Kommerzielle Raumfahrt 08.07.2021, 11:19 Uhr

SpaceX zündet Starship-Booster: Erster bemannter Flug für Juli geplant

Elon Musk zündet im Juli den Turbo: Die Wunderrakete Starship soll in den Orbit geschossen werden. Der SpaceX-Gründer feilt am Beginn der kommerziellen Raumfahrt.

Starship hebt ab umgeben von Wolken

Starship während eines erfolgreichen Testflugs.

Foto: SpaceX/flickr.com

Der erste Flug der Riesenrakete Starship steht bevor. Nach Landeversuchen diverser Starship-Prototypen, die mehr oder weniger erfolgreich verliefen, plant Elon Musk noch im Juli abzuheben. Seine Ingenieure und Ingenieurinnen haben bereits einen Antrag für den Funkbetrieb bei der Zulassungsbehörde FCC beantragt. Doch es gilt noch eine wichtige Hürde zu nehmen, bevor Starship abheben kann.

Für Elon Musk, der sicherlich zu den visionärsten, aber auch umstrittensten Unternehmern unserer Generation gehört, ist die Zeit auf der Erde gezählt. Seiner Ansicht nach wird die Sonne immer heißer und größer. Damit würde sie auch ohne die Erderwärmung eines Tages unseren Planeten überhitzen. Der Erde blieben laut Musk nur noch einige Millionen Jahre. Mit seinem Unternehmen SpaceX treibt er die kommerzielle Raumfahrt voran. Eine seiner Visionen lautet: eine Stadt auf dem Mars aufzubauen. Den Startschuss für die Kolonialisierung sollen seine Raumschiffe liefern, indem sie die Menschen auf schnellstem Weg dort hinauf bringen. Allerdings steht die Fluggenehmigung für die Rakete Starship noch aus.

Starship funkt über Starlink

Satelliten wie das Starlink-Projekt von SpaceX umkreisen die Erde. Die hauseigene Rakete Falcon 9 hat zahlreiche Sattelitenbündel in den Weltraum gebracht, mehr als 1.600 Starlink-Satelliten umkreisen die Erde. Mit diesen soll das Raumschiff von Elon Musk kommunizieren. Musk will möglich machen, was bisher noch nie gelang: eine Funkübertragung während des Wiedereintritts.

SpaceX plant, während des gesamten Fluges von Starship eine Funkverbindung aufrechtzuhalten. Die Phase des Wiedereintritts ist stets kritisch, da Hitze die Umgebungsluft ionisiert. Elektrisch geladenes Plasma entsteht, welches Funkwellen nur schwer überwinden können. Mit der Menge der Starlink-Satelliten steigt die Chance, dieses Hindernis zu überwinden. Die flexiblen Antennen der Satelliten lassen sich nämlich flexibel ausrichten. Eine Gegenstation könne so schneller gefunden werden.

Bei dem Jungfernflug von Starship soll der Prozess getestet werden.

Platz für 100 Passagiere im SpaceX Starship

„SpaceX Starship“ wird von einer sogenannten Superschwerlastrakete angetrieben. Damit sei das Raumschiff sehr schnell wieder verwendbar, sodass Starship theoretisch tausendmal pro Jahr fliegen könnte. Das rund 50 Meter hohe Raumschiff mit einem Durchmesser von neun Metern soll insgesamt bis zu 100 Passagieren Platz bieten. Der Weg für die kommerzielle Raumfahrt ist also geebnet. Hergestellt ist SpaceX Starship hauptsächlich aus rostfreiem Stahl, beziehungsweise einer Legierung aus Chrom, Nickel und Mangan. Laut Elon Musk spare man damit vor allem eine Menge Karbonfaserstoff ein – bei vergleichbaren Eigenschaften. Ein Raumschiff muss vor allem hitze- und kältebeständig sein, ebenso spielt das Gewicht eine Rolle.

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Der erste Prototyp wiegt rund 200 Tonnen. Bei der Serienproduktion soll das Gewicht auf 120 Tonnen oder sogar etwas weniger sinken. Zum Vergleich: Die Space Shuttle, die seit den 1970er-Jahren für etliche Weltraummissionen eingesetzt wurden, hatten eine Startmasse von 109 Tonnen. In den Tanks ist Platz für 1.200 Tonnen Treibstoff. Das reiche aus, um 150 Tonnen Fracht ins All zu befördern und 50 Tonnen wieder zurück zur Erde zu bringen. Die Menge ist erst einmal auf den Flug zum Mars ausgelegt. Will man andere Planeten ansteuern, müsste im All aufgetankt werden. Auch dafür erarbeitet das amerikanische Raumfahrtunternehmen eine Lösung: Geplant ist, dafür zwei Starships zu koppeln, damit der Treibstoff von einem ins andere Raumschiff gepumpt werden kann. Allerdings seien für eine Tankfüllung mehrere Tankvorgänge nötig oder sogar ein größeres Raumschiff, das rein als Raumtanker fungiere. Elon Musk ist der Meinung, so ein Andockmanöver sei einfacher als die, die man aktuell an der Internationalen Raumstation ISS regelmäßig erlebt.

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Super Heavy mit 33 Triebwerken

Die erste Raketenstufe von Starship trägt den sprechenden Namen „Super Heavy“. 21 starre und zwölf schwenkbare Triebwerke treiben die erste Stufe an. Der Booster (Hilfs​rakete, die beim Start eingesetzt und dann abgeworfen wird) besitzt einen Durchmesser von neun Metern und eine Höhe von 65 Metern. Jedes Raptor-Triebwerk (Flüssigkeitsraketentriebwerk) soll laut Elon Musk 230 Tonnen Schub erzeugen. Sollte das beim Start gelingen, würde Musk einen weiteren Weltrekord erzielen.

Die größte Trägerrakete plant aktuell China mit 140 Tonnen Nutzlast auf niedriger Erdumlaufbahn.

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Bei den ersten Testflügen wurden 20 Kilometer eingeplant, womit man die höheren Schichten der Atmosphäre erreichen würde. Der Unternehmer geht davon aus, dass durch den Schub sogar die Fenster von Gebäuden in der Umgebung bersten könnten. Deshalb hat SpaceX den Hausbesitzern des Testortes Boca Chica angeboten, ihre Häuser für das Dreifache des üblichen Marktpreises zu kaufen. Wer sich für den Verkauf entscheide, könne zudem an zukünftigen VIP-Startpartys teilnehmen, obwohl diese normalerweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfänden.

Was kostet ein SpaceX Starship?

Ein Start der viel kleineren Falcon 9 kostet aktuell 62 Millionen US-Dollar. Diese hohe Summe möchte Elon Musk bei Starship nicht ausgeben. „Wenn Sie die Betriebskosten berücksichtigen, sind es vielleicht 2 Millionen US-Dollar“, so Musk auf einer Veranstaltung. Starship kann sich auf eine Reise zum Mond aber auch zum Mars begeben. Die endgültige Version soll Treibmittel im Wert von 900.000 US-Dollar verwenden. Starship wäre also eine günstigere Version, um im Vergleich zu kleineren Raketen ins All zu kommen. Die Wiederverwendung des Boosters spielt bei der Preisgestaltung eine wichtige Rolle.

Die vollständige Wiederverwertbarkeit von Raketen gilt als heiliger Gral in der Raumfahrt.

Bemannte Flüge in den Weltraum sind geplant

Elon Musk hat sich schon oft mit seinen Visionen zeitlich verkalkuliert und musste Ankündigungen bereits mehrfach revidieren. Trotzdem kündigt er einen Flug des Starship in die Erdumlaufbahn an. Bemannte Flüge in den Weltraum seien fest eingeplant. Ob Musk dies einhalten kann, bleibt abzuwarten. Dass er es kann, hat der Visionär oft genug bewiesen. SpaceX hat 2020 bereits Nasa Astronauten zur ISS geflogen.

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Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat Geschichte und Kunstgeschichte (M.A.) studiert. Unter anderem hat sie für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

  • Sarah Janczura

    Sarah Janczura

    Sarah Janczura ist Content Manager und verantwortliche Redakteurin für ingenieur.de. Nach einem Volontariat mit dem Schwerpunkt Social Media war sie als Online-Redakteurin in einer Digitalagentur unterwegs. Sie schreibt über Technik, Forschung und Karrierethemen.

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