Selbstmanagement, Selbstorganisation

Viel Zeit und Energie werden eingesetzt für Dinge, die in Bezug auf die gesamte unternehmerische und persönliche Zielsetzung wenig bringen. Sie können zwischen 60% und 70% des Leistungspotenzials einer Person verschlingen. Gegen die Erkenntnis time is money wird dabei entscheidend verstoßen. Die Gründe sind vielfältig und im eigenen Verhalten sowie der Arbeitsumgebung zu finden.

Einführung

Allgemeine Beschreibung

Aufgrund nicht vorhandener Zielsetzungen bewegen sich Fach- und Führungskräfte in unterschiedliche Richtungen. Mangels konkreter Zeitplanung wird versucht, zu viel auf einmal zu tun. Wichtige Dinge bleiben liegen oder werden verschleppt, weil sich Prioritäten eher zufällig ergeben. Der überfüllte Schreibtisch lässt weder Ablagesystem noch Ordnung erkennen. In der Unübersichtlichkeit wird möglicherweise Bedeutendes übersehen. Persönliche Neugierde, alles wissen zu wollen, und die Unfähigkeit, Aufgaben abgeben zu können, führen nicht selten zu erheblicher Arbeitsüberlastung. Weitere Punkte, die zur Mehrarbeit führen, liegen aber auch in unpräzisen oder verspäteten Informationen, was zu tun oder zu lassen ist. Wer zudem ständig bei der Arbeit gestört wird oder sich stören lässt, muss sich gleichfalls nicht wundern, wenn er während des Arbeitstages nicht genug schafft.

Auf diese Weise schleichen sich jede Menge „Zeitdiebe“ in den Tagesablauf ein. Es lohnt sich daher immer wieder, die eigene Arbeitsweise zu überdenken, „Zeitdiebe“ ausfindig zu machen und zu beseitigen. Größter Gegner bei ihrer Bekämpfung ist die Macht der Gewohnheit. Wem es gelingt, seine Ziele, Zeit und Arbeitsorganisation zu rationalisieren, erreicht für sein Unternehmen und sich selbst entscheidende Vorteile: Aufgabenerledigung mit weniger Aufwand, bessere Arbeitsergebnisse, größere Arbeitszufriedenheit und -motivation, geringeren Arbeits- und Leistungsdruck, bessere Zielbeiträge usw.

Theorie und Praxis

Nur selten sieht die Theorie wie die Praxis und die Praxis wie die Theorie aus.So können Bücher, Seminare, Fallstudien zu Schlüsselqualifikationen nicht immer vollständig alle praktischen Problemstellungen zu einem Thema und alle speziellen Randbedingungen des einzelnen Arbeitsplatzes berücksichtigen. Ausführungen aus Seminaren und Büchern treffen deshalb so gut wie nie in Reinkultur auf die Praxis zu.

Bei der Anwendung des Gelernten am Arbeitsplatz stellen sich schnell Hürden und Schranken in den Weg. Möchte man die neuen Erkenntnisse dennoch anwenden, bedarf es mehr oder weniger Phantasie. Möglicherweise muss die Reinkultur verlassen und es müssen praxisfähige Abwandlungen, z.B. von Methoden und Instrumenten, kreiert werden. Häufig reicht es auch, die wenigen Punkte aus Büchern und Seminaren heraus zu filtern und anzuwenden, die in der Praxis am ehesten weiterhelfen.

Die obige Erkenntnis sollte nicht übersehen werden, geht es um die Fähigkeiten zu den einzelnen Schlüsselqualifikationen. Sicherlich können die umfangreich dargestellten Fähigkeiten nicht komplett im Bewerbungsprozedere untergebracht werden. Das Studium der Schwerpunkte soll aber zu einer höheren Sensitivität für die Qualifikation führen. Danach muss jeder selbst entscheiden, welche Punkte für den beworbenen Arbeitgeber bedeutend sein könnten, welche er davon aufgreifen möchte und ob er dies in der schriftlichen Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch macht.

Bezeichnungen

Im Stellenangebot stehen in der Regel die Beschreibung der Aufgaben sowie die fachlichen Voraussetzungen des Bewerbers im Mittelpunkt. Anforderungen, die mehr die Persönlichkeit betreffen, werden meist in einem Katalog sich aneinanderreihender Begriffe im unteren Teil der Anzeige gebracht. Die Begriffe Selbstmanagement, Selbstorganisation, Ziel- und Zeitmanagement fallen dabei selten. Diesbezügliche Anforderungen werden mit Begriffen umschrieben wie: Selbständiger Arbeitsstil, Selbständige Arbeitsweise, Ziel- und Zeitorientierung, Ergebnisorientierter Arbeitsstil, Zielorientiertes Führen, Organisationstalent, Organisationsfähigkeit, Organisationsstärke, Systematisches Arbeiten, Strukturiertes Arbeiten,Wirtschaftliches Denken und Handeln, Unternehmerisches Denken und Handeln.

Die nachstehenden Ausführungen zeigen Ihnen, worüber Sie im Bewerbungsprozedere schreiben und sprechen sollten, um Fähigkeiten zum Selbstmanagement und der Selbstorganisation nachzuweisen.

Schlüsselqualifikation

Schwerpunkt 1

Fähigkeit zum Zielmanagement

  • Definieren von Zielen, planen von Maßnahmen, kontrollieren der Zielerreichung, überarbeiten der Ziele
  • Ableiten eigener Arbeitsziele aus den Unternehmenszielen, bei Führungskräften auch ableiten der Ziele für die Gruppe oder Abteilung
  • Sind die wirklichen Unternehmensziele nicht bekannt, was nicht selten vorkommt (Geschäftsführung, Management möchte einen Informationsvorsprung behalten), muss mit viel Geschick versucht werden, diese zu ergründen
  • Festlegen von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen und ausrichtender Arbeit nach den Zielen
  • Setzen, bewerten und schriftliches Fixieren von Arbeitszielen: qualitative, quantitative, realistische, vereinbarte Ziele, Ober- und Unterziele, Nah- und Fernziele
  • Überlegen, mit welchem Beitrag maximal zur Erreichung der Gesamtziele der Organisation, Abteilung, Gruppe usw. beigetragen werden kann
  • Einführen eines Zielsystems im zu verantwortenden Führungsbereich, dasSystem mit Leben füllen und ständig auf Aktualität überprüfen
  • Zielvereinbarungs- und Zielerreichungsgespräche zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter anregen, einführen, durchführen
  • Tagesziele aufstellen. Einstellung: Das, was ich mir vorgenommen habe, führe ich auch durch!

Schwerpunkt 2

Fähigkeit zum Zeitmanagement

  • Zeitliches durchplanen des Jahres, der Monate, Wochen und einzelnen Tage
  • Listen aller Aufgaben: Routinetätigkeiten, innovative Aufgaben, Projektaktivitäten, Informations- und Kommunikationsaktivitäten, unvorhergesehene Ereignisse, periodische Aufgaben, Reisezeiten u.a.
  • Zerlegen (Strukturieren) von größeren Aufgaben in Teilaufgaben und Einzelaktivitäten, markieren der wichtigsten Aufgaben
  • Schätzen von Zeitdauern für die Aktivitäten, festlegen von Terminen, einplanen von Reservezeiten (Pufferzeiten)
  • Festlegen, mit welcher Priorität und in welcher Reihenfolge die Aufgaben abgearbeitet werden sollen, erledigen gleichartiger Aufgaben im Block
  • Bei der Priorisierung von Aktivitäten die Präferenzen des Vorgesetzten beachten, um nicht in die „verkehrte“ Richtung zu arbeiten
  • Einarbeiten der Aktivitäten in den Terminkalender, möglicherweise Einsatz von Zeitplanungssystemen (Papierform, Software, Zeitplanungstafeln)
  • Beachten der Kapazitätsauslastung: nicht nur Termine und Uhrzeiten planen, sondern auch die entstehenden Workloads für Vorarbeiten, Durchführung, Nacharbeiten
  • Konkrete Erledigungstermine setzen und mit Vorgesetzten, Mitarbeitern, Kunden, Kollegen usw. abstimmen und ggf. anpassen
  • Entscheiden: Was kann entfallen? Was kann gekürzt werden? Wo besteht Rationalisierungspotential? Was kann delegiert, was verschoben werden?
  • Einplanen der wichtigsten Aufgaben in die effektivste Zeit: Beachten von Störkurven, Leistungskurven, ggf. Bio-Rhythmus
  • Gedanken machen über zeitfressende Aktivitäten, die wenig bringen,die einer guten Arbeitsperformance entgegenwirken

Schwerpunkt 3

Fähigkeit, Prioritäten zu setzen

  • Unterscheiden können zwischen wichtigen und weniger wichtigen Dingen: Welche Aufgaben sind erstrangig, zweitrangig usw.?
  • Wissen um das Pareto-Prinzip: 20% der Zeit bringen 80% der Arbeitsergebnisse, 80% der Zeit nur 20% der Arbeitsergebnisse
  • ABC-Denken: A-Aufgaben müssen, B-Aufgaben sollten, C-Aufgaben können erledigt werden, C Aufgaben dürfen aber nicht gänzlich wegfallen
  • Konzentrieren der Kräfte auf die wesentlichen Ziele und Arbeiten, so dass zumindest die wichtigen Dinge erledigt werden und nicht liegenbleiben
  • Entscheiden: Welche Aufgaben selbst erledigen? Welche Aufgaben delegieren? Was gehört in die Ablage „P“? Reihenfolge der Abarbeitung?
  • Konzentrieren auf Aufgaben mit hoher Dringlichkeit und Wichtigkeit sowie Aufgaben mit hoher Wichtigkeit und niedriger Dringlichkeit
  • Delegieren von Aufgaben mit hoher Dringlichkeit und geringer Wichtigkeit, ggf. auch solche mit geringer Dringlichkeit und hoher Wichtigkeit
  • Beurteilen von Arbeiten auf Effektivität bevor sie aufgenommen werden, ständiges Überprüfen der Effektivität: Lohnt sich der Aufwand?
  • Unterscheiden zwischen Arbeiten, die „perfekt“ und eher oberflächlich erledigt werden können

Schwerpunkt 4

Fähigkeit, als Führungskraft zu delegieren

  • Delegation heißt übertragen von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten an Mitarbeiter
  • Delegieren, um sich Zeit für wichtige Führungsaufgaben zu schaffen: Wer nicht delegieren kann, dem fehlt die Zeit zur Führung!
  • Beschäftigen mit Vorteilen der Delegation: Entlastung durch Nutzen der Erfahrungen anderer, entwickeln und motivieren der Mitarbeiter usw.
  • Delegieren nicht nur von Routineaufgaben, sondern auch von Aufgabenmit hoher fachlicher Bedeutung, allerdings keine entscheidenden Führungsaufgaben
  • Delegieren können an Mitarbeiter: Bessere Auslastung, bessere Nutzung deren Qualifikationen, Steigerung der Motivation, speziell der Mitarbeiter, die gefördert werden sollen
  • Kommunizieren der Erwartungen an die Mitarbeiter, an die delegiert wurde: Leistung, akzeptable Abweichungen, Zweck der Aufgabe, mögliche Probleme, Konsequenzen schlechter Erledigung
  • Mitteilen wichtiger Bedingungen zum Arbeitsablauf, einzusetzende Verfahren, Kostenrahmen, Informationspflichten
  • Bereitstellen von Hilfsmitteln, Unterlagen, Einarbeitungshilfen, Weiterqualifizierungsmöglichkeiten, festlegen von Kompetenzen
  • Abstimmen von Start- und Endzeitpunkten, Zwischenterminen, Kontrollzeitpunkten, Informations-/Berichtszeitpunkten
  • Führen des Mitarbeiters: Betreuen, unterstützen, Fragen beantworten, Rückmeldung zur Zielerfüllung u.ä., Rückdelegation vermeiden!

Schwerpunkt 5

Fähigkeit zur Arbeitsplatzorganisation

  • Rationelle Organisation des Arbeitsplatzes (Schreibtisch) und des Arbeitsplatzumfeldes – Ablagesystem schaffen und richtig einsetzen
  • Einteilen des Schreibtisches in Plätze für laufende Vorgangsbearbeitung, für sofort zu bearbeitende Aufgaben, Postausgang
  • Schaffen von Ablagen im Arbeitsumfeld: Eingangskorb, Zwischenablage, Wiedervorlage, Loseblatt-Archiv, Ordner-Archiv, Papierkorb
  • Anwenden der Regeln des rationellen Postkorbes – Prioritäten erkennen und entscheiden: Terminieren, delegieren, Mitarbeiter einbeziehen, sofort erledigen, sofort weiterleiten, Papierkorb
  • Behandeln von eingehenden Schriftstücken: Jedes Schriftstück in den Eingangskorb, jedes Papier nur einmal in den Hand nehmen, ggf. mit Verarbeitungsvermerk versehen und danach über Verbleib entscheiden
  • Vermeiden von Unordnung und Ablenkung: Nichts einfach auf dem Schreibtisch liegen lassen oder Dinge einfach nur aus Sichtweite legen
  • Leeren von Ablagen: Eingangskorb ist jeden Tag leer, der Schreibtisch jeden Tag geordnet, monatliche Altpapierstunde für die Zwischenablage,Ordner-Archiv und Loseblatt-Ablage jährlich bereinigen
  • Benutzen der Ablage „P“: 95% der Ablage werden nie wieder verwendet,daher von Dingen trennen, Ablage P ist die umfangreichste!

Nachweis im Bewerbungsprozess

Nachweis im Anschreiben

Fünf bis sieben der wichtigsten Aufgaben und Anforderungen aus der Stellenanzeige sollten im Anschreiben aufgegriffen und abgehandelt werden.
Zunächst geht es darum, die fachlichen Anforderungen abzuarbeiten. Manche Anzeigen stellen die fachlichen Anforderungen nur knapp dar. So bleibt im Anschreiben Platz, um auf Anforderungen zur Persönlichkeit einzugehen. Da diese meist in einem Katalog von Begriffen herunter gebetet werden, fällt es zunächst schwer zu entscheiden, welche Anforderungen im Anschreiben auf welche Art und Weise angesprochen werden sollen. Meist bleibt dem Bewerber nur übrig, die Anforderungen im Text zu wiederholen und eine Behauptung aufzustellen, z.B. „Mein Arbeitsstil ist selbständig, ziel- und zeitorientiert.“ Bleibt mehr Platz im Anschreiben oder will der Bewerber seine Fähigkeiten zum Selbstmanagement und der Selbstorganisation betonen, kann er weiter detaillieren: „Mein Arbeitsstil ist …. So wende ich konsequent Methoden der Ziel- und Zeitplanung an, setze Prioritäten und …“.

Nachweis im Lebenslauf

Im Lebenslauf fällt es nicht leicht, Qualifikationen zum Selbstmanagement bzw. zur Selbstorganisation einzubringen. Bei den Berufsstationen sollten fünf bis sieben wichtige fachliche Tätigkeitsschwerpunkte dokumentiert werden. Andererseits ist die Frage, ob nicht ein Schwerpunkt dem Führungs- bzw. Arbeitsstil gewidmet werden sollte, z.B.: „Zeit- und zielorientierte Führung“, „Selbständiges, organisiertes und wirtschaftliches Arbeiten“. Nun können nicht alle Persönlichkeitsanforderungen auf diese Weise im Lebenslauf aufgenommen werden. Die Erwähnung scheint nur dann sinnvoll, wenn in der Stellenanzeige die angesprochenen Themen betont wurden.

Last but not least sollten unter dem Schwerpunkt „Weiterbildung“ Seminare zum Selbstmanagement und der Selbstorganisation aufgeführt werden.

Nachweis auf der dritten Seite

Manche Bewerber fügen dem Lebenslauf eine „Dritte Seite“ bei, auf der sie hauptsächlich die Fragen abhandeln: Wer bin ich? Was will ich? Was kann ich? Unabhängig, vom Sinn oder Unsinn einer solchen Seite, sollten Ingenieure auf jeden Fall die Themen Selbstmanagement und Selbstorganisation ansprechen. Bei der Frage „Wer bin ich?“ werden in der Regel Persönlichkeitsmerkmale aufgeführt. Dazu kann jetzt eine kleine Auswahl von Begriffen gebracht werden, die auf ein professionelles Selbstmanagement schließen lassen und den Personalern aus den Anzeigen bekannt vorkommen: Selbständiger Arbeitsstil, Selbständige Arbeitsweise, Ziel- und Zeitorientierung, Ergebnisorientierter Arbeitsstil, Zielorientiertes Führen, Organisationstalent, Organisationsfähigkeit, Organisationsstärke, Systematisches Arbeiten, Strukturiertes Arbeiten, Wirtschaftliches Denken und Handeln, Unternehmerisches Denken und Handeln.

Nachweis in den Unterlagen

Bei den Bewerbungsunterlagen steht mancher vor der Qual der Wahl, geht es darum Seminar-, Trainings- und Schulungsbescheinigungen beizufügen. Kandidaten mit geringer Berufspraxis sollten Seminare zum Thema Selbstmanagement und Selbstorganisation beilegen. Erfahrene Praktiker sollten Bescheinigungen zu Themen wie Ziel- und Zeitmanagement, Delegation von Aufgaben nicht vergessen.

Nachweis im Qualifikationsprofil

Im Qualifikationsprofil stellt der Bewerber neben einer Kurzbiographie in vier oder fünf Schwerpunkten seine Berufserfahrung dar. Im Rahmen der Kurzbiographie kann eine Zeile den gesamten Persönlichkeitsmerkmalen gewidmet werden. Hier gilt es, einen interessanten Mix zusammenzustellen, in dem auch Begriffe aus dem Selbstmanagement und der Selbstorganisation fallen können. Hier ein Beispiel für einen solchen Mix: teamfähig, kommunikationsstark, zielorientiert.

Nachweis im Vorstellungsgespräch

Die Themen Selbstmanagement und Selbstorganisation werden im Vorstellungsgespräch in den seltensten Fällen direkt angesprochen. Handelt es sich jedoch um diesbezügliche Anforderungen aus der Stellenbeschreibung, ist es wahrscheinlich, dass sie bei der Gesprächsauswertung eine Rolle spielen. So wird beispielsweise gefragt, ob dem Kandidaten der geforderte zielorientierte Führungsstil oder das selbständige Arbeiten zugetraut wird. Daher sollte der Ingenieur die Themen von sich aus in seine Antworten einbauen. Das gelingt dort besonders gut, wo der Kandidat Ausführungen zu bestimmten Tätigkeiten und Projekten macht. Er kann dort Hinweise bringen, wie er Aufgaben grundsätzlich angeht, die Worte der Anzeige aufgreifen und abhandeln. Er kann aber auch selbst Fragen zu den Anforderungen stellen und sie somit ins Spiel bringen.

Nachweis in der Praxis

Eine wenig systematische Arbeitsweise wird in den ersten Tagen im neuen Job kaum auffallen. In der Regel bleibt dem Neuling viel Zeit, für die Erledigung der Aufgaben. Je mehr Aufgaben jedoch an den Ingenieur heran getragen werden und je stärker er in das daily business einbezogen wird, desto enger legt sich die Zeitschlinge um den Hals. Wie weit sich die Schlinge schließt, entscheiden die Fähigkeiten des Selbstmanagement und der Selbstorganisation. Eine gezielte Anwendung von Methoden und bekannten Einsichten führt zur Bewältigung des Workloads, zur Zufriedenheit von Mitarbeitern, Kollegen, Kunden und Vorgesetzten. Solchen Mitarbeitern traut man häufig noch mehr zu! Wer weniger professionell mit hoher Arbeitsbelastung umgehen kann, wird schnell ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil Aufgaben liegen blieben, nicht schnell genug erledigt oder übersehen werden, die Motivation der Mitarbeiter sinkt usw. Die Folgen sind Überforderung, ungesunder Stress, möglicherweise Scheitern in der Probezeit oder im weiteren Verlaufe der Unternehmenszugehörigkeit. Es lohnt daher, sich mit den Themen Selbstmanagement und Selbstorganisation zu beschäftigen.

Bedeutung

Fach-/Management Laufbahn

Fachkräfte können oft weniger stark als Führungskräfte ihre Arbeit bestimmen und steuern. Für sie dürften daher in erster Linie die Themen Zeitmanagement, Prioritäten setzen und Arbeitsplatzorganisation interessant sein. Wer einen souveränen Arbeitsstil zeigt, der empfiehlt sich zudem für höhere Aufgaben. Insofern sind die Themen nicht unbedeutend für Fachkräfte, die sich für Managementaufgaben empfehlen wollen. Für Führungskräfte spielen eher das Zielmanagement und die Delegation von Aufgaben eine wichtige Rolle. Beim Thema Delegation knicken viele Führungskräfte ein. Aus Angst hier einen Wissens- oder Bedeutungsvorsprung gegenüber den Mitarbeitern zu verlieren, wird nicht delegiert. Die Folge ist eine völlige Überlastung der entsprechenden Führungskraft bei häufig gleichzeitig nicht ausgelasteter Mannschaft. Die Folge ist auch, dass Führungskräfte, die nicht abgeben können, irgendwann keine Kapazitäten mehr für wegweisende neue Projekte im Unternehmen haben und sich dadurch mehr und mehr ins Abseits manövrieren. Wie sagte doch einmal ein Vorgesetzter, der das Geschäft der Delegation perfekt beherrschte zu einem Freund am Telefon: „Ich komme nie als Erster und gehe nie als Letzter!“

Berufsfeldspezifische Bedeutung

Die berufsfeldspezifische Bedeutung für die Schlüsselqualifikation „Selbstmanagement, Selbstorganisation“ lässt sich anhand einer Auswertung von rund 4.000 Stellenanzeigen, die im Jahr 2012 auf ingenieurkarriere.de geschaltet wurden, ableiten. In den Stellenanzeigen wurde nach Begriffen gesucht, die direkt auf die jeweilige Schlüsselqualifikation abzielen. Demnach zeigte sich für die Schlüsselqualifikation „Selbstmanagement, Selbstorganisation“ folgendes Ergebnis:

Sehr hohe Bedeutung

  • Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Anlagensicherheit
  • Montageorientierte Produktion/Verfahrenstechnische Produktion
  • Forschung und Entwicklung
  • Technische Unternehmensleitung/Geschäftsführung
  • Konstruktion
  • Qualität, Material- und Güteprüfung

Hohe Bedeutung

  • Projektmanagement
  • Technischer Einkauf
  • Logistik (Produktion, Vertrieb, Einkauf)
  • Wartung, Instandhaltung, Inbetriebnahme
  • Forschung und Lehre
  • Produktmanagement
  • Technischer Vertrieb, Technisches Marketing

Unter den 11 ausgewerteten Schlüsselqualifikationen nimmt die Schlüsselqualifikation „Selbstmanagement, Selbstorganisation“ Rang 9 ein und liegt somit im unteren Mittelfeld der Rangliste. Dennoch sind die einzelnen Fähigkeiten des Selbstmanagement und der Selbstorganisation unterschiedlich stark vertreten. Besonders gefragt ist der selbständige Arbeitsstil, gefolgt von Ziel- und Zeitorientierung und dem organisierten und methodischen Arbeiten.

Für die Berufsfelder „Engineering im Anlagenbau“, „Controlling/Kalkulation/Projektierung“ und „Facility Management“ gab es keine gesonderten Auswertungen. Die Berufsfelder „Engineering im Anlagenbau“ und Controlling/Kalkulation/Projektierung“ lassen sich wohl am ehesten mit dem Berufsfeld „Projektmanagement“, das Berufsfeld „Facility Management“ mit dem Berufsfeld „Wartung, Instandhaltung, Inbetriebnahme“ auf eine Stufe bringen.

Weiterbildungsmöglichkeiten

Seminare/Schulungen/Coaching

Wer sich in der Interaktion grundlegende Kenntnisse zum Selbstmanagement und der Selbstorganisation aneignen oder im Austausch mit Kollegen aus anderen Branchen und Unternehmen ganz einfach nur einmal eine andere Sichtweise zu verschiedenen Aspekten des Arbeitsstils einholen möchte, dem helfen Seminare der renommierten Anbieter. Die Seminare sind inhaltlich mehr oder weniger identisch. Oft sind sie direkt mit den Vokabeln Ziel-, Zeit- und Selbstmanagement oder Arbeitsplatzorganisation überschrieben. Werden andere Titel verwendet, fallen die Begriffe als Schwerpunkte in den Seminarbeschreibungen. Wenige Seminare beschäftigen sich mit den Themen Gedächtnis- und Konzentrationstraining, Rationelles Lesen u.ä. Andere Seminare lehren die Anwendung bestimmter Zeitmanagementsysteme.

Literatur

Die Literatur zu den Themen Selbstmanagement und Selbstorganisation ist umfangreich. Das Literaturstudium führt bereits sehr weit, um zu grundlegenden Erkenntnissen und Einsichten über den eigenen Arbeitsstil zu kommen. Methoden und Instrumente sind leicht zu durchschauen. Das geht auch ohne Besuch teuerer Seminare. Hier eine kleine Auswahl empfehlenswerter Bücher:

  • Nussbaum, Cordula, Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?, Campus Verlag
  • Jäger, Roland, Selbstmanagement und persönliche Arbeitstechniken, Schmidt Dr. Goetz
  • Seiwert, Lothar J., 30 Minuten für optimales Zeitmanagement. CD, Gabal Verlag GmbH
  • Lothar J. Seiwert, Noch mehr Zeit für das Wesentliche, mvg Verlag
  • Mackenzie, Alec Die Zeitfalle, Sauer Verlag

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