Gehaltsstudie 2018 23.04.2018, 07:00 Uhr

Wie viel verdienen Elektroingenieure?

Ingenieure in der Elektronik und Elektrotechnik gehören zu den Gutverdienern in Deutschland. Ein Blick auf die Gehaltsdaten Tausender Kollegen zeigt: Vom Aufwärtstrend profitierten zuletzt Berufserfahrene und -einsteiger gleichermaßen.

Platine in grün

Ein Studium der Elektrotechnik lohnt sich.

Foto: panthermedia.net/Aguaviva

Für einen Elektroingenieur, bzw. eine Elektroingenieurin, machen sich insbesondere Berufserfahrung und Mitarbeiterverantwortung auf dem Gehaltszettel bemerkbar. Das geht aus der aktuellen Gehaltsstudie des TechnikKarriereNews-Portals ingenieur.de hervor, an der zuletzt über 15.112 Ingenieure und ITler aus Deutschland teilnahmen. Die komplette Studie „Ingenieureinkommen 2002 – 2017“ gibt es hier.

Gehaltsvergleich: Jahreseinkommen in der Elektronikbranche um 7% gestiegen

Heute ist es unvorstellbar, doch einst waren sie die Geringverdiener unter den Ingenieuren. Mit der zunehmenden Automatisierung ist elektrotechnisches Know-how jedoch in allen Branchen gefragt, die Vergütung von Elektroingenieuren kennt folglich nur noch eine Richtung: bergauf. Zuletzt legten die Elektroingenieure sogar einen eklatanten Gehaltssprung von 6,7% hin. Damit lagen sie 2017 bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 65.491 Euro, das ist das solide Mittelfeld der Ingenieurberufe.

Die mit Abstand höchste Vergütung weist die Chemie- und Pharmaindustrie auf, die ihre Ingenieure im Schnitt mit 55.350 Euro Brutto-Jahresgehalt beglückt. Deutlich höher fallen auch die Gehaltszettel von Ingenieuren aus dem Fahrzeugbau aus. Vergleichbar sind die Gehälter der Elektroingenieure hingegen mit denen aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Energieversorgung.

Gehälter für Ingenieure 2017 in Euro
Brutto-Jahresentgelt nach Branchen
Chemie- und Pharmaindustie 81.553
Fahrzeugbau 72.500
Maschinen- & Anlagenbau 67.157
Energieversorgung 67.010
Elektronik & Elektrotechnik 65.491
Informationstechnologie 58.304
Baugewerbe 56.040
Ingenieur- & Planungsbüros 51.000
Quelle: Gehaltstest für Ingenieure 2017, www.ingenieur.de/gehaltstest/

Einstiegsgehalt ebenfalls um 2% gestiegen

Frischgebackenen Absolventen zahlen Arbeitgeber der Elektronik und Elektrotechnik zurzeit ein durchschnittliches Jahresgehalt von 49.300 Euro brutto. Das bedeutet ein Lohnplus von durchschnittlich 2,3% im Vergleich zum Vorjahr. Und das, obwohl das Einstiegsgehalt der Branche zu Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002 bei mickrigen 35.050 Euro lag. Das war sogar deutlich weniger als das Durchschnittseinkommen aller Jungingenieure zu der damaligen Zeit. Seither hat sich das erste Gehalt für Elektroingenieure – abgesehen von einem kleinen Dämpfer im Jahr 2011 – kontinuierlich gesteigert.

Allerdings muss man differenzieren. Ein Absolvent, der als Trainee einsteigt, verdient wesentlich weniger als sein Kommilitone, der direkt als Projekt- oder Fachingenieur angestellt wird. Hinzu kommt, dass Arbeitgeber die Studienabschlüsse in unterschiedliche Gehaltsklassen eingruppieren.

Als Faustregel gilt: Der Master ist mittlerweile der am höchsten eingruppierte Studienabschluss und liegt vor den Diplomingenieuren und vor den Bachelorabsolventen. Etwas pokern können in ihren Gehaltsverhandlungen zudem Ingenieure aus Unis sowie Technischen Hochschulen, sie werden von Personalentscheidern etwas höher eingruppiert als FH-Absolventen. Am besten werden aber natürlich – noch weit vor den Master-Uni-Absolventen – Promovierte bezahlt.

Das Studium der Elektrotechnik gilt als eines der härtesten der Ingenieurwissenschaften, aber es lohnt sich. Wenn man auf die Einkommen angrenzender Berufsgruppen schaut, wird das deutlich. Ein Elektrotechniker verdient laut ausbildung.de im Schnitt 36.600, ein Elektroniker bringt es auf ein Jahressalär von rund 40.200 Euro.

Je größer die Unternehmen, desto voller die Lohntüte

Ein einflussreicher Faktor beim Gehalt eines Elektroingenieurs ist die Größe des Arbeitgebers. Bereits die Einstiegsgehälter zwischen kleinen Unternehmen der Elektronik und Elektrobranche und deren Big Player unterscheiden sich um bis zu 10.000 Euro. So sind Einkommen über 50.000 Euro für Elektroingenieure ohne Berufserfahrung fast nur in Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern zu erreichen. Vielleicht ist das ein Grund für die andauernde Beliebtheit von Siemens, Bosch und Festo bei Ingenieuren der Elektrotechnik.

Jobs für Elektroingenieure

Kombiniert man die Einflussfaktoren Unternehmensgröße und Karrierefortschritt, schaut man sich also etwa den Gehaltszettel eines Projektmanagers an, der in einem Großunternehmen arbeitet, fällt die Gehaltserhöhung durch Mehr-Verantwortung noch größer aus: In einem Betrieb mit weniger als 50 Mitarbeitern verdient ein Projektmanager oder auch eine Projektmanagerin im Schnitt etwa 57.407 Euro, in einem Konzern mit mehr als 5.000 Mitarbeitern kann er oder sie dagegen rund 82.721 Euro einstreichen.

Regionale Gehaltsunterschiede: Ballungszentren zahlen sich aus

Trotz der genannten Durchschnittswerte: Ingenieurgehälter sind keineswegs einheitlich in Deutschland. In wirtschaftlichen Ballungszentren beispielsweise sind sie deutlich höher als in ländlicheren Regionen. Wer eine Stelle in Frankfurt, Hannover oder im Großraum Stuttgart hat, kann sich glücklich schätzen. Diese Regionen führen die Liste der Top-Jahresgehälter an. In Dresden und Berlin müssen sich Ingenieure dagegen auf ein geringeres Gehaltsniveau einstellen.

Auf der Landkarte zeigt sich neben den Unterschieden zwischen Stadt und Land ein deutliches West-Ost-Gefälle. Ingenieure in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Teilen von Sachsen-Anhalt verdienen im Schnitt per se weniger als ihre Kollegen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen oder Hessen. Auch hier sollte man aber differenzieren: In einigen Gebieten gibt es sehr starke Cluster, etwa zur Mikroelektronik in Sachsen oder zur Schifffahrt in Kiel. Diese regional verdichteten, hoch spezialisierten Hersteller und Zulieferbetriebe suchen meist ganz spezielle Fachkräfte. Hier gilt die Faustregel: Wer sich auf ein Fachgebiet spezialisiert hat und dort als Experte auftreten kann, darf auch in Regionen mit mäßigem Gehaltsniveau ein überdurchschnittliches Entgelt erwarten.

Karriereschritte ermöglichen Gehaltssprünge

Wenn Elektroingenieure auf ein und derselben Karrierestufe verharren, wirkt sich die langjährige Erfahrung nur bedingt auf den Gehaltszettel aus. Zwar steigt die Vergütung durch zunehmende Betriebszugehörigkeit und Berufserfahrung, allerdings nicht annähernd in dem Maße, wie bei einem vertikalen Positionswechsel. Mit einem Fortschritt auf der Karriereleiter erzielen Elektroingenieure in der Regel einen deutlich höheren Gehaltszugewinn. So sind die Einstiegspositionen des Fach- und Projektingenieurs weit weniger gut dotiert als die höheren Positionen mit größerer Mitarbeiterverantwortung.

Laut der aktuellen Gehaltsstudie von ingenieur.de vergüten Unternehmen der Elektronik und Elektrotechnik ihre Einstiegspositionen mit einem jährlichen Bruttobetrag von 49.300 Euro. Die nächsten Schritte auf der Karriereleiter als Projektmanager oder Teamleiter werden mit durchschnittlich 70.200 Euro, bzw. 81.000 Euro vergütet. Als Abteilungsleiter mit Verantwortung gegenüber 20 bis 25 Mitarbeitern verdienten die Elektroingenieure der vorliegenden Studie ein Jahresgehalt von 94.800 Euro und wurden nur noch getoppt von Bereichsleitern.

Wie in anderen Branchen auch, gilt in der Elektronik und Elektrobranche die Faustregel: Eine Beförderung winkt grundsätzlich mit einer besseren Vergütung. Dieser Obolus – der eine steigende Arbeitsbelastung, bzw. zunehmende Verantwortung ausgleichen soll – fällt noch einmal höher aus, wenn der Positions- mit einem Arbeitgeberwechsel einhergeht.

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Zusatzqualifikationen: Auslandserfahrung steigert das Gehalt

Neben der Mitarbeiterverantwortung gibt es eine zweite persönlich zu beeinflussende Variable, die sich äußerst positiv auf das Gehalt von Ingenieuren auswirkt: Auslandserfahrung. Wer mindestens ein Jahr im Ausland verbracht hat, um dort zu arbeiten, verdient über alle Positionen hinweg mehr als die daheim gebliebenen Kollegen. Vor allem fachlich versierte Projektmanager sowie mitarbeiterorientierte Führungspersonen können ihre im Ausland gesammelten Erfahrungen zu Geld machen.

Anders als man vermuten könnte, wirken sich sonstige Zusatzqualifikationen wie besondere Fortbildungen, Programmier- oder CAD-Spezialkenntnisse nicht in dem Maße aus wie die Mitarbeiterverantwortung und die Auslandserfahrung.

Variable Vergütung erst spät wichtig

Die Einstiegsgehälter von Elektroingenieuren erhalten kaum variable Vergütungsanteile. Die Angaben zum Jahresgehalt beziehen sich somit in den allermeisten Fällen auf Fixgehälter. Bei vertikalem Karriereverlauf nimmt der Anteil der variablen Vergütung am Jahresgehalt jedoch merklich zu und liegt im oberen Quartil der Befragten bei 11,4%. Über alle Branchen hinweg liegen die Elektroingenieure mit einem variablen Vergütungsanteil von 7,9% des Jahresgehalts im Mittelfeld.

Fazit: Elektroingenieure profitieren von ihrer Vielseitigkeit

Ingenieure in der Elektronik und Elektrotechnik sind Gutverdiener mit einem entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Ingenieurkollegen etwa aus dem Maschinenbau oder dem Bauwesen: Um ihr Gehalt zu verbessern, können Elektroingenieure ohne Weiteres in eine andere Branche wechseln, die ihre Fachkräfte im Schnitt noch besser bezahlt. Etwa in den Fahrzeugbau, wo Elektroingenieure dank der Megatrends Elektromobilität und autonomes Fahren in großer Zahl gebraucht werden. Das spiegeln auch unsere Stellenangebote.

Vor der Gehaltsverhandlung lohnt sich zudem ein Blick in den Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie, um das Entgeltniveau der eigenen Region in Erfahrung zu bringen. Falls das angestrebte Unternehmen nicht tarifgebunden ist, gilt die Faustregel: Im Schnitt zahlen Arbeitgeber, die nicht tarifgebunden sind, 3.000 Euro bis 4.000 Euro weniger als ihre tarifgebundenen Wettbewerber. Aber wer die Kunst der Verhandlung beherrscht, kann auch diesen Nachteil locker ausgleichen.

Von Lisa Schneider
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