Studie 20.07.2017, 00:00 Uhr

Mobiles Arbeiten – Fluch oder Segen?

Für die einen ist mobiles Arbeiten die große Freiheit, für andere selbst gewählte Sklaverei. Aber wie stehen Vorgesetzten und Mitarbeiter tatsächlich zu dem Thema und wo lauern Gefahren? Das haben jetzt das Fraunhofer IAO und das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart untersucht. 

Von überall arbeiten? Die meisten Arbeitnehmer begrüßen das.

Von überall arbeiten? Die meisten Arbeitnehmer begrüßen das.

Foto: Stockbyte / Thinkstock

Das Image ist durchweg positiv

Eines vorab: Mobiles Arbeiten hat bei neun von zehn Beschäftigten ein positives Image. Offenbar zu Recht. Denn 86 Prozent von denen, die zuhause arbeiten dürfen, können Beruf und Privatleben besser vereinbaren. Und frühere Studien unter Personalverantwortlichen zeigten, dass die Projektperformance der Mitarbeiter durch mobile Arbeit gesteigert werden konnte. Aber es gibt auch kritische Stimmen.

Etwa ein Drittel derjenigen, die örtlich flexibel arbeiten können, sind skeptisch. Denn sie haben Angst, dass man sie im wahrsten Sinne des Wortes nicht sieht. Und die Kollegen nicht bemerken, dass auch sie zur Wertschöpfung beitragen. Deshalb fürchten sie, dass sie die fehlende Präsenz durch Mehrarbeit kompensieren müssen.

Immer erreichbar, auch im Urlaub?

Ein weiterer Stolperstein des mobilen Arbeitens ist die ständige Erreichbarkeit. Auch im Urlaub. Ein Problem, das auch immer mehr Beschäftigte ohne Homeoffice betrifft. Laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage sind sieben von zehn Berufstätigen beruflich per Kurznachricht, Telefon oder E-Mail erreichbar. Im vergangenen Jahr waren es noch 67 Prozent, die Bereitschaft auch im Urlaub abrufbar zu sein, steigt.

Der Umfrage des Digitalverbands zufolge meldeten sich in den meisten Fällen übrigens die lieben Kollegen (61 Prozent). Der Chef nahm bei rund jedem Vierten Kontakt auf, bei 13 Prozent meldeten sich die Kunden.

Betrieblicher Rahmen gegen Burnout

Zurück zur Studie „Mobile Arbeit“ des Fraunhofer IAO und des IAT der Universität Stuttgart. Um mobile Mitarbeiter vor ausufernden Arbeitszeiten zu schützen, empfehlen die Autoren betriebliche Rahmenbedingungen.

Hierzu gehörten klar definierte Prozesse im Umgang mit zu hohen Arbeitszeiten und eine entsprechende Unternehmenskultur, die sich deutlich gegen Entgrenzung ausspricht. Also für klare Strukturen, für fixe Arbeits- und Urlaubszeiten, zu denen das Handy und das Telefon dann ein-, bzw. ausgeschaltete sein dürfen. Denn insbesondere wenn das Büro im Wohnzimmer aufgebaut ist, fällt es den Arbeitnehmern schwer, vom Arbeits- in den Freizeitmodus zu wechseln.

Wer ins Homeoffice darf, bestimmt der Chef

Trotz dieser Risiken würden viele Beschäftigte gerne mobil arbeiten, dürfen es aber nicht. Denn nicht überall ist das gerne gesehen. Auch wenn es rein technisch gesehen möglich wäre. Laut Studie stehen größere Firmen dem Ganzen viel offener gegenüber als kleinere Betriebe. Bei einigen, ob Microsoft oder Bosch, gab es sogar einen regelrechten Hype um das Homeoffice und mobiles Arbeiten. Studien prophezeiten das Ende des festen Arbeitsplatzes und Autos wurden zu mobilen Minibüros umgebaut. Auch wenn einiges davon mittlerweile etwa gelassener gesehen wird und frühe Verfechter wie Yahoo und IBM ihre Mitarbeiter wieder in die Büros beordert haben, ist der Trend zu mehr Heimarbeit und mobilerem Arbeiten ungebrochen.

In Deutschland sind allerdings oft die privaten Lebensumstände der Mitarbeiter ausschlaggebend. Beschäftigten mit Kindern wird die Arbeit im Homeoffice eher zugestanden als Singles oder kinderlosen Angestellten. Da zeigt sich der große Einfluss, den die Führungskräfte auf eine solche Entscheidung haben. Ihr Veto verhindert in einem Drittel aller Fälle den mobilen Arbeitseinsatz, so die Ergebnisse von IAO und IAT.

Für die Studie „Mobile Arbeit – eine Analyse des verarbeitenden Gewerbes auf Basis der IG Metall-Beschäftigungsbefragung 2017“ wurden rund 680.000 Beschäftigte des verarbeitenden Gewerbes befragt. 

Von Sabine Philipp

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