Scott Kelly auf ISS 20.10.2015, 12:27 Uhr

Weltrekord: Niemand war länger im All als dieser Astronaut

Scott Kelly hat den Rekord geknackt: Der 51-jährige Astronaut hat in seiner Karriere 386 Tage im All verbracht – mehr als jeder andere Astronaut vor ihm. Er ist Teil eines spannenden Zwillingsexperiments.

Zeit für Spaß muss sein: Astronaut Scott Kelly jongliert im All. Er verbringt ein Jahr nonstop in der Schwerelosigkeit. 

Zeit für Spaß muss sein: Astronaut Scott Kelly jongliert im All. Er verbringt ein Jahr nonstop in der Schwerelosigkeit. 

Foto: Nasa

Am 16. Oktober 2015 war Partystimmung auf der Internationalen Raumstation ISS: Scott Kelly feierte seinen 386 Arbeitstag im Weltall. Damit hat der 51-jährige Astronaut den Rekord seines Kollegen Mike Fincke gebrochen, der 382 Tage der Schwerelosigkeit ausgesetzt war. Peggy Whitson kam auf 377, Mike Foale auf 374 und Don Pettit auf 370 Tage.

Langzeitarbeiter im All

Langzeitarbeiter im All

Foto: Nasa

Doch damit nicht genug, Kelly legt die Messlatte für zukünftige Rekorde noch höher: Er landet nämlich erst am 3. März 2016 wieder auf der Erde. Dann wird er insgesamt 522 Tage im Weltall gewesen sein.

Scott Kelly wird am 29. Oktober einen zweiten Rekord brechen

Kelly wird noch einen Rekord brechen: den Rekord für den längsten Weltraumaufenthalt am Stück. Am 29. Oktober wird der Raumfahrer 216 Tage nonstop der Schwerelosigkeit ausgesetzt gewesen sein. Bisheriger Rekordhalter war Michael Lopez-Alegria, der 2006 eine 215-tägige Mission auf der ISS absolvierte. Feiern kann Kelly diesen Tag mit seinem russischen Kollegen Michail Kornijenko, der ebenfalls ein Jahr am Stück in der Schwerelosigkeit verbringt.

Scott Kelly bei der Arbeit: Er verbringt ein Jahr auf der ISS – mehr Zeit im All als je ein Astronaut zuvor. 

Scott Kelly bei der Arbeit: Er verbringt ein Jahr auf der ISS – mehr Zeit im All als je ein Astronaut zuvor. 

Foto: Nasa

Für die US-Weltraumbehörde Nasa ist jeder weitere Tag, den Kelly im All verbringt, Gold wert. Denn der Astronaut ist Teil eines Zwillingsexperiments. Als er am 27. März 2015 vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan zur ISS aufbrach, blieb sein sechs Minuten älterer Bruder Mark auf der Erde zurück.

Altert Scott Kelly im All langsamer als sein Zwillingsbruder auf der Erde?

Da die Brüder fast identisches Erbgut haben, kann die Nasa nach Scotts Jahr an Bord der ISS feststellen, welche Auswirkungen die permanente Schwerelosigkeit auf den Körper hat.

Nasa-Astronaut Scott Kelly (l.) und sein Zwillingsbruder Mark. Die Zwillinge sind genetisch fast identisch, so dass die Nasa erforschen will, welchen Einfluss der Aufenthalt im Weltall im Detail auf den Körper des Menschen hat.

Nasa-Astronaut Scott Kelly (l.) und sein Zwillingsbruder Mark. Die Zwillinge sind genetisch fast identisch, so dass die Nasa erforschen will, welchen Einfluss der Aufenthalt im Weltall im Detail auf den Körper des Menschen hat.

Foto: Nasa/JSC

Forscher werden beispielsweise untersuchen, ob fehlende Anziehungskraft und kosmische Strahlung das Genmaterial verändert haben. Über die Telomere in den Chromosomen wird sich auch bestimmen lassen, ob Scott im Weltall langsamer gealtert ist als sein Bruder.

Nasa bereitet sich auf Flug zum Mars vor

Doch warum hat die Nasa das Zwillingsexperiment auf die Beine gestellt? „Diesen Längenrekord im Weltall aufzustellen ist wichtig, weil uns jeder zusätzliche Tag verstehen hilft, wie ein Langzeitflug im Weltall Körper und Geist beeinflusst“, schreibt die Nasa. Die Erkenntnisse sollen dann einer bemannten Mars-Mission zugutekommen, bei der allein der Hinflug zwischen 500 und 600 Tage dauern würde.

Blick aus der ISS: Scott Kelly hat einen Twitter-Kanal und postet regelmäßig atemberaubende Fotos. 

Blick aus der ISS: Scott Kelly hat einen Twitter-Kanal und postet regelmäßig atemberaubende Fotos. 

Foto: Nasa

„Eine bemannte Mission zum Mars ist für die Menschheit derzeit das Fernziel in unserem Sonnensystem“, sagte Nasa-Chef Charles Bolden im Mai auf der Konferenz „Menschen auf dem Mars“ in Washington D.C. „Wir werden jede Minute unserer Zeit und jeden Dollar unseres Budgets dafür verwenden. Das Interesse an einer Mars-Mission ist nie größer gewesen.“

Scott Kelly lässt Menschen auf Twitter an seinem Abenteuer teilhaben

Scott Kelly hat übrigens einen Twitter-Kanal, auf dem er Menschen an seinem Abenteuer im Weltall teilhaben lässt.

Fühlte sich der Erde offensichtlich ganz nah: Scott Kelly am 16. Oktober 2015 – seinem 386 Arbeitstag im Weltall.

Fühlte sich der Erde offensichtlich ganz nah: Scott Kelly am 16. Oktober 2015 – seinem 386 Arbeitstag im Weltall.

Foto: Nasa

Er postet regelmäßig Fotos des Blauen Planeten – unter anderem atemberaubende Aufnahmen einer glühend erscheinenden Atmosphäre. Oder er teilt seine aktuelle Spotify-Playlist mit dem Kommentar „Musik ist ein riesiger Teil des Lebens im Weltraum.“ 

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