Geldanlage für Berufseinsteiger 27.05.2021, 11:29 Uhr

Das erste Gehalt: Wohin mit dem Geld?

Um das Finanzwissen vieler Berufsanfänger ist es nicht gerade zum Besten bestellt. Fondssparen, Festgeldkonto, Riester-Rente, Stock Picking, Goldbarren oder Sparstrumpf? Wir haben Finanzexperten gefragt, wie Berufseinsteiger das erste Gehalt sinnvoll einsetzen können. Ein Tipp überrascht.

Frau und Mann freuen sich über erstes Gehalt

Das erste Gehalt ist etwas Besonderes. Was Ingenieure und Ingenieurinnen zu Beginn des Berufslebens mit dem Geld anfangen sollten, verraten Finanzexperten.

Foto: panthermedia.net/luismolinero

Das erste Gehalt fühlt sich an wie Sternentaler, die einem aus heiterem Himmel ins Hemdchen fallen. Nun kann das Leben beginnen, so die Gemütslage, sind Preisschilder von Smartphones oder Schuhen keine unüberwindbaren Hindernisse mehr. Doch Vermögen geht bekanntlich mit Verantwortung einher. Was können und sollten Berufseinsteiger mit ihrem ersten Gehalt anfangen? Eine Anleitung in fünf Schritten.

Tipp 1: Das erste Gehalt verprassen

„Geldanlage soll Spaß machen“, sagt Peter Gorynski. „Man sollte sich auch mal etwas gönnen und nicht alles sparen, sparen, sparen.“ Es sei also gar nicht verwerflich, das erste Gehalt gedankenlos zu verjubeln – für Videospiele oder Klamotten, einen ausgedehnten Kneipengang oder eine Spritztour im Leih-Cabrio. Finanzpsychologen weisen darauf hin, dass man im jungen Alter den Umgang mit Geld erst lernen, sich finanziell ausprobieren müsse.

Berufseinsteiger in Ingenieurberufe verdienen laut der Gehaltsstudie von ingenieur.de im Durchschnitt 48.800 Euro brutto im Jahr (Stand 2020). Zur gesamten Gehaltsstudie geht es hier.

Air Jordans, Laptop und ein Ford Escort

„Ich habe mir Air-Jordan-Schuhe gekauft“, erzählt Peter Gorynski auf die Frage, was er damals mit seinen erstem Gehalt angestellt habe. Das war im Jahr 1997. Heute ist er Vertriebsleiter für Deutschland der US-Investmentgesellschaft Franklin Templeton. Berufsanfänger Gorynski legte sich danach jeden Monat Geld zur Seite. „So habe ich mir einen Laptop zusammengespart und mein erstes Auto, einen Ford Escort“.

Simon Westendorf hätte sich im Nachhinein von seinem ersten Gehaltsscheck einen schönen Urlaub gegönnt. „Mit Anfang 20 war das Budget immer das größte Problem bei der Urlaubsplanung“, erinnert er sich. Westendorf arbeitet als Portfoliomanager für die Vermögensverwaltung Starcapital in der Nähe von Frankfurt. „Leider war mein erstes Gehalt damals schon fest für Möbel und andere Ausgaben verplant.“

Vermögensaufbau und Altersvorsorge gehören auf die To-do-Liste

Bei aller Euphorie über die Dinge, die man sich als Berufseinsteiger plötzlich leisten kann: Langfristig geraten Vermögensaufbau und Altersvorsorge ins Blickfeld und gehören auf die To-do-Liste. Männer verdienen laut Analysen von Gehaltreports im Laufe ihres Berufslebens insgesamt 2,36 Millionen Euro, Frauen kommen auf 1,66 Millionen Euro. Viel Geld, das sie für sich arbeiten lassen können.

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Tipp 2: Planen: So viele Gehälter sollten auf dem Konto liegen

„Es gibt einen Unterschied zwischen Sparen und investieren“, betont Gorynski.

Am Anfang steht das Sparschwein. Zwei bis drei Nettoeinkommen sollten jederzeit auf dem Giro-, Spar- oder Tagesgeldkonto liegen. Davon können kaputte Autos und Waschmaschinen repariert, alte Smartphones ersetzt oder Umzüge finanziert werden, ohne direkt ins Dispo und damit in die Schuldenfalle zu trampeln. Das ist der Notfallfonds für unvorhergesehene Kosten.

Das erste Gehalt sparen und investieren

Nach dem Sparen kommt das Investieren. Eine populäre Finanzweisheit ist die 70/30-Regel: 70 Prozent des Einkommens gehen für alltägliche Ausgaben drauf, für Miete, Lebensmittel, Internet und den Restaurantbesuch. 30 Prozent können investiert werden. Manchen gefällt die 50/30/20-Regel besser: 50 Prozent des Gehalts werden für notwendige Ausgaben wie Miete oder Fahrtkosten eingeplant, 30 Prozent für Fun und Freizeit, die restlichen 20 Prozent dienen als Geldanlage. Wer diszipliniert durchhält, dem winken auf lange Sicht ein stattliches Portfolio oder die Möglichkeit auf ein Eigenheim.

Peter Gorynski

Peter Gorynski, Leiter des Flächenvertriebs in Deutschland bei Franklin Templeton.

Foto: Franklin Templeton

Lifestyle-Inflation: Ausgaben kontrollieren

Finanzexperten warnen insbesondere vor dem Phänomen der Lifestyle-Inflation. Damit ist gemeint, dass Menschen ihren Lebensstandard an steigende Gehälter anpassen, sich nach und nach immer mehr gönnen. Die Ausgaben wachsen parallel zum Einkommen mit und lassen keinen Raum mehr für Investitionen. Das macht es umso schwieriger, Vermögen aufzubauen.

Der erste Schritt ist es daher, die Ausgaben zu kontrollieren. Finanz-Apps oder ein altmodisches Kostentagebuch aus Papier können helfen, den Überblick zu wahren. Noch besser, man steigert langfristig die Einnahmen, erhöht aber die Ausgaben nicht oder zumindest nicht in gleichem Maße.

Tipp 3: Streuung des Vermögens

34 Prozent der Deutschen besitzen Aktien oder Fondsanteile. Im Jahr 2017 lag die Quote erst bei 24 Prozent. Das besagt eine Studie der „Aktion pro Aktie“, einem Zusammenschluss von Comdirect, Consorsbank und ING Deutschland.

Wertpapiere eignen sich langfristig hervorragend für den Vermögensaufbau, dafür muss man nur einen Blick auf die Wertentwicklung der großen Indizes in den letzten Jahren und Jahrzehnten werfen. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich vor allem sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). ETFs bilden einen Index ab, zum Beispiel den deutschen Leitindex DAX oder den amerikanischen Dow Jones. So wie sich der zugrunde liegende Index entwickelt, so entwickelt sich auch der ETF. Weil sie passiv verwaltet werden, fallen für ETFs vergleichsweise geringe Gebühren an.

Aktien und ETFs

„Grundsätzlich empfiehlt es sich immer, das Risiko durch Investments in einen Fonds zu reduzieren, anstatt das Geld auf wenige Aktien zu verteilen“, sagt Simon Westendorf. „Wer dennoch unbedingt die heißen Tipps von Freunden oder der Zeitung umsetzen will, dem rate ich, maximal 50 Prozent in Einzeltitel und 50 Prozent in einen Fonds zu investieren.“

Das Grundprinzip heißt Risikostreuung. Der Index MSCI World zum Beispiel enthält Aktien von rund 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern – eine extrem breite Streuung. Gehen ein oder zwei Unternehmen pleite, fällt das kaum ins Gewicht. Die Aktie eines Einzelunternehmens kann dagegen jederzeit in den ungebremsten Sturzflug übergehen. „Berufsanfänger investieren oft den gleichen Betrag in einen ETF und in eine Einzelaktie. Da stimmt das Gleichgewicht nicht“, sagt Peter Gorynski.

Wie viele Aktien sollte ich in meinem Portfolio halten?

Fortgeschrittene achten bei der Wahl eines ETFs neben den Gebühren insbesondere auf die Zahl und Zusammensetzung der Einzeltitel. Anleger können in verschiedene Länder oder Regionen (z.B. Europa, Asien, die ganze Welt), Branchen (Videospiele, Biotech) oder Strategien (Growth, Value, Dividenden) investieren.

Tagesgeld und Sparbuch

Der Aktienmarkt ist gerade in Zeiten, in denen Festgeld- und Tagesgeldkonten kaum noch Zinsen abwerfen, attraktiv. Sogar für das gute alte Sparbuch verlangen die ersten Großbanken in Deutschland ab einem bestimmten Anlagebetrag Negativzinsen. Staatsanleihen wiederum sind eher etwas für ältere oder institutionelle Anleger, die ihr Risiko verringern und noch breiter streuen wollen. Wer auf Nummer sicher gehen will, mischt seinem Depot noch ein wenig Gold bei.

Allerdings sind die Mini-Zinsen nicht in Stein gemeißelt. Sobald die Europäische Zentralbank (EZB) von ihrer Ultraleichtgeld-Politik abrückt, steigen die Zinsen wieder. Dann könnte es Sinn ergeben, wieder mehr Geld aufs Tagesgeldkonto zu packen. Denn sicherer als eine Aktienanlage ist das in jedem Fall.

Tipp 4: Sparbeträge erhöhen – zum Beispiel nach der Gehaltserhöhung

Im neuen Job bauen Berufsanfänger schnell Routinen auf. Gut, wenn sie das auch in punkto Geldanlage beherzigen. Am einfachsten ist, sie investieren Monat für Monat einen festgelegten Beitrag, zum Beispiel 50 oder 100 Euro in einen ETF-Sparplan. Noch besser, sie erhöhen diesen Betrag ab und zu – nach einer Gehaltserhöhung etwa. Wer die Geldanlage automatisiert, erleichtert sich die Arbeit. Überweisungsaufträge oder Gänge zur Bank werden überflüssig. Nicht mal auf den Kontostand ihres Portfolios müssen Anleger ständig schauen, raten Experten. Einmal oder zweimal Jahr – das reiche aus.

Cost-Average-Effekt

„Eine gute Idee ist es, eine Einmalanlage mit einem Sparplan zu kombinieren“, sagt Peter Gorynski. Einen größeren Betrag anlegen und dann beständig nachbuttern. So könne man zudem von dem Cost-Average-Effekt profitieren. Wer für einen festen Betrag im Monat investiert, bekommt mehr Anteile, wenn der Kurs des gewählten Fonds fällt. Steigt der Kurs, wandern entsprechend weniger Anteile ins Depot.

Aber Achtung: Berufsstarter sollten nicht übers Ziel hinausschießen, auch wenn sie große finanzielle Ambitionen haben. „Die wichtigste Botschaft ist: Nicht zu knapp kalkulieren“, sagt Gorynski. „Lieber 100 oder 200 Euro weniger sparen, dafür aber kontinuierlich.“ Andernfalls könne es passieren, dass man in Zeiten der Not sein Depot plündern muss. Das ist toxisch – fürs Konto und für die Seele.

Zinseszins-Effekt

Schließlich ist es vor allem der Zinseszinseffekt, der den Kontostand auf Dauer in die Höhe treibt. Zinseszinsen sind Zinsen, die auf Zinserträge gezahlt werden. Beim Zinseszins steigt der Wert des angelegten Geldes nicht linear, sondern exponentiell. Und exponentielles Wachstum ist exakt das, was bei Corona niemand sehen will, auf dem eigenen Konto aber jeder sehen will.

Simon Westendorf

Simon Westendorf ist Portfolio Manager bei der StarCapital AG.

Foto: StarCapital

Tipp 5: Erste Gehalt riskieren

Ein Hochschulabsolvent steigt meist irgendwann zwischen 20 und 30 Jahren ins Berufsleben ein. Und hat noch viel Zeit, um sich eine goldene Nase zu verdienen. „Je jünger ich bin, desto mehr Schwankungen kann ich aushalten“, sagt Peter Gorynski. Jüngere Menschen können größere finanzielle Risiken eingehen als ältere, weil sie noch genügend Zeit haben, um mögliche Rückschläge wettzumachen.

Mit Bitcoins zocken

Wer schnell reichen werden will, MUSS sogar ins Risiko gehen. So konnten Anleger, die vor einiger Zeit in Bitcoins – oder auch in sogenannte Meme-Aktien wie die von GameStop – investierten und rechtzeitig wieder ausstiegen, auf einen Schlag ein Vermögen machen. Zocker können das auch weiterhin tun, sollten sich die Konsequenzen aber vor Augen führen. Aus der Türkei etwa, die unter dem anhaltenden Lira-Verfall leidet, erreichen uns Gruselgeschichten über Menschen, die ihre Wohnungen verkauft und alle Ersparnisse über eine Handelsplattform in Bitcoins gesteckt haben. Der CEO floh nach Albanien, das Geld ist wohl unwiederbringlich weg. Die Faustregel lautet: Je größer die Rendite, desto größer das Risiko. Und je größer das Risiko, desto größer die Wahrscheinlichkeit, hinterher mit leeren Händen dazustehen.

„Das lang ersehnte erste Gehalt würde ich auf keinen Fall ins Casino tragen, und dass obwohl die Chance hier größer ist, reich zu werden als langfristig mit Bitcoin“, so Westendorf mit einem Augenzwinkern.

Trotzdem muss es gar keine schlechte Idee sein, in Bitcoins oder andere Kryptowährungen zu investieren. Es muss ja nicht gleich alles sein, was man auf der hohen Kante hat. Wenn ein bis fünf Prozent des Portfolios aus Kryptos bestehen, stellt das vermutlich kein überzogenes Risiko dar. Und auch bei ETFs und Investmentfonds sind die Risiken ungleich verteilt. Ein Fonds, der sich auf ein Nischenthema stürzt, birgt ungleich höhere Chancen UND Risiken als einer, der einen breiten Index abbildet.

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„Noch im Studium hatte ich meine letzten eisernen Reserven an Bitcoins verkauft, um meiner damaligen Freundin einen Verlobungsring zu kaufen“, erzählt Simon Westendorf. „Damals lag der Bitcoinpreis noch bei 500 US-Dollar und ich hatte schon eine sehr gute Rendite gemacht. Heute erinnere ich meine Frau gerne daran, dass die verkauften Bitcoins heute nicht nur für einen größeren Ring oder einen Sportwagen, sondern sogar für kleines Haus gereicht hätten.“

Was Sie über NFT wissen müssen

Für Berufsstarter bedeutet das: Wer einen soliden Plan hat, kontinuierlich investiert und breit streut, kann sich – ein gutes Nervenkostüm vorausgesetzt – auch einen Schuss Risiko leisten.

Ein Beitrag von:

  • Sebastian Wolking

    Sebastian Wolking Porträt

    Sebastian Wolking ist freier Journalist und schreibt vorwiegend über Karrierethemen.

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