12.11.2015, 14:12 Uhr | 0 |

Nur 39 Lichtjahre entfernt Erdähnlicher Planet GJ 1132b beschäftigt Astronomen

Er heißt GJ 1132b und ist nicht nur die jüngste Entdeckung bei der Suche nach erdähnlichen Planeten, sondern auch die spannendste. Die neu entdeckte Welt ist zwar so heiß wie ein Ofen, aber kühl genug, um möglicherweise eine Atmosphäre zu haben. Der Exoplanet wird die Astronomen auf Jahre hinaus beschäftigen.

Computergrafik: Exoplanet GJ 1132b vor seinem Heimatstern
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Computergrafik: der erdähnliche Exoplanet mit der Katalognummer GJ 1132b vor seinem Heimatstern.

Foto: Dana Bery/MIT

Wenn Astronomen aufgeregt sind über eine Neuentdeckung im All, dann liest sich die entsprechende Nachricht fast wie eine Geburtsanzeige, die stolze Eltern aufgegeben haben: „Das MEarth Projekt ist hocherfreut, die Entdeckung von GJ 1132b, einem Planeten mit 1,2-facher Größe der Erde, bekanntzugeben“. Die eigentliche Entdeckung wurde zwar bereits am 11. Mai 2015 gemacht, als eines der MEarth-Teleskope eine leichte Verdunkelung des Sterns GJ 1132 beobachtete, aber nun wird die „Geburt“ in der Novemberausgabe des Magazins Nature offiziell gemacht.

Heimatstern von GJ 1132b heizt seinen Planeten auf 230 °C auf

Bei der Verdunkelung handelte es sich um jenen Exoplaneten, der in 2,25 Millionen km seinen Heimatstern, einen roten Zwerg, alle 1,6 Tage von der Erde aus gesehen umkreist. Er verdunkelt den Stern jedes Mal um 0,3 %, woraus die Astronomen die Größe des Planeten errechneten. Der Heimatstern von GJ 1132b ist etwa ein Fünftel so groß wie unsere Sonne und dementsprechend deutlich dunkler. Das aber reicht aus, um seinen Trabanten, der 16 % größer ist als die Erde und 60 % mehr Masse besitzt, auf 230 °C aufzuheizen.

ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR DER SPERRFRIST, 11. November 19.00 UHR, VERÖFFENTLICHT WERDEN! EIN BRUCH DES EMBARGOS KÖNNTE DIE BERICHTERSTATTUNG ÜBER STUDIEN EMPFINDLICH EINSCHRÄNKEN. HANDOUT - Die Illustration zeigt den Exoplanet mit der Katalognummer GJ 1132b, der um den roten Heimatstern kreist. Astronomen haben den bislang nächsten erdähnlichen Planeten außerhalb unseres eigenen Sonnensystems aufgespürt. Der sogenannte Exoplanet GJ 1132b liege in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft und sei etwa so groß und massereich wie die Erde. Illustration: Zach Berta-Thompson/dpa ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung und nur mit Nennung "Illustration: Zach Berta-Thompson/dpa" +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die Illustration zeigt den Exoplanet mit der Katalognummer GJ 1132b, der um den roten Heimatstern kreist. Astronomen haben den bislang nächsten erdähnlichen Planeten außerhalb unseres eigenen Sonnensystems aufgespürt. Der sogenannte Exoplanet GJ 1132b liege in unserer direkten kosmischen Nachbarschaft und sei etwa so groß und massereich wie die Erde.

Foto: Illustration Zach Berta-Thompson/dpa

„Dieser Planet wird über Jahre hinaus das beliebteste Ziel der Astronomen werden“, sagt der Autor der Veröffentlichung in Nature, Zachory Berta-Thompson vom Massachusetts Institute of Technology MIT. Die Astronomen nehmen an, dass der neu gefundene Planet ein Gesteins-Planet ist ohne flüssiges Oberflächenwasser und eine Atmosphäre ähnlich derjenigen der Venus hat. Die Schwerkraft von GJ 1132b gleicht der Erdgravitaton: Ein Mensch auf der Oberfläche des Exoplaneten würde nur etwa 20 % mehr wiegen als auf der Erde.

Teleskope in Nord- und Südamerika können den gesamten Himmel absuchen

Das Ganze spielt sich 39 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernt ab und wurde von den MEarth South Array Teleskopen entdeckt. Die Anlage besteht aus acht Teleskopen mit jeweils 40 cm großen Öffnungen und befindet sich auf dem Cerro Tololo in Chile. Sie ist eine von zwei Anlagen, die auf dem nord- und dem südamerikanischen Kontinent liegen und so den gesamten Himmel bei ihrer Suche nach erdähnlichen Planeten abdecken können.

 

Das weiter nördlich gelegene Teleskop-System wurde auf Mount Hopkins, südlich von Tuscon, Arizona errichtet und ist seit 2008 aktiv. Es hat, genauso wie sein südliches Pendant, acht Teleskope mit 40 cm großen Spiegeln, die robotisch vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge kontrolliert werden. Die Teleskope können jede Nacht Hunderte von Beobachtungen machen, ohne dass der Mensch eingreifen muss.

Die Astronomen interessieren sich für Schwankungen in der Helligkeit

Das erfasste Sternenlicht wird von hochempfindlichen CCD-Kameras, die speziell für die Astrofotografie eingesetzt werden, aufgenommen. Dabei interessieren sich die Wissenschaftler vor allem für Schwankungen in der Helligkeit, denn das könnte ein Hinweis dafür sein, dass ein Planet an seinem Stern vorbeizieht und ihn zeitweise verdunkelt.

Videoquelle: MIT

Das zweite MEarth-Teleskop unter dem klaren Himmel der chilenischen Wüste wurde 2014 in Betrieb genommen. Es ist weitestgehend baugleich mit dem MEarth-System in Arizona und steht geschützt in einem Gebäude, dessen Dach sich in Beobachtungsnächten öffnet, um den Teleskopen freie Sicht zu geben.

Über einen weiteren erdähnlichen Planeten, der mit dem Kepler-Teleskop entdeckt wurde, können Sie hier lesen.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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