Einkommen 20.05.2022, 11:11 Uhr

Gehaltsverhandlung: So sorgen Sie selbst für einen Inflationsausgleich

Die Inflation steigt auf Rekordniveau und nagt am Gehalt. Eine Verhandlungsexpertin verrät ultimative Tipps, um bei der Gehaltsverhandlung selbst für einen Inflationsausgleich zu sorgen.

Maßband um Geldscheine mit Münzen

Den Gürtel enger schnallen? Mit diesen Tipps können Sie ei hoher Inflation für ein höheres Gehalt sorgen.

Foto: panthermedia.net/EdZbarzhyvetsky

Bei einer Inflationsrate von mehr als sieben Prozent bekommt die Gehaltsverhandlung eine noch größere Bedeutung. Wie die Preissteigerungen geschickt durch mehr Geld auf dem Konto ausgleichen? Ist mehr als ein bloßer Inflationsausgleich drin? Durchaus! Denn die gute Nachricht lautet: Ingenieurinnen und Ingenieure können, wenn es extrem gut läuft, manchmal ihr Gehalt sogar verdoppeln. Informatikerin und Verhandlungsexpertin Claudia Kimich erklärt, was dabei zu beachten ist – und ob es wirklich eine gute Idee ist, die galoppierende Inflation als Aufhänger für eine Gehaltsverhandlung zu nehmen.

Inflation: Gehalt richtig verhandeln

Was ist Ihr grundsätzlicher Tipp: Wie verhandelt man sein Gehalt erfolgreich nach?

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Bereiten Sie sich gut vor, kennen Sie Ihre Schmerzgrenze, Ihr Okay- und Ihr Jubelziel. Haben Sie immer eine Liste der aktuellen Projekte und Aufgaben parat – jeweils mit Ihrem Anteil daran und vor allem dem Nutzen für das Unternehmen. Das sind starke Argumente! Und das Wichtigste: Üben Sie das Verhandlungsgespräch, bis es Ihnen zu den Ohren wieder rauskommt.

Gehaltsverhandlung: Diese 3 magischen Zahlen müssen Sie kennen

Ist die Inflation ein guter Aufhänger, um beim Chef vorstellig zu werden?

Nein! Ausgehend von einem Bruttojahresgehalt in Höhe von 48.000 Euro im Jahre 2013, mit Inflation als Verhandlungsgrundlage, müsste man jetzt eine eine Steigerung von 8.242 Euro fordern. Also nicht viel. Wenn man jedoch jedes Jahr 5 Prozent verhandelt hat, ist man, wieder ausgehend von 48.000 Euro bei einer Steigerung von 26.464 Euro. Ja, die Inflationsrate ist aktuell sehr hoch. Gleichzeitig zeigt das Rechenbeispiel, dass es nur eine bedingt gute Idee ist, mit diesem Argument in die Gehaltsverhandlung zu gehen. Man würde bei nur 5 Prozent verhandelter Steigerung pro Jahr im Vergleich schon über 30 Prozent mehr verdienen, als beim Inflationsausgleich. Bedenken sollte man auch, dass man bei guter Vorbereitung mehr als 5 Prozent Steigerung erzielen kann.

Verdienen Sie genug? Erfahren Sie es in unserem Gehaltstest.

Inflation als Argument?

Unter welchen Umständen können steigende Lebenshaltungskosten durchaus ein schlagendes Argument sein?

Meines Erachtens gar nicht, beziehungsweise allenfalls, wenn es ans Existenzminimum geht. Der Deal lautet: Leistung gegen Geld.

Ingenieurgehalt: Das verdienen Ingenieure in Deutschland wirklich

Welches Gehaltsplus ist aktuell bei Ingenieurinnen und Ingenieuren drin?

Ich habe zwischen 0 und 80 Prozent schon alles erlebt. Es kommt sehr auf das Unternehmen, den oder die ChefIn und natürlich auf die Vorbereitung an. Meistens geht was. Andersfalls heißt es, Konsequenzen überdenken und eventuell auch ziehen.

Realistisches Gehaltsverhandlung angehen

Wie kann man einen realistischen Verhandlungsspielraum abschätzen?

Mein Plädoyer geht da immer zum hoch Einsteigen. Nachgeben ist leichter als aufzustocken. In der Verhandlung sollte man sein Gegenüber sehr aufmerksam beobachten. Das gibt oft den größten Aufschluss darüber, was geht und was nicht.

Gehaltserhöhung: Der beste Zeitpunkt für Ingenieure mit Berufserfahrung

Was hilft gar nicht weiter? Welche Fehler sollte man tunlichst bei Gehaltspoker vermeiden?

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Mit den gestiegenen Kosten argumentieren, ohne Vorbereitung und vor allem Üben ins Gespräch gehen, das Hinhören vergessen, sich einschüchtern lassen. Drohen zu gehen, wenn Sie es im Zweifel nicht durchziehen. Wenn Sie dreimal ein Nein kassiert und nicht nachverhandelt haben, können Sie es beim vierten Mal im Grunde gleich sein lassen, denn dann ist schon bekannt, dass Sie keine Konsequenzen ziehen werden.

Oft heißt es: Kompromisse sind der Schlüssel zum Erfolg. Was ist da dran?

Das ist eine Möglichkeit. Entscheiden Sie jedes Mal neu, dass es kein fauler Kompromiss wird. Wichtig ist dabei auch, sich seiner Schmerzgrenze bewusst zu sein und, noch viel wichtiger, bereit sein, sich zumindest ernsthaft zu bewerben, wenn das Angebot oder die Erhöhung unter den eigenen Vorstellungen liegt.

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Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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