Teamfähigkeit

In den 90er Jahren wurden viele deutsche Unternehmen von den namhaften Managementberatungen durchgestylt und rationalisiert. Vorbilder waren die gut funktionierenden amerikanischen und japanischen Unternehmen. Themen wie Leanmanagement, Prozessmanagement, Qualitätsmanagement usw. kamen in Mode. Organisationen mit sehr individuellen Strukturen wandelten sich in Unternehmen nach uniformen Vorbild, zumindest was die interne Aufbau- und Ablauforganisation betraf. Wesentlich waren die neuen Strukturen mit dem Gedanken der „Hand in Hand“-Arbeit verbunden. Die Qualität der Teamarbeit wurde somit zum entscheidenden Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor für die Unternehmen. Da die Vorteile funktionierender Teamarbeit unstrittig sind, wundert es nicht, dass selbst Unternehmen, die keine fundamentale Neuausrichtung mitmachten, sich zumindest die Teamarbeit auf ihre Fahnen schrieben.

Einführung

Allgemeine Beschreibung

Heute nimmt die Teamarbeit in vielen Unternehmen einen hohen Stellenwert ein, zumindest auf dem Papier. Kaum eine Unternehmensphilosophie, eine Imageanzeige oder -broschüre, in der nicht die Teamarbeit als notwendig erwähnt und hoch gelobt wird. Keine Schlüsselqualifikation wurde in den Stellenanzeigen der letzten zehn Jahre mehr gefordert als die Fähigkeit, im Team arbeiten oder ein Team effektiv führen zu können. Alleine die Vermittlung der Vorstellungen „Wir sitzen alle im selben Boot“ oder „Wir ziehen alle am gleichen Strang“ reicht allerdings genauso wenig aus, echte Teamarbeit zu fördern, wie die strikte Anordnung von oben „Ab heute gelten die Spielregeln der Teamarbeit!“

Dass x bunt zusammengewürfelte Stars lange noch kein echtes Team ausmachen, erfahren Profisportclubs in jeder Saison. Wenn Gruppenmitglieder und -führer mehr mit sich selbst, der Außenumgebung oder mit kräfteraubenden gruppendynamischen Prozessen im Team beschäftigt sind, kann keine Spitzenleistung entstehen und sich kein hervorragendes Team entwickeln. Ganz im Gegenteil, die positiven Synergien der Gruppeninteraktion, die mehr als die Summe der Individualleistungen bringen soll, werden neutralisiert.

Echte Teamarbeit findet dort statt, wo eine Gruppe in der Lage ist, effektiv und effizient im Sinne der gesetzten Ziele zusammenzuarbeiten. Es gibt zwar viele theoretische Faktoren, die die Gruppenleistung bestimmen wie Gruppenzusammensetzung, Rolle der Mitglieder, Gruppengröße, Gruppennormen, Gruppenkohäsion, Gruppenentwicklung usw., dennoch entscheiden grundsätzliche Sozialkompetenzen der einzelnen Teammitglieder und des Teamführers über die Leistung der Gruppe. Diese müssen im Bewerbungsprozedere entsprechend präsentiert werden.

Theorie und Praxis

Nur selten sieht die Theorie wie die Praxis und die Praxis wie die Theorie aus.
So können Bücher, Seminare, Fallstudien zu Schlüsselqualifikationen nicht immer vollständig alle praktischen Problemstellungen zu einem Thema und alle speziellen Randbedingungen des einzelnen Arbeitsplatzes berücksichtigen. Ausführungen aus Seminaren und Büchern treffen deshalb so gut wie nie in Reinkultur auf die Praxis zu.

Bei der Anwendung des Gelernten am Arbeitsplatz stellen sich schnell Hürden und Schranken in den Weg. Möchte man die neuen Erkenntnisse dennoch anwenden, bedarf es mehr oder weniger Phantasie. Möglicherweise muss die Reinkultur verlassen und es müssen praxisfähige Abwandlungen, z.B. von Methoden und Instrumenten, kreiert werden. Häufig reicht es auch, die wenigen Punkte aus Büchern und Seminaren herauszufiltern und anzuwenden, die in der Praxis am ehesten weiterhelfen.

Die obige Erkenntnis sollte nicht übersehen werden, geht es in der Bewerbung um die Fähigkeiten zu den einzelnen Schlüsselqualifikationen. Sicherlich können die umfangreich dargestellten Fähigkeiten nicht komplett im Bewerbungsprozedere untergebracht werden. Das Studium der Schwerpunkte soll aber zu einer höheren Sensitivität für die Qualifikation führen. Danach muss jeder selbst entscheiden, welche Punkte für den beworbenen Arbeitgeber bedeutend sein könnten, welche er davon aufgreifen möchte und ob er dies in der schriftlichen Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch macht.

Bezeichnungen

Im Stellenangebot stehen in der Regel die Beschreibung der Aufgaben sowie die fachlichen Voraussetzungen des Bewerbers im Mittelpunkt. Anforderungen, die mehr die Persönlichkeit betreffen, werden meist in einem Katalog sich aneinanderreihender Begriffe im unteren Teil der Anzeige gebracht. Die Begriffe Teamführung und Teamarbeit werden dabei direkt genannt oder mit Begriffen umschrieben wie: Teamfähigkeit, Teamgeist, Teamorientierung, Kooperationsfähigkeit, Moderationsfähigkeit, Integrativer Führungsstil.

Bezeichnungen

Die nachstehenden Ausführungen zeigen Ihnen, worüber Sie im Bewerbungsprozedere schreiben und sprechen sollten, um Fähigkeiten zur Teamarbeit und Teamführung nachzuweisen.

Schlüsselqualifikation

Schwerpunkt 1

Persönliche Einstellung und Eigenschaften

  • Wille, Kollegen und Mitarbeiter kennen zu lernen und sich über deren Tätigkeiten, Qualifikationen, Bedürfnisse usw. intensiv auszutauschen (Kommunikationsfähigkeit, Kontaktstärke)
  • Einsicht, dass komplexe Aufgaben nur mit Qualifikationen/Erfahrungen aller Teammitglieder (inkl. Führer) effizient gelöst werden können
  • Fähigkeit, andere Menschen, deren Persönlichkeit, Leistungen und Meinungen zu respektieren, tolerieren, akzeptieren
  • Bereitschaft, eigene Meinungen und Lösungsansätze partiell oder zugunsten des Teamkonsens zurückzunehmen (Kompromissfähigkeit)
  • Bekenntnis zum Grundsatz der Gleichberechtigung innerhalb des Teams und der
  • Gleichbehandlung von Teammitgliedern seitens des Vorgesetzten
  • Absicht, das gesamte Team oder die einzelnen Teammitglieder nach besten Kräften zu unterstützen und Fehler des Teams aufzufangen
  • Spass, gemeinsam an Problemen zu arbeiten, Ideen und Lösungen zu finden und die Teamarbeit zu verteidigen, Freude am Teamerfolg
  • Als Teamführer und -mitarbeiter sich zurücknehmen können, nicht die „erste Geige“ spielen wollen, „koste es, was es wolle“, zuhören können

Schwerpunkt 2

Gemeinsam Ziele festlegen

  • Teamführer schwört Team auf eine vorgegebene Aufgabe/Projekt ein und vermittelt seinen Glauben an das Team und dessen Fähigkeiten
  • Teamführer gibt die unternehmerischen Rahmenbedingungen bekannt, die fortwährend bei der Zielplanung im Auge zu behalten sind
  • Teamführer und Team entwickeln gemeinsam Team- und Mitarbeiterziele und verpflichten sich den Zielen und Werten (Identifikation schaffen)
  • Gemeinsames Strukturieren und Planen von Aufgaben/Projekten:Leistungen, Abläufe, Zeiten, Meilensteine Termine, Ressourcen, Kosten
  • Unterschiedliche Zielvorstellungen auf einen Nenner bringen, damit alle an einem Strang und in die gleiche Richtung ziehen!
  • Vermeiden, dass der Vorgesetzte alleine Ziele aufstellt und das Team lediglich für deren Erreichung verantwortlich gemacht wird
  • Mitarbeiter verpflichten sich Teamzielen, wenn diese klar sind, Bedeutung haben und eine Sache betreffen, auf die sie Einfluss nehmen können
  • Ziele werden im Team aufgestellt, modifiziert, aktualisiert, verworfen und die Zielerreichung wird gemeinsam kontrolliert und gesteuert
  • Bereitschaft und Fähigkeit sich selbst höhere Ziele zu setzen als von Außen vorgegeben, Voraussetzung: Umgebung, die dieses unterstützt
  • Jeder hat das Ziel im Auge und jeder schöpft sein Potenzial im Sinne des Teams und der Zielsetzung voll aus

Schwerpunkt 3

Gemeinsam Aufgaben erledigen

  • Jeder erhält klare Aufgaben zugewiesen, wobei viele einzelne Aufgaben kontinuierlich abgestimmt werden müssen, Arbeitsteilung muss geplant werden!
  • Für eine optimale Aufgabenerfüllung muss der Teamführer Einflüsse von Außen steuern, so dass niemand von der Arbeit abgehalten wird!
  • Der Teamführer stellt alle Mittel zur Zielerreichung bereit und gibt die Spielregeln bekannt, unter denen die Ergebnisse erzielt werden sollen
  • Um das gesamte Know-how des Teams zu nutzen, ist auf vorgefertigte Standardansätze zu verzichten, situatives Denken und Handeln ist gefragt
  • Teammitarbeiter müssen motiviert und bereit sein, Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen einzusetzen und neue dazuzugewinnen
  • Arbeitsergebnisse werden als Teamergebnis nach Außen dargestellt und nicht als „genialer Streich“ des Teamführers
  • Teams werden häufig aufgaben- bzw. projektbezogen zusammengestellt,bei der Aufgabenerledigung ist dabei höchste Flexibilität im zwischenmenschlichen Umgang gefragt
  • Zusammenarbeit mit Abteilungen, anderen Unternehmen der Gruppe,Dienstleistern, Kunden, Behörden, Forschungsinstituten usw.

Schwerpunkt 4

Teamorientierter Arbeitsstil

  • Bereitschaft, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen sowie Selbstbewusstsein, selbständig und im Team Entscheidungen zu treffen
  • Konzentration auf hohe Leistungen, ständige Leistungssteigerung (auch unter widrigen Umständen), Einbringen von Verbesserungsvorschlägen
  • Bewusste Entscheidung, Wissen und Erfahrungen vollständig dem Team/ Unternehmen zur Verfügung zu stellen und kontinuierlich dazuzulernen
  • Meinungen und Arbeitsergebnisse anderer Teammitglieder anhören, aufgreifen, weiterentwickeln und ans Team zurückgeben – statt zu „killen“
  • Vermeiden von Drückebergerei, Eigenbrödelei, Konkurrenzdenken, Egoismus, Ignoranz, Scheuklappenmentalität, Kritik an Personen, Machtbeanspruchung und Machtkämpfe im Team
  • Förderung der offenen Interaktion, des gegenseitigen Verständnisses, der regelmäßigen Kontakte und des freien Informationsflusses im Team
  • Bereitschaft, die gesamte Teamaufgabe zu erlernen und sich für alles verantwortlich zu fühlen, was im Team passiert
  • Aneignen von Fakten, Zahlen, Kosten im Unternehmen und Erkennen, wie die eigenen Handlungen diese beeinflussen können
  • Ungeduld gegenüber ungelösten Problemen, Entschuldigungen, Verspätungen, Ablenkungen, schlechter Vorbereitung, Mangel an Konzentration und Aufmerksamkeit, Leistungszurückhaltung
  • Mitwirkung bei der Aufstellung der Spielregeln, Anerkennen und Einhalten der Spielregeln des Teams

Schwerpunkt 5

Teamorientierter Führungsstil

  • „Ein guter Führer wird nicht bemerkt!“ Lao Tse, chinesischer Philosoph. Er kann sich zurücknehmen und die Humanressourcen des Teams nutzen.
  • Formulieren klarer Ziele, Schaffen eines „freien“ Informationsflusses in alle Richtungen, Beteiligen der Mitarbeiter an der Entscheidungsfindung
  • Teamführer versteht sich als Vorbild, Initiator, Motivator, Coach. Er muss alles sehen, vieles übersehen und ein wenig korrigieren.
  • Teamführer gibt nicht auf alles selbst eine Antwort, versteht sich nicht als „Rotstift“ und Besserwisser, entscheidet nicht alles selbst
  • Glaubhaft vermitteln, dass die Sache im Mittelpunkt steht, nicht das eigene Ego und das durch Teamarbeit nur gewonnen werden kann
  • Aus x Personen wird ein Team gebildet, Selbstvertrauen der Mitarbeiter zur Verantwortungsübernahme und ihnen Freiheiten zu entscheiden eingeräumt
  • Gespür für Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen, Erkennen von fehlendem Teamgeist, Zurückführen des Teams zur Gemeinschaftsarbeit
  • Klarstellen, dass Beiträge aller wichtig sind und Eingeständnis, dass Fähigkeiten und Erfahrungen aller Teammitglieder benötigt werden
  • Teamarbeit zum Dauerzustand machen, unabhängig von der Aufgabe, ständige Weiterentwicklung der Teamarbeit, Teamarbeit trainieren
  • Mitarbeiter sind Berater, die genau wissen, wo es im Unternehmen hakt, wo rationalisiert werden kann und welche Maßnahmen zu ergreifen sind

Nachweis im Bewerbungsprozess

Nachweis im Anschreiben

Fünf bis sieben der wichtigsten Aufgaben und Anforderungen aus der Stellenanzeige sollten im Anschreiben aufgegriffen und abgehandelt werden.
Zunächst geht es darum, die fachlichen Anforderungen abzuarbeiten. Manche Anzeigen stellen die fachlichen Anforderungen nur knapp dar. So bleibt im Anschreiben Platz, um auf Anforderungen zur Persönlichkeit einzugehen. Da diese meist in einem Katalog von Begriffen herunter gebetet werden, fällt es zunächst schwer zu entscheiden, welche Anforderungen im Anschreiben auf welche Art und Weise angesprochen werden sollen. Teamfähigkeit und Teamorientierung sind die in den Stellenanzeigen am meisten gefragten Persönlichkeitsmerkmale von Fach- und Führungskräften und sollten deshalb auf jeden Fall angesprochen werden. Es muss dabei nicht bei der bloßen Behauptung bleiben, z.B. „Ich zeichne mich durch ein hohes Maß an Teamfähigkeit aus.“ Der Bewerber sollte sich bewusst im Anschreiben Platz nehmen, seine diesbezüglichen Fähigkeiten weiter zu detaillieren „Mein Führungsstil ist … . In meiner Rolle als Moderator und Coach gelang es mir bislang stets, die Humanressourcen der von mir geführten Teams optimal im Sinne des gemeinsamen Zieles auszuschöpfen.“

Nachweis im Lebenslauf

Im Lebenslauf fällt es leichter, Qualifikationen zur Teamarbeit und Teamführung anzusprechen. Bei den Berufsstationen sollten fünf bis sieben wichtige fachliche Tätigkeitsschwerpunkte dokumentiert werden. Worte, die auf Teamarbeit und Teamführung abzielen, können bei den Studien- und Berufsstationen durchaus eingebracht werden: Diplomarbeit als Teamarbeit, Mitglied des Kernteams, Leitung des Projektteams, Führung interdisziplinärer Teams usw.

Andererseits ist die Frage, ob nicht ein Schwerpunkt dem Führungs- bzw. Arbeitsstil gewidmet werden sollte, z.B.: „Teamarbeit und Teamführung“.
Gerade aufgrund ihrer Bedeutung sollten Teamarbeit und Teamführung im Lebenslauf nicht zu „schmal“ dokumentiert werden.

Last but not least sollten unter dem Schwerpunkt „Weiterbildung“ Seminare und Coachings zur Teamarbeit und Teamführung aufgeführt werden.

Nachweis auf der dritten Seite

Manche Bewerber fügen dem Lebenslauf eine „Dritte Seite“ bei, auf der sie hauptsächlich die Fragen abhandeln: Wer bin ich? Was will ich? Was kann ich? Unabhängig, vom Sinn oder Unsinn einer solchen Seite, sollten Ingenieure auf jeden Fall die Themen Teamführung und Teamarbeit ansprechen. Bei der Frage „Wer bin ich?“ werden in der Regel Persönlichkeitsmerkmale aufgeführt. Dazu kann jetzt eine kleine Auswahl von Begriffen gebracht werden, die auf professionelle Teamführung oder Teamarbeit schließen lässt und den Personalern aus den Anzeigen bekannt vorkommen:

Integrierende Führungsperson, Moderieren von Teams, Kooperativer Führungsstil, Teammotivator, Arbeit in interdisziplinären Teams, Kompromissfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Teamorientierte Arbeitsweise

Andererseits können aber auch einzelne oben aufgeführte Ausführungen zur Schlüsselqualifikation gebracht werden, z.B.: Als Teamführer verstehe ich es, klare Ziele zu formulieren, einen „freien“ Informationsflusses im Team und nach Außen zu schaffen und die Mitarbeiter an der Entscheidungsfindung zu beteiligen.“
Möglicherweise legt sich der Bewerber aber hier schon zu stark auf Details fest, die man im Unternehmen dann doch anders sieht und wünscht.

Nachweis in den Unterlagen

Bei den Bewerbungsunterlagen steht mancher vor der Qual der Wahl, geht es darum Seminar-, Trainings- und Schulungsbescheinigungen beizufügen. Kandidaten sollten auf jeden Fall Nachweise zu Seminaren, Trainings, Coachings zum Thema Teamarbeit und Teamführung beilegen.

Nachweis im Qualifikationsprofil

Im Qualifikationsprofil stellt der Bewerber neben einer Kurzbiographie in vier oder fünf Schwerpunkten seine Berufserfahrung dar. Im Rahmen der Kurzbiographie kann eine Zeile den gesamten Persönlichkeitsmerkmalen gewidmet werden. Hier gilt es, einen interessanten Mix zusammenzustellen, in dem unbedingt auch Begriffe aus der Teamarbeit und der Teamführung fallen sollten. Hier ein Beispiel für einen solchen Mix: team- und kompromissfähig, kommunikations- und kontaktstark.

Nachweis im Vorstellungsgespräch

Die Themen Teamarbeit und Teamführung werden im Vorstellungsgespräch oft direkt angesprochen. Dies gilt umso mehr, je stärker diesbezügliche Anforderungen in der Stellenausschreibung betont werden. Sie werden dann sicherlich bei der Gesprächsauswertung eine wichtige Rolle spielen. So wird beispielsweise gefragt, ob dem Kandidaten der geforderte teamorientierte Führungsstil oder das Arbeiten im Team zugetraut wird. Daher sollte der Ingenieur die Themen von sich aus in seine Antworten einbauen. Das gelingt dort besonders gut, wo der Kandidat Ausführungen zu bestimmten Tätigkeiten und Projekten macht. Hier kann er Hinweise bringen, wie er Aufgaben grundsätzlich angeht, die Stichworte aus der Anzeige aufgreifen und abhandeln. Er kann aber auch selbst Fragen zu den Anforderungen stellen und sie somit vertiefend ins Spiel bringen.
Eines muss aber in der heutigen Zeit auch jedem Bewerber klar sein: Unternehmen sind weiter denn je entfernt, soziale Einrichtungen zu sein. Unter dem Begriff „Teamfähig“ versteht man landläufig nicht einen „weichen Mitarbeiter“ oder eine „weiche Führungskraft“. Daher wundert es nicht, dass die Schlüsselqualifikation „Durchsetzungsstärke“ heute immer mehr in Mode kommt und möglichst im gleichen Atemzug wie die Teamfähigkeit aufgeführt wird. Der „Sozialonkel“ oder die „Sozialtante“ kommen im Vorstellungsgespräch daher gleichfalls nicht gut an. Betont werden muss prinzipiell also sowohl die eine und auch andere Komponente: Teamfähig aber durchsetzungsstark!

Nachweis in der Praxis

Teamarbeit, Teamfähigkeit und Teamführung von einer neuen Kraft zu fordern, ist eine Seite. Das heißt aber lange noch nicht, dass auch wirklich echte Teamarbeit im Unternehmen gefragt ist, gefördert und praktiziert wird. Es sollte in der Probezeit daher zunächst einmal beobachtet werden, wie teamorientiert es in der neuen Organisation wirklich hergeht. Welches Ausmaß der Teamarbeit wird praktiziert? Welche Spielart wird angewendet? Nach welchen Spielregeln läuft die Teamarbeit ab? Sind die Mitarbeiter und Führungskräfte echte Teamarbeiter? usw. Nach den Ergebnissen kann die neue Fach- oder Führungskraft jetzt ihr eigenes Verhalten mehr oder weniger teamorientiert gestalten.

Für neue Führungskräfte im Unternehmen ist vor Anwendung eines teamorientierten Führungsstils genau zu prüfen, wie „reif“ die Mitarbeiter sind. Wenn eine Gruppe zuvor sehr autoritär geführt wurde, müssen die Mitarbeiter erst einmal zu Selbstvertrauen und Selbständigkeit zurückfinden, um dann Verantwortung im Team und für das Team übernehmen zu können. Hier ist möglicherweise eine Menge an Entwicklungsarbeit zu leisten.

Manchmal entpuppt sich die vermeintlich teamorientierte Organisation als knallhartes Unternehmen, in der der klassisch autoritäre Führungsstil bevorzugt wird. Die Leitwölfe werfen sich im Vorstellungsgespräch oder auch in der täglichen Praxis gerne in den Schafspelz und genießen es, über ihre zeitgemäße teamorientierte Arbeitswelt zu referieren. Eigen- und Fremdbild weichen eben auch bei Führungskräften hin und wieder stark voneinander ab.

In der Probezeit ist allerdings im hohen Maße Teamverhalten des Newcomers angesagt. Nur so erhält er wichtige und viele Informationen zu den Projekten, der Arbeitsweise, dem sozialen und machtpolitischen Umfeld des Unternehmens, den Spielregeln usw. Außerdem kann er sich auf diese Weise eine Lobby aufbauen, Promotoren und Sponsoren gewinnen. Dabei gilt das Prinzip: Nicht nur nehmen, auch geben! Es sollte den Informationslieferanten und Förderern helfend unter die Arme gegriffen werden, wo dies gewünscht ist, damit die Quellen nicht versiegen.

Bedeutung

Fach-/Management Laufbahn

Keine Frage, für Fachkräfte ist es (fast) immer angenehmer, in einem gut gelaunten und gut funktionierendem Team zu arbeiten, dass Erfolge produziert. Wer sich hier nahtlos integriert, wird sehr schnell neue Freunde im Team gewinnen und gut im Unternehmen zurecht kommen. Möglicherweise geht jedoch die starke Integration zu Lasten der Selbstprofilierung. Der einzelne geht im Team unter und wird möglicherweise bei Beförderungsaktionen nicht gebührend berücksichtigt. Neben echten Teamaufgaben sollte sich ambitionierte Fachkräfte daher immer wieder für Aufgaben anbieten, bei denen es möglich ist, stärker das eigene Leistungsvermögen zu unterstreichen und eine gewisse Selbstdarstellung zu betreiben.

Bei Führungskräften, die zu sehr den „Sozialonkel“ für das Team heraushängen lassen, lauern andere Gefahren. Sie werden schnell als „Weichei“ verschrieen. Es gilt, die diesbezüglichen Vorurteile abzubauen. Das geht am besten, wenn sich der Teamführer im Umgang unter seines gleichen hin und wieder „als harte Nuss“ zeigt, der man durchaus einiges zutraut und Respekt zollt. Das Prinzip „Nach unten weich, nach oben hart!“ kann zu einer erfolgreichen Karriere beitragen. Die meisten Führungskräfte verfahren umgekehrt, zeigen sich dem Team gegenüber hart und knicken nach oben ein, was dann weniger karriereförderlich ist, das Team demontiert und die Durchsetzungsfähigkeit bei Vorgesetzten in Frage stellt.

Berufsfeldspezifische Bedeutung

Teamfähigkeit“ lässt sich anhand einer Auswertung von rund 4.000 Stellenanzeigen, die im Jahr 2012 auf ingenieurkarriere.de geschaltet wurden, ableiten. In den Stellenanzeigen wurde nach Begriffen gesucht, die direkt auf die jeweilige Schlüsselqualifikation abzielen. Demnach zeigte sich für die Schlüsselqualifikation „Teamfähigkeit“ folgendes Ergebnis:

Sehr hohe Bedeutung

  • Qualität, Material- und Güteprüfung
  • Konstruktion

Hohe Bedeutung

  • Forschung und Entwicklung
  • Wartung, Instandhaltung, Inbetriebnahme
  • Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Anlagensicherheit
  • Montageorientierte Produktion/Verfahrenstechnische Produktion
  • Produktmanagement
  • Projektmanagement
  • Technischer Einkauf
  • Logistik (Produktion, Vertrieb, Einkauf)
  • Forschung und Lehre
  • Technischer Vertrieb, Technisches Marketing

Mäßige Bedeutung

  • Technische Unternehmensleitung/Geschäftsführung

Unter den 11 ausgewerteten Schlüsselqualifikationen nimmt die Schlüsselqualifikation „Teamfähigkeit“ Rang 4 ein. Dies ist eine sehr gute Position, die die Bedeutung von Teamarbeit in Unternehmen aufzeigt. In vorherigen Auswertungszeiträumen landete diese Schlüsselqualifikation stets auf Platz 1. Daraus ist zu schließen, dass die Teamfähigkeit zwar nach wie vor stark gefragt ist, andere Schlüsselqualifikationen wie Internationalität, Kommunikationsstärke und Projektmanagement jedoch erheblich an Bedeutung zugelegt haben und daher die Plätze 1 bis 3 belegen.Für die Berufsfelder „Engineering im Anlagenbau“, „Controlling/Kalkulation/Projektierung“ und „Facility Management“ gab es keine gesonderten Auswertungen. Die Berufsfelder „Engineering im Anlagenbau“ und Controlling/Kalkulation/Projektierung“ lassen sich wohl am ehesten mit dem Berufsfeld „Projektmanagement“, das Berufsfeld „Facility Management“ mit dem Berufsfeld „Wartung, Instandhaltung, Inbetriebnahme“ auf eine Stufe bringen.

Weiterbildungsmöglichkeiten

Seminare/Schulungen/Coaching

Teamarbeit und Teamführung können nicht verordnet werden. Sie müssen in der Gruppe gelernt und praktiziert werden. Dazu dienen Seminare und Coachings. Das Lernen beginnt mit Einsichten zum eigenen Führungs- und Arbeitsstil. Meist ernüchternd ist dabei die Spiegelung des eigenen Verhaltens in der Interaktion mit anderen. Zudem werden Spielregeln der Teamarbeit vermittelt und geübt. Als hilfreich erweisen sich Teamtrainings in Form von Outdoor-Seminaren. Segeltörns und Ruderbootfahrten sind dabei häufig verwendete Spielarten. Spektakulärer geht es schon beim Überlebenstraining der Gruppe in freier Wildbahn oder der gemeinschaftlichen Überquerung eines Canons in schwindelerregender Höhe zu. Einschlägige Seminare werden von vielen Weiterbildungsinstitutionen angeboten und mit Vokabeln wie Teamtraining, Kooperationstraining, Arbeiten im Team, Teambuilding, Teamentwicklung, Teamcoaching, Teamführung u.ä. überschrieben. Inhaltlich unterscheiden sich die Seminare wenig, da die Regeln zur erfolgreichen Zusammenarbeit feststehen. Letztlich hängt der Erfolg des Seminars vom Trainer, dessen Erfahrungen sowie von der Qualität der Übungen ab.

Im Einzelcoaching stehen andere Themen im Mittelpunkt wie Gruppenangst – Ursachen erkennen und abbauen, typische Probleme bei der Verschmelzung des Einzelnen mit der Gruppe, Erkennen und Abstellen von individuellen Kommunikations- und Kooperationsbarrieren, die eigene Rolle in der Gruppe usw.

Literatur

Die Literatur zu den Themen Teamarbeit und Teamführung ist umfangreich. Das Literaturstudium vermittelt grundlegenden Erkenntnisse und Einsichten.
Dennoch bleibt hier jede Theorie grau. Reißende Wölfe verwandelt nicht alleine die pure Information in zahme Lämmer. Ohnehin werden viele Leser beim seichten Literaturstudium im kuscheligen Sofa schnell zum Ergebnis kommen, selbst die besten Teamarbeiter zu sein. Bücher haben dennoch ihren Wert. Sie führen Vorteile und Spielregeln der Teamarbeit dem Leser vor Augen und zeigen, was es Unternehmen kostet, auf diese Form der Zusammenarbeit zu verzichten.

Hier eine kleine Auswahl empfehlenswerter Bücher:

  •  Pohl, Michael; Witt, Jürgen, Innovative Teamarbeit, SAUER
  •  Goleman, Daniel u.a., Emotionale Führung, Ullstein Taschenbuchvlg.
  •  Meier, Rolf, 30 Minuten Teamarbeit, Gabal Verlag
  • Rothe, Heike, Virtuelle interkulturelle Teamarbeit, VDM Verlag Dr. Müller
  • Abraham, Kiryo, Kommunikation und Information als Grundlage erfolgreicher Teamarbeit, GRIN Verlag

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