Krisenstrategie

Arbeitszeitkonten zeigen in der Krise Wirkung  

Die Unternehmen hätten in „bisher nicht gekanntem Ausmaß“ interne Strategien genutzt, um den Personalbedarf an die schlechte Konjunktur anzupassen. Mit diesen Worten lobte kürzlich Sabine Klinger, Leiterin des Forschungsbereichs Prognosen und Strukturanalysen beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die Personalpolitik vieler Betriebe. Dazu zählt auch das Instrument des nicht unumstrittenen Arbeitszeitkontos. VDI nachrichten, Lübeck, 18. 9. 09, cha

Beim Technologieunternehmen Trumpf in Ditzingen können die Arbeitszeitkonten ein Plus von 250 Stunden aufweisen. Die Geschäfte liefen im letzten Jahr gut. Und immerhin bis Ende Juni ist es dem schwäbischen Unternehmen mit den prall gefüllten Arbeitszeitkonten gelungen, Kurzarbeit zu vermeiden. Aber längst nicht alle Unternehmen verfügen über solche Arbeitszeitkonten.

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hatten 2006 nur etwa 40 % aller Arbeitnehmer ein Arbeitszeitkonto. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) geht von 47 % aus (2007). Für Andreas Hoff, Partner in der Arbeitszeitberatung Dr. Hoff Weidinger Herrmann (Berlin), ist aber nicht allein deswegen das Potenzial des Instruments Arbeitszeitkonto zur Steuerung von Auftragsausfällen längst noch nicht ausgereizt. Hoff rät den Unternehmen, sich mit so genannten „Beschäftigungssicherungskonten“ noch gezielter als bisher auf Phasen des Abschwungs vorzubereiten.

Herkömmliche Zeitkonten, etwa in Gestalt eines Gleitzeitkontos, erschweren aus der Sicht des Arbeitszeitberaters sogar das krisenadäquate Gegensteuern. Schließlich achten bei gewöhnlichen Arbeitszeitkonten die Führungskräfte darauf, dass keine allzu hohen Zeitsalden entstehen. Vielfach bestehen sogar durchaus sinnvolle Kappungsgrenzen. Für das Gegensteuern in der Krise sind die aber eher hinderlich. Außerdem, und das ist das wohl entscheidende Argument, bauen die Mitarbeiter nach privaten Bedürfnissen und nicht orientiert an Konjunkturphasen ihre Zeitsalden auf, vor allem aber ab.

„Beschäftigungssicherungskonten werden dagegen kollektiv auf- und abgebaut“, sagt Hoff. Laufe ein Unternehmen auf Hochtouren, könnten Geschäftsleitung und Betriebsrat die regelmäßige Arbeitszeit verlängern, beispielsweise von 35 auf 38 Stunden pro Woche. Die Mitarbeiter erhalten in dieser Zeit ihr normales Entgelt weiter, pro Woche werden aber drei Stunden auf dem Beschäftigungssicherungskonto des Mitarbeiters gutgeschrieben. In schlechten Zeiten können die Arbeitszeit dann ohne Gehaltseinbußen wieder verkürzt und das Konto kollektiv abgebaut werden.

„Bei einem Gleitzeitkonto wird der Zufluss auf das Arbeitszeitkonto und der Abbau von Plusstunden stärker durch den Mitarbeiter gesteuert“, sagt Roland Bühler, Leiter der Zentralstelle für Beschäftigungsbedingungen bei der Robert Bosch GmbH in Stuttgart. Das flexible Arbeitszeitkonto diene dagegen dem Ausgleich betrieblicher Auslastungsschwankungen und damit der Verstetigung von Beschäftigung. Entsprechend unterschiedlich lang sind auch die Ausgleichszeiträume.

Konjunkturelle Schwankungen sollen durch die Konten aufgefangen werden

Für Gleitzeitkonten gilt nach dem Tarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg ein Ausgleichszeitraum von zwölf Monaten, um Plus- und Minusstunden abzubauen, auch in den Betrieben der Robert Bosch GmbH in Baden-Württemberg. Dem Auf und Ab auf den Produktmärkten entspricht das nur zufällig. Für die flexiblen Arbeitszeitkonten nach Paragraph 7.7.1 des Tarifvertrags gelten hingegen keine festen Ausgleichszeiträume. „Das hat Vorteile, um normale konjunkturelle Schwankungen auszugleichen, die auch mal ein Jahr und länger dauern können“, sagt Bühler.

Noch machen nicht viele Unternehmen von den Möglichkeiten eines Beschäftigungssicherungskontos Gebrauch. „Für die Mitarbeiter ist ein Arbeitszeitkonto, an das sie individuell nicht ohne Weiteres zur Gestaltung ihrer Freizeit herankommen, etwas sehr Ungewohntes“, sagt Hoff. Gewerkschaften und Betriebsräte befürchteten, hinter dem Beschäftigungssicherungskonto könnte sich faktisch die dauerhafte Verlängerung der Arbeitszeit verstecken. Anders als in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie, hier können die Beschäftigungssicherungskonten über 300 Plusstunden aufweisen, seien daher andernorts die tariflichen Bedingungen dafür noch nicht geschaffen worden, bedauert Hoff.

Auf ein Gleitzeitkonto müssen die Mitarbeiter aber auch dann nicht verzichten, wenn im Unternehmen ein Beschäftigungssicherungskonto besteht. Wie das Zusammenspiel verschiedener Zeitkonten aussehen kann, zeigt das Beispiel Airbus. Die Airbus Deutschland GmbH (Hamburg) hat Konsequenzen aus den für die Branche typischen Auftragsschwankungen gezogen und schon 2003 das „Sicherheitskonto“ mit dem Konzernbetriebsrat vereinbart. Ziel des Kontos ist es, teure Kurzarbeit zu vermeiden. Auf bis zu 6,2 Mrd. € schätzt das IAB die Kosten, die 2009 allein die Betriebe für die Kurzarbeit aufwenden müssen.

Steht das normale Arbeitszeitkonto bei Airbus auf „gelb“ (80 Plusstunden), besprechen Mitarbeiter und Vorgesetzter, wie die Stunden wieder abgebaut werden können beziehungsweise wie die Höchstgrenze von 100 Stunden vermieden werden kann. Dafür kommen drei Alternativen in Frage: Ausgleich durch Freizeit, Einzahlung auf das Lebensarbeitszeitkonto (für den vorzeitigen Ruhestand) oder die Einzahlung auf das Sicherheitskonto.

Das Sicherheitskonto hat bei Airbus einen Rahmen von plus 150 bis minus 150 Stunden. In der Regel werden nach Absprache zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung die Konten unabhängig vom jeweiligen individuellen Zeitbestand kollektiv abgebaut. Das Konto eines Mitarbeiters kann also zwangsweise auch ins Minus geraten. Und nur „in besonderen Notfällen“ können von einem Mitarbeiter individuell Stunden für private Zwecke aus dem Sicherheitskonto entnommen werden. Für Hoff ist der Ansatz von Airbus gleichwohl noch zu individualistisch. „Die individuelle Zuführung von Stunden in das Sicherheitskonto ist der Schwachpunkt“, sagt Hoff. RAINER SPIES

Von Rainer Spies

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Stadtverwaltung Altenburg-Firmenlogo
Stadtverwaltung Altenburg Referatsleiter/in Stadtentwicklung und Bau Altenburg
über Rau Food Recruitment GmbH-Firmenlogo
über Rau Food Recruitment GmbH Technischer Leiter (m/w/d) Convenience Lutherstadt Wittenberg
J. Schmalz GmbH-Firmenlogo
J. Schmalz GmbH Leiter (m/w/d) Geschäftsfeld Vakuum-Automation Glatten
Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH-Firmenlogo
Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH Leiter Technik und Instandhaltung / Betriebsingenieur (m/w/d) Wiesbaden
Landkreis Stade-Firmenlogo
Landkreis Stade Abteilungsleitung (m/w/d) "Technik" Stade
Andechser Molkerei Scheitz GmbH-Firmenlogo
Andechser Molkerei Scheitz GmbH Ingenieur / Techniker (m/w/d) für Versorgungstechnik Andechs
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Dresden (w/m/d) Dresden-Radebeul
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Güstrow (w/m/d) Güstrow
Stadt GÖTTINGEN-Firmenlogo
Stadt GÖTTINGEN Stadträtin / Stadtrat Göttingen
Stadt Langenfeld-Firmenlogo
Stadt Langenfeld Referatsleitung Umwelt, Verkehr, Tiefbau (m/w/d) Langenfeld

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung