Gehalt 08.11.2013, 01:00 Uhr

Höheres Honorar – Neue Regelung für Ingenieure und Architekten

Die Grundlagen für ein mögliches Honorar im Bauwesen sind gesetzlich festgelegt – und wurden neu geregelt. Allerdings profitieren nicht alle Ingenieure und Architekten von den Änderungen. Wer selbstständig tätig ist, sollte über die entsprechenden Entwicklungen jederzeit gut informiert sein.

Vom höheren Honorar profitieren nicht alle.

Vom höheren Honorar profitieren nicht alle.

Foto: panthermedia.net/coolfonk

Wenn junge Ingenieurstudenten heutzutage ihren Abschluss in der Tasche haben und sich fragen, wie sie ins Berufsleben starten und welches Honorar sie erwarten, stoßen sie auf einen vielversprechenden Arbeitsmarkt. Die Nachfrage nach im Bauwesen tätigen Ingenieuren ist groß. Insbesondere im Hoch- und konstruktiven Ingenieurbau sowie im Straßenbau und Verkehrswesen gibt es seit 2003 eine positive Entwicklung. Aufgrund niedriger Zinsen floriert das Baugeschäft, die energetische Sanierung von Gebäuden und der Trend zum barrierefreien Wohnen sorgen für Aufträge und langfristige Perspektiven, gerade auch für Frauen, die sich in wachsender Zahl auch zu im Bauwesen tätigen Ingenieurinnen ausbilden lassen.

Die Honorar-Entwicklung für Bau- und Vermessungsingenieure oder Architekten hinkte dagegen bislang hinterher. Darüber hinaus variieren die Einstandsgehälter und die weitere Gehaltsentwicklung regional, hängen etwa vom Zuschnitt des Aufgabenfelds ab, davon, ob jemand selbständig oder abhängig beschäftigt ist, von der Unternehmensgröße und den Auftragsvolumina. Das klassische Einstiegsgehalt für einen Bauingenieur gibt es deshalb nicht.

Honorar für Ingenieure und Architekten wurde angehoben

Die Anfang Juni vom Bundesrat verabschiedete Novelle zur Honorar-Ordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) soll die Bedingungen nun deutlich verbessern: Durchschnittlich um 17 Prozent ziehen die Honorare an. Zugleich wurden die Leistungsbilder, die bislang dem Stand der Technik der 1970er Jahre entsprachen, den modernen Arbeitsweisen und -bedingungen angepasst. So folgen die Anforderungen an Planung und Umsetzung heute deutlich höheren Vorgaben an Energieeffizienz oder Normenwerk als in der Vergangenheit. Aktuell werfen da etwa die erneut verschärfenden Einsparvorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) ihre Schatten voraus.

Der Verweis auf die oben genannte Anhebung beim Honorar für Ingenieure gilt freilich nur mit der Einschränkung, dass längst nicht alle Bereiche der Bauingenieurtätigkeiten davon gleichermaßen profitieren. „Durchschnittlich“ bedeutet so – je nach Leistungsbild – Schwankungen von fünf bis über 30 Prozent. Zwar wurden Baupreisentwicklung, Sach- und Personalkostenentwicklung bei der Ermittlung der Honorare berücksichtigt. Erste Kommentierungen werfen indes die Frage auf, ob die hierfür herangezogene Datengrundlage ausreichend bemessen worden sei.

Vom höheren Honorar profitieren nicht alle Ingenieure

Die HOAI stellt bindendes Preisrecht dar. Allerdings sind längst nicht alle Planungsfelder des Bauwesens davon betroffen. So blieb die bereits mit der HOAI-Novelle 2009 erfolgte Ausgliederung zahlreicher Planungsleistungen in einen als Anlage 1 bezeichneten unverbindlichen Teil bestehen. Die hiervon betroffenen Leistungen wurden lediglich mit Preisempfehlungen versehen und als sogenannte „Beratungsleistungen“ grundsätzlich für Verhandlungen über ein Honorar zwischen Bauherren und Ingenieuren geöffnet. Der Versuch, dies im Zuge der HOAI-Novelle 2013 rückgängig zu machen, ist gescheitert.

Der Beschluss des Bundesrates zum Thema Honorar geht davon aus, dass durch die HOAI-Novelle Planungen der öffentlichen Hand teurer werden. Die Bundesregierung soll zwei Jahre lang die Kostenentwicklung evaluieren und daraus zukünftige Schritte für eine Weiterentwicklung der HOAI ableiten. Angesichts kostensteigernder Länderregelungen zu Tariftreue und Mindestlöhnen bei öffentlichen Aufträgen mag die knappe Entscheidung des Ländergremiums auf die allgemeinen Sparzwänge zur Einhaltung der Schuldenbremse bis 2020 zurückzuführen sein.

Ingenieure müssen über die Entwicklungen beim Honorar informiert sein

Immerhin erkennen die Länder an, dass die HOAI einen verlässlichen Kostenrahmen für Planungen der öffentlichen Hand darstellt. Dies stimmt allerdings nur, wenn die Einzelleistungen entlang der HOAI ausgeschrieben und abgerechnet werden, also nicht der Preis als alleiniges Zuschlagskriterium definiert wird. Es bleibt daher abzuwarten, wie sich die Steigerungen auf das Honorar der Ingenieure auswirken.

Für den Büroalltag und die Gestaltung von Ingenieurverträgen ist die HOAI 2013 eine unverzichtbare Grundlage. Eine HOAI-Textausgabe mit amtlicher Begründung sollte zum Handwerkszeug der im Bauwesen tätigen Ingenieure gehören, die ein Honorar abrechnen. Eine solche Ausgabe gibt es unter anderem von der Bundesingenieurkammer und dem Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung e.V. (AHO). Die Ingenieurkammern und ihre Bildungseinrichtungen bieten überdies regelmäßig Fortbildungen zur HOAI an.

Von Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer-Bau NRW

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