ISS 19.12.2022, 10:53 Uhr

Leck an Sojus-Kapsel: Welche Konsequenzen hat es für die Crew?

Ein Leck an der Sojus-Kapsel, die derzeit an der ISS angedockt ist, sorgt für beunruhigende Schlagzeilen. Ein Kühlaggregat soll beschädigt sein. Als Grund wurde eine mögliche Kollision mit einem Mikrometeoriten genannt. Was bedeutet das für die Besatzung der Internationalen Weltraumstation ISS?

Sojus-Raumschiff

Ein Leck an Sojus-Kapsel gefährdet Rückkehr von der ISS-Crew.

Foto: PantherMedia / cookelma

Am Donnerstag, 15. Dezember ist bekannt geworden, dass ein Leck an der russischen Raumkapsel Sojus aufgetreten war. Anscheinend wurde neben der Außenbeschichtung ein Kühlaggregat beschädigt. Als mögliche Ursache haben die Experten die Kollision mit einem Mikrometeoriten genannt. Im Gespräch war sogar eine vorzeitige Rückkehr der Besatzung zur Erde.

Kühlmittelleck an der russischen Kapsel

Wegen des Vorfalls wurde auch der geplante Weltraumspaziergang zweier Kosmonauten abgesagt. Sie sollten Reparaturarbeiten an der ISS durchführen. Doch bevor sie die Ausstiegsluke geöffnet haben, ertönte Warnsignal. Auch die US-Raumfahrtbehörde NASA bestätigte auf Twitter ein Kühlmittelleck an der russischen Kapsel.

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Auf einem veröffentlichen Video konnte man sehen, wie an der angedockten Sojus-Raumkapsel aus einem Leck Kühlflüssigkeit austritt.

Ansteigende Temperaturen in Sojus-Kapsel?

Einige Tage später kam es noch zu einer beunruhigenderen Nachricht. Grund dafür war die wegen eines ausgefallenen Kühlaggregats entstandene Hitze in der Sojus-Kapsel. Zunächst herrschten in der Kapsel Temperaturen zwischen 28 und 30 Grad, die dann angeblich auf ca. 50 Grad anstiegen.
Die Sicherheit und der Komfort der Crew seien, nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, nicht bedroht gewesen. Die Temperaturen seien im Rahmen und nicht kritisch für den Betrieb der Technik. Gleichzeitig dementierte Roskosmos die kursierenden Berichte über einen angeblichen Temperaturanstieg auf 50 Grad in der Kapsel. Deshalb gebe es keinen Grund, dass die Crew vorzeitig von der ISS zurückkehren solle. Auch die Triebwerke des Moduls sind bereits erfolgreich getestet worden.

Sojus-Kapsel und Dragon-Kapsel als „Rettungsboote“

Diese Kapseln sind die „Rettungsboote“ im All. Damit kann die Crew sich in Sicherheit bringen, wenn auf der ISS z.B. ein Feuer entsteht oder wenn jemand ernsthaft krank wird. So können Menschen sofort Richtung Erde fliegen. In der Sojus-Kapsel gibt es drei Plätze. Vier weitere Plätze gibt es in einer amerikanischen Dragon-Kapsel. Ob die „Sojus“ für die Rückkehr der Besatzung im März verwendet werden kann, ist noch unklar.
Auf ISS arbeiten momentan sieben Menschen: Die Kosmonauten Sergej Prokopjew, Dmitri Petelin und Anna Kikina, die NASA-Astronauten Frank Rubio, Nicole Aunapu Mann, Josh Cassada und der japanische Astronaut Koichi Wakata. Da sich auf der ISS momentan sieben Personen befinden, kann es mit Plätzen für eine ungeplante Rückkehr knapp werden, wenn die Sojus-Kapsel dauerhaft ausfällt.

Zwei gemeinsame Starts seit Beginn des russischen Angriffskrieges

Im „Crew Dragon“ des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX von Elon Musk flog die sogenannte „Crew-5“ Anfang Oktober vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ins All. Darunter waren die Nasa-Astronautin Nicole Aunapu Mann, ihr Nasa-Kollege Josh Cassada sowie der japanische Astronaut Koichi Wakata und die russische Kosmonautin Anna Kikina. Es war der erste gemeinsame Start von amerikanischem Boden zur Internationalen Raumstation (ISS) in Zeiten schwerster internationaler Spannungen seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine.

Die russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew und Dmitri Petelin sowie der Nasa-Astronaut Frank Rubio sind zwei Wochen zuvor mit einer Sojusträgerrakete zur ISS geflogen, und zwar vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur. Mit diesen zwei Starts sind die Raumfahrtnationen Russland und USA erstmals wieder zusammen zur Internationalen Raumstation ISS geflogen.

Die siebenköpfige Crew steht vor Herausforderungen

„Das Programm ist ziemlich voll – neben dem schnellen Andocken sind fünf Ausstiege ins Weltall geplant“, kommentierte Kosmonaut Sergej Prokopjew noch vor dem Start und berichtete von 48 geplanten Experimenten, darunter sei die Arbeit mit einem 3D-Drucker in der Schwerelosigkeit. Die Forschenden wollten das Ausdrucken von verschiedenen Figuren aus unterschiedlichen Materialien ausprobieren.
Wie dpa nach dem erfolgreichen Start berichtete, hatte Frank Rubio schon zuvor gesagt, dass die Raumfahrt eine Möglichkeit sei, auch in Zeiten politischer Spannungen gemeinsam etwas zu leisten. Nun muss sich die siebenköpfige Crew gemeinsam dieser technischen Herausforderung stellen und das Problem mit der dem Leck lösen.

Falls die Reparaturarbeiten an der Sojus-Kapsel nicht erfolgreich durchgeführt werden können, und die Entscheidung getroffen wird, doch eine andere Kapsel zu ISS zu anfliegen zu lassen, wird es einigen Medien zufolge bis zu einem Monat dauern, bis eine neue Sojus -Kapsel für den Start vorbereitet wird. Allerdings lassen sich diese Angaben nicht überprüfen.

Ein Beitrag von:

  • Alexandra Ilina

    Content-Managerin beim VDI-Verlag. Nach einem Journalistik-Studium an der TU-Dortmund und Volontariat ist sie seit mehreren Jahren als Social Media Managerin, Redakteurin und Buchautorin unterwegs.  Sie schreibt über Karriere und Technik.

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