Fulminanter Börsenstart 15.06.2020, 13:03 Uhr

Nikola E-Truck rollt in Ulm vom Band: Was der Hersteller von Wasserstoff-Trucks plant

Nach Tesla baut das nächste Unternehmen Fahrzeuge in Deutschland: Nikola plant, seinen E-Truck Nikola Tre in Ulm bauen zu lassen. Genauer gesagt im Werk des Nutzfahrzeugherstellers Iveco. Ende 2021 soll der Elektro- und Wasserstoff-Lkw auf den Markt kommen. Nun legte der Hersteller von Wasserstoff-Trucks einen fulminanten Börsenstart hin.

Bild des Wasserstoff-Trucks

Der Nikola E-Truck wird in Ulm gebaut.

Foto: Nikola Motor

Das US-Startup Nikola entdeckt den deutschen Markt und baut Brennstoffzellen-Lkw in Ulm. Der Truck namens „Nikola Tre“ wird speziell auf den europäischen Markt ausgelegt sein und in einer batterieelektrischen und einer per Brennstoffzelle angetriebenen Variante erscheinen. Das Werk des Nutzfahrzeugherstellers Iveco in Ulm dient als Produktionsstätte. Eine Reichweite von 1.000 Kilometern soll die Käufer vom Pick-up-Truck überzeugen.

Der US-Autohersteller Nikola hat währenddessen an der NASDAQ ein fulminantes Börsendebüt hingelegt. Das Unternehmen von Gründer Trevor Milton hat eine vorläufige Bewertung von fast 29 Milliarden Dollar erreicht. Der Erlös soll direkt in den Ausbau der Wasserstofftankstellen-Infrastruktur fließen. Bislang erzielt Nikola noch keine nennenswerten Umsätze. Man rechne aber damit, dass die Wasserstofftechnologie in den nächsten Jahren stark im Kommen ist. Das Ziel: 2024 soll ein Umsatz von 3,2 Milliarden Dollar erzielt werden. Nikola setzt aber nicht nur auf Wasserstoff. 2021 soll der Truck in einer batterieelektrischen Variante auf den Markt kommen. Die Ausführung mit Brennstoffzelle soll dann 2023 kommen.

Über die Brennstoffzellen-Technologie und ihr Potenzial haben wir in dieser Podcast-Folge mit unserem Gast Angelika Heinzel gesprochen:

40 Millionen Euro Investment am Ulmer Standort

Zunächst sollen 40 Millionen Euro am UImer Iveco-Standort investiert werden. Das Geld fließt unter anderem in die Modernisierung von Produktionsanlagen. Hauptinvestor ist CNH Industrial. Als weiterer Sponsor tritt Bosch auf. Der deutsche Elektro- und Zulieferkonzern hat mindestens 100 Millionen US-Dollar in Nikola Motors investiert.

In Ulm soll hauptsächlich die Endmontage der Fahrzeuge im Fokus stehen. 2021 rollen dann, so der Plan, die ersten Nikola Tre vom Band. Die Dauerleistung des elektrischen Antriebs belaufe sich auf 480 Kilowatt. Zu den ersten Modellen zählen die batterieelektrischen 4×2- und 6×2-Lkw, deren modulare und skalierbare Akkupacks eine Kapazität von bis zu 720 Kilowattstunden erreichen sollen. Im Nachgang soll dann auch das mit Brennstoffzellen betriebene Tre-Modell in Ulm zusammengebaut werden. Die Markteinführung ist für 2023 geplant. In weniger als 15 Minuten soll das Fahrzeug mit Wasserstoff betankt sein. Nikola steht in direkter Konkurrenz zu Tesla. Das Unternehmen hat einen Semitruck angekündigt, der mit einer Batterieladung 800 Kilometer weit fahren soll.

Baden-Württemberg als Standort für E-Lkws

Ulm und damit auch Baden-Württemberg werden durch die neue Produktion als Standort für die Automobilbranche aufgewertet. Iveco stellt bereits qualifizierte Facharbeiter und technologische Skills. Im Rahmen der Wasserstoffstrategie der Bundesregierung locken zwei Milliarden Euro zur Förderung der Technologie und Infrastruktur.

Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann heißt die Entscheidung willkommen: „Die heutige Entscheidung der Firma Iveco für den Bau des Nikola Tre in Ulm ist ein wichtiges standortpolitisches Signal für den Innovationsstandort Baden-Württemberg.“

Nikola verzeichnet 14.000 Vorbestellungen für den E-Truck

Das Unternehmen Nikola entwickelt elektrisch angetriebene Lkw-Batteriefahrzeuge für mittlere Entfernungen. Des Weiteren beinhaltet das Portfolio Wasserstoff-Trucks für den Schwerlastfernverkehr. Laut Angaben des Unternehmens liegen 14.000 Vorbestellungen für den Elektro-Truck vor. Mit Sponsor Bosch verbindet Nikola bereits eine gute Arbeitsbeziehung. Bosch hat maßgeblich am Antriebsstrang und der Fahrzeugelektronik des Nikola Two mitgewirkt. Mehr zu diesem Projekt, erfahren Sie hier.

Badger Pickup-Truck für ländliche Regionen

Nach der Ankündigung des Tre, veröffentlicht Nikola nun das nächste Modell: mit dem Badger steigt das Unternehmen in das Segment der elektrisch angetriebenen Pickup-Trucks ein. Dieses Modell soll vor allem in den ländlichen Regionen der USA fahren. Nikola setzt damit ein klares Zeichen gegenüber Konkurrent Tesla und seinem Cybertruck. Der Nikola Badger soll mit einem Akku und Brennstoffzellen ausgerüstet sein. Wenn sowohl die Batterie als auch der Wasserstoffspeicher komplett voll sind, erreicht der Pickup-Truck eine Reichweite von fast 1.000 Kilometer. Die rein elektrische Reichweite sowie die per Brennstoffzelle erreichte sollen jeweils rund 483 Kilometer betragen. Sein Debüt feiert das Gefährt im September 2020 auf der Nikola World.

Konkurrent Tesla kündigt Semitruck an

Im zweiten Halbjahr 2020 möchte Tesla die Produktion des Semi langsam anlaufen lassen. Den Tesla Semi soll es in zwei Versionen geben: Eine mit 480 Kilometer Reichweite und einen mit 800 Kilometer Reichweite. Ob der elektrische Semi-Truck schon dieses Jahr auf den Straßen rollt, ist eher fraglich.

Angekündigt hatte Tesla seinen Semi schon 2017.

In Deutschland finden einige Testprojekte für den Betrieb von elektrische Lkw statt. Oberleitungen, die LKW während der Fahrt mit Strom versorgen, gibt es auf einer 5 Kilometer langen Teststrecke zwischen Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck. Diese ist bereits seit Monaten fertiggestellt. In Kürze soll der Abschnitt durch einen pendelnden Hybrid-Laster auf den Prüfstand gestellt werden. Alles zum E-Highway auf der A1 erfahren Sie hier.

Erst kürzlich machte ein weiteres Start-up von sich reden. Hyzon Motors Inc. setzt als Newcomer auf den Brennstoffzellenantrieb. Schon ab November 2020 will das amerikanische Start-up Trucker-Herzen höher schlagen lassen. Dann sollen die ersten Lkws oder Heavy Trucks von Hyzon zur Verfügung stehen. An den Start gehen eine 6 x 4-Zugmaschine sowie ein 6 x 4- und ein 8 x 4-Lkw mit starrem Fahrgestell.

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