Astronomische Sensation 21.01.2016, 14:11 Uhr

Begrüßen Sie Planet Neun im Sonnensystem

Viele kosmisch Interessierte sind seit zehn Jahren in Trauer. Da wurde der Pluto als Außenplanet unseres Sonnensystems zum Zwergplaneten degradiert. Seitdem umkreisen offiziell nur noch acht Planeten das Zentralgestirn. Nun gibt es Anlass zur vorsichtigen Hoffnung. Zwei Astronomen haben einen neuen Kandidaten für Planet Neun entdeckt.

Künstlerische Darstellung von Planet Neun: Seine Umlaufbahn ist 90 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt. Bislang ist Neptun mit 4,5 Milliarden Kilometer Abstand der  Außenposten unseres Sonnensystems.

Künstlerische Darstellung von Planet Neun: Seine Umlaufbahn ist 90 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt. Bislang ist Neptun mit 4,5 Milliarden Kilometer Abstand der  Außenposten unseres Sonnensystems.

Foto: R. Hurt (IPAC)/Caltech

Seit September 2006 ist der nach dem römischen Gott der Unterwelt benannte Pluto nur noch eine Nummer. Wird unter 134340 gelistet. Seit zehn Jahren umkreisen deshalb aus astronomischer Sicht nur noch acht Planeten unser Zentralgestirn.

Nun rütteln zwei Wissenschaftler vom California Institute of Technology an dieser kosmischen Gewissheit. Die beiden Himmelsforscher Konstantin Batygin und Mike Brown haben in der unglaublichen Entfernung von 90 Milliarden km von der Sonne im sogenannten Kuiper-Gürtel eine Anomalie entdeckt, die sich aus ihrer Sicht nur durch die Existenz eines Planeten erklären lässt. 

Das Schwergewicht wiegt zehn Erden auf

Nach ihren mathematischen Modellen und Computersimulationen ist „Planet Neun“, wie die beiden Forscher ihn gleich nannten, rund zehnmal so schwer wie die Erde und damit ein echtes Schwergewicht. Brown nennt ihn den „planetigsten aller Planeten im Sonnensystem.“ Wenn er wirklich existiert, kann Planet Neun gleich als die Entdeckung der Langsamkeit gelten. Nach Schätzungen seiner Entdecker braucht der neue Planet bis zu 20.000 Jahre, um seine Masse einmal um die Sonne zu bewegen.

„Zensus unseres Sonnensystems unvollständig“ 

Ihre Forschungen haben die beiden Astronomen von der Universität von Kalifornien gestern im Astronomical Journal veröffentlicht. „Die Existenz eines anderen Planeten wurde bestimmt Hunderte von Malen diskutiert“, sagte Brown dem Time Magazin. „Doch das erste Mal in 150 Jahren können wir sagen, dass wir überzeugende Beweise dafür haben, dass der Zensus unseres Sonnensystems unvollständig ist.“

Anomalien im Kuiper-Gürtel

Konkret kam die Idee, dass es dort draußen am äußersten Rand des Sonnensystems eine unbekannte Kraft geben muss, die auf die Umlaufbahnen all der Zwergplaneten, die im Kuiper-Gürtel kreisen einwirkt, bereits im Jahr 2014 auf.

Nach mathematischen Modellen und Computersimulationen ist Planet Neun rund zehnmal so schwer wie die Erde. Wenn er wirklich existiert, braucht er geschätzte 20.000 Jahre, um seine Masse einmal um die Sonne zu bewegen. Die Umlaufbahnen der kleineren Himmelskörper weisen Anomalien auf, die sich am besten dadurch erklären lassen, dass ein bisher unbekannter Planet sich in entgegengesetzter Richtung an ihnen vorbei bewegt.

Nach mathematischen Modellen und Computersimulationen ist Planet Neun rund zehnmal so schwer wie die Erde. Wenn er wirklich existiert, braucht er geschätzte 20.000 Jahre, um seine Masse einmal um die Sonne zu bewegen. Die Umlaufbahnen der kleineren Himmelskörper weisen Anomalien auf, die sich am besten dadurch erklären lassen, dass ein bisher unbekannter Planet sich in entgegengesetzter Richtung an ihnen vorbei bewegt.

Foto: R. Hurt (IPAC)/Caltech

Die Umlaufbahnen dieser kleineren Himmelskörper wiesen Anomalien auf, die sich am besten dadurch erklären ließen, dass ein bisher unbekannter Planet sich in entgegengesetzter Richtung an ihnen vorbei bewegt.

„Mir fiel die Kinnlade herunter“ 

Brown und Batygin machten sich an die Arbeit und sichteten alte Aufzeichnungen über die Bahnbewegungen der Zwergplaneten. Danach war klar: Fünf der Eisobjekte bewegten sich exakt auf Laufbahnen mit der prophezeiten Krümmung.

Caltech-Professor Mike Brown (li.) und Dozent Konstantin Batygin: Während Brown mehr den Himmel beobachtet und versucht das Gesehene in der Realität zu verankern, ist Batygyn mehr ein Theoretiker, der sich die Dinge aus physikalischer Sicht erschließt.

Caltech-Professor Mike Brown (li.) und Dozent Konstantin Batygin: Während Brown mehr den Himmel beobachtet und versucht das Gesehene in der Realität zu verankern, ist Batygyn mehr ein Theoretiker, der sich die Dinge aus physikalischer Sicht erschließt.

Foto: Lance Hayashida/Caltech

„Mir fiel die Kinnlade herunter“, sagt Brown, der vor zehn Jahren dazu beigetragen hatte, dass Pluto der Titel eines Planeten entzogen wurde. „Ich bin willens, gegen jeden zu wetten, der nicht an diese Theorie glaubt.“

5000 Male schwerer als Zwergplanet Pluto

Wenn diese Theorie stimmt, hat Mike Brown diesmal mit dazu beigetragen, dass in unserem Sonnensystem wieder neun Planeten existieren. Ein Problem gilt es noch zu lösen: Niemand hat Planet Neun bisher gesehen, auch Batygin und Brown nicht. Planet Neun ist bisher ein eher abstrakter Kerl aus einer Computersimulation. Die beiden Entdecker setzen jetzt auf die Weisheit der Vielen: Die Sternengucker rund um den Erdball mögen ihre Teleskope gen Himmel richten, um die von ihnen skizzierte Laufbahn von Planet Neun abzusuchen.

Diese verläuft auf einer ungewöhnlichen Ellipse, wie sie eher von Kometen bekannt ist. Sicher ist: Planet Neun ist ein würdiger Kandidat für einen Außenplaneten unseres Sonnensystems. Er bringt 5000 Mal mehr Masse auf die Waage als der verdrängte Gott der Unterwelt mit der Kleinplanetennummer 134340.

Von Detlef Stoller Tags:

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