Studie zur Kryptowährung 22.05.2018, 14:27 Uhr

Bitcoin-Produktion verbraucht fast so viel Strom wie Irland

Das Bitcoin-System wird immer energiehungriger. Das Schürfen der Kryptowährung verbraucht inzwischen fast so viel Strom wie der Staat Irland in einem Jahr – und ein Ende ist nicht in Sicht. Kippt die Kryptowährung irgendwann?

Für das Schürfen von Bitcoins benötigen Rechner enorm viel Energie.

Das Schürfen von Bitcoins im Netz verbraucht enorm viel Energie und stetig mehr. Ende 2018 könnte der Stromverbrauch bereits bei 7,7 Gigawatt liegen. Das entspricht einem halben Prozent des globalen Jahresverbrauchs.

Foto: panthermedia.net/mtmmarek

Die virtuelle Währung Bitcoin entsteht beim sogenannten mining, also Schürfen. Die Computer der Schürfer müssen Rechenaufgaben lösen und werden dafür mit Bitcoins belohnt. Da die Aufgaben immer schwieriger werden, reicht ein Wohnzimmer-PC längst nicht mehr aus. Schürfer betreiben Minen, Server-Farmen, die ganze Hallen füllen. Wie hoch deren Stromverbrauch ist, lässt sich schwer abschätzen, da sich die Miner ungern in die Karten blicken lassen. Der niederländische Forscher Alex de Vries hat dennoch einen Versuch gewagt.

Bitcoin-System verbraucht 67 TWh pro Jahr

Die Schätzung des Ökonoms de Vries: Das Bitcoin-Schürfen verbraucht derzeit 2,55 Gigawatt. Fast so viel Energie wie der Staat Irland, der 3,1 Gigawatt erreicht. Rund 42.000 KWh sind nötig, um einen einzigen Bitcoin zu schürfen. Zum Vergleich: Ein Durchschnittshaushalt verbraucht im Jahr rund 3.500 KWh. Dieser theoretische Minimalwert basiert allerdings auf der Annahme, dass bei allen Minern die effizienteste Hardware zum Einsatz kommt – ein Antminer S9, der 1.372 W verbraucht. Der tatsächliche Verbrauch beim Bitcoin-Schürfen könnte noch höher liegen. „Der Energieverbrauch des Bitcoin-Systems ist atemberaubend“, sagte de Vries im Gespräch mit Spiegel Online. „Zurzeit verbraucht es etwa 67 Terawattstunden pro Jahr.“

Und auch die Transaktionskosten sind hoch. „Hätte man 2017 einen Fünf-Dollar-Kaffee mit Bitcoin bezahlt, wären etwa 50 Dollar Kosten obendrauf gekommen. Das ist völlig ineffizient“, ist de Vries überzeugt. Trotzdem beginnt das System in den Handel einzuziehen. 2014 hat ein Berliner Barbesitzer im Room 77 den ersten Bitcoin-Automaten Deutschlands aufgestellt. Barbesucher können mit ihrem Smartphone Bargeld in die digitale Währung umtauschen und mit dem Kryptogeld in Restaurants und Bars im Berliner Bitcoin-Kiez bezahlen.

Bitcoin hat ein Riesenproblem

Der Energieverbrauch des Bitcoin-Systems wird weiter steigen. Ende 2018 könnte er bereits bei 7,7 Gigawatt liegen. Das entspricht einem halben Prozent des globalen Jahresverbrauchs. „Ein halbes Prozent des Weltstromverbrauchs ist selbst für mich ziemlich schockierend“, sagt de Vries, der seine Studie im Wissenschaftsmagazin Joule veröffentlicht hat. „Bitcoin hat damit ein Riesenproblem – und es wird in rasendem Tempo immer größer.“ Sobald die Kosten für Hardware und Strom den Wert des Bitcoins übersteigen, wird sich das Bitcoin-Mining nicht mehr lohnen. „Wenn die Produktionskosten weiter so steigen, wird die Profitabilität bis Ende dieses Jahres so drastisch sinken, dass es sich kaum noch lohnt – vorausgesetzt: ein Bitcoin kostet dann noch immer etwa 8.000 Dollar.“

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