Remote Work 30.03.2022, 11:11 Uhr

Homeoffice: Wie Ingenieure dank Augmented Reality von zu Hause arbeiten

Nicht nur reine Büroarbeiten sind ein Fall für Remote-Working, denn Augmented Reality ermöglicht es, komplexe Jobs aus der Ferne zu erledigen. Wir sagen wie.

Augmented Reality Brille

Augmented Reality macht es möglich: Als Techniker oder Ingenieurin von zu Hause arbeiten.

Foto: panthermedia.net/leungchopan

Nur Büroarbeiten sind ein Fall für Remote-Work? Ganz und gar nicht! Augmented Reality (AR) ermöglicht, auch komplexe technische Jobs aus der Ferne zu erledigen. Experte Dirk Schart, Director AR Growth des US-Technologieunternehmens PTC, sagt wie.

ingenieur.de: Es herrscht die Meinung vor, dass sich komplizierte technische Aufgaben und Probleme nur vor Ort lösen lassen. Eignet sich Remote-Work also nur bedingt für Ingenieurinnen und Ingenieure?

Dirk Schart: Nein. Zunächst einmal ist Remote-Work mehr als eine Verlagerung des Schreibtischs. Es ist ein Paradigmenwechsel beziehungsweise eine Verhaltensänderung von einem fixen Arbeitsplatz oder Standort zu mobiler Arbeit und Kollaboration. Und nicht nur der Ort, sondern die Art wie wir arbeiten – in 3D statt in 2D(– wird sich nachhaltig verändern. Das erfordert neue Tools für den Arbeitsplatz. Insbesondere in den Bereichen Service, Support, Onboarding und Training ist dies zu spüren.

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Homeoffice: Mit Augmented Reality visuell anleiten

Inwiefern ermöglicht Augmented Reality, komplexe Jobs aus der Ferne zu erledigen?

Wenn wir über AR im industriellen Umfeld sprechen, geht es vor allem um zwei Themen: Unterstützung aus der Ferne (Remote Support) und Arbeitsanweisungen (Work Instructions). Remote-Support-Tools ermöglichen Experten visuelle Anleitungen im Live-Video-Stream eines Tablets, PCs oder auf einer AR-Brille anzuzeigen, um einen Techniker vor Ort Schritt für Schritt anzuleiten. Wesentlicher Unterschied im Vergleich zu Telefon, WhatsApp oder PC: Die Experten sehen dasselbe wie die Servicetechniker vor Ort. Für die Techniker macht es die Arbeit leichter, weil sie direkt an der Maschine oder einem Bauteil Anleitungen erhalten und somit Fehler vermeiden können. Interaktive Work Instructions sind an jedem Ort und zu jeder Zeit verfügbar – auf Telefon, Tablet oder AR-Brille. Visuelle Schritt-für-Schritt Anleitungen führen die Mitarbeiter durch Trainingsprogramme und helfen dabei, Informationen dort verfügbar zu machen, wo sie gebraucht werden. Ob ein Mitarbeiter eine Maschine installiert, bedient oder repariert – die interaktiven Anleitungen machen die Arbeit einfacher und produktiver. Je komplexer eine Aufgabe, desto stärker spielt AR seine Vorteile von visueller Anleitung aus. Das Übersetzen von 2D-Anleitungen auf die 3D-Maschine entfällt, Verwechslungen von Bauteilen oder Sprachbarrieren gehören der Vergangenheit an.

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Welche Aufgaben und Anwendungsbereiche eignen sich für AR?

AR hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren sehr stark entwickelt was die Bedienbarkeit, die Hardware und die Software angeht. Die einfache Antwort wäre, dass es sich in allen Bereichen des Produktlebenszyklus anwenden lässt. Es kommt hauptsächlich darauf an, das Problem klar zu erkennen, um AR sinnvoll einsetzen zu können. Allerdings gibt es aktuell Bereiche, in denen AR schneller wächst und stärkere Anwendbarkeit bei den Nutzern findet. Die Use Cases sind vor allem in den Bereichen Training, Service, Wartung, Reparatur und Inspektion sowie in der Visualisierung von Produkten im Marketing- und Verkaufsprozess zu finden. Der Trainingsbereich hat in den vergangenen zwei Jahren enorm zugelegt, wie auch Remote Support. Neue Anwendungsmöglichkeiten wie die Inspektion und Qualitätskontrolle werden jetzt durch verbesserte Erkennung der Bauteile ermöglicht. Dies wird eines der am stärksten wachsenden AR-Felder werden.

Dirk Schart

Dirk Schart ist Director AR Growth beim Technologieunternehmen PTC. Zuvor leitete er das US-Geschäft sowie die Go-to-Market Strategie beim AR-Startup RE’FLEKT und entwickelte die patentierte Augmented-Windows-Technologie bei HyperloopTT.

Foto: PTC

Digitales Onboarding mit Augmented Reality

Wie kann die Technologie das digitale Onboarding und die Weiterqualifikation unterstützen?

AR bringt das Training in die 3D-Welt, macht es mobil, interaktiver. Die Kombination aus verschiedenen Medienformaten sowie das Ansprechen verschiedener Sinne sorgt für schnellere Aufnahme der Inhalte und höheren Wissenserhalt. Viele Mitarbeiter quälen sich mit komplexen Anleitungen und dicken Handbüchern. AR kann Inhalte durch 3D-Visualisierung vermitteln, die Trainierenden stärker einbinden und gleichzeitig für eine kollaborative Trainingsumgebung sorgen. Mitarbeiter müssen nicht mehr an einen Standort kommen, sie können von überall lernen. Der Content, der für eine Service- oder Reparaturaufgabe erstellt wurde, kann direkt auch für das Training und Onboarding wieder genutzt werden. Hinzu kommt, dass AR damit auch die Jobs in der Industrie interessanter macht.

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Was sollten Führungskräfte beachten, wenn sie eine AR-Lösung einführen?

Hier gibt es einiges zu beachten. Die sechs wichtigsten Punkte:

1. AR sollte immer mit einem konkreten Business Use Case eingeführt werden: Ein realer Anwendungsfall macht es einfacher, das Potenzial im Vergleich zu traditionellen Lösungen zu erkennen und zu lernen, wie sich AR einsetzen lässt.
2. Aktives Onboarding damit Mitarbeiter die Vorteile erkennen und neue Hardware schnell lernen.
3. Mitarbeiter früh einbinden und User Acceptance Testings durchführen, um zu verstehen, was es braucht, damit die AR-Lösung aktiv genutzt wird.
4. Die Wahl zwischen Tablets und AR-Brille geben: Also, die Mitarbeiter selbst entscheiden lassen, ob sie die gewohnte Hardware nutzen oder etwas Neues testen möchten.
5. Messbare Ziele und Erwartungen definieren, damit der Erfolg gemessen werden kann (zum Beispiel Anzahl der Arbeitsschritte vergleichen, die Trainingszeit und Fehlerquote).
6. Dringender Rat: Nicht einfach eine Technologie kaufen, sondern ein Problem lösen!

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Remote-Work mit AR: Welche technischen Voraussetzungen sind notwendig?

Trotzdem: Welche technischen Voraussetzungen müssen geschaffen werden?

Wer mit vorhandener Hardware beginnt, kann die Voraussetzungen simpel halten. Das erleichtert den Einstieg und vermeidet lange Prozesse. Während die ersten Schritte gemacht werden, kann die Zeit genutzt werden, um IT-Freigaben für neue Geräte wie die HoloLens zu bekommen.

Weitere technische Voraussetzungen entstehen dann, wenn es um Integrationen in bestehende PLM-, CAD-, LMS-, oder IoT-Systeme geht. Unternehmen können mit einfachen AR-Tools starten oder diese direkt in bestehende Software-Umgebungen einbinden, um das volle Potenzial zu nutzen.

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Werden Remote Assistance-Lösungen in Zukunft zum selbstverständlichen Bestandteil der Arbeit von Ingenieurinnen und Ingenieuren?

Ja! Die Art, wie wir arbeiten, wird sich weiter verändern und dabei spielen Remote Support, mobile Trainings und visuelle Arbeitsanleitungen eine entscheidende Rolle. So wie sich PCs und Tablets etabliert haben wird es auch mit AR geschehen. Industrielle AR-Anwendungen werden klassische Arbeitsschritte, Handbücher und Trainings sinnvoll ergänzen. Damit schaffen Unternehmen die Grundlage im Wettbewerb um die nächste Generation an Ingenieurinnen und Ingenieuren.

Ein Beitrag von:

  • Chris Löwer

    Chris Löwer arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freier Journalist für überregionale Medien. Seine Themenschwerpunkte sind Wissenschaft, Technik und Karriere.

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