Schneller fertig 09.02.2017, 13:11 Uhr

Wie ein Eisbär in der Dusche beim Warmwasser sparen hilft

„Mach doch nicht so ewig, was das wieder kostet!“ Solche Appelle werden in den Fluten einer Dusche gepflegt überhört. Wie man jedoch mit einer Duschuhr selbst leidenschaftliche  Warmduscher zur Raison bringt, haben Forscher der Universitäten Bonn und Bamberg ermittelt. Ein kleiner Eisbär zeigt direkt unter der Dusche den aktuellen Energieverbrauch an und bremst damit den ungehemmten Duschgenuss. Das funktioniert tatsächlich!

Verführerisch: Eine warme Dusche kann den Einstieg in den Tag versüßen. Verbraucht aber viel Energie. Wer die Messuhr direkt vor Augen hat, dreht das Wasser früher ab. 

Verführerisch: Eine warme Dusche kann den Einstieg in den Tag versüßen. Verbraucht aber viel Energie. Wer die Messuhr direkt vor Augen hat, dreht das Wasser früher ab. 

Foto: Thorsten Staake/Universität Bamberg

Weniger Ressourcen verbrauchen – das ist und bleibt der beste Umweltschutz. Soweit keine neue Erkenntnis. Doch was eine Studie der Universitäten Bamberg und Bonn jetzt ans Tageslicht bringt überrascht: Erhebliche Einsparungen sind möglich, wenn zum richtigen Zeitpunkt zielgerichtete Informationen den Verbraucher erreichen. Und hier kommt Technik ins Spiel.

Eigentlich wollen viele Menschen die natürlichen Ressourcen schonen, verlieren das Ziel aber im Alltag aus den Augen. Selbst wenn sie dabei sogar Geld sparen können. Vor diesem Hintergrund starteten die Forscher aus Bamberg und Bonn ihre Untersuchungen. Und wagten sich in einen ganz privaten Bereich der Verbraucher – das Badezimmer. Warum ausgerechnet dorthin?

Duschen verbraucht die meiste Energie

Weil es die energieintensivste Zone in einem Haushalt ist: „Viele Leute denken beim Thema Energiesparen an Lichtausschalten und sparsamere Kühlschränke. Dabei verbraucht der durchschnittliche Haushalt in Deutschland und der Schweiz fünfeinhalb Mal so viel Energie beim Duschen wie für die gesamte Beleuchtung und viermal so viel wie für Kühl- und Gefrierschrank zusammen“, schildert die Erstautorin der Studie Dr. Verena Tiefenbeck die Ausgangssituation.

Tiefenbeck forscht an der Universität Bonn und der ETH Zürich. „Erstaunlicherweise haben die meisten Menschen nur eine sehr vage Vorstellung davon, wie energieintensiv Duschen ist“, ergänzt Prof. Lorenz Götte vom Institut für Angewandte Mikroökonomik der Universität Bonn, der zuvor in Lausanne geforscht und gelehrt hat.

Laut Prof. Thorsten Staake, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bamberg, werden mehr als zwei Drittel des Warmwassers im Haushalt fürs Duschen benötigt. Für die Wissenschaftler war klar, hier schlummert noch viel Einsparpotential. Doch wie die Verbraucher dazu bringen, es auszuschöpfen? Und zwar dauerhaft?

700 Haushalte duschten mit

An den Experimenten für die Studie waren 700 Ein- und Zweipersonenhaushalte in der Schweiz beteiligt. Ihnen wurde der Energieverbrauch direkt vor Augen geführt. Noch während des Duschens. Dafür sorgte ein vom Elektrizitätswerk der Stadt Zürich installiertes intelligentes System zur Messung des Energie- und Wasserverbrauchs. Und das war nicht wie Wasseruhr oder Stromzähler irgendwo im Keller angebracht, sondern unterhalb des Duschkopfs. Auf einen Blick lassen sich darauf in Echtzeit der Wasserverbrauch, die Wassertemperatur und der Energieverbrauch ablesen.

Messgerät amphiro a1

Hier schließt sich der Kreis: Entwickelt wurde das Gerät von Prof. Staake mit seiner Forschungsgruppe Bits to Energy Lab während seiner Zeit an der ETH Zürich. Die intelligente Duschverbrauchsanzeige namens amphiro a1 misst während des Duschens, wie viel Energie in Form von Warmwasser verbraucht wird.

Kleines Gerät mit laut Studie großer Wirkung: der Duschsensor amphiro.

Kleines Gerät mit laut Studie großer Wirkung: der Duschsensor amphiro.

Foto: Amphiro

Dabei wird natürlich der Warmwasserverbrauch selbst gemessen, aber vorrangig geht es um die für die Warmwasseraufbereitung aufgewendete Wärmeenergie.

Duschuhr ist Selbstversorger

Amphiro a1 funktioniert wie ein kleines Kraftwerk und gewinnt seine Energie aus dem Wasserfluss mittels einer speziellen Turbine. Während des Duschens zeigt die Duschuhr den Verbrauch seit Duschbeginn in Litern an, nach dem Duschen abwechselnd den Energieverbrauch in (Kilo-)Wattstunden und die Wassermenge in Liter. Das Display ist mit einer witzigen Animation gestaltet: Ein Eisbär steht auf einer Eisscholle, die mit steigendem Energieverbrauch schmilzt.

Unmittelbare Rückmeldung

Rund zwei Monate lang zeichneten die Geräte das Duschverhalten der Probanden auf. Ein zufällig ausgewählter Teil der Probanden konnte dabei live auf der Anzeige mitverfolgen, wie viel Energie und Wasser sie seit Beginn ihrer Dusche schon verbraucht haben, während anderen Teilnehmern diese Information nicht angezeigt wurde.

Wer in Echtzeit seine persönliche Duschbilanz mitverfolgen konnte und den Eisbär in immer größere Not brachte, bremste sich: Im Schnitt sanken die Energieverbräuche um 22 %. Bei zuvor leidenschaftlichen Warmduschern waren es sogar bis zu 30 % betragen.

In einer weiteren Untersuchung testeten die Forscher, ob es zu zusätzlichem Sparverhalten führt, wenn die Testpersonen im Nachhinein eine Rückmeldung zu den zurückliegenden Verbräuchen bekamen. „Diese nachträglichen Informationen brachten so gut wie keinen zusätzlichen Effekt“, sagt Tiefenbeck.

Nachhaltige Verhaltensänderungen

Ein weiteres äußerst interessantes Ergebnis der Studie: Während des zwei Monate währenden Experiments kam es zu nachhaltigen Verhaltensänderungen. „Auch über Wochen hinweg zeigten sich bei den Probanden keine Abstumpfungseffekte“, resümieren die Professoren Götte und Staake. „Die erwünschten Einspareffekte waren am Ende des Beobachtungszeitraums genauso groß wie am Anfang“, so Tiefenbeck.

Wer also wirklich Energie beim Duschen sparen will, holt sich am besten den Eisbär hinter den Vorhang. Amphiro a1 kostet 70 Euro und lässt sich übers Internet bestellen. Das Gerät wird beim Schlauch der Handbrause angebracht, die Nutzer können es selbst ohne weitere Werkzeuge einbauen.

Stromerzeugende Pavegen-Platten beim Paris-Marathon: Bei jedem tritt auf eine Platte wird Strom erzeugt. Zudem können Platten auch Daten erfassen wie die Zahl der Läufer.

Stromerzeugende Pavegen-Platten beim Paris-Marathon: Bei jedem tritt auf eine Platte wird Strom erzeugt. Zudem können Platten auch Daten erfassen wie die Zahl der Läufer.

Foto: Pavegen

Verbraucher können aber nicht nur Strom sparen, sondern auch ihre Bewegungsenergie in Strom umwandeln. Wenn sie über die von der Londoner Firma Pavegen entwickelten Bodenplatten laufen. Mehr dazu finden Sie hier.

Über Kraft-Wärme-Anlagen, mit denen Sie die Energiewende im heimischen Keller unterstützen können, informieren wir Sie auf dieser Seite.

Von Martina Kefer

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