Friedhof für Weltraumschrott 24.10.2022, 08:10 Uhr

Point Nemo: Hier wird die ISS ihre Mission beenden

Satelliten und Weltraumschiffe können eine Bedrohung für Menschen darstellen, wenn sie unkontrolliert auf die Erde stürzen. Deshalb lässt man ausgediente Raumschiffe über einem bestimmten Ort der Erde abstürzen. Und dieser Ort heißt „Point Nemo“.

Point Nemo: Dieser Ort ist zum Endlager bzw. Friedhof für ausgediente Raumschiffe und zahlreiche Satelliten geworden. Foto: PantherMedia / Harvepino (YAYMicro)

Point Nemo: Dieser Ort ist zum Endlager bzw. Friedhof für ausgediente Raumschiffe und zahlreiche Satelliten geworden.

Foto: PantherMedia / Harvepino (YAYMicro)

Was steckt hinter diesem geheimnisvollen Punkt? Unter Point Nemo versteht man den am weitesten vom nächsten Festland entfernten Ort im pazifischen Ozean zwischen Chile und Neuseeland. Man nennt ihn auch „Pazifischer Pol der Unzugänglichkeit“. Und genau an diesem Ort wird Weltraumschrott versenkt.

Was macht Point Nemo so einzigartig?

Es gibt verschiedene Versionen, warum dieser Ort so heißt: Es mag sein, dass dieser Point nach Kapitän Nemo benannt wurde, dem Kommandanten der Nautilus in Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“. Aber auch die wörtliche Übersetzung für „nemo“ aus dem Lateinischen passt genau, um diesen Ort zu beschreiben – „niemand“. Und es stimmt, dort ist wirklich weit und breit niemand.

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Das nächste Festland ist den Vermessungen zufolge 2688 km entfernt – und zwar in alle Himmelsrichtungen. Damit ist Point Nemo der am weitesten von der Landoberfläche entfernte Punkt des gesamten Planeten. Die Tiefe des Pazifischen Ozeans beträgt an diesem Punkt etwa 3700 Meter.

Die genauen Koordinaten von Point Nemo wurden 1992 bestimmt – sie hat der kroatisch-kanadische Vermessungsingenieur Hrvoje Lukatela mithilfe eines von ihm selbst entwickelten Computerprogramms berechnet. Sein Programm konnte die dreidimensionale Erdoberfläche in die Vermessungen mit einbeziehen, bzw. die Ellipsenform der Erde berücksichtigen, um bei der Bemessung maximale Genauigkeit zu erreichen. Der Point Nemo liegt zwischen Ducie Island (Pitcairn-Archipel) im Norden, Motu Nui (nahe der Osterinsel) im Nordosten und Maher Island in der Antarktis im Süden.
Der „Pol der Unzugänglichkeit“ ist so weit von Land und Menschen entfernt, so dass sich Astronauten auf der Internationalen Raumstation bisweilen diesem Punkt mehr nähern als alle anderen Menschen. Die Umlaufbahn der ISS ist maximal 416 Kilometern von der Erde entfernt.

Ein Ort der Unzugänglichkeit als letzte Ruhestätte für zahlreiche Satelliten

Mit fast 2700 Kilometern Entfernung zu jeglichem Land ist Point Nemo so weit abgelegen, dass kaum Schiffe passieren. Um dorthin zu gelangen, brauchen sie etwa 15 Tage. Deshalb schien dieser Ort die geeignete Stelle zu sein, um Weltraumschrott zu versenken. Und so wurde Point Nemo zum Endlager bzw. Friedhof für Raumschiffe und zahlreiche Satelliten, die von europäischen, russischen und japanischen Weltraumbehörden kontrolliert zum Absturz gebracht werden.
Auch die Internationale Raumstation soll spätestens 2031 kontrolliert hier abstürzen.

Am Point Nemo sollen auch die russischen Raumstationen Salyut 1 bis 6 liegen. Allein bis 2016 wurden einigen Angaben zufolge in diesem Teil des Pazifischen Ozeans über 260 Weltraumfahrzeuge zum Absturz gebracht. Unter anderem auch die Raumstation Mir, Progress-Transportraumschiffe sowie zahlreiche unbemannte Kapseln. Bisher beherbergt Point Nemo mit exakten Koordinaten 45°52.6S, 123°23.6W hunderte von ausgemusterten Satelliten.

Künftig könnten es aber noch mehr werden. Laut Statista kreisen knapp 5.500 Satelliten zum Stichtag – 30. April 2022 um die Erde. Allein den USA gehören über 3.400 dieser Erdtrabanten, meldete Statista in der kürzlich veröffentlichen Studie „Anzahl der Satelliten im All nach Ländern im Jahr 2022“. Und diese Menge ist nicht verwunderlich, denn die Satellitenindustrie ist eine der lukrativsten Sparten der Raumfahrt.

Point Nemo biologisch inaktiv?

Forscher des Max-Planck-Instituts für marine Mikrobiologie in Bremen haben vor einigen Jahren eine umfassende Bestandsaufnahme des mikrobiellen Lebens in der abgelegensten Meeresregion der Welt durchgeführt.

„Die Sonneneinstrahlung ist gefährlich hoch, mit einem UV-Index, der als „extrem“ eingestuft wird. Keine Staubpartikel oder Zuflüsse vom Land kommen dort noch an. Daher enthält das Wasser außerordentlich wenig Nährstoffe“, hieß es damals in der Studie.

 

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Content-Managerin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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