Kommerziell, privat, wiederverwertbar 04.07.2018, 07:11 Uhr

Ab ins All: Aktuelle Trends in der Raumfahrt

Die internationale Raumstation (ISS) wird in den nächsten Jahren das Zeitliche segnen. Gleichzeitig fliegen hunderte kleine Satelliten ins All, es sind neue Missionen zum Mond geplant und private Unternehmer wie Elon Musk wollen das Weltall kommerzialisieren. Hier sind acht aktuelle Entwicklungen in der internationalen Raumfahrt.

Künstleransicht der Vega-C

Foto: ESA/Jacky Huart

Schon ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass die ersten Menschen den Mond betreten haben. Dieser Moment, der Hollywood zu unzähligen Blockbustern inspirierte, war eine technische Sensation. Zur damaligen Zeit lieferten sich die USA und die Sowjetunion einen kostspieligen Konkurrenzkampf im All. Schneller, höher und weiter – das war die Devise. Der erste Mensch im All war ein Russe, das erste Objekt auf dem Mond auch. Die erste erfolgreiche Landung mit Personen auf dem Mond konnten sich dagegen die USA sichern. Ein paar Jahre ging das noch so weiter und dann wurde es wieder still im All. Die immensen Kosten haben die Euphorie um Arbeit und Forschung im Weltraum gedämpft. Erst nach dem kalten Krieg wurde die Raumfahrt durch erste Kooperationen zwischen verschiedenen Ländern – auch zwischen USA und Russland – wieder populärer. Doch die ganz großen Projekte blieben aus. Bis jetzt. Der Run auf den Mars ist in vollem Gange und nicht nur Staaten, sondern auch Privatleute, allen voran amerikanische Milliardäre, wollen wieder die unendlichen Weiten des Alls erkunden. Die folgenden acht aktuellen Weltall-Trends könnten gleich mehrere Durchbrüche initialisieren.

Kommerzialisierung der Raumfahrt

In der Vergangenheit waren Raumfahrtprojekte immer Sache des Staates. Doch das versuchen diese Leute seit einigen Jahren zu ändern: Bekannte Unternehmer aus den USA haben schon oft angekündigt, dass sie den Weltraum mit neuen und vor allem bezahlbaren Technologien erobern wollen. Doch in den letzten Jahren gab es tatsächlich signifikante Erfolge, die auf künftige Projekte hindeuten. Elon Musk (Tesla, SpaceX), Jeff Bezos (Amazon) und Richard Branson (Virgin Group) zählen dabei zu den herausragenden Persönlichkeiten, die sich hohe Ziele gesteckt haben. Sie testen schon seit geraumer Zeit Raketen und Weltraumflugzeuge, die auch privaten Personen den Flug ins All ermöglichen sollen. Musks Marsrakete etwa soll schon 2019 erstmals abheben. Natürlich geht es dabei um sehr wohlhabende Personen, die sich auch an der Erforschung des Mondes, des Mars und an weiteren Vorhaben beteiligen wollen. Am erfolgreichsten ist derzeit Elon Musk mit seinem Unternehmen SpaceX, was auch schon für den nächsten Trend steht.

Neue wiederverwertbare Raketen

SpaceX hat in den letzten vier Jahren mehrere erfolgreiche Flüge mit seinen Falcon-Raketen durchgeführt. Das Besondere dabei: Herkömmliche Raketen haben ihre Einzelteile nach dem Start abgeworfen und wurden irgendwann zu Weltraumschrott. SpaceX jedoch hat mit den Falcon-Modellen das Zeitalter der wiederverwertbaren Raketen eingeläutet. Den Raketen Falcon 9 (2015, 2016, 2017) sowie der Falcon Heavy (in diesem Jahr) gelang ein sicherer Start und eine erfolgreiche Landung nach der Rückkehr aus dem All. Die Falcon Heavy ist außerdem aktuell die weltweit leitungsstärkste Trägerrakete. Weitere Tests – in Zukunft auch mit Passagieren – sind bereits in Planung. Die neuen Raketen könnten Weltraumflüge deutlich günstiger machen als bisherige Technologien. Und auch technisch dürften sich in Zukunft mehr Möglichkeiten ergeben.

Der Mond als Zwischenschritt zum Mars

Auch wenn der erste bemannte Flug zum Mars schon seit Jahren propagiert wird, sind sich aktuell alle Raumfahrtnationen einig, dass die Risiken und die Kosten im Moment noch zu hoch seien, um ein solches Projekt zeitnah zu realisieren. Stattdessen konzentrieren sich Weltraumforscher wieder auf den Mond, weil die Risiken dort überschaubar(er) sind. Zudem würden die Kosten dank der neuen Technologien nur noch einen Bruchteil der Kosten der Apollo-Missionen betragen. Durch die kurze Reisezeit zum Mond könnten Raumfahrer und Wissenschaftler verschiedene Situationen durchspielen und Technologien testen, die später auch für Marsmissionen dienlich sein können. Die derzeitige Mondphase wird daher als Zwischenschritt verstanden.

Curiosity auf dem Mars

Der große Vorreiter aller Mars-Expediteure dürfte der Nasa-Roboter Curiosity sein. So lange wie er hat sich bisher keiner auf dem Mars umgesehen.

Quelle: NASA/JPL-Caltech/MSSS/dpa

Mehr zu den aktuellen Mars-Projekten finden Sie hier.

Derzeit planen Russland und die USA eine Raumstation, die um den Mond kreisen und bemannte Flüge zum Mond ermöglichen soll. Die Station „Lunar Orbital Platform-Gateway (LOP-G)“ steht zwar schon seit ihrer Planung in der Kritik, da Experten sie für eine Verschwendung halten. Schließlich könne sie wegen der noch sehr aufwendigen Flüge zur Mondoberfläche nur wenige Wochen im Jahr genutzt werden. Die Flüge zur Raumstation wären darüber hinaus mit hohen Kosten verbunden. Trotzdem wird die LOP-G, früher auch Deep Space Gateway, nun gebaut. Es gibt bereits Entwürfe und die Nasa hat ein bestimmtes Budget dafür vorgesehen. Kommendes Jahr soll der erste unbemannte Testflug erfolgen, 2023 sollen dann die ersten Menschen zur Station geschickt werden.

Weltraumpionier Russland verliert an Bedeutung

Sie waren die Ersten im Weltraum und haben viele große Schritte in der Raumfahrt für sich beanspruchen können. Momentan sind die Russen ebenfalls noch wichtig für den Transport zur ISS. Ihre Sojus-Kapseln bringen regelmäßig internationale Astronauten aus allen Ländern zur Raumstation. Eine Weile wird das auch vermutlich noch so bleiben. Doch durch immer günstigere Alternativen, etwa von privaten Unternehmen, wird Russland seine tragende Rolle mit der Zeit höchstwahrscheinlich aufgeben müssen. Zwar werden sie durch ihr Wissen und ihre Kompetenz weiterhin an Raumfahrtprojekten beteiligt werden, aber das Alleinstellungsmerkmal schwindet jetzt schon – nicht zuletzt wegen einiger technischer Mängel ihrer Progress-Frachter, die mehrmals gescheitert sind.

Neue Länder beteiligen sich an Raumfahrt

Wo früher scheinbar nur Platz für Amerikaner und Russen war, spielen heute auch andere Nationen bedeutende Rollen. So will z. B. China ab 2020 seine erste Raumstation aufbauen, die ähnlich wie die ISS aus einzelnen Modulen bestehen soll. Sie soll zwar nicht so groß wie die internationale Raumstation werden, doch bis sie startet könnten die westlichen Länder ihre Außenstation im All bereits verloren haben. Erste Erfolge kann Chinas Raumfahrt jedenfalls schon verbuchen: Im April 2017 dockte der erste selbst entwickelte Raumtransporter Tianzhou an der Raumstation Tiangong an. Die ersten Taikonauten flogen bereits 2016 ins All. Und auch europäische Raumfahrer sollen laut Medienberichten eines Tages zur chinesischen Raumstation fliegen.

ISS wird zum Teil privatisiert

Die internationale Raumstation ISS hat durch viele winzige Meteoriteneinschläge auf den Solarmodulen an Leistung verloren. Experten gehen davon aus, dass ihre Zeit dadurch irgendwann in den nächsten Jahren komplett ablaufen wird. Die US-Amerikaner, allen voran Donald Trump, planen jedenfalls schon mit einer Teilprivatisierung ihres Moduls der Raumstation. Sie scheinen nicht mehr an die Realisierung künftiger Forschungsprojekte zu glauben. Die USA wollen ab 2025 nur noch 5% (150 Millionen US-Dollar) der aktuellen, jährlichen Kosten übernehmen, stattdessen soll die Privatwirtschaft die Betriebskosten decken. Ob das so aufgeht und genug Interesse aus privaten Kreisen vorhanden ist, bleibt abzuwarten. ESA-Chef Jan Wörner hat seine Skepsis gegenüber einer Privatisierung bereits mehrfach zum Ausdruck gebracht, eine stärkere Kommerzialisierung aber hält auch er für unumgänglich.

Zahlreiche kommerzielle Kleinraketen

Ein weiterer Trend in der privaten Raumfahrt sind viele kleine Raketen, die in den nächsten Jahren zur Erdumlaufbahn starten werden. Durch sie können kommerzielle Satelliten dann zu Hunderten über der Erde kreisen und schnellere sowie stabilere Internetverbindungen weltweit ermöglichen. Erste Modelle starten aktuell schon, darunter die günstigste Rakete der Welt des neuseeländischen Unternehmens Rocket Lab. Ein Start der Electron kostet gerade einmal 5 Millionen US-Dollar. Wie das funktionieren kann, haben wir hier aufgeschrieben

Rohstoffe außerhalb der Erde schöpfen

Eines ist bei den zukünftigen Plänen im Weltraum sicher: Für den Ausbau, die Forschung und das Leben im All werden ständig Rohstoffe gebraucht. Sie alle kommen bisher von der Erde. Doch Baumaterialien, Treibstoff und Lebensmittel wie Wasser könnten künftig auch im All abgebaut, bzw. hergestellt werden. Im Antarktis-Gewächshaus Eden-ISS wurde bereits die erste All-Ernte eingefahren. Und das Konzept des „Space Mining“ wird von vielen weiteren Unternehmen intensiv untersucht. Dann könnten Menschen Werkstücke auf dem Mond mithilfe eines 3D-Druckers herstellen, aus Wasser- und Sauerstoff Trinkwasser produzieren und sogar Raketentreibstoff herstellen.

 

Weitere spannende Entwicklungen, etwa zur Mission BepiColombo (letzter Absatz), mit der die ESA den Merkur erkunden möchte, gibt es in der Kategorie Raumfahrt.

Wer nochmal einen Blick zurück werfen möchte, findet hier einen Überblick über 60 Jahre künstliche Erdsatelliten.

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