Gehaltsstudie 2018 26.04.2018, 09:23 Uhr

Wie viel Maschinenbauingenieure verdienen

Ingenieure im Maschinen- und Anlagenbau verdienen gut. Doch Vorsicht bei der Gehaltsforderung: Der Gehaltspoker hält nicht nur Trümpfe bereit.

Zwei Männer in der Produktion

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Höhe des Gehaltes.

Foto: panthermedia.net/nd3000

Von guten Gehältern im Maschinen- und Anlagenbau profitierten sowohl berufserfahrene Maschinenbauingenieure als auch Berufseinsteiger. Beide konnten ihre Gehälter im Vergleich zum Vorjahr steigern. Die Entwicklung des eigenen Gehalts hängt jedoch neben der Berufserfahrung von weiteren Faktoren ab, die man selbst beeinflussen kann. Das ergibt die aktuelle Gehaltsstudie von ingenieur.de „Ingenieureinkommen 2002-2017“.

Einflussfaktoren auf das Entgelt eines Maschinenbauingenieurs

Außerdem finden Sie im Text Hinweise zu den Gehältern von Maschinenbauingenieuren in der Schweiz und in Österreich.

Gehaltsvergleich: Gehälter von Maschinenbauingenieuren stabil

Der Maschinenbau als größter industrieller Arbeitgeber Deutschlands beschäftigte zuletzt 1,01 Millionen Menschen. Darunter traditionell viele Ingenieure. Die Gehaltsstudie von ingenieur.de definiert Ingenieure als – im Gegensatz zu den Berufseinsteigern – Arbeitnehmer mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung. Sie haben an, im Jahr 2017 ein Jahreseinkommen von durchschnittlich 67.160 Euro im Maschinen- und Anlagenbau erhalten zu haben.

Im Vergleich zu den Ingenieurkollegen in anderen Branchen liegen die Maschinenbauingenieure im soliden Mittelfeld. Wesentlich mehr Jahresgehalt erzielen die Ingenieure in der Chemie- und Pharmaindustrie (81.550 Euro) sowie im Fahrzeugbau (72.500 Euro). Vergleichbar sind die Löhne der Maschinenbauingenieure hingegen mit denen in der Elektronik und Elektrotechnik, der Energieversorgung und der Informationstechnologie.

Gehälter für Ingenieure 2017 in Euro
Brutto-Jahresentgelt nach Branchen
Chemie- und Pharmaindustie 81.553
Fahrzeugbau 72.500
Maschinen- & Anlagenbau 67.157
Energieversorgung 67.010
Elektronik & Elektrotechnik 65.491
Informationstechnologie 58.304
Baugewerbe 56.040
Ingenieur- & Planungsbüros 51.000
Quelle: Gehaltstest für Ingenieure 2017, www.ingenieur.de/gehaltstest/

Einstiegsgehälter: Masterabschluss bei Personalern beliebt

Wer am Anfang seiner Karriere steht, muss in allen Branchen mit einem erheblich niedrigeren Gehalt rechnen als die erfahrenen Kollegen. Im Maschinen- und Anlagenbau etwa verdienen Berufsanfänger mit einem abgeschlossenen Studium durchschnittlich 48.225 Euro im Jahr. Absolventen des Studienfachs Maschinenbau, die später in allen möglichen Branchen unterkommen, verdienen dagegen im Schnitt 49.300 Euro.  Das Einstiegsgehalt von Maschinenbauabsolventen bewegt sich damit auf dem Niveau der üblichen Vergütung für Berufseinsteiger aller Ingenieurbranchen.

Wenn man die Vergütung nach Art des Studienabschlusses vergleicht, erkennt man, was Bologna beabsichtigte. Masterabsolventen wurden von den Personalentscheidern 2017 zwischen 49.775 Euro (Uni und TH) und 48.700 Euro (FH) Bruttojahresentgelt eingestuft. Damit liegen sie mittlerweile zuverlässig über, bzw. gleichauf mit den Diplomingenieuren. Die Bachelorabsolventen liegen im Schnitt 4.500 Euro darunter. Sie kamen auf ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 44.600 Euro brutto.

Neben dem Studienfach und dem Abschluss spielt aber offenbar auch die Art der Hochschule eine Rolle. Bei Bachelorabsolventen macht sich dieser Unterschied nicht so sehr bemerkbar, wohl aber bei Master- und Diplomingenieuren. So verdienen Master-Ingenieure mit Fachhochschulabschluss beim Einstieg in den Arbeitsmarkt im Mittel 1.000 Euro weniger als ihre Mitbewerber von Universitäten und Technischen Hochschulen. Bei Diplomingenieuren zeigt sich ein ganz ähnliches Bild.

Blick ins Nachbarland Österreich

In Österreich scheinen Ingenieure deutlich weniger zu verdienen als in Deutschland. Für einen Maschinenbauingenieur weist lohnanalyse.ch ein durchschnittliches Einstiegsgehalt von 40.650 Euro aus, was den Angaben des Gehaltskompass des österreichischen Arbeitsmarktservice entspricht. Die Lebenshaltungskosten entsprechen in etwa denen in Deutschland. Dafür haben die österreichischen Arbeitnehmer einen gesetzlich festgelegten Urlaubsanspruch von fünf Wochen, also 25 Werktagen. In Deutschland beträgt der gesetzliche Mindestanspruch 20 Tage. Selbstverständlich können die Arbeitgeber sowohl in Österreich als auch in Deutschland großzügiger sein mit dem Erholungsurlaub als gesetzlich vorgesehen – verhandeln hilft also, insbesondere da viele Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau sich an einen Tarifvertrag mit 25 Urlaubstagen anlehnen.

Mitarbeiterverantwortung zahlt sich aus

Verhandeln kann, wer etwas mitbringt – etwa Berufserfahrung oder Kenntnisse in der Personalführung. Dann kann man die üblichen Einstiegspositionen des Fach- und Projektingenieurs überspringen und eine höher dotierte Position anstreben. Während sich die Gehaltsunterschiede zwischen den Hochschulabschlüssen über die Zeit ausgleichen, gewinnen Positionswechsel an Wert: Über alle Berufsjahre gerechnet kommt ein Projektingenieur im Maschinenbau beispielsweise auf ein Jahreseinkommen von 55.000 Euro. Ein Projektmanager verdient 68.100 Euro und ein Teamleiter erhält im Durchschnitt 77.000 Euro.

Jahresgehalt im Maschinenbau nach Position
Projektingenieur 55.000 Euro
Projektmanager 68.100 Euro
Abteilungsleiter 90.000 Euro
Quelle: Gehaltstest für Ingenieure 2017, www.ingenieur.de/gehaltstest/

Diese Steigerung hat zum einen mit der zunehmenden Berufserfahrung und eventuell langjähriger Betriebszugehörigkeit zu tun. Vor allem zahlt sich aber die Mitarbeiterverantwortung aus. So erhält ein Teamleiter bzw. eine Teamleiterin mit 20 bis 25 Mitarbeitern rund 27,5 % mehr Durchschnittsgehalt als ein Kollege bzw. eine Kollegin, der oder die weniger als fünf Mitarbeiter führt. Bei einem Abteilungsleiter macht der Sprung von unter fünf zu über 50 geführten Mitarbeitern im Schnitt ein Gehaltsplus von 23 % aus.

Diese Angaben lassen sich natürlich nicht von der Berufserfahrung trennen, da kein Hochschulabsolvent als Abteilungsleiter einsteigt. Daneben spielt auch der Einsatzbereich eine wichtige Rolle, im Vertrieb etwa stehen die Chancen auf eine hohe Vergütung am besten. Dort gibt es aber auch die höchsten variablen Anteile, dazu kommen wir später.

Die Faustregel zur unternehmensinternen Gehaltssteigerung lautet jedenfalls: Je mehr Personalverantwortung mit einer Position einhergeht, desto höher fällt das Gehalt aus.

Je größer das Unternehmen, desto höher das Gehalt

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor für die Höhe des Gehalts ist die Wahl des Arbeitgebers. Hier lässt sich folgende Regel ableiten (von der es glücklicherweise immer Ausnahmen gibt): Große Unternehmen zahlen mehr als kleine. Schon deshalb, weil sie häufiger tarifgebunden sind. In Zahlen: Berufseinsteiger kommen in kleinen Unternehmen mit höchstens 50 Mitarbeitern derzeit auf jährlich 44.100 Euro. Darunter sind auch viele Ingenieurdienstleister und Ingenieurbüros. Großunternehmen aus der Industrie wie Audi, Siemens, Bosch oder ThyssenKrupp zahlen im Schnitt deutlich mehr. Der Gehaltsunterschied für Einstiegspositionen zwischen kleinen und großen Arbeitgebern beträgt statistisch gesehen um die 10.000 Euro im Jahr.

Die Grafik zeigt, dass Arbeitnehmer, die tariflich entlohnt werden in etwa dasselbe verdienen wie solche, die außertariflich eingruppiert sind. Das wird aber nur sichtbar, weil die Untersuchungsteilnehmer beim Gehaltstest auch ihre wöchentlich geleistete Arbeitsbelastung angegeben haben (nicht zu verwechseln mit der vertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit). Würde man die Arbeitszeit außer Acht lassen und nur die Gehaltsdaten zu Rate ziehen, verdienten außertariflich Beschäftigte und leitende Angestellte deutlich mehr. Sie leisten aber im Schnitt vier bis fünf Arbeitsstunden mehr in der Woche als tariflich Beschäftigte, ihr Verdienst verringert sich daher, wenn man ihn auf eine 40-h-Woche umrechnet. Das wurde für die Grafik gemacht.

Regionale Gehaltsunterschiede: Ballungszentren zahlen sich aus

Trotz der vielen Durchschnittswerte: Die Ingenieurgehälter sind keineswegs einheitlich in Deutschland. In wirtschaftlichen Ballungszentren beispielsweise sind sie deutlich höher als in ländlicheren Regionen. Wer eine Stelle in Rhein-Main, Hannover oder Stuttgart hat, kann sich glücklich schätzen. In diesen Regionen werden landesweit die höchsten Jahresgehälter gezahlt. In Dresden oder Berlin müssen sich Ingenieure dagegen auf ein geringeres Gehaltsniveau einstellen, wobei dort immerhin auch die Lebenshaltungskosten geringer sind.

Neben den Unterschieden zwischen Stadt und Land zeigt die Landkarte der Gehälter ein deutliches West-Ost-Gefälle. Ingenieure in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Teilen von Sachsen-Anhalt verdienen wohl per se weniger als ihre Kollegen in Baden-Württemberg, Hessen, Bayern oder Nordrhein-Westfalen. Das Nord-Süd-Gefälle scheint dagegen immer schwächer zu werden.

Bei diesen Zahlen sollte man eines beachten: Gerade hoch spezialisierte Mittelständler suchen vorwiegend ganz spezielle Fachkräfte, die sie entsprechend entlohnen. Außerdem gibt es in einigen Gebieten sehr starke Cluster für Maschinenbau, etwa in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Thüringen. Wer sich also als Spezialist in einem Fachgebiet profilieren kann, wird auch in den Regionen, die ein mäßiges Gehaltsniveau aufweisen, eine pralle Lohntüte erwarten dürfen.

Ingenieure in der Schweiz: Kein Grund, neidisch zu werden

Im Vergleich zur Schweiz wirken die meisten deutschen Gehälter irgendwie mickrig. Ein Maschinenbauingenieur verdient dort durchschnittlich (Berufserfahrene und Einsteiger zusammengerechnet) 92.300 CHF, das sind etwa 77.244 Euro. Dafür hat der alpenländische Kollege allerdings weniger Urlaubsanspruch, nämlich 25 Werktage. Und auch die enormen Lebenshaltungskosten in der Schweiz trüben die guten Verdienstaussichten: Um den Lebensstandard eines durchschnittlichen deutschen Maschinenbauingenieurs zu erreichen, muss der Kollege im kleinen Alpenland rund 65.000 Euro verdienen, so das Gehaltsportal lohnanalyse.de. Ein Großteil des Gehaltsplus geht also für Energie, Miete, Bekleidung und Lebensmittel drauf.

Zusatzqualifikationen: Auslandserfahrung steigert das Gehalt

Wer unabhängig vom jeweiligen Lohnniveau ins Ausland möchte, wird davon langfristig profitieren – persönlich wie beruflich. Auslandserfahrung wirkt sich nämlich äußerst positiv auf das Gehalt von Ingenieuren aus. Wer mindestens ein Jahr im Ausland verbracht hat, um dort zu arbeiten, verdient über alle Positionen hinweg mehr als die daheimgebliebenen Kollegen. Bei Projektmanagern etwa kann die im Ausland gesammelte Erfahrung bis zu 15 % mehr Gehalt einbringen.

Anders als man vermuten könnte, wirken sich sonstige Zusatzqualifikationen nicht in dem Maß aus wie die Mitarbeiterverantwortung und die Auslandserfahrung. Viele Zusatzqualifikationen wie eine Fortbildung zum Schweißfachingenieur oder Gefahrgutbeauftragten, spezielle IT-Kenntnisse oder Patente dürften aber entweder zum durchschnittlichen Anforderungskatalog dazugehören nur für spezielle Tätigkeiten gefragt sein und deswegen statistisch nicht aufs Gehalt ausstrahlen. Dass jeder Dritte Ingenieur dagegen ein Zweit- oder Zusatzstudium absolviert, offenbart nur die Notwendigkeit des Ingenieurberufs, sich immer wieder neues Wissen anzueignen.

Variable Vergütung bleibt in vielen Positionen gering

Immer mehr Ingenieure beziehen variable Vergütungsanteile. Im Branchendurchschnitt erhielten 2017 knapp die Hälfte der Ingenieure mit Berufserfahrung einen variablen Gehaltsanteil. Bei den Berufseinsteigern schwankt die Zahl Jahr für Jahr, zuletzt waren es rund 35 %.

Im Maschinen- und Anlagenbau liegt der variable Vergütungsanteil am Jahreseinkommen 2017 bei durchschnittlich 7 %, im Vorjahr waren es noch 8,2 %. Das obere Quartil dürften Ingenieure im technischen Vertrieb sowie im technischen Verkauf beisteuern: In diesen Einsatzbereichen sind die variablen Anteile an den Ingenieurgehältern mit 11,8 % vergleichsweise hoch.

Als Faustregel gilt: Je verantwortungsvoller die Position, desto höher sind auch die variablen Vergütungsbestandteile.

Fazit: Flexibilität lohnt sich auch finanziell

Maschinenbauingenieure konnten ihr Gehalt in den letzten Jahren im Schnitt kontinuierlich erhöhen. Zuletzt gab es einen Zuwachs von 6,6 % bei den berufserfahrenen Ingenieuren und ein Plus von 4 % bei den Beschäftigten, die gerade erst von den Hochschulen in die Unternehmen kamen. In der Realität partizipierten nicht alle Ingenieurinnen und Ingenieure gleichermaßen von dieser Entwicklung: Je nach Unternehmensgröße, Position und Region weichen die Gehälter im Maschinen- und Anlagenbau stark von den hier genannten Durchschnittswerten ab. Diese beruhen auf den tatsächlichen Gehaltsdaten von 15.112 Ingenieurkolleginnen und –kollegen aus dem vergangenen Jahr.

Der große Vorteil von Maschinenbauingenieuren: Sie gehören zu den flexibelsten Ingenieuren und sind an keinen Industriezweig gebunden. Welche Bandbreite einem Maschinenbauingenieur zur Verfügung steht, sehen Sie in unseren Stellenangeboten.

Flyer zur Gehaltsstudie 2018

Auszug aus der Gehaltsstudie „Ingenieureinkommen 2002-2017“ kostenfrei herunterladen.

Von Lisa Schneider
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