darauf können und sollten Sie natürlich Bezug nehmen und einen Termin mit der Personalleitung vereinbaren. Falsche Bescheidenheit könnte Ihnen in diesem Fall sogar negativ ausgelegt werden – als seien Sie selbst von Ihren Leistungen nicht überzeugt.
  2. Ihr Tätigkeitsbereich entspricht nicht den Vereinbarungen aus dem Arbeitsvertrag. Falls Sie ungeplant höher qualifizierte Aufgaben übernommen haben oder Führungsverantwortung tragen, beispielsweise aufgrund der Erkrankung eines Kollegen, können Sie darum bitten, dass Ihr Vertrag angepasst wird. Gegebenenfalls wäre die Forderung nach einer Gehaltserhöhung dann auch für Berufsanfänger legitim.

Nach welchem Zeitraum steht eine Gehaltserhöhung an?

In der Regel ist es also nicht sinnvoll, wenn Berufsanfänger schon nach der Probezeit um eine Gehaltserhöhung bitten. Wann ist denn der richtige Zeitpunkt gekommen? Nach 1 Jahr oder erst nach 2 Jahren? Das hängt natürlich von der individuellen Situation ab. Es kommt durchaus vor, dass Berufseinsteiger bereits nach 1 Jahr mehr Verantwortung übernehmen oder in ein neues Projekt einsteigen, weil sie sich gut bewährt haben. Führt der Vorgesetzte ein diesbezügliches Gespräch und lobt explizit Ihre Leistung, wäre das ein gutes Argument, um auch als Berufsanfänger bei der Personalleitung das Thema Gehaltserhöhung anzusprechen.

Aber Vorsicht: Die eigene Fortbildung, inklusive praktischer Erfahrung, sollte weiterhin im Vordergrund stehen. Wägen Sie als Berufsanfänger also gut ab, ob Sie tatsächlich nach so einem kurzen Zeitraum neu über Ihr Gehalt verhandeln möchten. Sicherlich hinterlassen Sie einen besseren Eindruck, wenn Sie sich voll und ganz auf den erweiterten Tätigkeitsbereich konzentrieren und die neue Herausforderung als Chance für Ihre Entwicklung verstehen – die nicht automatisch höher dotiert sein muss.

Als ideal gilt es, wenn Berufsanfänger nach 24 Monaten um die erste Gehaltserhöhung bitten. Sie hatten 2 Jahre Zeit, um sich zu bewähren und Ihre Fähigkeiten auszubauen. Gleichzeitig demonstrieren Sie mit Ihrer Forderung, dass Sie sich ihres eigenen Wertes bewusst sind. Das ist insbesondere wichtig, falls Sie sich mittelfristig für eine Führungsposition qualifizieren wollen. Wer sich zu bescheiden gibt, kann hier ins Hintertreffen geraten. In größeren Konzernen sind solche Verhandlungen für Berufseinsteiger sogar ein Mittel, um sich bei der Personalleitung ins Gedächtnis zu bringen.

Warum kann es sinnvoll sein, mit Gehaltsverhandlungen zu warten?

Abgesehen von der groben Zeitschiene gibt es weitere Faktoren, die Sie bedenken sollten, bevor Sie als Berufsanfänger um eine Gehaltserhöhung bitten:

  • Wie schätzen Sie Ihre Leistung ein? Natürlich sollten Sie um Ihre Gehaltsstufe nur verhandeln, wenn Ihr Vorgesetzter gerade besonders zufrieden mit Ihnen ist. Der erfolgreiche Abschluss eines Projektes bietet sich beispielsweise an.
  • Auch neue Aufgaben oder Tätigkeitsbereiche können ein guter Anlass sein, um als Berufsanfänger das Thema Gehaltserhöhung ins Spiel zu bringen.
  • Bedenken sollten Sie zudem die Situation Ihres Arbeitgebers. Falls zum Beispiel gerade ein großer Auftrag verloren gegangen sein sollte, warten Sie besser mit Ihrer Bitte um mehr Geld. Auch nach einem Tarifabschluss, der ohnehin mehr Gehalt und für den Arbeitgeber höhere Personalkosten mit sich bringt, sollten Sie keine zusätzlichen Gehaltsverhandlungen starten.

Wie sollten Berufsanfänger Gehaltsverhandlungen führen?

Wenn Sie als Berufsanfänger eine Gehaltserhöhung wünschen, sollten Sie das Gespräch natürlich gut vorbereiten. In größeren Unternehmen ist der Abteilungs- oder Projektleiter in der Regel nicht für die Gehälter zuständig. Das übernimmt der Personalleiter. Daher stimmen Sie sich am besten zunächst mit Ihrem direkten Vorgesetzten ab. Ist er mit der Qualität Ihrer Arbeit zufrieden? Hält er eine Gehaltserhöhung ebenfalls für angemessen? Würde er Sie als Berufsanfänger bei dieser Forderung unterstützen? Kann er das Thema gegebenenfalls in der Personalabteilung platzieren?

Unter Umständen sieht er bei Ihnen andere Vorzüge als Sie selbst. Daher sollten Sie ihn um eine Einschätzung bitten und sich Notizen machen. Aus seinen Angaben und Ihrer eigenen Sicht auf Ihre Erfolge können Sie eine kleine Liste mit Argumenten für die Gehaltsverhandlung vorbereiten. Wichtig: Führen Sie nur Fakten an, keine Emotionen. Dass Sie beispielsweise Spaß haben oder loyal gegenüber dem Unternehmen sind, gehört nicht ins Gespräch über die Gehaltserhöhung.

Darüber hinaus spielt natürlich Ihr objektiver Marktwert außerhalb des Unternehmens eine Rolle. Verweisen Sie auf besondere Qualifikationen, die Ihr Arbeitgeber gewinnbringend für sich nutzen kann. Idealerweise benennen Sie Fortbildungen, die Sie im Laufe der ersten 2 Jahre als Berufsanfänger besucht haben und die Ihren Marktwert im Vergleich zum Einstellungsgespräch steigern.

Für die Gesprächsführung ist es geschickt, erst nach Aufzählung der Erfolge und Fähigkeiten anzusprechen, was für Möglichkeiten für die Gehaltsentwicklung bestünden. Vermeiden Sie dabei eine fordernde Haltung, verwenden Sie besser das Verb „wünschen“ oder fragen Sie nach den Chancen für eine finanzielle Entwicklung. Ein absolutes Tabu ist es übrigens, bei der Gehaltsverhandlung mit einer Kündigung zu drohen. Personalchefs wissen, dass diese Option bei gefragten Fachkräften besteht. Wird sie ausgesprochen, entwickelt sich aus der Frage nach einer Gehaltserhöhung ein Machtspiel, das Sie als Berufsanfänger vermutlich verlieren werden – und das Ihre Position im Unternehmen mit größter Wahrscheinlichkeit verschlechtert.

Wie viel Prozent  mehr Gehalt können Berufsanfänger erwarten?

Grafik der Gehaltserhöhung nach Berufserfahrung

Projektingenieur: Gehalt nach Berufserfahrung.

Foto: VDI Verlag GmbH

Sie müssen damit rechnen, dass Ihr Personalchef Sie nach Ihren Vorstellungen für eine Gehaltserhöhung fragt. Ähnlich wie beim Einstellungsgespräch sollten Sie nicht zu tief stapeln und auch nicht zu hoch pokern. Beides wirkt unprofessionell. Als Daumenregel gilt, dass eine Gehaltserhöhung bei Berufsanfängern zwischen 3 und 10 Prozent liegt. An welchem Ende der Skala Sie Ihren Wert ansetzen sollten, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Hat es in den vergangenen Monaten bereits eine Gehaltserhöhung um mehrere Prozent gegeben, weil es zu einem neuen Tarifabschluss gekommen ist? Dann sollten Sie nur um ein geringes zusätzliches Plus bitten.
  • Das Gehaltsgefüge innerhalb des Unternehmens muss stimmen, sonst ist Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern zu erwarten. Auch wenn Angestellte offiziell nicht über ihre Gehälter reden sollen, ist das im Arbeitsalltag oft anders. Falls Sie also einschätzen können, ob sich Ihr Gehalt als Berufsanfänger eher im unteren oder im oberen Bereich bewegt, sollten Sie sich in Ihrem Gespräch zur Gehaltserhöhung daran orientieren.
  • Grundsätzlich ist das Gehalt natürlich auch abhängig von der Branche, wie Sie anhand der Gehaltsstudie von ingenieur.de erkennen können – beispielsweise verdienen Bauingenieure als Berufsanfänger derzeit im Durchschnitt knapp 4.600 Euro brutto weniger im Jahr als Mechatroniker. Doch, wenn Sie sich die Verdienste Ihrer Kollegen anschauen, werden Sie feststellen, dass auch die Bandbreite innerhalb einer Branche sehr groß sein kann: Bei Bauingenieuren liegt sie zwischen 41.100 und 49.400 Euro brutto im Jahr. Dabei gilt der Grundsatz, dass große Unternehmen besser zahlen als kleine. Diese Werte können Sie für einen Vergleich durchaus heranziehen und dezent darauf hinweisen, wenn Ihr Gehalt im Verhältnis eher niedrig sein sollte.
  • Natürlich spielt bei der Frage, wie viel Prozent mehr Gehalt Sie bekommen können, auch die wirtschaftliche Situation des Unternehmens eine Rolle.

Außerdem sollten Sie Alternativen parat haben, wenn Ihr Arbeitgeber das Bruttogehalt nicht entsprechend Ihren Wünschen erhöhen möchte, etwa geldwerte Vorteile wie ein Firmenwagen oder feste Tage im Home Office, durch die Sie Zeit für den Weg zur Arbeit sparen könnten. Das erhöht die Chance, mit einem Gewinn aus dem Gespräch zu gehen – selbst wenn sich die gewünschte Gehaltserhöhung für Sie als Berufsanfänger nicht vollständig durchsetzen lässt.

Warum kann eine Gehaltserhöhung Berufsanfängern sogar schaden?

Ein weiterer Punkt findet bei Berufsanfängern meistens zu wenig Beachtung, wenn es um das Thema Gehaltserhöhung geht: Zu viel Geld kann die Karriere ausbremsen. Wenn Sie beispielsweise 20 % mehr verdienen als es in der Branche für Ihre Tätigkeit üblich ist, fällt ein Stellenwechsel schwer. Schließlich wollen Sie sich finanziell nicht verschlechtern. Für eine höhere Position in einem anderen Unternehmen, für die solch ein Gehalt angemessen erscheint, wären Sie aber als Berufsanfänger noch gar nicht qualifiziert. Arbeitgeber setzen dieses Instrument durchaus ein, um Fachkräfte zu binden. Die Chance, über einen neuen Job die Karriere zu fördern, schwindet damit deutlich. Denn gelingt der Aufstieg beim aktuellen Arbeitgeber nicht, bleiben Sie womöglich dauerhaft auf dieser Gehaltsstufe stecken. So attraktiv ein paar Prozent mehr Gehalt auf dem Konto sind, sollten Sie also gut abwägen, wo für Sie als Berufsanfänger die Prioritäten liegen.

 

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